Das Ende der Flammenkriege?

Schlechte Manieren schleichen sich immer ein. Nur eine Frage der Zeit. Das Internet ist voll davon. Trolltum allerorten. Aber ob es was nützt, da mit dem gesetzlichen Zeigefinger zu drohen? Wohl kaum. In den Vereinigten Staaten ist am Donnerstag eine Vorlage des Kongress per präsidentischem Servus zum Gesetz erhoben worden. Ein Gesetz, das besagt, dass derjenige mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden kann, der sich in unflätiger Weise, ja, vielleicht sogar gemeiner, beleidigender Art über jemanden in einem Internet-Forum oder in Kommentaren äußert. Es heißt dort, dass es ganz besonders verwerflich sei, dies ohne Bekanntgabe seines (wahren) Namens zu tun...

Da wird durchgegriffen. Da staunen wir. Über so viel Hirnschmalz das in ein Gesetz geflossen ist, dass aller gesunder Verstand völlig verklebt und bewusstlos durch den daraus resultierenden Sauerstoffmangel am Boden liegt. Dass man etwas gegen ernsthaftes Cyberstalking unternehmen möchte – schön und gut. Aber es dann bei der völlig schwammigen Vokabel “to annoy” zu belassen, die sowohl “verdrießen” als auch “stören” oder “belästigen” heißen kann, ist schwach. Was mich stört kann schließlich einem anderen total egal sein…
Und: Ist das bereits die erste Welle an Gesetzesneuerungen, die auf das George-Gillespie-(Ohio)-gegen-AOL-Verfahren reagiert, über das der Bootsektor neulich schrieb? Die Beteiligten wähnten sich in diesem Fall wohl so sehr auf sicherer Seite (Meinungsfreiheit, Redefreiheit), dass sie noch nicht mal dran dachten, sich ulkige (satanische? geekige?) Namen auszudenken. Wer also seine beiden Gehirnzellen zur Zusammenarbeit bewegen kann, denkt sich halt künftig was aus.

Letztendlich wird sich nichts ändern. Außer, dass durch solche Gesetze der Staatsgewalt ein paar mehr Möglichkeiten an die Hand gegeben werden sollen, unliebsame Bürger zu kriminalisieren. Aber wie gesagt: Auch der dümmste Troll findet ein Alias. Wahrscheinlich. [bda]

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