Getestet: Motorola Dext – Das etwas andere Android-Handy

Das ehemals glamouröse Motorola-Schiff befindet sich auf dem Weg Richtung Meeresboden. Das Dext (auch als Cliq bekannt) könnte das Unternehmen retten. Windows Mobile aufzugeben und auf Android zu setzen ist ein mutiger Schritt. Ob er sich gelohnt hat, lest ihr im Test.

Das Dext ist Motorolas erstes Android-Smartphone. Es ist allgemein das erste interessante Motorola-Handy, von dem man in letzter Zeit gehört hat. Still ist es geworden um die ehemalige Nummer eins auf dem Handy-Markt. Zumindest hat das Unternehmen eingesehen, dass Windows Mobile 6/7 Handys sich nicht wirklich lohnen. Also hat man sich für Android entschieden. Allerdings nicht irgendein Android, sondern eine stark angepasste Version mit erweiterten Web-2.0-Funktionen. Es ist also ein Android++-Handy.

Das Versprechen einer guten Anbindung an Community-Plattformen erfüllt das Gerät tatsächlich, auch wenn es hier und da ein paar Design-Stolpersteine gibt. Die Hardware fühlt sich etwas träge an – so wie bei jedem Android-Gerät bisher. Dafür wirkt die Tastatur sehr gut verarbeitet und die Motorola-Innereien machen auch einiges her. Das macht das Dext zu einem sehr interessanten Android-Handy.

Motorola_Dext_Test

Die Hardware ist stabil, außer, wenn sie’s gerade nicht ist

Motorola ist kein Fremder was die Herstellung eigener Geräte angeht. Man erwartet also dementsprechend gute Hardware. Das trifft auf das Dext leider nur teilweise zu. Alles in dem Gerät ist dort, wo man es erwartet und die Buttons sind mehr oder weniger an der richtigen Stelle. Aber die lockere Anbringung der ausfahrbaren Tastatur macht uns mit jeder weiteren Minute, die wir mit dem Gerät rumspielen, immer mehr Sorgen. Sowohl aus- als auch eingefahren macht die Tastatur einen sehr instabilen Eindruck. Nichts kritisches, aber irgendwie haben wir das Gefühl, als hätte Motorola es nicht geschafft, alles vernünftig zu verteilen – deswegen wackeln Bildschirm und Tastatur hier und da.

Eine Hardware-Tastatur ist in jedem Gerät ein Pluspunkt – so auch beim Dext. Man kann auf ihr ziemlich gut schreiben und der Zeilenabstand und Druckpunkt machen einen sehr guten Eindruck. Einzig die Sonderzeichen hätte man auf der Tastatur besser verteilen können. So lässt sich der Unterstrich zum Beispiel nur über das Sonderzeichen-Menü tippen. Aber vielleicht sind wir auch einfach nur etwas kleinlich. Im Allgemeinen ist das hier ein sehr gutes uns stabiles Keyboard.

Andere Baumängel

Man, dieser Slider… Wenn man zum Beispiel ein Foto machen möchte, muss man das Gerät nur von unten halten, weil der Slider sonst versehentlich aufgehen könnte und das Gerät runterfällt. Auch ist der Ein-/Ausschalter bündig mit der rechten Seite des Geräts. Das heißt, man spürt ihn einfach nicht. Selbst ein Blinder hätte Probleme ihn zu ertasten. Da man über diesen Knopf auch WLAN, Bluetooth, GPS und den Flugzeugmodus umschaltet ist das hier ein schlechtes Design.

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Um eine Micro-SD-Karte einzusetzen muss man die hintere Abdeckung lösen. Dafür kann man bis zu 32 GByte große Karten einsetzen. Da man diese aber nicht oft auswechseln muss, ist das Ganze eigentlich kein Problem – zumal man die Daten auch über Micro-USB übertragen kann. Der Klinkenstecker für den Kopfhörer zerstört ein wenig die schlanke Linie an der Oberseite. Aber hey, besser als gar kein Kopfhöreranschluss.

