Test: Nokia Booklet 3G – Was war nochmal der Grund es zu kaufen?

Das Booklet 3G von Nokia ist ein Netbook mit dem wuchtigen Preisschild eines waschechten Notebooks. Wer dafür mehr Leistung als von einem gewöhnlichen Mini-Rechner erwartet, wird jedoch enttäuscht. 800 Euro sind ein stolzer Preis. Wir haben uns den Miniatur MacBook-Klon mal angesehen.

Nokia hatte uns in einem Gespräch mal versucht zu erklären, warum man sich beim Booklet 3G für einen derart hohen Preis entschieden hat. Es hat wohl was mit Qualität zu tun, die jeder von einem namhaften Unternehmen erwartet. Nicht missverstehen: An Qualität mangelt es dem Booklet nicht. Schickes Unibody-Design, coole Funktionen und robuste, qualitativ hochwertige Verarbeitung. Design kann aber einfach nicht alles sein.

Zum »Nägel in die Wand schlagen«

Das Gehäuse des Booklet 3G wirkt massiv. Wuchtig und stabil. Trotzdem ist das Gerät schön klein und flach – fast surreal, wie eines dieser Spielzeug-Geräte. Es fühlt sich einfach gut an in der Hand. Die Tastatur ist extrem gut verarbeitet und macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Mindestens eben so hochwertig wie der Rest des Gehäuses. Nichts wackelt, nichts wirkt brüchig oder instabil. Alles wirkt wie aus einem Guss und ist insgesamt sehr stimmig. Fast, als könne man damit Nägel in die Wand schlagen. Ich habe es nicht ausprobiert, aber ich glaube, dass das Gerät höchsten ein paar Kratzer davontragen würde – außer man macht es im eingeschalteten Zustand.

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Die Lautsprecher sind rechts und links seitlich eingelassen und bündig mit dem Rest des Gehäuses. Sie wirken ein wenig wie die Lüftungslöcher eines Hochleistungsrennwagens. Der 10,1-Zoll-Bildschirm wirkt für die Größe des Display-Deckels zu klein. Fast wie einer der ersten Eee-PCs und zerstört den hochwertigen Look.

Anschlussmöglichkeiten

Der winzige Rechner hat ganze drei USB-Anschlüsse und sogar einen HDMI-Ausgang, auf dessen Sinnlosigkeit ich weiter unten zu sprechen komme. Per SD und MicroSD kann man die 120-GByte-Festplatte erweitern (nein, es ist keine SSD). Es gibt einen Kopfhöreranschluss, aber keinen Mikrofon-Eingang. Dafür kann man damit auch gewöhnliche Handy-Headsets verwenden. Allgemein wirkt das Booklet eher wie ein großes Mobiltelefon, als ein Netbook. Das zeigt sich auch an der Hardware:

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So ist zum Beispiel ein SIM-Karten-Slot an Bord. Damit kann man recht bequem mobil im Internet surfen ohne irgendwelche zusätzlichen Sticks einstecken zu müssen. Als Prozessor dient ein gewöhnlicher Atom Z530 mit 1,6 GHz und wird unterstützt von einem GByte DDR2-RAM (nicht zwei!). Jetzt kommt der Clou: Nvidias Ion-Chipsatz ist nicht dabei. Das heißt, man hat zwar ein HD-Ready-Display mit einer Auflösung von 1.280 x 720 Bildpunkten und einen HDMI-Ausgang, kann damit aber nichts anfangen!

Zum »Gegen die Wand werfen«

Ich hatte mich zunächst auf ein Netbook mit Windows 7 gefreut. Schließlich heißt es ja immer, dass Windows 7 so unglaublich toll auf Netbooks funktioniert – ich hatte bislang nur XP-Geräte. Ich weiß nicht, ob es an dem neuen Microsoft-OS oder an dem Gerät liegt, aber ich hätte es zwischenzeitlich am liebsten gegen die Wand geworfen und wäre auf den Überresten rumgetrampelt. Davon abgehalten hat mich einzig die Überzeugung, dass die Hülle einen solchen Wurf gegen unsere Gips-Wände locker überstehen würde und sogar ein Loch in die selbigen schlagen würde. Also habe ich von meinem Vorhaben abgelassen.

Das Booklet 3G ist teilweise dermaßen lahm, dass ein »gegen die Wand werfen«, mir als durchaus legitimes Mittel erschien. Ein Beispiel: Das Einrichten von Windows 7 hat eine geschätzte Stunde gedauert. Dabei war das Betriebssystem bereits vorinstalliert. An anderen Stellen wollten Programme einfach nicht starten oder Anwendungen haben Minuten gebraucht, um zu reagieren.

Praktische Funktionen

Nicht alles an dem Booklet 3G ist schlecht. Es hat einige durchaus praktische Funktionen. Den SIM-Slot habe ich bereits erwähnt. Ebenfalls cool ist der eingebaute A-GPS-Empfänger und die OVI-Karten. Ebenfalls mit an Bord ist ein Beschleunigungssensor. Ein Druck auf den Ausschaltknopf lässt dich zwischen verschiedenen Energiemodi und Netzwerkeinstellungen wählen – die Funktion ist an Handys angelehnt und die über die Funktionstasten aufrufbaren Bildschirmmenüs sind schick und nützlich. Ach und natürlich:

Die Akkulaufzeit

In dem von mir entwickelten Akkulaufzeit-Benchmark kam das Gerät auf 8 Stunden und 24 Minuten unter Dauerbelastung. Das ist mehr als die meisten anderen Geräte von sich behaupten können. Angesichts des großen Akkus und geringen Energieverbrauchs jedoch nicht weiter verwunderlich.

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Fazit

So leid es als Nokia-Fan tut, aber ich sehe keinen Grund sich ein Booklet 3G zu kaufen – zumindest mit der derzeitigen Hardware-Ausstattung. Nokia hat in dem Gerät an vernünftiger Hardware gespart und sich stattdessen für gewöhnliche Netbook-Innereien entschieden. Dazu eine zugegeben sehr schicke und stabile Hülle und einige praktische Funktionen. Das macht jedoch nicht die schwache Performance wett. Ich rechne dem Booklet 3G durchaus Potential zu, jedoch nicht in seiner derzeitigen Form. Liebe Nokianer: Baut zwei GByte RAM rein, Ion-Plattform und einen größeren Bildschirm und lasst meinetwegen den Preis. Andere Möglichkeit wäre den Preis auf maximal 400 Euro zu reduzieren. 800 Euro für dieses Produkt ist aber ganz ehrlich zu viel der Liebe. [Maxim Roubintchik] [Nokia]

SIM-Slot und GPS.

Verarbeitung und Gehäuse.

Tastatur und Touchpad.

Windows 7.

Preis.

Schwache Hardware.

Unerträglich langsam.

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