Kurztest: JooJoo (Crunchpad) – riesiges Internet-Tablet

Das Internet-Tablet geistert unter dem Namen Crunchpad bereits seit vielen Monaten durch die Medien und war auch bei uns ein gerne gesehener Gast. Jetzt gibt es einen ersten funktionierenden Prototyp. Wir haben einen Blick auf das Gerät von Fusion Garage geworfen.

Technische Details

Hier sind einige neue technische Details, die wir beim Treffen mit den Entwicklern rausbekommen haben. Erstens: Als Prozessor kommt ein 1,6 GHz Atom zum Einsatz, in Kombination mit einem GByte RAM. Die Entwickler wollen die genauen technischen Details noch nicht bekannt geben, aber wir haben den Rechner beim Booten beobachtet und so die technischen Details rausbekommen. Schließlich werden die beim einschalten des Rechners ja angezeigt. Chandra, der CEO von Fusion Garage, sagte uns, dass die Hardware in den Demo-Geräten auch die finale Hardware sein soll. Man kann also eins und eins zusammenzählen.

Als Grafikkarte dient höchstwahrscheinlich Nvidias Ion-Chipsatz. Der Hersteller behauptet, dass 1080p YouTube-Videos problemlos abgespielt werden. Wir haben davon leider nur einige Sekunden gesehen, weil die Internet-Verbindung instabil war – aber es ist wahrscheinlich ein Ion. Das Videomaterial selbst sah auf dem 12-Zoll Bildschirm mit einer Auflösung von 1366 x 768 Bildpunkten ganz gut aus. Um es nochmal zu betonen: Wir sind uns nicht sicher, dass Fusion Garage auf den Ion setzt. Es gibt mehrere Lösungen um HD-Videos zu beschleunigen. Ein Atom-Prozessor alleine, kann es aber nicht.

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Ansonsten sind Mikrofon- und Kopfhörer-Anschluss bereits mit an Bord, sowie eine eingebaute 1,3-Megapixel-Webcam. Dazu ein Port für das Ladegerät und USB. Der Speicherkarten-Leser ist zwar im Prototyp drin, wird in der finalen Version jedoch nicht vorhanden sein. Dafür soll jedoch ein 3G-Slot eingebaut werden, damit man mit dem Gerät irgendwann in Zukunft mobil surfen kann. Es gibt keinen TV- oder HDMI-Ausgang – zumindest derzeit. Sie denken aber darüber nach. Dank integrierten Lautsprechern kann man sich seine Musik und Videos auch ohne Kopfhörer anschauen. Der Sound ist in Ordnung, aber nicht außergewöhnlich. Für längere Videos sollte man das Gerät an irgendeine Art Lautsprecher anstecken.


Wie man in dem Video sieht, funktioniert das Gerät schon recht gut, allerdings sind einige Funktionen noch nicht fertig. Dazu mehr im Text.

Leistung

Das Gerät macht einen guten Job, beim Surfen auf Webseiten. Der Wechsel zwischen den einzelnen Tabs und das Öffnen neuer Tabs geht erstaunlich flüssig und gut von der Hand. Ein Beschleunigungssensor erkennt in welcher Lage sich das Gerät befindet und wechselt automatisch zwischen horizontaler und vertikaler Ansicht.

Das Gehäuse ist stabil, massiv und anmutig. Dafür sorgt unter Anderem auch der helle 12-Zoll-Bildschirm. Die Rückseite ist abgerundet und fühlt sich gut an. Im Allgemeinen scheint das Gerät nicht zu schwer zu sein, um aus dem Bett zu fallen.

Um es kurz zu sagen, es ist ein gutes Internet-Tablet, das man problemlos benutzen kann.

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Software

Das ganze Betriebssystem ist im Grunde nur eine Plattform für den Zugriff auf den Browser. Der basiert übrigens auf Webkit. Das ist die gleiche Basis, die der Safari und Google Chrome verwenden. Er ist schnell und verarbeitet die Gesten sehr gut. Zu diesen zählen Dinge wie über den Bildschirm streichen, um eine Ebene zurück zu gehen oder nach oben und unten schweifen. Die fertige Version des JooJoo wird noch mehr Gesten unterstützen, wie Wischbewegungen mit zwei Fingern, um in der Browser-History zu navigieren. Wir haben davon aber leider noch nichts gesehen. Man kann allerdings nicht Text mit einer Zangenbewegung vergrößern. Das liegt daran, dass diese bereits für andere Funktionen eingesetzt wird: Man gelangt damit zurück zum Start-Bildschirm oder vom selbigen in die zuletzt genutzt Anwendung. Allerdings braucht man den Zoom eigentlich auch gar nicht. Das Display ist immerhin 12 Zoll groß und bei einem Netbook oder Notebook muss man schließlich auch nicht den Text vergrößern. Auch sollen in Zukunft größere Versionen des Tablets auf den Markt kommen und das 12-Zoll-Gerät soll das kleinste davon sein.

