Als Diktiergerät zu schade: Sony PCM-D1

Das Sony-Ding hier sieht genau so aus, wie Dinge für echte Männer eben aussehen müssen: technisch, hart, sehr professionell und ein wenig oldschool. Revox Verstärker beispielsweise, die waren mal so. Bespickt mit Zeigerdisplays, die ja so ungleich viel präziser rüberkommen als diese flackernden Lichterlinien, die nur grob zwischen grünem und rotem Bereich unterscheiden.

Dieses Baby soll jedenfalls eine sa-gen-haf-te Tonqualität hergeben (lieber Herr Sony, schick mir bitte eins zum Ausprobieren! Und dann noch welche für meine Freunde…), zwei integrierte Kondensatormikros, eine Aufnahmequalität von 96k-24bit und 4GB internen Speicher. Läuft mit zwei AA Batterien und hat ein scheißcooles Titaniumgehäuse. 2000 Schleifen dafür. Korrekt. [bda]

  1. Frage mich, was dieses Gerät soll. Sony hat mal professionelle Aufnahmegeräte hergestellt, viele Radioleute sind mit Sony-Cassettenrekordern losgezogen. Die DAT-Geräte waren auch noch ganz brauchbar. Und jetzt? Auf der Sony Website findet man unter Professional (!) Audio zwei MD-Rekorder und obenstehendes Gerät. Hilfe, das können die nicht ernst meinen. Die MD-Rekorder sind für gelegentlichen Gebrauch ganz nett, aber nicht wirklich Pro: keine XLRs mit Phantomsp., manuelle Pegelung umständlich, Übertragung nur mit Sony-Software ohne jede Datenrettungsmöglichkeit bei Pannen, usw. usw. … Und was soll dieses Spielzeug? Titangehäuse, so ein Sch… Keine vernünftigen Geräte mehr, nur weil irgendwer damit so easy Livekonzerte u. ä. mitschneiden und digital unters Volk bringen könnte? Bye bye, Mr. Sony. Müssen wir eben weiter das klobige Fostex mitschleppen. Ist wenigstens wirklich Pro und sogar noch billiger. Irgendwie versteh ich das alles nicht mehr wirklich.

  2. Eklatanter Konstruktionsfehler! Das Gerät ist für einwandfreie Stereo-Aufnahmen völlig ungeeignet. Die zwei eingebauten Kondensatormikrophone besitzen eine falsche Anordnung. Für das X/Y- Stereoaufnahmeverfahren (Koinzidenz-Stereophonie) ist es von größter Wichtigkeit, daß die beiden zueinander angewinkelten Mikrophonkapseln übereinander angeordnet sind, damit keine Laufzeitunterschiede auftreten. Die Anordnung der beiden Mikrophonkapseln beim PCM-D1 führen zu einem Kardinalfehler, der allenfalls unerfahrenen Amateuren unterläuft: Eine seitlich befindliche Schallquelle trifft in dieser Anordnung zuerst auf die Kapsel auf, deren Richtcharakteritik nicht auf diese Seite gerichtet ist, sondern auf die Kapsel, deren Richtcharakteristik auf die gegenüberliegende Seite gerichtet ist! Dadurch kommt es zu erheblichen Phasenverschiebungen und Kammfiltereffekten bis hin zu Auslöschungen. Ein diplomierter Konstrukteur kann hier jedenfalls nicht am Werk gewesen sein!

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