Test: Android 2.0 – Fast schon menschlich

Vor einem Jahr war Android ein unfertiges Betriebssystem für Nerds. Voller Potential - aber es wurde nicht wirklich genutzt. Android 2.0 wirkt überarbeitet und viel klarer. Trotzdem hat es Mängel hier und da. Wir hab es ausführlich getestet…

Innerhalb des letzten Jahres hat sich Android mehr verändert als irgendein anderes Handy-Betriebssystem. Kaum ein OS gibt es in sovielen verschiedenen Formen und Designs. Jedes große Update hat Androids Funktionspalette erweitert. Zusätzliche Benutzeroberflächen von HTC oder Motorola haben neuen Maßstäbe in Punkto Design gesetzt. Wenn man mal das G1 mit den heutigen Androids vergleicht, dann sieht man deutlich welche Entwicklung das Betriebssystem bereits durchgemacht hat. Android 2.0 stellt alle bisherigen Plattformen in den Schatten. Allerdings hat auch das neue OS einige der alten Schwächen.

Wir haben gestern einen Test zum Motorola Droid veröffentlicht. Das ist das erste Android 2.0 Handy.

Neues Design, alte Schwächen

Android 2.0 strahlt – nicht auf diese Apple »die ganze Welt besteht aus Glitzer-Glamour« Art. Mehr wie Plastik und Action-Figuren zum Sammeln. Das Cartoon-Design und diese klassischen Google-Regenbögen sind weg. Die Icons sind für Displays mit hohen Auflösungen und einer Menge Bildpunkten gedacht. Das Design ist viel subtiler und wirft tatsächlich die Frage auf, ob Google das Ganze so entworfen hat.

Icons und Menüleisten sind zwar aufpoliert worden und Einstellungen wirken deutlich aufgeräumter, aber die Bedienung hat sich nicht verändert: Es gibt drei Desktops. Darauf kann man Icons und Widgets ablegen. Es gibt immer noch die Benachrichtigungsleiste, die man von oben runterziehen kann. Darin sind alle wichtigen Mitteilungen des Betriebssystems. Auch die Hauptmenü-Leiste ist noch da. Das ist alles so in Ordnung – vielleicht ein wenig chaotisch und unsortiert.

Der Grund warum wir kein Problem mit dem Chaos haben liegt daran, dass Multitasking mit dem Android-OS einfach fantastisch ist. Es gelingt besser als mit so ziemlich jedem anderen Handy – einzige Ausnahme ist das Pre. Diese Nachrichtenleiste ist einfach toll: Wenn man zum Beispiel gerade im Internet unterwegs ist und eine SMS bekommt, kann man einfach die Leiste runterziehen, sich die SMS anschauen und weiterbrowsen. In diesem Punkt überzeugt uns Android 2.0 voll und ganz – vor allem, weil jetzt alles schneller läuft.

Die langen Klicks und der Menü-Knopf werden immernoch recht häufig eingesetzt – allerdings nicht wirklich konsequent. Wenn man in einer Anwendung irgendeine Funktion sucht, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese hinter einem langen Klick oder einem Druck auf den Menü-Knopf versteckt ist. Diese Bedienelemente machen jedoch immer was anderes – je nach Anwendung und manchmal sogar in derselben Anwendung – je nach Kontext.

Android_2.0_TestUniversal Search und vor allem die Sprach-Suche sind erstaunlich gut. Die Genauigkeit hat uns echt überrascht. Vor allem die Nummern-Erkennung ist wirklich gut. Allerdings ist das hier keine wirklich universelle Suche: Man kann nur Apps, Kontakte, YouTube, Musik und das Web durchsuchen. SMS und E-Mails muss man getrennt durchsuchen. Das macht für uns nicht wirklich Sinn.

Android 2.0 beherrscht Multitouch. Allerdings findet man diese Funktion nirgendwo, außer bei der virtuellen Tastatur. Das ist sehr schade. Browser, Maps und die Tastatur im Porträt-Modus sind noch immer zu klein.

Ein Killer-System – mehr oder weniger

Software ist immer an die Hardware gebunden. Das Droid ist das erste Android 2.0 Handy und das einzige, das wir bisher benutzt haben. Mit seinem ARM Cortex A8 TI OMAP3430 Prozessor ist es sehr potent. Er ist also sehr gut!

Das hier ist zwar das bisher schnellste Android-Handy. Anwendungen werden schnell geöffnet, laufen schnell, man kann fix zoomen – selbst wenn ein paar Anwendungen bereits im Hintergrund laufen. Allerdings hängen Grundfunktionen wie das Popup-Menü oder der Desktop. Wenn man von einem Desktop auf den anderen schalten möchte, gibt es oft Ruckler. Hier erkennt man, dass es wohl an Android liegen muss und nicht an der Hardware.

