Googles G1 Android-Handy im Test

Gizmodo hat einen Blick auf Googles schickes neues Handy geworfen: Nach einer Woche intensiver Nutzung lässt sich ein erstes Urteil fällen. Ob man sein iPhone jetzt wirklich wegschmeißen muss, dazu mehr im Test.

Nach einer Woche mit dem ersten Android-Handy lässt sich sagen: Das HTC-Gerät ist ein guter Start für die Android-Plattform, hat aber ein paar ernsthafte Probleme.
Das G1 ist zu einer Art Hoffnungsträger für die Geknebelten und Unterdrückten geworden: Schließlich besteht tatsächlich mal die Möglichkeit, dass Linux und Open-Source groß raus kommen. Es ist offen und bietet Allen die Möglichkeit, eigene Anwendungen zu entwickeln – also all das was Windows Mobile und erst recht Apples iPhone nur eingeschränkt bieten. Selbstverständlich ist das G1 nicht nur für Nerds gedacht, sondern wird als ernsthafter Konkurrent zum iPhone gehandelt. Bedient wird es ähnlich wie die Apfel-Variante über einen großzügig bemessenen Touchscreen. Zusätzlich lässt sich der Bildschirm hochfahren und enthüllt darunter eine übersichtliche QWERTY-Tastatur. Dem einen oder anderen Leser läuft jetzt verständlicherweise das Wasser im Mund zusammen. Nur die Ruhe: Hier in Europa kann man das G1 noch nicht kaufen – nur in den USA.

Gehen wir das G1 doch mal Schritt für Schritt durch:

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Hülle:

Verantwortlich für Gehäuse und Innereien ist HTC. Hierzulande sollte der Name spätestens seit Produkten wie dem Diamond ein Begriff sein. Keine Angst, das Google-Vergnügen wird nicht durch ein HTC-Logo getrübt: Viel mehr ziert ein T-Mobile-Logo das Haupt des Smartphone-Neulings. Im Test fällt auf, dass das Aufschiebe-Geräusch ziemlich laut ist. In dem einen oder anderen Büro könnte man das als störend empfinden – Vorsicht ist geboten!

Tastatur:

Die Platzierung ist leider etwas ungeschickt und die Scroll-Kugel ist immer im Weg. Die Tasten sind zu niedrig – Blindschreiben? Nada! Aber hey, zumindest ist die Tastatur beleuchtet: Wer also in seinem abgeschotteten und von Licht unberührtem Kellerzimmer seiner WoW-Gilde eine Mail schreiben möchte, ist gut aufgehoben.Google Android G1 Handy TestIn das Bild klicken um Galerie zu starten!

Tasten:

Fünf an der Zahl: Anrufen, Auflegen, Home, Zurück und ein kleiner Navigationsball, der ähnlich wie alte Kugelmäuse funktioniert. Vorsicht: Die Auflegen-Taste sperrt das Handy.

Trackball:

Fühlt sich relativ gut an – sogar besser als der des BlackBerry Pearl. Einziges Manko ist der Wechsel zwischen der Kugel und dem Touchscreen.

Bildschirm:

Der Screen ist hell und stellt Text gut lesbar dar. Was die Touchscreen-Funktionalität angeht, lässt sich nichts bemängeln. Er ist sogar so gut, dass er dem des iPhone das Wasser reichen kann. Es kommt manchmal vor, dass er Aussetzer hat. Das Ganze hält sich aber in Grenzen – die Fälle in denen das passiert, sind jedoch nervig.

Akku:

Eine volle Ladung reicht ungefähr für einen Tag. Spätestens nach 30 Stunden wird das Gerät nach einem Ladegerät winseln. Schuld war im Test vielleicht die Push-Mail-Funktion. Die belastet den Akku wohl doch ziemlich stark. Kein Wunder, wenn alle paar Minuten eine Mail runtergeladen werden muss.

3G:

Das Handy macht im Test einen langsameren Eindruck als Apples neues iPhone.

GPS:

Google hat diese Funktion in den Standardeinstellungen deaktiviert. Manch ein User wird also überrascht sein, dass trotz GPS-Modul die angezeigte Position in Google Maps um ein paar hundert Meter abweicht. Es heißt Kopf GPS einschalten!

