Sunday Morning

Fairplay beherrscht die Welt. Oder besser nicht. Ausgerechnet in der Woche des Day Against DRM hat das System, mit dem Apple iTunes-Songs an Apple-Hardware koppelt, punkten können. Zum einen geizt das Wall Street Journal nicht mit Lob, zum anderen hat der ansonsten mit dem Image des Rebellen kokettierende DVD Jon beschlossen, selbst ein wenig an den Nutzungseinschränkungen mitzuverdienen, die Fairplay so mit sich bringt.
Nun verleitet die Vision, dass noch mehr Content mit Fairplay versehen wird, zwar nicht unbedingt zum Hurra-Schreien, aber andererseits ist es beruhigend zu sehen, dass dieses DRM immer öfter entschlüsselt wird und sich so als genauso brüchig erweist wie jeder andere Versuch, per DRM Nutzungsbedingungen zu diktieren. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch wir produzieren hier Content, und die Position, dass alles gratis sein muss, halte ich für grundfalsch, weil es dann keine Basis mehr gibt für alle, die Inhalte welcher Art auch immer herstellen. Und ehrlich gesagt ist der Amateur-Enthusiasmus, der YouTube regiert, eine Zeitlang nett, aber irgendwann hat man doch vom Dilettantismus genug.
Was wirklich benötigt wird, ist ein Fair-Use-Modell, das die Interessen sowohl von Anbietern als auch von Käufern berücksichtigt und nicht eins, das einseitig diktiert wird - entweder durch DRM oder durch leicht pubertäre Piratenromantik. Interessanterweise (und für die bemerkenswert kritiklosen Mac-Fans vielleicht am unangenehmsten) könnte Microsoft hier gewinnen. Dort ist das Interesse an einer DRM-Durchsetzung nämlich nur sehr mäßig ausgeprägt, und in welcher Form Musik auf Zune und andere Geräte kommt, ist von geringerer Bedeutung, da Microsoft allem Anschein nach gar keine iTunes-Kopie aufbauen, sondern dieses Geschäft anderen Partnern überlassen will. Und liberalere DRM-Modelle als Fairplay könnten sich da durchaus als Vorteil beim Kampf um den Kunden erweisen.

[dj]

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