Accounts, Kontakte, Exchange und andere ernst klingende Begriffe

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Neben dem Google-Navigations-Programm, ist Android 2.0 das wichtigste Update für Normalsterbliche. Der Fokus liegt klar bei Kontakten und Netzwerken. Wie das Palm Pre oder HTCs Sense kann man von überall aus auf Kontakte zugreifen. Mit den Leuten kann man sich nicht nur Telefonisch in Verbindung setzen, sondern auch über Facebook, Exchange und mehr (noch kein Twitter). Das Ganze funktioniert sehr gut. Die Art und Weise auf die man Facebook-Kontakte hinzufügt ist sehr durchdacht: Man kann auswählen, ob man alle hinzufügt oder nur Einzelne. Android hat es sogar ohne weiteres geschafft das Telefon-Adressbuch mit dem Facebook-Adressbuch abzugleichen – mit einigen Fehlern:

1. Jeder, der seinen Namen bei Facebook groß schrieb, wurde gefunden.
2. Es gab ein paar Fehler beim Zuordnen. Nichts Dramatisches – das könnte sich in der nächsten Version ändern.

Die Schnellkontakt-Funktion bringt Ordnung ins Chaos. Ein Klick auf einen Kontakt, lässt gleich eine ganze Leiste erscheinen. Darin kann man dem Ansprechpartner SMS senden, ihn anrufen, eine E-Mail verfassen oder ihn über Facebook kontaktieren.

Android kommt einem echten Smartphone langsam näher – zumindest beim Thema Accounts. Man kann automatisiert mehrere Google-Accounts einrichten und es gibt endlich Exchange-Support. Das bedeutet, dass man mehrere Mail-Accounts mit der Google-Mail-Anwendung betrachten. Man muss Fremd-Accounts also nicht mehr mit der zwar ganz akzeptablen, aber nicht so guten, Standard-Email-App betrachten. Die verwaltet alle Exchange-, IMAP- und POP-Mails. Allerdings muss man dann zwischen den Accounts in der Google-Mail-App umschalten. Zur Erinnerung: Bei Android gibt es zwei E-Mail-Applikationen. Google Mail und die Andere. Sie sind komplett unterschiedlich.

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Es gibt eine ziemliche Beschränkung, wenn man mehrere Google-Mail-Accounts benutzt: Der einzige Google-Kalender, der sich mit dem Handy synchronisieren lässt ist der des Haupt-Google-Accounts. Für Exchange-Kalender gibt es die »Corporate Calendars« Anwendung. Wir haben den Exchange-Support mit mail2webs Gratisservice ausprobiert und alles wurde richtig angezeigt.

Maps

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Die größte Veränderung in Google Maps ist sicherlich die Navigationsfunktion. Nachdem wir die Anwendung eine Woche lang im Auto getestet haben, kann man sagen: Die Anwendung ist gut, aber stellenweise verwirrend und kompliziert. Einer der verwirrenden Punkte ist wohl, dass es zwei Programme gibt. Man kann sowohl innerhalb von Google Maps navigieren, als auch in einer einzelnen Anwendung.

Ebenfalls neu sind die Layer. Alle Informationen, die in Maps eingeblendet werden können, sind jetzt ein Layer. Wenn man also die Navi-Funktion an hat und auf der Karte die Satellitenansicht mit der Anzeige aller Cafes in der Gegend haben möchte, sind es bereits drei Layer. Das Ganze kann etwas verwirrend werden, wenn man von Suchfunktion zu Suchfunktion wechselt oder von Maps zur Navigation und zurück zu Maps. Es ist nicht immer selbsterklärend.

Toller Browser, aber leider ohne Multitouch

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Der Browser ist schneller, besser und hat mehr Leistung. Er ist jetzt wohl der zweitbeste Mobil-Browser direkt hinter dem Safari auf dem iPhone. Große Seiten wie Gizmodo werden ohne weitere Probleme sofort angezeigt und man kann direkt darin scrollen und navigieren. Hier und da hängt der Browser allerdings. Jede Seite wird anfangs in einer Vollansicht angezeigt, auf der man nur relativ wenig erkennt. Also möchte man zoomen. Das gestaltet sich jedoch relativ schwierig, da man keine Multitouch-Gesten, wie beim iPhone, benutzen kann. Gleiches gilt übrigens für Maps und ist sehr ärgerlich. Also muss man sich auf Buttons und Doppelklicks verlassen. Die sind jedoch bei Weitem nicht so genau wie eine Zangenbewegung mit den Fingern. Wenn selbst Palm sowas kann und das Gerät es beherrscht, warum kann Google es nicht? Bloß wegen irgendwelchen Lizenzdeals? Also wirklich!

