Bald Energie aus langsam dahin dümpelnden Gewässern?

Dass ein reißender Fluss Strom liefern kann, erahnt man schon, selbst wenn man noch nie in seinem Leben ein Wehr, einen Stausee oder ein Wasserrad gesehen hätte. Man kann die Kraft die hinter den Wassermassen steckt direkt sehen und fühlen.

Ganz anders bei langsam vor sich hin dümpelnden Gewässern. Selbst mit dem Wissen um die verschiedenen Arten, wie die Menschen schon seit vielen Jahrhunderten Wasserkraft in Energie umwandeln, fällt es schwer sich vorzustellen, dass auch ein fast stehendes Gewässer sich irgendwie zur Stromerzeugung eignen soll. Auch die Wissenschaft…

… war da bislang ratlos. Eigentlich galt als Faustregel, dass ein Gewässer mindestens fünf bis sechs Knoten (das sind grob zwischen neun und elf Stundenkilometer) schnell fließen muss, um daraus Energie gewinnen zu können. Die meisten Ströme und Flüsse der Welt meandern aber nicht schneller als mit knapp fünf Stundenkilometern (drei Knoten) durch die Landschaft.

Doch jetzt sind Wissenschaftler der Universität Michigan auf eine Methode gestoßen, wie man auch aus diesen Gewässern Strom gewinnen kann, und zwar hat die Art, wie sich Fischschwärme bewegen, sie drauf gebracht: Diese im Bild sichtbaren Stangen sind nach oben und unten bewegliche Zylinder. Dass sie da im Wasser stehen erzeugt viele kleine Strudel, die eben eine Auf- und Abbewegung der Zylinder erzeugt. Und diese Bewegungsenergie wiederum kann man dann in Strom umwandeln.

Um nackte Zahlen zu nennen: Ein Feld dieser Stangen mit den Ausmaßen von einem auf anderthalb Kilometer könnte bei einer Strömungsgeschwindigkeit von drei Knoten etwa 100000 Eigenheime mit Strom versorgen (Durchschnittsverbrauch). Ein Prototyp einer solchen Anlage wird zur Zeit im Detroit River getestet, der weniger als zwei Knoten schnell fließt (noch nicht mal 90 Zentimeter in der Sekunde). Aber auch aus Gewässern, die weniger als einen Knoten schnell fließen, kann diese Technik noch Energie gewinnen.

Hört sich meiner Meinung nach sehr viel versprechend an, auch wenn ich beim Anblick des Fotos sofort dieses Piktogramm vor Augen hatte, das vor einem Sprung in unbekanntes Gewässer warnt… Dennoch, auch wenn der Prof im Filmbericht der Universität Michigan die Technologie als natürlich bezeichnet, denke ich, man sollte auch mit so etwas immer sehr vorsichtig sein. Energie kommt nicht aus dem Nichts. Zwacke ich hier was ab, dann fehlt woanders etwas. Etwas, was vielleicht ein anderes Lebewesen zum Überleben gebraucht hätte. [bda]

[via ecogeek, Video]

Tags :
  1. Hi Ho,

    diese Entwicklung hört sich ganz gut an und ich glaube nicht das hier einem Lebewesen etwas verloren geht, was natürlich sein könnte, dass generell Lebensraum für bestimmte Tiere und Pflanzen verloren geht, die dort in diesen Gewässern auf dem Boden gelebt haben. Denn so wie das Bild aussieht, scheint das ganze ja auf den Untergrund des Gewässers aufgebaut zu sein.

    viele grüße

    sven

  2. Ich denke, dass die Abzwackung zum Beispiel auch darauf bezogen ist, dass sich eventuell die Fließgeschwindigkeit des Gewässers verändern könnte und dies vielfältige Auswirkungen auf die darin lebenden Tiere mitbringen kann, nicht nur für bodennahe Tiere. Oder die Strömung des Gewässers könnte sich generell verändern, nicht nur die Geschwindigkeit, vielleicht auch die Durchmischung des Gewässern (kalte und warme Schichten).
    Viele Auswirkungen kann man nicht sofort erkennen und muss daher mit übereilten Unbedenklichkeitsbekundungen sehr vorsichtig sein.

  3. kling doch wirklich spannend!

    das problem sehe ich auch im betrieb. bekanntlich setzen sich, vor allem in langsamen/stehenden gewässern, sehr schnell algen & co. an. Dies bedingt wohl, dass die Kraftwerke regelmässig gereinigt werden, was wiederum heisst, dass wieder und wieder in Lebensräume der Natur eingegriffen wird!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising