Interview: Opera-Gründer – Jon S. von Tetzchner

Auf dem Mobile World Congress haben wir ein Interview mit dem Opera-Gründer Jon S. von Tetzchner geführt. Darin ging es um alternative Browser für das iPhone, den Wettbewerb mit Microsoft, Mozilla, Google und Co. und auch den Grund, warum er nicht quer durch den Atlantik geschwommen ist.

Gizmodo: Hallo Herr von Tetzchner, schön, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben.

Von Tetzchner: Immer gerne.

Gizmodo: Fangen wir doch gleich mit dem Wesentlichen an: Sie haben auf dem Mobile World Congress den ersten Alternativ-Browser für das iPhone vorgestellt. Warum kommt der erst so spät?

Von Tetzchner: Nun, ein guter Browser braucht halt seine Zeit.

Gizmodo: Was ist mit den Apple-Regulierungen? Könnten die der Grund sein, warum der Browser jetzt erst erscheint? Schließlich ist Apple recht streng was Konkurrenzprodukte angeht.

Von Tetzchner: Nein, das mit dem Apple-Verbot ist nur ein Gerücht. Irgendwer hatte es damals in die Welt gesetzt, als wir kurz erwähnt hatten, dass wir bereits einen funktionierenden Prototypen auf Halde haben.

Gizmodo: Warum gibt es den Browser dann noch nicht im App-Store?

Von Tetzchner: Wir sind noch nicht fertig. Das ist der Grund. Der Browser ist noch nicht final und wir wollen ihn nicht veröffentlichen, solange er nicht fertig ist. Wenn wir soweit sind, sehe ich keinen Grund, warum Apple ihn im App-Store ablehnen würde. Schließlich freut sich jeder über Konkurrenz.

Gizmodo: Sie wissen schon, dass Sie hier von Apple sprechen.

Von Tetzchner: Ja, das ist mir bewusst (lacht). Trotzdem glaube ich nicht, dass Apple etwas gegen unseren Browser fürs iPhone haben wird. Schließlich ist er sechsmal so schnell wie der mobile Safari und davon profitieren am Ende ja auch deren Kunden.

Gizmodo: Da Sie gerade von Konkurrenz sprechen: Was halten Sie von Chrome?

Von Tetzchner: Nun, ich glaube Google hat da einen sehr guten Job gemacht. Sie verfolgen bloß einen anderen Weg als wir. Das zeigt sich bereits am Speicherverbrauch der einzelnen Tabs. Chrome schluckt mit 20 offenen Tabs 600 MByte Arbeitsspeicher. Wir möchten, dass jeder einen Browser nutzen kann. Selbst, wenn er keinen schnellen Rechner hat – das ist unsere Intention. Deswegen sind wir auch in vielen osteuropäischen Ländern sehr beliebt.

Gizmodo: Sie haben also keine Angst, noch mehr Marktanteile zu verlieren?

Von Tetzchner: Nein, sollten wir das? Am Tag, an dem Chrome rauskam, wurde unser Browser 20 Prozent mehr heruntergeladen. Das ist seitdem nicht mehr abgerissen. Ich glaube jegliche Konkurrenz ist gut fürs Geschäft und je mehr die Leute für das Browser-Thema sensibilisiert werden, desto mehr Leute wollen Opera nutzen. Schließlich ist vielen nicht einmal bewusst, dass es Alternativen zum Internet Explorer gibt.

Gizmodo: Deswegen auch der iPhone-Browser?

Von Tetzchner: Ja. Aber nicht nur auf dem iPhone. Opera gibt es ja für alle Handys. Wir haben zum Beispiel auch gerade einen Android-Browser vorgestellt. Das ist aber irgendwie nicht von der Öffentlichkeit wahrgenommen worden.

Gizmodo: Haben Sie sich bereits ein Ziel gesetzt, so wie mit den 10 Millionen Opera-Downloads damals?

Von Tetzchner: Noch nicht.

Gizmodo: Wie war das eigentlich mit Ihrer Wette damals. Sie hatten doch erklärt, Sie würden durch den Atlantik schwimmen, wenn Opera mehr als 10 Millionen Mal heruntergeladen wird und nur in Island halt machen, um mit Ihrer Mama einen Kakao zu trinken?

Von Tetzchner: Ja.

Gizmodo: Sie haben aber abgebrochen?

Von Tetzchner: Nun (lacht), der Typ, der in dem Boot neben mir fuhr konnte nicht schwimmen und dann gab es dieses Loch im Boot und ich musste ihn natürlich retten und mit ihm zurückschwimmen (lacht noch mehr).

Jon_S._von_TetzchnerGizmodo: Das hört sich für mich etwas unglaubwürdig an.

Von Tetzchner: So war es aber (zwinkert). Das Wasser war eiskalt. Zumindest bin ich ein paar Stunden geschwommen. Das war April oder Mail und in Norwegen ist das Wasser nicht so warm. Ich würde nie wieder so eine Wette vorschlagen.

Gizmodo: Letzte Frage: Was ist mit Ihren Barock-Fotos? Da gab es ja auch viel Gerede. Hatte es einen Grund, warum Sie sich so ablichten ließen?

Von Tetzchner: Da kam irgendwann ein Journalist auf mich zu und wollte ungewöhnlichen Fotos machen. Das kam dabei heraus. Die Fotos waren sehr beliebt. Wir haben uns früher, als ich noch jünger war, öfter so angezogen und Feiern gefeiert wie sie im 17ten Jahrhundert üblich waren. Davon gibt es aber zum Glück keine Fotos.

Gizmodo: Vielen Dank für das Gespräch.

Von Tetzchner: Gerne.

Das Interview wurde geführt von Maxim Roubintchik.

Jon_S._von_Tetzchner

Tags :

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising