Das iPhone 3GS im Test

Weder die technischen Daten noch die Features des neuen iPhones hauen uns aus den Socken. Zu allem Überfluss sieht das Handy genauso aus wie sein Vorgänger. Warum sollte man es also kaufen? Weil, man es nicht mehr weglegen möchte sobald man es hat...

Das S im 3GS ist nicht umsonst ein S. Es steht nämlich für Speed und das ist auch genau der Punkt, der das neue iPhone am deutlichsten von seinem Vorgänger abhebt. Es kommt selten vor, dass wir bei einem neuen Handy mehr auf die technischen Details als die Funktionen achten, doch an dieser Stelle ist es einfach angebracht. Man könnte es damit vergleichen einen schnelleren Wagen zu kaufen oder einen größeren Fernseher. Zwar verrichtet das alte Gerät seinen Dienst, aber sobald man das neue hat, mag man es nicht mehr weggeben. Wer noch kein iPhone hat und mit dem Gedanken spielt welches iPhone er sich nun zulegen möchte: Es gibt keine Zweifel! Zum 3GS greifen! Der Aufpreis lohnt sich. iPhone_3GS_Review Von Außen betrachtet sieht das 3GS genauso aus wie das 3G. Es hat vielleicht einen etwas glänzenderen Text auf der Rückseite, aber wenn Steve Jobs eine Woche vor der Vorstellung des neuen Handys auf der Straße ein GS rausgezogen hätte, hätte niemand den Unterschied bemerkt. iPhone_3GS_Review Wenn man beide Geräte aneinander hält, bemerkt man, dass das GS mehr reflektiert. Das liegt an der neuen Anti-Fingerabdruck-Oberfläche. Es gibt sogar kleine Regenbogen-Effekte, wenn man einen Monitor auf dem Bildschirm spiegelt. Der Vorteil der neuen Beschichtung ist gewaltig: Die Fingerabdrücke sind zwar noch da, behindern allerdings nicht die Interaktion mit dem Gerät. Beim 3G, blieb man an solchen Stellen oft kleben. Auch lässt sich das Display jetzt viel leichter mit einem T-Shirt oder was auch immer reinigen. Ein sehr praktisches Upgrade für ein Gerät, das man jeden Tag benutzt. Die Farben des Bildschirms wirken wärmer, als die des normalen 3Gs und haben einen leicht Gelb/Orangen Einschlag. Das Display selbst ist heller, fühlt sich aber nicht so an. iPhone_3GS_Review Das iPhone 3GS ist schneller als das 3G. Das zeigt sich vor allem, wenn man Anwendungen wie Safari, E-Mail oder die Kamera startet. Selbst das Starten des Handys dauert nur halb so lang. Speicherintensive Anwendungen wie Sims 3, Oregon Trail oder Metal Gera Touch starten alle deutlich schneller. Nein wirklich, alles ist schneller. Das ist das Gleiche, wie wenn man von einem 2-3 Jahre alten Computer auf einen brandneuen wechselt. Die Anwendungen sind dieselben, aber sie laufen alle viel flüssiger. Mit dem 3GS lässt sich einfach viel besser arbeiten.

Was bedeutet dieser neue Trend also für das iPhone? Das 3GS basiert auf einem 600 MHz CPU und 256 MByte RAM, während das 3G noch auf 400 MHz und 128 MByte RAM setzt. Anwendungen können mit deutlich mehr Leistung rechnen und im Gegenzug wird es bessere Apps geben. OpenGL ES 2.0 ist ein deutlicher Sprung für Spiele. Ein ehemaliger Nvidia-Entwickler namens Huber beschrieb das Ganze mal wie eine Umstellung von Half Life 1 auf Half Life 2 – also gewaltig. Das heißt nicht, dass Besitzer eines alten iPhones jetzt vernachlässigt werden. Der Markt ist einfach zu groß, als dass es sich lohnen würde Anwendungen speziell fürs 3GS zu entwickeln. Aber Software-Entwickler sind wie Alkoholiker: Je mehr Ressourcen du ihnen gibst, desto mehr werden sie nutzen. Und ja, sie trinken meist sehr viel…