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Die Tastatur des JooJoo ist auf dem oberen Bild zu sehen. Sie nimmt nur einen kleinen Teil des Bildschirms ein. Man kann ganz gut darauf schreiben, aber Blogbeiträge würden wir damit nicht verfassen wollen.

Fusion Garage hat sich als Ziel für dieses Produkt gesetzt, dass das Internet die Anwendung sein soll. Diese Ideologie verkörpert das Gerät in vielen Punkten. Man kann zum Beispiel keine Fotos oder Dateien lokal speichern. Auch kann man nicht auf die internen 4 GByte Speicher der SSD zugreifen und auf Benutzerebene damit irgendwas anstellen. Das einzige, was man bestimmen kann, ist wieviel Cache-Platz man Web-Anwendungen wie zum Beispiel GoogleMail und Co. einräumen möchte.

Flash wird unterstützt, wie man es erwarten würde. Wenn man jedoch HD-Inhalte per Flash anschauen möchte, ist man gezwungen in den Vollbildmodus zu wechseln. Darin wird alles schneller und besser gerendert. Wenn man PDFs lesen möchte, ist man gezwungen Googles webbasierenden PDF- und Doc-Reader zu verwenden. Man kann also PDFs lesen, aber nicht mit einem vorinstallieren Programm.

Der Startbildschirm besteht fast komplett aus Icons und Verknüpfungen zu Web-Applikationen. Man wird ihn wohl anpassen können und mit eigenen Anwendungen versehen. Wenn man zum Homescreen zurückwechselt, wird jedes Mal ein anderer Hintergrund angezeigt – eine sehr merkwürdige Funktion. Fusion Garage möchte sie aber eventuell rausnehmen und durch irgendwas Anderes ersetzen.

Was Multitasking angeht, möchte der Hersteller spezielle APIs entwickeln, mit denen Webapps Hinweise an den Benutzer senden können. Ein Beispiel: Wenn es auf Twitter irgendwelche Updates gibt und man gerade in einem anderen Fenster YouTube-Videos schaut, wird der Anwender durch ein Popup-Fenster auf diesen Umstand hingewiesen. Die APIs werden zusammen mit dem Gerät veröffentlicht. Es liegt jedoch bei den Webseitenbetreibern diese Funktionen zu unterstützen.

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Fazit

Man merkt, dass Fusion Garage viel Zeit in dieses Projekt investiert hat. Das zeigt sich daran, dass sie einen 12-Zoll-Bildschirm gefunden haben, der keinen komplett miesen Blickwinkel hat und 1080p-HD-Videos ohne Probleme dargestellt werden.

Das derzeitige Problem ist die Software, die nur zu 75 Prozent fertig ist. Fusion Garage möchte das Gerät in 8-10 Wochen erstmals in den USA vertreiben. Vorbestellen kann man das es ab Freitag. Wenn der Hersteller es bis dahin fertigkriegt die Plattform zu vollenden und diese nicht zu kompliziert ist für jemanden, der einfach nur ins Web möchte, dann ist der Preis von 500 Dollar gerechtfertigt. Gute Netbooks sind auch nicht billiger und Apples kommendes Tablet, wird sicher auch sowas um den Dreh kosten – wenn nicht mehr. Wir würden uns natürlich freuen, wenn es etwas weniger kosten würde, aber es ist nunmal ein neues Gerät in einem neuen Markt und man muss als Frühkäufer eine größere Summe auf den Tisch legen.

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Derzeit warten wir also einfach ab und schauen, was auf uns zukommt. Das JooJoo scheint ganz gut zu sein. Das können wir sagen, nachdem wir eine Weile damit zugebracht haben. Um uns ein richtiges Urteil darüber fällen zu können, müssten wir das Gerät aber mit nach Hause nehmen, viele Apps testen, zig HD-Videos anschauen und jede Menge Musik damit hören. Dann sehen wir zumindest wieviel die Akkulaufzeit von fünf Stunden in der Praxis tatsächlich bedeutet. Man kann das Gerät ab Freitag vorbestellen. Da allerdings einige rechtliche Probleme hinter dem Horizont lauern, sollte man getrost noch eine Weile abwarten, bis sich alles klärt, bevor man sein Geld ausgibt. Außerdem ist noch unklar, wann und ob das Gerät in Deutschland erhältlich sein wird und ob der Hersteller Vorbestellungen in Deutschland entgegennimmt. Aber es gibt immer Mittel und Wege. [Jason Chen/mr] [JooJoo]

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  1. Das Gerät schaut von der Hardware echt gut aus…aber ich bin mir sicher, dass man mit der richtigen Software noch mehr aus diesem Gerät rausholen kann.