Eigentlich wäre es ja eine bessere Kamera

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Mehr Funktionen! Weißabgleich, mehrere Fokusarten, Farben und vieles mehr. Zu schade, dass die Kamera auf dem Android gelinge gesagt Müll ist. Wir wissen nicht, ob es an der Soft- oder Hardware liegt, aber sie lässt sich einfach nicht gebrauchen. Bitte ausbessern, Motorola!

Multimedia – da fehlt doch was

Android_2.0_TestDie einzige Möglichkeit Musik und Videos auf das Gerät zu bringen, ist sie per Hand dort hin zu kopieren. Es gibt keine Synchronisation. Keinen einfachen Weg deine Musik-Sammlung auf das Handy zu portieren. Wie sollen normale Menschen damit klarkommen?

Der Videoplayer ist Teil der langsamen und fehlerhaften Galerie-Funktion. Dort betrachtet man normalerweise Fotos. Videos die auf dem Zune HD und dem iPhone problemlos abgespielt werden, lassen sich auf dem Android-Handy einfach nicht wiedergeben. Auch die MP3-Player-Funktion ist schrecklich.

Bevor wir nicht locker 12 GByte Musik und Videos mit dem Rechner synchronisieren können, kommt dieses Handy für uns nicht in Frage. Klar gibt es solche Anwendungen wie DoubleTwist oder Motorolas mitgelieferte Software, aber es sind keine Android-Anwendungen. Es sollte doch kein Problem sein für Google eine entsprechende Synchronisationsfunktion einzubauen. Eine Consumer-Handy-Plattform wie Android ohne eine Mediensynchronisation ist ein Desaster. Das ist als ob man mein Raumschiff mit einem Loch im Rumpf auf die Reise ins All schickt.

Der Android Marktplatz

Android_2.0_TestFür Android stehen bereits über 10.000 Anwendungen im Marktplatz zum Download bereit. Einerseits gibt es alle wichtigen Apps wie Facebook, Amazon und Co., allerdings mit einigen Einschnitten. Der Android-Version fehlen oft wichtige Teile der Anwendung – so kann man im Android-Facebook nicht einmal Chatten. Zudem sehen die gleichen Apps auf dem iPhone einfach viel besser aus. Spiele? Da sieht’s schlecht aus. Wenn man nicht gerade auf der Suche nach einem NES-Emulator ist, dann wird man ziemlich enttäuscht sein. Klar ist Android noch eine relativ junge Plattform, aber im Moment ist das Software-Angebot wirklich nicht überzeugend. Ein wichtiger weitere Punkt ist der begrenzte Speicherplatz für die Anwendungen: Auf dem Droid kann man zum Beispiel nur 256 MByte nutzen. Und nein, man kann sie nicht auf der Speicherkarte ablegen.

Ein weiteres Problem ist, dass die meisten Anwendungen nicht für hohe Auflösungen gemacht wurden. Das heißt: Die Icons und das gesamte Interface sehen einfach schrecklich aus – selbst im Hautpmenü. Da trägt Google allerdings wohl auch einen Teil der Schuld. Schließlich hat man den Zugang zu den Andoid-2.0-SDKs nur einer Handvoll Entwicklern ermöglicht.

Der Marktplatz selbst wurde ja bereits in Version 1.6 drastisch umgebaut. Allerdings gibt es noch immer Verbesserungspotential. Man kann zum Beispiel nicht alle Anwendungen gleichzeitig updaten. Man muss also jede einzeln erneuern und sich durchklicken. Nur auf dem Handy nach Anwendungen zu suchen kann teilweise sehr ermüdend werden. Es sollte also auch eine Möglichkeit geben auf dem PC danach zu suchen.
Google hat doch diese ganzen tollen Cloud-Anwendungen. Warum kann man nicht einfach alle Apps und Kontakte mit dem Google-Account verknüpfen?

Fazit

Android 2.0 ist toll. Es ist eine tolle Verbindung mit den Google-Diensten. Wenn man oft Google-Dienste benutzt, dann gibt es wohl kein besseres Handy-Betriebssystem. So ist zum Beispiel die Google Mail Anwendung ein perfektes Handy-Abbild des echten Google Mail. Wenn man Google Talk benutzt, darf man sich auch über eine tolle Anwendung dafür freuen. Google ist wirklich die größte Stärke des Android-Betriebssystems. Multitasking ist die zweite.