Kamera

iPhone_3GS_Review Mal von der Geschwindigkeit abgesehen: Eine weitere Neuerung ist die Kamera des 3GS. Sie löst 3 Megapixel auf und hat eine Benutzeroberfläche in der sich ein Fokus setzen lässt. Wenn man alle Auto-Funktionen wie Auto-Fokus, Auto-Belichtung, Auto-Weißbalance aktiviert, dann werden die Bilder deutlich besser. Das wird vor allem bei Makro-Aufnahmen deutlich, wie auf dem oberen Bild zu sehen ist. Die beiden Objekte wurde aus exakt der gleichen Entfernung bei exakt gleichen Lichtverhältnissen aufgenommen. Wie auf den Fotos zu sehen ist, ist das 3GS vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen besser.

Videoqualität

Apple verspricht bis zu 30 Bilder pro Sekunde. Wir haben das Ganze ausprobiert und sind positiv überrascht: Es sind zwar nicht immer 30 Frames, aber die Kamera macht verdammt gute Bilder für ein Handy und kommt diesem Versprechen schon sehr nahe. Das Video selbst ist sehr flüssig. Bei schlechten Lichtverhältnissen muss sich aber auch diese Kamera geschlagen geben – zumindest bei Videos. Auch hier lässt sich die Kamera fokussieren indem man auf dem Display auf einen bestimmten Punkt im Bild klickt.

Auch die Schnell-Schnitt-Funktion ist super. So kann man das Video nochmal schnell anpassen, bevor man es bei YouTube oder wo auch immer hochlädt. Der Prozess gestaltet sich ähnlich wie in iMovie auf dem Mac. Das 3G hat diese Funktion nicht, weil das alte Handy laut Apple einfach nicht leistungsstark genug ist.

Netzwerk

Freunde von schnellen Datenübertragungen dürfen sich über 7.2-Mbit-Internet freuen – via UMTS. Das alte 3G war ja nicht wirklich 3G. Es konnte zwar HSDPA, schöpfte dabei allerdings nicht die volle Geschwindigkeit des Netzwerk aus. Wir haben den Speedtester aus dem App-Store mehrmals zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten durchlaufen lassen. Das Ergebnis war eindeutig: Das 3GS war im Schnitt 1568 Kbit schnell, während das 3G nur 1165 Kbit schafft. Der Upload war ungefähr gleich mit 226 Kbit (3GS) und 209 Kbit (3G). Das 3GS ist zwischendurch in einzelnen Durchläufen aber immer mal wieder davongezogen und der Upload war mal Doppelt so schnell – keine Ahnung warum. Was bedeutet das für uns? Mit dem schnelleren Prozessor und der schnelleren Netzwerkanbindung werden die Webseiten schneller geladen und Mails schneller abgerufen.

Der Kompass

iPhone_3GS_Review Nun ja, der Kompass ist praktisch um in irgendeine Richtung zu laufen – zum Beispiel nach Norden… Es macht auch keinen Unterschied wie rum man das Handy hält, die Navigationshilfe funktioniert.

Ein Bonus: Wenn man den »mich lokalisieren«-Knopf in Google-Maps ein zweites Mal drückt, wird nicht nur die Position über GPS ermittelt, sondern auch die Karte gleich richtigrum hingedreht, so dass man weiß ich welche Richtung man gerade schaut. Das ist sehr praktisch wenn man sich in einer unbekannten Umgebung verläuft – sowas hätte ich eher gebraucht…

Der Kompass hört sich nicht an wie ein Killerfeature, aber wenn man bedenkt, dass jetzt Anwendungen wie Layar auf dem 3GS laufen – toll!

