Test: Nokia X6 – Handy mit Gratismusik

Das Nokia »Comes with Music«-Konzept ist sehr interessant. Ein Jahr lang unbegrenzt und kostenlos Musik herunterladen beim Kauf eines Nokia-Musikhandys. Zum Beispiel des neuen X6. Das ist sowas wie der innoffizielle Nachfolger des 5800 XpressMusic und darf sich über viele Verbesserungen wie zum Beispiel einen kapazitiven Bildschirm freuen. Wir haben das Nokia-Handy für euch getestet.

Schon beim 5800 XpressMusic gehen die Meinungen weit auseinander. Die eine Partei ist vollkommen begeistert, die andere kann es auf den Tod nicht ausstehen. Das X6 ist trotz anderer Namensgebung wohl als direkter Nachfolger des 5800 anzusehen.

Nokia hat versucht an einigen Schwächen des ersten Touchscreen-Handys zu arbeiten. Das ist in manchen Fällen gut gelungen – in anderen aber komplett schief gelaufen. Denn:

Neu ist nicht gleich besser

Zunächst möchte ich eine Kritik loswerden: Es ist schön, dass Nokia versucht das alte Symbian-Interface aufzumotzen – schließlich ist es eh nicht mehr zeitgerecht. Das Ganze fühlt allerdings zum altbekannten Problem: Das Gerät wird langsamer. Was nutzen mir hübsche Menü-Animationen, wenn das Handy dadurch sperrig reagiert. Zum Beispiel gibt es jetzt Überblendeffekte, wenn ich den Menü-Button drücke oder irgendeine Funktion aufrufe. Dadurch dauert das Aufrufen dieser Funktion aber noch länger. Das Interface mit den neuen Überblendungen erinnert mich stark an eines dieser Home-Videos, die mit dem Windows-Moviemaker geschnitten wurden und vollgepackt sind mit sinnlosen Effekten.

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Allgemein macht das Handy in manchen Situationen den Eindruck, dass es noch langsamer ist, als das, bereits in die Jahre gekommene, 5800 Xpressmusic.

Nokia hat sich außerdem erstmals entschieden einen kapazitiven Bildschirm einzubauen. Das ist ein Screen, der auf Berührung und nicht auf Druck reagiert. Dadurch ist die Oberfläche aus Glas und nicht aus Plastik. Ein guter Schritt, der viele Vorteile und einige Nachteile mit sich bringt. So kann man das Handy zum Beispiel nicht mit Handschuhen bedienen, wenn es draußen gerade kalt ist – aber das ist mal als Besitzer eines Geräts mit kapazitivem Touchscreen ohnehin gewöhnt. Außerdem finde ich, dass man auf der alten resistiven virtuellen Tastatur besser und vor allem schneller schreiben konnte, weil das Feedback besser war. Aber auch das ist wahrscheinlich nur Gewohnheit und Geschmackssache. Mal davon abgesehen reagiert der Bildschirm recht zügig und auch genau. Und es gibt:

Kostenlose Musik zum Abwinken

Das Konzept ist wirklich interessant. Bei Nokia hat sich in den letzten Jahren viel getan und die Ovi-Plattform scheint wohl doch keine Totgeburt zu sein, wie wir bisher alle vermutet haben. Ganz im Gegenteil: Nokia ergänzt das Portal immer weiter und Besitzer eines OVI-Handys dürfen sich über viele iTunes-ähnliche Funktionen freuen.

Mit dem OVI-Player kann man ähnlich wie in iTunes Musik und bald auch Videos und Apps kaufen. Wenn man ein neues Nokia-Musik-Handy kauft, kann man ein Jahr lang alle Lieder in Nokias Datenbank kostenlos herunterladen und auf dem PC oder dem Handy anhören. Die Stücke lassen sich vom PC oder auch direkt vom Smartphone aus saugen.

Das hört sich in der Theorie alles sehr schön an, hat jedoch einen gewaltigen Haken. Erstmals sind die Stücke per DRM geschützt und zweitens, kann man sie nur auf das aktivierte Handy übertragen oder auf dem ebenfalls aktivierten PC anhören. Immerhin kann man den freigeschalteten Rechner wechseln – wenn auch nur alle 90 Tage. Die heruntergeladenen Tracks kann man zumindest auch nach Ablauf des Jahres behalten – das ist alles andere als selbstverständlich.

Neues Design und wackliges Gehäuse

Das X6 sieht deutlich hochwertiger aus als sein Vorgänger. Das fängt bei der Farbgestaltung an und hört beim Glasdisplay auf. Allerdings hat das neue Design auch einige Nachteile. So ist zum Beispiel der Rand um den Bildschirm verschwunden. Dadurch kann man das Gerät nicht mehr auf die Displayseite legen ohne befürchten zu müssen, dass es zerkratzt. Allgemein wirkt es deutlich wackliger und nicht so hart im Nehmen wie das 5800. So ist die hintere Abdeckung nur sehr instabil befestigt und lässt sich ganz leicht eindrücken.

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Ansonsten sind die Bedienelemente nachwievor die Gleichen. Besonders der Slider zum Ent/Sperren der Tasten ist genial. Den habe ich schon beim 5800 geliebt und wundere mich immer darüber, dass nicht mehr Hersteller auf die Idee kommen ihn in ihren Geräten einzubauen. Ansonsten gibt es Tasten zur Lautstärkeverwaltung, einen Fotobutton und zwei Knöpfe um ein Telefonat anzunehmen oder zu beenden. Natürlich darf der Menü-Knopf auch nicht fehlen. Insgesamt sind die Hardware-Knöpfe sehr gut verteilt und das Handy selbst liegt gut in der Hand. Es ist kleiner als das Vorgängermodel. Es ist schmaler, genauso lang und schlanker. Außerdem hat es eine:

Gute Kamera

Die Fotos der 5-Megapixel-Kamera können sich wirklich sehen lassen. Zumindest bei Tageslicht und solange man keine Nahaufmahmen machen möchte. Denn wie alle Handy-Kameras ist das Objektiv des X6 nicht besonders Lichtempfindlich, weil der Sensor einfach zu klein ist. Wer sich für dieses Thema interessiert, erfährt mehr in unserem Digicam-Special.

