Von Lego-Uzis und Sniper Apps

Spielzeug und Waffen – ein diffiziles Thema. Zum einen kann man argumentieren, dass Kinder auch ohne Spielzeugknarren Themen wie „Geheimagenten“ oder „Krieg“ spielerisch umsetzen.

Dann muss halt ein Stöckchen oder was weiß ich herhalten. Beim imaginären Schießen wird begleitend „Pengpeng!“ oder „Rattattattatta!“ geschrien. Ich sehe da…

… nicht wirklich einen Unterschied. Zum anderen verstehe ich auch Leute, die sich angesichts kriegspielender Kinder ob deren teilweise zutage tretenden Aggressionen erschrecken, doch da muss meiner Meinung nach unterschieden werden, denn die eventuelle Aggression kommt vom Kind, nicht von der Waffe.

Zum anderen gestehe ich, dass für mich als Mutter immer irgendwo im Hinterkopf die Angst lauert, das Kind könnte durch derlei Spiele einen stark verharmlosenden Eindruck von (echten) Waffen bekommen. Dabei bin auch ich als Kind nachmittagelang mit einem hoch erhobenen Holzschwert durch den Garten gerannt, die gesamte Nachbarschaft mit meinen „Attackeee!“-Rufen quälend. Und habe keine Raufüberfall- oder gar Auftragskiller-Karriere eingeschlagen.

Die Diskussion kann vermutlich endlos fortgesetzt werden und führt von Spielzeugwaffen über sogenannte Gewaltfilme über die vielzitierten Killerspiele für Konsole oder PC. Da ich jetzt aber mal davon ausgehe, dass wir hier bei Gizmodo eine im Durchschnitt aufgeklärte, ethisch und moralisch gefestigte Leserschaft haben, wage ich einen weiteren Post zum Thema Legowaffen. Genauer eine Uzi, die in schneller Schussfolge Haushaltsgummis verschießt. Harmlos. Zumindest für den gealterten Lego-Fan, der über die auch damit verletzbaren Schwachstellen des menschlichen Körpers Bescheid weiß (Stichwort: Augen).

Viel verstörender finde ich iPhone oder iPod Touch Apps wie etwa BulletFight, die für anscheinend weit verbreitete Waffen (im Land Of The Free) wie diese US Army M110 Sniper Rifle den zweifelhaften Service (BulletFight ist übrigens im App Store unter Dienstprogramme abgelegt) der genauen Schussbahnberechnung übernimmt. Windrichtung und -stärke, allgemeines Wetter und Reichweite werden herangezogen, um dann auf dem iPod oder dem iPhone (das mit entsprechender Halterung am Gewehr angebracht wird) genaue Anweisungen zu geben, wie man sein Gewehr zu halten hat um das Ziel sicher zu treffen. Hmm. Wenn jemand sich gerne im Spiel mit Farbpatronen austobt – bitte.

Aber ansonsten muss ich mich schwerst wundern, dass derlei Apps nicht aus dem Store rausfliegen. Übrigens hat Apple jüngst von diesem Zensurrecht gebrauch gemacht und eine App verbannt. Obama Trampolin hieß das Ding. Und – haltet euch fest – man konnte nicht nur Obama, sondern noch 15 andere Politiker auf einem Trampolin hüpfen (oder abstürzen) lassen. Wie unendlich schlimm. Dagegen sind Heckenschützenhilfen natürlich ein Klacks. [Bianca Appelmann]

[via nerdic-walking, techeblog, techcrunch(obamatrampolin)]

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