Sprachsteuerung

iPhone_3GS_ReviewEs funktioniert! Zumindest solange man die richtigen Befehle kennt wie »Call« um jemanden aus seinen Kontakten anzurufen oder »Dial« um eine Nummer zu wählen – in der deutschen Version werden die Befehle natürlich angepasst. Die Anwendung ist sehr präzise und erkennt was man sagt, solange im Hintergrund nicht zuviele Störgeräusche sind. Wenn man zum Beispiel sagt: »Ruf Mike an« und man hat mehrere Mikes in seiner Liste, dann liest das iPhone alle Mikes vor und bittet darum genauere Angaben zu machen.

Die Sprachsteuerung innerhalb von Songs funktioniert ebenfalls. Schwierig wird es nur bei ausländischen Band-Namen und Künstlern, deren Namen aus einzelnen Buchstaben bestehen. So hat das iPhone im Test zum Beispiel immer wieder »Phoenix« mit »INXS« oder »DMX« verwechselt. Befehle wie »Musik pausieren«, »wer singt dieses Lied«, »vorheriger Song«, »welches Lied wird gerade abgespielt«, »mischen« oder »spiel ähnliche Songs ab« funktionieren einwandfrei.

Akku

Man hätte nicht erwartet, dass Apple es tatsächlich schafft die Akkuleistung gegenüber dem 3G zu erhöhen, doch es ist möglich. Die Vergleichscharts, die der Apfelhändler vor einer Weile veröffentlicht hat, sind korrekt und ergeben so ziemlich das, was wir auch in unserem Test festgestellt haben. Das Gerät hält einen Tag lang locker durch. Dadurch, dass es schneller ist, wird man auch weniger Zeit mit warten verbringen, was zusätzlich den Akku schont. iPhone_3GS_Review

Zusammenfassung

Das iPhone 3GS ist kein gewaltiger Schritt in der Entwicklung der iPhone-Familie. Doch ein Kompass, Videoaufnahme, Sprachbefehle, eine bessere Kamera, längere Akkulaufzeiten und ein schnelleres Netzwerk sind keine Punkte, die wir als Rückschritt bezeichnen würden. Aber das größte Plus ist die Geschwindigkeit des GS. Das GS ist im Grunde das 3G – nur besser.

3G-Besitzer müssen sich jetzt fragen, ob sich ein Upgrade tatsächlich lohnt. Ein Blick in unsere iPhone-Preisübersicht lohnt sich auf jeden Fall! iPhone_3GS_Review

Urteil

Das Einzige, was uns an dem 3GS stört: Wenn man bereits Besitzer eines 3G ist, sind die Änderungen auf den ersten Blick nur marginal.

Wie bereits im Review des Palm Pre erwähnt: Das iPhone Look and Feel geht uns langsam auf den Geist. Es ist Zeit für etwas Neues, etwas Anderes. Etwas, mit dem man noch nicht so vertraut ist. Trotzdem sprechen die Qualitäten des 3GS für sich. Es ist das beste Smartphone-Rundum-Paket, das es derzeit auf dem Markt gibt – oder geben wird. Wie wir wissen, sind es vor allem die Tausenden von Applikationen, die das iPhone zu etwas Besonderem machen. [Jason Chen/Maxim Roubintchik]

Es ist deutlich schneller als das 3G.

Hardware-Erweiterungen wie eine bessere Kamera, Kompass und eine Anti-Fingerabdruck-Oberfläche sind praktisch.

Die gleiche Größe und das gleiche Aussehen – alle Accessoires werden problemlos funktionieren.

Die Preise für ein Upgrade vom 3G sind zu hoch.

Bildergalerie

[PSGallery=17yhtq10de]
 

Tags :
  1. Danke für den Beitrag! Hat mir die Kaufentscheidung leichter gemacht und mich doch noch vom 3GS überzeugt. Jetzt muss man nur noch abwarten bis es das Gerät ohne Knebelvertrag gibt.

  2. Ich muss sagen die argumente sind überzeugend. Bedeutet zwar noch immer nicht dass ich mir so ein apple blödsinn kaufen muss aber wers mag^^

  3. Juhu ein neues Spielzeug für die Applefankids. Produkte mit einem Apfel auf der Rückseite kommen mir nicht ins Haus. Erst recht nicht so ein Müll wie dieses lächerliche neue iPhone. Da bleibe ich liebe bei meinem Touch HD!