Symbian – das gute alte Betriebssystem

Eines muss man Nokia lassen: Das Unternehmen schafft es, dass alle Handy-Oberflächen relativ gleich aussehen. Egal ob Maemo oder Symbian und egal ob Touchscreen oder nicht. Doch was ein Vorteil ist, kann ganz schnell zu einem Nachteil werden. Zum Beispiel beim Browsen im Web. Der Symbian-Browser ist einfach nicht zeitgerecht und damit im Web unterwegs zu sein ist krampfhaft: Als würde man sich Arme und Beine fesseln lassen und durch Schlamm kriechen müssen.

Immerhin hat Nokia dafür gesorgt, dass der Zugang zu bestimmten Seiten wie Facebook optimiert wird. Der vorinstallierte Facebook-Client sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch übersichtlich und lässt sich sehr leicht bedienen.

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Es gibt einige weitere subtile Änderungen wie die Schnellstart-Buttons oder der aufgemotzte Startbildschirm. Wenn im Hintergrund Musik abgespielt wird, werden auf dem Homescreen entsprechende Steuerelemente und sogar das CD-Cover angezeigt. So kann man recht bequem die Wiedergabe pausieren oder zum nächsten Song vorspringen.

Das Symbian kein echtes Touchscreen-Betriebssystem ist, merkt man an vielen Kleinigkeiten. So kann man nicht immer scrollen, wenn man mit dem Finger in die Mitte des Bildschirms tippt, sondern ist meistens angewiesen den Scrollbalken an der Seite zu benutzen, um das Bild sicher nach unten zu bewegen.

Sound

Das hier ist ein Musik-Handy. Da ist der Sound natürlich sehr wichtig. Der Mediaplayer ist ganz ok, aber nicht außergewöhnlich und wurde gegenüber dem 5800 nur wenig verbessert. Dafür überzeugt das X6 durch seine ungewöhnlichen Standardkopfhörer. Bisher habe ich kein Gerät gesehen, dass als Standard-Kopfhörer keine Ohrstöpsel, sondern solche mit Bügel ausliefert. Die Ohrmuscheln sind zwar etwas klein, schirmen dafür jedoch recht gut ab und der Sound ist in Ordnung. Damit kann man definitiv auch längere Zeit am Stück seine Musik hören.

Ah und 32 GByte Speicher sind vorinstalliert. Da passt sehr viel Musik drauf.

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Fazit

Das X6 ist eher eine Evolution als eine Revolution. Wenn es rein um die Hardware geht, gibt es bessere Geräte. Da braucht man sich nichteinmal zu weit aus dem Fenster zu lehnen und nur einen Blick auf das N900 zu werfen. Auch die Software ist nicht mehr zeitgerecht. Gegenüber dem 5800 hat das X6 einiges an Alltagstauglichkeit eingebüßt, das es mit einem hochwertigen Design versucht wett zu machen.

Der Touchscreen ist gut, der Formfaktor ebenfalls. Auch die Sound- und Kameraqualität sind akzeptabel. Das größte Plus ist aber die kostenlose Musik. Wer viel Musik hört und auf der Suche nach einem neuen Handy ist, der ist mit dem X6 sehr gut beraten. Vorausgesetzt man möchte seine Musik nicht hin- und herkopieren. Das ist dank DRM-Mechanismen leider nicht möglich. [Maxim Roubintchik]

Kostenlose Musik für ein Jahr.

Kapazitiver Touchscreen.

32 GByte Speicher vorinstalliert.

Gute Kamera.

DRM-Geschützte Musik.

Schwacher Browser.

Veraltetes Betriebssystem.

Teilweise recht langsam.

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  1. Ahja.°
    Also bis auf das Kapa-Display keine großartigen Änderungen.
    Das man nicht mehr mit einem Stift schreiben kann finde ich eigentlich gar nicht gut. Damit konnte man recht gut schreiben.
    Der Dicke rand am Display war zwar hässlich aber eben praktisch. Naja und dieses Eckiges Design.. hm, weiß nicht. Nicht mein Ding.
    Und ich denke das man die (unnötigen) Menüanimationen wei beim 58er ebenfalls ausschalten kann. Allgemein sollte ein Handy im Werkszustand aber vor allem gut funktionieren. Wenns da hapert wurde wohl mehr Augenmerk auf die äussere Erscheinung gelegt.
    °°
    Den gleichen Homescreen und Kinetisches Scrollen solls jetzt übrigends auch beim 5800 mit der grad neu rausgekommenen Firmware geben (v41).
    °
    Mit dem Modell wird Nokia seinen Abstand auf die Konkurrenz also wieder nicht verringern.
    Na denn…..

  2. Das nenne ich mal einen richtig Ausführlichen Test, gute Arbeit! Ich muss ja schon zugeben, ich bin ein wenig neidisch. Ich konnte das Nokia X6 leider noch nicht persönlich testen, das war bisher meinen Kollegen vorenthalten. Es wird ja viel erzählt von billig Handy bis iPhone Killer, was stimmt denn nun? Schaut auch gerne bei uns im Blog mal vorbei! Bei interesse: Nokia X6 bei 7mobile-blog.de.

    LG aus Hamburg

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