Amazons entsetzliche Macht, Bücher zu löschen

Dass es eines Tages Probleme geben würde, wenn wir die Bücher auf unserem E-Book-Reader nicht mehr besitzen, war ja klar. Nachdem Amazon kürzlich die ersten Bücher per Fernsteuerung von den Readern gelöscht hat – ausgerechnet 1984 und Animal Farm von George Orwell – wissen wir auch, dass die digitale Zukunft entsetzlicher ist, als wir dachten. Rate mal: Es kommt noch schlimmer.

Farhad Manjo von Slate nennt mehr Gründe, warum wir vor „angebundenen“ Geräten wie dem Kindle von Amazon eine höllische Angst haben sollten. Besonders, weil wir stetig auf eine wirklich papierlose und Medium-lose Zukunft zusteuern, in der Bücher, Filme und Musik heruntergeladen werden. Stellt euch vor, es gäbe keine Papier-Ausgabe von 1984. Und nun löscht Amazon – oder welche Firma auch immer den E-Reader-Krieg gewinnt – diesen Titel Kraft ihrer Wassersuppe von allen Geräten. Oder jedes andere Buch oder einen Film, der plötzlich gebannt wird. Es ist viel einfacher, diese unliebsamen Inhalte von Millionen Geräten zu löschen, als tausend Papier-Ausgaben aus den Häusern der Leute auf die Straßen zu schleppen (und anzuzünden?). Das ist eine Möglichkeit, die durchaus Anlass zur Sorge gibt. Und ein Grund, warum wir in Zukunft Plattformen wie Bittorrent mehr denn je brauchen werden.

Wenn euch hypothetische Horrorszenarien nicht so aufregen, dann vielleicht der Patentrechtsstreit von TiVo gegen Echostar aus dem Jahr 2004. Als TiVo gewann, hat der Richter nicht nur den Verkaufsstopp der Konkurrenz-DVR-Boxen angeordnet, sondern auch, dass die bereits verbreiteten Geräte per Fernsteuerung gekillt werden. Wohlgemerkt: Geräte, die Leute gekauft haben und zuhause installiert hatten. [Jacqueline Pohl]

[via Slate]

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  1. Diesen Kampf kann nur der Kunde gewinnen, in dem er den Dreck nicht kauft. Man muss nicht jedes von der Industrie entwickelte Angebot annehmen, ich glaube wir Deutschen werden da häufig vom Ausland als Technik-/Innovations-feindlich angesehen, aber so blöd wie die uns gerne hätten sind eben nicht alle.

  2. Wenn man das Buch gelesen hat kann man sich den Kontext zusammenreimen:

    wikipedia.de:
    Kontrolle der Vergangenheit
    Ein elementares Konzept der Partei zur Kontrolle der Gedanken ist die Kontrolle der Vergangenheit. Deshalb wird im Ministerium für Wahrheit ein gigantischer Aufwand betrieben, alle existierenden Dokumente der gegenwärtigen Parteilinie anzupassen. Von der Partei oder dem Großen Bruder geäußerte Voraussagen z.B. zur Güterproduktion oder dem Kriegsverlauf werden an die tatsächlich eingetretenen Fakten angepasst damit „die Partei immer recht hat“. Niemand soll in der Lage sein, aufgrund von historischen Dokumenten Aussagen der Partei zu widerlegen. Auch Berichte, die sich auf positive Art und Weise über Personen äußern, die inzwischen durch „Verschwindenlassen“ bzw. „Vaporisieren“ zu „Unpersonen“ geworden sind, werden umgeschrieben. Außerdem wird durch die fortlaufende Änderung von Berichten über die Krieglage der Bevölkerung stets der Eindruck vermittelt, dass der Staat schon immer mit dem jeweiligen Gegner verfeindet war, so dass der laufende Wechsel der Kriegsgegner aus dem Bewusstsein schwindet. Um dies zu ermöglichen, wird die Parteizeitung, die Times, regelmäßig bis in alle historischen Ausgaben laufend angepasst und alte Ausgaben neu nachgedruckt. Die nicht mehr in die Parteilinie passenden alten Exemplare werden aus den Archiven genommen und vernichtet.

  3. Das Buch war eine Raubkopie, deshalb wurde es gelöscht.

    Hier die News von golem.de:

    „Die betroffenen Bücher seien von der Firma MobileReference in den Kindle-Store eingestellt worden, die nicht die Rechte daran besitzt, sagte ein Amazon-Sprecher der New York Times. Der Rechteinhaber habe Amazon darauf aufmerksam gemacht, woraufhin die Löschfunktion zum Einsatz kam, um die E-Books von den Geräten der Kunden zu entfernen. Die Kunden bekommen den Kaufpreis zurückerstattet.

