Waschen mit wenig Wasser (aber mit viel Plastik)


Britische Forscher haben eine neuartige Waschmaschine entwickelt, die eine ganze Trommel voll Wäsche mit nur einer Tasse Wasser sauber kriegen soll. Neben dem bisschen Wasser benötigt sie dazu allerdings noch jede Menge Plastikchips, welche den Schmutz der vom Wasser gelöst wird aufnehmen sollen. Die Maschine soll angeblich in der Lage sein, diese Chips am Ende des Waschvorgangs wieder aus der Wäsche zu filtern (das muss auch sein, wer will schon kleine Plastikstückchen aus seinen Socken oder Pullis pulen?). Die Chips können etwa 100 mal wieder verwendet werden und müssen dann ausgetauscht werden (und das hört sich für mich nach einer enormen Menge Müll an, 20 Kilo dieser Plättchen braucht die Maschine pro halbes Jahr!). Schon im nächsten Jahr könnten Maschinen dieses Typs (die Technologie wird als Xeros bezeichnet) in den Läden stehen – und zwar zum gleichen Preis wie herkömmliche Waschautomaten. Doch wer plant, sich so ein Ding zuzulegen, sollte sich nicht einreden lassen...
twospinsmall.jpg... damit aktiv etwas gegen die globale Wasserkrise zu tun. Wer das tut, ist schlicht einer nervigen Werbestrategie auf den Leim gegangen. Denn das Prädikat umweltfreundlich wird gerne mal an Haushaltsgeräte geklebt, die weniger Wasser verbrauchen als andere Geräte des gleichen Typs. Doch mit der globalen Wasserkrise zu argumentieren ist völliger Unsinn, global macht die Nahrungsmittelherstellung den Löwenanteil des Wasserverbrauchs aus, er liegt bei etwa 70 Prozent. Regional und im städtischen Bereich macht Wasser sparen beispielsweise in einigen Gegenden Südeuropas Sinn, in Deutschland gibt es nur sehr sehr vereinzelt Gebiete mit Wasserknappheit. Wer hier in Deutschland also Wasser spart, der tut das in allererster Linie für den eigenen Geldbeutel (was ja auch völlig OK ist), und nicht als Ausdruck globalen Engagements. [bda]

[via gizmodo, dailymail]

  1. wiegt denn der plastikmüll, der pro jahr erzeugt wird, finanziell u von der öko-bilanz her nicht schwerer, als es das wasser einer herkömmlichen sparsamen maschine tun würde? so aus dem bauch raus… immerhin koppelt man sich damit an den plastik-chip-hersteller…

  2. Genau das wollte ich andeuten! Allerdings bin ich mir nicht klar, ob die Chips nicht wieder aufbereitbar sind. Dann wären sie zwar nicht Müll, aber vermutlich würde das wiederum einen enormen Wasserverbrauch bedeuten.

  3. Hm, also ich bezweifele mal das man einen becher wasser so gleichmßig auf einem knäuel Wäsche verteilen kann das auch tatsächlich alles an schmutz angelöst wird.
    Demnach halte ich die Funktionstüchtigkeit mal für ein Gerücht. Dazu kommt noch die Frage wie zum henker man feste bestandteile (die plaste-chips) aus dem wäscheknäuel herausholen will… trocken versteht sich, ausspülen zählt ja nich (1becher…).
    Die Chips dürften sich überall und in jeder möglichen ritze verstecken.
    Äquivalent ist hier vermute ich das vergessene taschentuch… die krümeligen überreste findet man ja auch überall…

  4. Wasser sparen ist auf alle Fälle sinnvoll, und das nicht nur um den eigenen Geldbeutel zu schonen. Die Argumentation der Anteil am Wasserverbrauch ist zu gering erinnert mich ziemlich an die fadenscheinigen Erklärungsversuche von Rauchern, welche auch gerne auf den Straßenverkehr als Hauptluftverpester verweisen und sagen „sollen die doch zuerst“.
    Nur weil es noch ein größeres Problem gibt, heißt das noch lange nicht, dass man nicht auch etwas gegen die „Problemchen“ unternehmen muss. Parallelität ist das Stichwort der Stunde. Im Prinzip muss ein ganzer Katalog an Maßnahmen erstellt werden um *unsere* Umwelt zu entlasten; dass wir dabei dann nur einen geringen Teil unseres Komforts aufgeben müssen ist ein „Bonus“.
    Zudem verbraucht man nicht nur Wasser, sondern auch Energie (Pumpen, Aufbereitungsanlagen, Boiler …).

    Nichtsdestotrotz ist das hier vorgestellte Konzept wohl ziemlich für die Katze. Bei der Herstellung und Wiederaufbereitung von Plastik werden auch wieder Unmengen an Wasser und Energie verbraucht.

  5. so schlaue tricks – unter dem motto der umweltschonung – gibts inzwischen überall – neulich in nem möbelhaus den aufkleber auf einem heissluft-händetrockner gesehen „der umwelt zuliebe – ohne papier. (was mit dem stromverbrauch und entsorgung der geräte gegengerechnet werden müsste) aber auf alle fälle den geldbeutel des betreibers schont – kein lästiges nachfüllen durchs personal + kein einkauf …, lagerhaltung …

  6. Womit einmal mehr bewiesen wäre, dass man im Zuge des allgemeinen Klimawandel-Hypes so ziemlich jeden Müll an den umweltbewussten Mann oder Frau bringen kann. (Oder es zumindest versucht.)

    Erinnert mich etwas an die Verwirrten, die vor der Mülltrennung die Joguhrtbecher in der Spülmaschine gewaschen haben.

  7. schon mal dran gedacht, dass das ding vielleicht speziell zum vertrieb in gebiete entwickelt wird, wo wasser sparen inzwischen tatsächlich überlebenswichtig geworden ist?

  8. Das ist ja wortwörtliches Green-Washing. Do wie zurzeit praktisch ale Firmen ihr Image mit „umweltfreundlichen“ Produkten aufpolieren. Grün kommt an und verkauft sich prächtig.

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