    Ich warte lieber auf Apple solange auf dem Ding noch WebOS läuft…

  2. nett… aber für das, was es kann, zu teuer :-/ warum packt man in so ne hardware eine software, die nur ins netz kann? was wäre z.b. mit bluetooth-connectivity, um ne externe maus u tastatur anzuschließen? oder zumindest basis ebook-reader? warum sollte man sich dann nicht für 500 schleifen eher nen lappi der unteren preisklasse kaufen? und das argument mit den HD videos zieht eh nicht, wer will denn ein gerät, mit dem er nur den schrott gucken kann, den er kostenlos auf youtube sehen kann?

  3. Ich bin noch hin und her gerissen. Einerseits juckt es mich gewaltig auch beruflich währe es für mich interessant andererseits, dass es nur web basiert ist gefällt mir nicht. In der Stadt kein Problem auf dem Land schon, ich habe nicht überall die Möglichkeit auf das Internet zuzugreifen. PDF nur Online ist nicht akzeptabel.

    16 oder 32 GB SSD und Cardreader damit man selber auch Offline Programme installieren kann ist für mich zwingend.

    Na schaun ma mal ob das nach Deutschland kommt und wie.

  4. Michael Arrington, der Chefblogger von techcrunch.com hat sich in den letzten Tagen häufiger dazu geäußert, dass das Crunchpad gar nicht wird in den Handel gehen können, weil, weil Fusion Garage allenfalls über einen Teil der Rechte an der Entwicklung verfügt?!?

    Nach einer Trennung aufgrund unüberbrückbarer Differenzen pp. kann man den Lauf der Dinge (aus seiner Sicht) hier nachlesen: http://search.techcrunch.com/query.php?s=crunchpad

  5. Sieht auf jeden Fall verdammt geil aus! Aber ich glaube, dass auch Apple an so einem ähnlichen Teil arbeitet… Das wird noch interessant, was sich in der Hinsicht auf solche Tablet-PC der Markt entwickelt.

  6. Also ich finde dass die 500 Dollar nicht gerechtfertigt sind, weil es eigentlich nur Webapplikationen verwendet und man das Betriebssystem auch nicht selber wählen kann.

  7. Was Fusion Garage da macht ist ein ziemlich linkes Ding. Schade, dass man auf diese Pukte in dem Artikel nicht genauer eingeht…
    siehe techcrunch.com

    Zudem: Eigentich war das Projekt darauf ausgelegt, dass das Tablet 300 $ kostet. Nun sagt FG „Wir verkaufen es alleine, ohne euch“ und plötzlich kostet es 500 $.

  8. Aber die Sache ist doch die, dass man mit dem Mactablet bestimmt mehr machen kann. Klar auf der einen Seite Einfachheit durch wenige Funktionen. Aber für 500€ möchte man doch auch bittescön einen SD Cardreader haben! Also dass man vllt auch andere Programme laufen lassen kann. Gerade der Touchscreen läd für Grafikprogramme ein! Sieht man doch schon beim Nintendo DS was alles mit einem kleinen Schirm möglich ist. Und nichtmal die Möglichkeit ne PDF so anzuzeigen… Wenn man kein Internet hat kann man folgendes machen: gar nichts. Keine offline Programme, kein offline Betrachten von Fotos, PDFs etc… Warum verschenken die das? Sieh müssen das doch nur softwaremäßig implementieren…

  9. Kaufts nicht.
    Fusion Garage hat von einen Tag auf den andren beschlossen, TechCrunch (die Erfinder des ganzen) aus dem Geschäft raus zu lassen, und das CrunchPad als JooJoo ohne sie zu verkaufen.
    Dreist!

    Boykott! Ich bin dafür, dass wir nur das CrunchPad kaufen, und kein JooJoo. TechCrunch hat auch schon klagen eingereicht, mal sehen was da so rauskommt

  10. Wer das Crunchpad von den Betrügern aus Singapur kauft ist selber Schuld. Bei Defekten wird er wohl kaum auf die Garantie vertrauen können. Das Gerät wurde ganz offensichtlich vom TechCrunch-Team entworfen und nicht von der asiatischen Klitsche.

  11. Dreister Diebstahl geistigen Eigentums von TechCrunch. Fusion Garage überlebt hoffentlich die Klage nicht, die bereits von TC eingereicht wurde.

  12. Wieso kann man sich die Fingergesten nicht selbst einstellen wie man will? Warum habe ich da quasi nur einen browser drauf? Was ist denn mit Fotos und Videos und Musik und chatting und video chatting und Scribbleprogrammen, Präsentationsprogrammen und und und? Was ist, wenn ich Opera nutzen will anstatt was mit webkit? Oder eben Firefox? Die hardware finde ich schon recht geil, sieht besser aus als das iPad. Aber, haut doch einfach ein gut vorkonfiguriertes Linux drauf und lasst die Käufer selbst entscheiden, was er da drauf macht.

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