Telefonieren:

Aua, da hat sich T-Mobile einen Patzer geleistet. Die Sprachqualität ist ok. Nervig ist aber, dass der Bildschirm sich nach 10 Sekunden abschaltet. Was macht ein erfahrener Anwender in dem Fall? Klar: Man drückt den Einschaltknopf, um den Bildschirm wieder mit Strom zu versorgen. Tja, blöd gelaufen, da der Einschaltknopf auch das Telefonat beendet. Extrem nervig ist das schon, wenn man versucht, während des Telefonats irgendwas im Handy nachzuschlagen.

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Stabilität:

Nach einer Woche im Dauereinsatz gibt es einen Begriff, der Android gut beschreibt: »solide«. In der Woche kam es zu keinen Abstürzen des Betriebssystems. Abgeschmiert sind nur ein paar Anwendungen. Die lassen sich jedoch zum Glück per Taskmanager abschießen und gefährden so nicht den Rest des Systems.

Bedienoberfläche:

Einige kleine Fehlerchen hier und da, aber nichts Dramatisches – abgesehen von langen Klicks. Lange Klicks sind eine interessante Funktion: Eine Mischung aus Funktionalität und Russischem Roulette. Man drücke dazu mit einem Finger in die Mitte des Bildschirms: Wenn man Glück hat taucht ein Popup-Fenster auf. Meist passiert aber einfach gar nix. Auch ist unklar in welchen Fällen das Ganze überhaupt eine Funktion hat. Bei Google Maps und im Browser passiert einfach generell nichts.

E-Mails:

Also daran gibt es wirklich nichts auszusetzen. Google Mail ist perfekt eingebunden in die Mobil-Oberfläche und steht der Desktop-Version in nichts nach. Sogar Push-Mail wird unterstützt – das bedeutet: Mails werden sofort abgeholt, wenn sie eintreffen und nicht nur alle 10 oder 20 Minuten. Es gibt zwei Mail-Programme: Mail und Gmail. Letzteres kann einen Account speichern, während die normale Mail-Funktion bis zu 5 Accounts gleichzeitig anspricht.

Anwendungen:

Ähnlich wie bereits beim iPhone können Anwender über einen Online-Marktplatz Anwendungen beziehen. Im Gegensatz zum Apfelhändler gibt es das Obst bei Google aber gratis – zumindest größtenteils. Momentan gibt es aber nur wenig Auswahl, was die Zusatzanwendungen angeht. Wir gehen davon aus, dass sich das Ganze in den nächsten Wochen ändert. Die meisten Programme sind auch noch ziemlich instabil, da das Gros der Software-Entwickler sie ohne ein richtiges Android-Handy in einer virtuellen Maschine entwickelt hat.

Messenger und Browser:

Der eingebaute Messenger unterstützt AIM, Google Talk, Windows Live und Yahoo. Praktisch: Der Messenger läuft auch im Hintergrund und informiert bei ankommenden Nachrichten durch ein kleines Popup-Fenster. Der Browser basiert wie Googles Chrome auf der WebKit-Browser-Engine. Das heißt: Er ist verdammt gut. Ein Manko ist die etwas holprige Touchscreen-Funktionalität. Aber hey, man kann nicht alles haben. Ah ja, es gibt keinen Flash-Support. Das bedeutet, dass YouTube-Videos nur über eine Spezialschnittstelle abgespielt werden können.

Google Maps:

Das mobile Maps hat alles, was die Desktop-Version hat. Sogar Streetview ist mit an Bord, falls man gerade Lust auf Spionage in der Nachbarschaft hat.
MP3-Player: Nun gut, es ist kein iPod aber trotzdem recht ansehnlich. Android-Nutzer können jedoch darauf wetten, dass in den nächsten Monaten ein Zusatzplayer im Download-Shop bereit steht, der Apples Player alt aussehen lässt.