  4. @TomTom:

    Wenn für dich eh kein Apple Produkt in Frage kommt, kannst du Deine unqualifizierten Postings auch lassen.

    Ich spare mir den Vergleich mit deinem Touch HD. Hatte ich noch nicht in der Hand, also erübrigt sich meine Meinung dazu. Sollte dir vielleicht zukünftig als Entscheidung „schreib ich schreib ich nicht“ helfen.

    Danke für den Test. Ich werde es mir – privat – holen. Mein Blackberry wird dennoch weiterhin beruflich genutzt. Businessmäßig hat Blackberry einfach die Nase vorn.

  5. Danke für den tollen Test.
    Ich muß sagen ich hab lang nix vom Iphone gehalten…der ganze Hype damals um das 2G, was durch die Steuerung ne tolle Neuerung war….trotzdem kam es für mich nie Frage nen Iphone zu kaufen.
    Ich bin langjähriger Windows Mobile Nutzer und muß sagen mit dem 3G und jetzigem 3GS hat sich bei Apple wirklich etwas getan.

    Stehe derzeit vor der Entscheidung zwischem dem 3GS und nem HTC mit Windos Mobile oder Android. Nach den Tests des 3GS und der Begutachtung der aktuellen HTC Serie muß ich aber sagen, ist meine Entscheidung für das Ei-Phone so gut wie gefallen.

    Fakt ist, dass es im Moment keine bessere und schnellere Oberfläche gibt.
    Mir würden auch sonst im Moment keine Aspekte einfallen, die derzeit für mich prvat für Windows Mobile mit TF oder ein Android System sprechen.

  6. Also ich weiß auch nicht, was sämtliche iPhone-Gegner so agressiv werden lässt.
    Ich selbst besitze zwar keins und bin mit meinem derzeitigen Nokia 5800 zufrieden, würde mir aber mit Sicherheit auch überlegen, eins zuzulegen.
    Das einzige, was mich noch stört, ist eigentlich der Akku (auch nur gerüchtehalber), diese Bindung an einen bestimmten Netzbetreiber und vor allem eigentlich die Bindung an iTunes, da ich meine Musik bitte von jedem PC per Drag&Drop über den WindowsExplorer draufladen will…

  7. Ich hatte mich leider für das Touch HD, wegen der besseren Hardware entschieden.
    Ich kann euch nur sagen das das Touch Panel von Apple einzigartig ist (ich hoffe Ihr wisst das sich dieses Panel von der Technologie ALLER anderen Handys krass unterscheidet).
    Apple= harte Glasscheibe Auswertung nicht über Druckpunkt
    Alle anderen Handys= Auswertung über Druckpunkt.
    Ich habe mit meinen HTC nur Probleme, diese Foliendisplays gehen mir auf den Sa.k
    Teilweise werden Befehle nicht angemommen weil man nicht zu fest genug gedrückt hat, oder es werden gleich zwei Befehle ausgeführt. Man spührt halt auch das ein Windoof dahinter ist

  8. also iwie finde ich auch das appel reichlich wenig gemacht hat das den aufpreis rechtfertigen würde
    wenn das iphone multitasking unterstützen würde hätte ich es vieleicht sogar gekauft aber eig bin ich mit meinem touch hd auch mehr als zufrieden es gibt zwar nicht soviele spiele aber einfach tausende möglichkeiten etwas umzustellen und anzupassen

  9. Wow okay, dann hab ich mich ja doch richtig entschieden obwohl es ja schon den 4G gibt. Aber das Design hat mir nicht so gefallen und mir reicht das 3GS.
    Ich hab es einem Freund nicht geglaubt. Er nutzt alles von Apple inkl. MAC. Und ich bin genau so ein fan geworden, man hat wirklich weniger Problem wie bei Windoof (ITler eben, wissen was sich lohnt)

    Und für mich war das vorher auch NIE in frage gekommen :) und das mit iTunes nervt mich kein stück.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising