Interaktive Fachliteratur?

Der US Fachbuch Verlag Macmillan will das Internet in einer neuen Form nutzen. Hinter dem Titel ''DynamicBooks'' verbirgt sich eine neue Plattform, die Newsticker und Produkt in einem ist. Besonders Lehrer und Dozenten sollen davon profitieren können, weil es ihnen ermöglicht den Inhalt von online Fachliteratur zu verändern. Selbst wenn sie sie nicht selbst verfasst haben. Und warum auch nicht?

Die Verwirklichung des DynamicBooks Konzepts wird sicher reflexartig kritisiert werden. Deswegen gleich vorweg: ja, die redaktionelle Interaktion ähnelt der von Wikipedia. Und ja, ein Professor könnte theoretisch einen Absatz austauschen, der im Widerspruch zu seiner eigenen Lehre steht. Vielleicht, weil er so sehr davon überzeugt ist, aber vielleicht auch, um unliebsamen Kollegen buchstäblich einen „reinzuwürgen“. Aber das ist nicht der Zweck von “DynamicBooks“. Vielmehr geht es darum, die Macht einer sehr zähen und monolitischen Industrie zu schwächen. Und das kann nur etwas gutes sein.

Man sollte es so sehen: mit Hilfe von DynamicBooks kann ein Lehrer die Kapitel eines Buchs bestellen, die seinem Lehrplan entsprechen und er kann sie dementsprechend ergänzen, mit Links und weiterem Material, statt unendlicher zusätzlicher Handzettel. Er kann im Prinzip eine ganze Unterrichtseinheit auf dem Gerüst des Lehrbuchs aufbauen und die für ihn relevanten Ergänzungen gleich mit integrieren und sich und seinen Schülern damit die “Zettelwirtschaft“ ersparen.

Aber das geht natürlich nur – und das ist äußerst wichtig – wenn immer transparent ist, welcher Teil des Materials vom Originalautor stammt und welcher ergänzt wurde. Aber wenn das der Fall ist, gibt es eigentlich keinen Grund zur Besorgnis.

Im Übrigen ist es nur ein Zwischenschritt zu einer künftigen Entwicklung: langfristig werden alle Lehrbücher eBooks sein. Der Aufwand eines Papierdrucks läßt sich nur schlecht mit dem Bedürfnis nach permanenter Aktualisierung und multimedialer Verfügbarkeit vereinbaren. Im Übrigen sind sie dann auch viel billiger – was für Studenten immer sehr wichtig ist.

MacMillans erste hundert Titel erscheinen im August, gerade recht zum Beginn des neuen Studienjahres im September und für eine neue Generation von Studienanfängern, von denen die meisten mit iPad in den Hörsaal gehen werden. [John Herrman/Elisabeth Karsten]

[Via New York Times]

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  1. Im Moment werden eBooks dank des iPad-Preismodells eher teurer als billiger – es gibt eBooks, die kosten genau so viel wie die Hardcover-Version des Buchs – das kann doch einfach nicht sein.
    Ich hoffe mal, dass Apple – sobald sie alle großen Verlagshäuser an die kurze Leine genommen haben – den Preis drückt, ähnlich wie sie es bei der Musik gemacht haben.
    Dann hätte dieser iPad-Schwachsinn ja doch was für sich und Leute mit richtigen eReadern profitieren auch davon.

    Abgesehen davon bezweifle ich stark, dass Studenten das iPad in dieser Form nutzen werden – auch in den USA nicht.
    Wenn den ersten Studis auffällt, dass man ohne Stylus und Tastatur nicht mitschreiben kann und ein langer Uni-Tag speziell bei alternden Akkus schon mal Stromprobleme verursachen kann wird das iPad schnell als das Spielzeug betrachtet das es ist.

    Selbst wenn jemand durchhalten sollte und bis zu seiner ersten Studienarbeit mit dem iPad arbeitet, hat er/sie spätestens dann ein Problem: Solange noch nicht geklärt ist, wie man mit den Textstellenangaben in einem digitalen, sich ständig änderndem Werk umgeht sind wissenschaftliche Arbeiten nicht möglich oder nur schwer nachvollziehbar…

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