Leistung und Akku

Das Dext nutzt denselben Prozessor wie die anderen Android-Handys wie das Hero und MyTouch 3G. Es gibt also keinen großen Performance-Unterschied – die sind alle irgendwie langsam. Nicht unbenutzbar langsam, aber diese Art von langsam, die die Anwendungen nicht sofort startet. Das könnte auch der Grund sein, warum die Nutzung des Touchscreens manchmal ungenau ist und man manche Befehle mehrmals wiederholen muss.

Man kann sich vorstellen wie lange man ein Gerät mit großem Touchscreen betreiben kann, das die ganze Zeit verbunden ist mit Instant-Messengern, Facebook, Twitter und Co. Man muss es also jeden Abend aufladen. Wenn man es sehr viel benutzt sogar mehrmals am Tag.

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Hardware-Funktionen die uns gefallen

Es gibt paar praktische Funktionen die wir zu schätzen wissen. Das blinkende Licht für Benachrichtigungen zum Beispiel. Das ist praktisch, wenn man nicht sehr viele Mails bekommt und nicht sehr vielen Leuten bei Twitter folgt. Man kann auch das Gerät aus dem Sleep-Modus aufwecken in dem man einen der Knöpfe auf der Vorderseite drückt und nicht nur mit dem Ein-/Aus-Knopf.

Auch ist ein Steuerkreuz praktisch, sobald Android-Entwickler passende Apps entwickeln. Man kann ihn aber bereits jetzt für den NES/SNES-Emulator verwenden. Die 5-Megapixel-Kamera macht im Vergleich zu anderen Android-Handys ziemlich gute Bilder und die Sprachqualität beim Telefonieren ist recht gut.

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Software

Android ist nicht neu. Wir beschränken uns also auf die Dext-Funktionen. Das Gerät kann alles, was andere Android-Handys auch können. Neu sind allerdings die Home-Screen-Widgets. Wir fangen also da an.

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Die Home-Screen-Widgets

Es gibt vier an der Zahl: Status, Messaging, Ereignis und News/RSS. Das News-Widget ist selbsterklärend und ziemlich cool – die anderen sind etwas trickreicher. Mit dem Status-Widget kann man seinen Status in sämtlichen gängigen Social-Networks updaten. Im Messaging-Widget wird die Kommunikation protokoliert wie E-Mails, SMS, Privatnachrichten bei Twitter und Facebook und Instant-Messenger. Das Ereignis-Widget zeigt dir alle Status-Veränderungen deiner Freunde.

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Messaging-Widget

Keine Ahnung warum, aber ist ganz nett durch deine Mails direkt auf dem Start-Bildschirm zu scrollen und sie mit einem Klick löschen oder beantworten zu können. Das Problem ist einzig die Bildschirmgröße. Man kann zum Beispiel nicht die Empfängerliste sehen und weiß nicht an welche Personen diese Nachricht ging. Auch kann man nicht an mehrere Leute antworten. Man weiß auch nicht ob man einen Anhang in der Mail hat oder nicht.

Wenn man also richtige Mails schreiben möchte muss man die normale Mail-Anwendung öffnen und nicht das Widget – schade eigentlich. Es gibt auch eine richtige Messaging-App.

Ereignis-Widget

Das ist der Ort an dem alle Social-Networks zusammenlaufen. Manchmal fühlt man sich mit der Menge an Informationen in diesem Widget überfordert. Aber das hängt natürlich auch immer vom Benutzer ab. Nett wäre eine Funktion mit der man einstellen könnte welche Netzwerke angezeigt werden. Die gibt es aber leider nicht. Im Moment ist es eine Alles oder nichts Option. Aber man könnte natürlich auch jedes Netzwerk einzeln abfragen.

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Von dem Ereignis-Widget aus kann man auch direkt auf Beiträge seiner Freunde antworten.

News-Widget

Man kann News über RSS anzeigen lassen. Ansonsten verhält sich diese Mini-Anwendung wie die eben vorgestellten. Die RSS-Feeds sind dabei meist nach Themenbereichen sortiert. Gizmodo ist zum Beispiel bei Technik – gute Wahl!