Android macht Handys wirklich zu mobilen Kommunikationsmaschinen. Auch wenn das Interface nicht ganz so flüssig und edel wirkt wie das iPhone-OS oder selbst das WebOS von Palm. Android-Handys bieten jedoch weit mehr Funktionen als ein Großteil der anderen Geräte. Zudem wird ständig an dem OS gebastelt und Fehler behoben. Man könnte nicht behaupten, dass Android die Nerd-Zielgruppe endgültig aufgegeben hat. Laien werden noch ihre Probleme mit Android 2.0 haben. Allerdings sollte jeder Gizmodo-Leser problemlos mit Android zurechtkommen. [Matt Buchanan/Maxim Roubintchik]

Google Apps sind einfach toll.

Facebook und Exchange funktionieren einwandfrei.

Zweitbester Mobilbrowser.

Neues Design, alte Fehler.

Unterstützung für mehrere Google-Accounts ziemlich limitiert.

Immer noch teilweise recht träge.

Keine vorinstallierte Musik-Synchronisation.

Schrecklicher Musik- und Video-Player.

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  1. Komisch, ihr sagt die Anwendungen nutzen alle kein Multitouch, aber warum seh ich dann im Web Videos vom Droid, wo überall Multitouch genutzt wird. (Bilderslides, Browser, …)

    Ist es eigentlich wahr, dass in der deutschen Version des Handys die Navigationsfunktion bei GoogleMaps beschnitten wurde?

  2. Vielen Berichten von „unserer“ (europäischer) Seite nach beherrscht das Android 2.0 in Motorola Milestone (n.b. im Gegensatz zu Motorola DROID) Multitouch System-umfassend (d.h. auch in Maps, Bildervorschau, Browser etc.). In Motorola DROID gibt es eine Multitouch API, d.h. andere Anwendungen können auch Multitouch benutzen. Wieso die System-eigenen Anwendungen das nicht tun, ist bisweilen unbekannt.
    Aber die Navigationsfunktion von Google ist in der europäischen Version nicht da, anstelle derer wird eine andere Navi-Software (MOTONAV) mitgeliefert.

  3. Mit Android habe ich keine Probleme… mit euerem Review dagegen schon.

    Selten so etwas wirres, unzusammenhängendes und zerstückeltes gelesen.
    Vorm posten lieber nochmal drüberlesen und besser strukturieren…

    Android 2.0 anhand eines Handys zu testen ist auch eher fragwürdig. Denn keiner weiß wie viel davon nativ 2.0 ist und wie viel Motorola dazu beigetragen hat. Gibt es im SDK nicht eine Emulationsfunktion? Das hätte man mal durchspielen sollen…

  4. Ich stimme epospecht zu.

    Ausserdem kann ich diese ständigen Vergleiche mit dem iPhone nich mehr ab…muss man eigentlich alles gleich vornerein dem iPhone unterordnen?
    Es mag in vielen Dingen gut sein – aber was beschränkungen und kinderkrankheiten angeht, liegt es weit hinter android.

    Ich hab jedenfalls nie meinen wechsel vom iPhone zum G1 bereut und freu mich schon auf cyans portierung von Eclair auf das G1…

  5. Echt ein super Test.

    Teils extrem kritisch, teils begeistert. Also super ausgeglichen!

    Ich kann allem zustimmen, was hier geschrieben wird, dass ist bei mir selten^^

  6. […] Android macht Spass! Soviel kann ich sicher schon sagen. Das Betriebssystem ist ein echter Konkurrent zum iphone OS, bietet mehr Möglichkeiten aber zeigt auch Schwächen. Ein Google Konto wird praktisch vorausgesetzt, wenn man dieses aber hat ist man sehr gut bedient. Applikationen gibt es mittlerweile auch zu Hauf und die Bedienung ist einfach gelungen. Für einen ausführlichen Bericht über Android 2.0 empfehle ich den Bericht von gizmodo. […]

  7. […] Android macht Spass! Soviel kann ich sicher schon sagen. Das Betriebssystem ist ein echter Konkurrent zum iphone OS, bietet mehr Möglichkeiten aber zeigt auch Schwächen. Ein Google Konto wird praktisch vorausgesetzt, wenn man dieses aber hat ist man sehr gut bedient. Applikationen gibt es mittlerweile auch zu Hauf und die Bedienung ist einfach gelungen. Für einen ausführlichen Bericht über Android 2.0 empfehle ich den Bericht von gizmodo. […]

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