Urteil

Google Android G1 Handy TestDas G1 und das Android-Betriebssystem sind unfertige Produkte. Es gibt ehrlich gesagt nur drei Anwendungen, die wirklich funktionieren: Gmail, Maps und Calendar. Alle anderen versprochen Apps lassen auf sich warten.
Wir bei Gizmodo setzen große Hoffnungen auf externe Entwickler. Wir rechnen fest damit, dass in den nächsten Monaten großartige Erweiterungen für das G1 zu haben sind. Schließlich ist Android ja ein Open-Source-Betriebssystem.
Spätestens zum Release in Deutschland sollte das Handy in einer wirklich »fertigen« Fassung zu haben sein. Wir warten ab und drehen Däumchen. Ah ja, in den USA kostet das Ganze 179 US-Dollar. Hierzulande kriegen wir das Handy schätzungsweise für Pi mal Daumen 500 Euro samt T-Mobile Knebelvertrag. [Maxim Roubintchik/Jason Chen]

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  1. Das ist neben Spore wohl die größte Enttäuschung dieses Jahr.

    Man freut sich 1 Jahr auf eine schöne Hardware aus dem Hause HTC oder LG. Und was bekommt man präsentiert?

    Das vermutlich hässlichste Smartphone der Welt!

    Naja, wenn – im Gegensatz zum iPhone – dort vernünftige Navigationsprogramme laufen geben ich einer der nächsten Hardware-Umsetzungen ein Chance. Muß ich eben noch etwas warten bis mein Haus eine Apple-freie Zone wird.

    PS: für die 179 Taler ist das offene, freie Phone an T-mobile gefesselt.

    PPS: Apple soll sterben!

  2. das handy wirkt wie ein smartphone von vor 5 jahren, oder alternativ wie ein telefon
    im gammastatus. auch optisch ist das wirklich eine enttäuschung sowohl das gehäuse als auch das os ist eine optische beleidigung und sollte verboten werden. mein nokia irgendwas das mitlerweile fast 4 jahre auf dem buckel hat, besitzt ein schöneres menü.
    ich glaube die versauen es sich mit so einem verpatzten start
    ganz schön.

    schade eigendlich, damit bekräftigen sie nur noch apples philosophie.

  3. Naja leider sind viele Entwickler ja abgesprungen, die Anwendungen programmiert haben. Dies liegt aber an Google den der ach so tolle OpenSource war in der Virtuellen Maschine echt eine Enttäuschung und zudem immer veraltet.
    Google hat eine neue Version gemacht und nur den Internen Entwicklern wie auch T-Mobile & Co. gegeben aber die Öffentlichkeit, die Anwendungen schreiben sollte stand leer da.

    Leider komme ich noch nicht in den Genuss vom G1, doch was man so auf Bildern sieht ist es Optisch
    Gehäuse: ein absoluter graus, den wie kann man das letzte bisschen an Fläche kippen?
    Oberfläche (virtuelle Maschine): sah schon sehr nett aus.

    Ich bin mal gespannt, ob T-Mobil hier in DE nicht doch noch mit dem Preis für das G1 runter geht. Den 500€ ist echt zu viel für ein Handy MIT Vertrag. Drum wurde auch unter anderem das IPhone G1 ein Flop.
    Vor allem wenn es 180$ Kostet in den Staaten was umgerechnet 134€(19.10.07 – 0,7431) kostet.

    Bleibt nur hoffen und bangen.

    Gruß COOL

  4. Der Test wirkt nun nicht sonderlich berauschend, aber es kommt ja nicht nur EIN Handy mit dieser Oberfläche, sondern das G1 ist der Beginn einer Serie – also abwarten, was da kommt.

    Zum Preis: 500 euro mit Vertrag – wenn es bei dem absoluten iPhone-Hype nicht klappt, dann kann das hier nur schief gehen. 199€ ist das Maximum, um nicht viele potentielle Käufer abzuschrecken.

  5. Kostenlose Software und ein günstiger Preis sind nicht alles. Ich habe mir von T-Mobile, HTC und Google in puncto Qualität und Produktreife ein besseres Handy erwartet. So muss ich hier wohl mal wieder die 2. Generation abwarten, die dann hoffentlich meinen Qualitätsansprüchen gerecht wird.

  6. yep – Applikationen auf dem Ding sind gut, aber Hardware ist Mist – ich warte auch auf die zweite/dritte Generation!

    oder – ich warte auf ein Nokia Netbook mit integriertem GPS, falls sowas mal kommt, so als „Series 1000“-Gerät :-)

  7. Ich verstehe nicht warum man den Hersteller dafür verantwortlich macht , wenn T-Mobile doch so stolz ist es zusammen mit HTC entwicklet zu haben.PS: Das gleich geht für das iPhone;)

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