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Nette Funktionen

Dadurch, dass Motorola kein eigenes Betriebssystem entwickelt hat, sondern ein bestehendes optimiert, hatte man genug Zeit die Benutzerführung zu optimieren. Das zeigt sich in vielen Punkten:

  • Die Ladeanimationen der Anwendungen sind sehr überzeugend und weder zu kurz noch zu lang.
  • Gesichter der Kontakte werden automatisch zugeordnet und man kann aussuchen ob man sie über Facebook oder Google heraussuchen möchte.
  • Mit dem MotoBlur-Account kann man im Fall eines Diebstahls einige seiner Daten wiederherstellen.
  • Apropos Diebstahl: Es gibt einen Gratis-Service, der dein Handy im Fall eines Diebstahls findet.
  • Es gibt Visual-Voicemail.
  • Der Homebutton ist ein Soft-Button – sehr praktisch.
  • Man kann mehrere Kontakte miteinander verknüpfen.
  • Ein Hilfe-Widget hilft bei Fragen.
  • Die ganzen Verknüpfungen sind sehr sinnvoll umgesetzt.
  • Man kann direkt nach Personen mit einem Druck auf den Startbildschirm suchen.
  • Ein Klick im App-Bildschirm durchsucht die Anwendungen.

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Bauchgrummeln

Die Software ist nicht ganz so geschmeidig, wie wir uns das wünschen würden und man trifft hier und da auf Fehler.

  • Yahoo-Mail funktioniert nur über 3G und nicht über WLAN. Aber hey, zumindest besser als gar kein Yahoo-Mail…
  • Es gibt keine Synchronisationsfunktion für Kontakte und Mails. Mediendateien lassen sich hingegen problemlos mit dem Rechner abgleichen.

Man kann nur in den seltensten Fällen die einzelnen Accounts kontrollieren. Man kann zum Beispiel nicht sagen: Ruf nur die Gmail-E-Mails ab und lass Facebook weg – das funktioniert nicht. Aber das könnte eine Funktion sein, die man problemlos mit einem Software-Update korrigieren könnte. Wir warten also ab.

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Fazit

Einer unserer größten Kritikpunkte ist die schwache Prozessorleistung. Die Animationen sind schick, die Oberfläche intelligent und die Social-Networking-Funktionen praktisch. Eine schnellere Hardware und mehr Account-Einstellungen wären aber echt praktisch gewesen. Sobald Motorola die Blur-Plattform auf ein schnelleres Gerät bringt und paar Kinderkrankheiten ausbessert, ist es ein wirklich gutes Android-Handy.

Ist das hier Motorolas Comeback? Es könnte es sein. Sie sind zumindest intelligent genug, um zu wissen, dass einfach nur ein Android-Handy herzustellen, nicht ausreicht. Deswegen gibt es diese vielen Social-Networking-Funktionen. Es reicht also, um das Dext als ein etwas anderes Android-Handy zu betrachten und vom Hero und Co. abzuheben. Vielleicht reicht’s ja für ein Motorola-Comeback. [Jason Chen/Maxim Roubintchik]

Social-Networking-Funktionen sind sehr gut.

Viele Kleinigkeiten, die die Bedienung erleichtern.

Hardware-Tastatur.

Gute Verarbeitung – vom Slider mal abgesehen.

Es ist ein Android-Handy. Man kann es also sowohl hassen als auch lieben – je nach Geschmack.

Langsamer Prozessor, der die wahren Möglichkeiten des Handys blockiert.

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  1. inwiefern sind die social networking apps auf dem dext gut? ich persoenlich halte nichts davon twitter, facebook, xing etc in einen topf zu werfen. man schaue sich die fb app auf dem iphone an, unschlagbar als standalone app. der funktionsumfang & zweck der einzelnen netzwerke ist doch viel zu speziell dazu. ich wuerde das dext nicht kaufen. holt euch lieber das iphone 3gs da seid ihr besser bedient… wenn es euch auf performanten zugriff auf social netwks ankommt. unter anderen gesichtspunkten wie der verwendung als mp3 oder fotohandy allemal.

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