    Die Reaktionen blieben nicht aus: In Amazons Kindle-Forum finden sich diverse empörte Kommentare. Auch Amazon ist sich offenbar bewusst, dass das kein kluger Schachzug war. In Zukunft will Amazon seine Löschmöglichkeit nicht mehr verwenden, erklärte Amazon der Zeitung.

    Laut New York Times hat Amazon vermutlich schon in der Vergangenheit gekaufte E-Books von den Kindles gelöscht. Dies soll etwa bei den digitalen Fassungen von Harry Potter vorgekommen sein. Allerdings scheinen nicht einmal die allgemeinen Geschäftsbedingungen für den Kindle Amazon zu gestatten, Bücher nach dem Kauf zu löschen. Dort wird nämlich ein unbegrenztes Nutzungsrecht zugesichert.“

  4. Ich glaub schlechtere Schlagzeilen gibt es für so ein Produkt garnicht. Hätten sie die Firma ohne Rechte einfach verklagt und die paar Bücher auf den Kindles gelassen wär das auch kein Beinbruch gewesen oder?

  5. 1.) ist das Ding ziemlich häßlich, groß, unhandlich und überhaupt, warum braucht ein Buch eine Tastatur?
    2.) Wie kommt Amazon jetzt noch darauf das jemand das Buch^H Ebook Reader kaufen
    wolle?
    3.) VT hin oder her. Aber das klingt ganz schön abgekartet. Ich wäre ähnlich vorgegangen wenn ich Amazon hätte schaden wollen. Ein Buch einstellen wovon ich gar keine Rechte habe, den Rechteinhaber einen Tipp geben, warten bis Amazon tätig wird und das Ding löscht. (Wieviele Kunden waren betroffen? 10?20?) Und dann den Medien einen Hinweis geben. Das ist DIE Marketing Katastrophe schlechthin.
    Dann natürlich dies noch durchziehen mit ORwells Werken. ISt schon cool.
    Mal sehen wann jetzt die Konkurrenz auftaucht. Will Sony nicht in den Markt einsteigen?
    Oder hat Apple was im Angebot, demnächst? (Würden zumindestens cooler aussehen)

  6. Es ist alleine die Möglichkeit, die einem Angst macht. Denn es werden immer mehr digitale und immer weniger gedruckte Ausgaben geben… so in 5-10 Jahren könnte 80-90% alles digital sein… und nun stellt euch mal vor die Nazis hätten diese Möglichkeit gehabt auf Knopfdruck, ganze Bücherreihen verschwinden zu lassen… es hätte die Geschichte komplett umgeschrieben, denn die Bücherverbrennung ist in die Geschichte eingangen… wenn Sie aber einfach nur verschwunden wäre, hätte das soviel Aufmerksamkeit erregt?

  7. Und für alle die jetzt denken: „Sowas fällt doch auf!!!“, „Mach ich halt ne Kopie“, etc.

    Nur diejenigen die mit sowas rechnen würden, würden sich eine Sicherheitskopie machen, der rest der Menschheit wäre womöglich zu faul dazu.
    Und für die Leutz die meinen „Sowas würde doch auffallen!“ mal ein bildliches Beispiel: Wenn in deinem vollem Bücherregal über Nacht und das über längere Zeit hier und da ein Buch fehlen würde. Würde Dir das auffallen? Mal ganz erlich?
    Wenn jemand in dein Haus einbricht, und deine Bücher mit gewallt mitnimmt… fällt das schon eher auf, oder?

    Aber hoffen wir mal das Beste und harren der Dinge die da kommen ;).

  8. Öhm, ZENSUR? Auf Gizmodo…

    Mein 1. Kommentar mit dem Vergleich zur Bücherverbrennung, wurde gelöscht…

    Wird Gizmodo vom Springer-Verlag betrieben?

  9. Ok, ich kapier das mit dem Posting nicht… alte Kommentare werden durch neue überschrieben… sehr nett >_<.

    Für alle die jetzt denken: „Sowas fällt doch auf!!!“, „Mach ich halt ne Kopie“, etc.

    Nur diejenigen die mit sowas rechnen würden, würden sich eine Sicherheitskopie machen, der rest der Menschheit wäre womöglich zu faul dazu.
    Und für die Leutz die meinen „Sowas würde doch auffallen!“ mal ein bildliches Beispiel: Wenn in deinem vollem Bücherregal über Nacht und das über längere Zeit hier und da ein Buch fehlen würde. Würde Dir das auffallen? Mal ganz erlich?
    Wenn jemand in dein Haus einbricht, und deine Bücher mit gewallt mitnimmt… fällt das schon eher auf, oder?

    Aber hoffen wir mal das Beste und harren der Dinge die da kommen ;).

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