Interview: Eugene Kaspersky – »In 10 Jahren brauchen wir keine PCs mehr«

Wir haben den Gründer und Geschäftsführer des Sicherheitssoftware-Herstellers Kaspersky interviewt und uns mit ihm über Themen wie die Zukunft der mobilen Systeme, Apples Fehler beim iPhone und natürlich auch die Sicherheit im Internet unterhalten.

GIZMODO: Hallo Herr Kaspersky, schön, dass sie sich Zeit für uns genommen haben.

Kaspersky: Danke für die Einladung.

GIZMODO: Bevor wir anfangen. Haben Sie irgendeine Botschaft, die Sie unbedingt loswerden möchten?

Kaspersky: Der Klimawandel ist vorbei!

GIZMODO: Wie kommen Sie darauf?

Kaspersky: Sehen Sie doch mal aus dem Fenster!

GIZMODO: Da haben Sie recht. Aber kommen wir mal zu ernsten Themen. Die Frage, die uns alle bewegt ist: Wie unsicher ist das Internet?

Kaspersky: Die Basis des Internets birgt bereits viele Gefahren. Es wurde ursprünglich für den Militäreinsatz und den Austausch zwischen kleinen Gruppen gedacht. Von daher bietet es keinerlei Sicherheitsrichtlinien. Dass es so beliebt ist und verbreitet, birgt viele Gefahren. Eigentlich müsste eine komplett neue Basis her.

GIZMODO: Ein Internet-Ausweis zum Beispiel?

Kaspersky: Nun, wir reden schon lange mit den Regierungen und sind bislang noch zu keinem finalen Ergebnis gekommen. Ich glaube der Internet-Ausweis an sich ist eine gute Idee. Allerdings wird er nicht alle Cyberkriminellen aufhalten. Der Großteil wird dadurch blockiert, aber nicht alle. Eigentlich braucht man keinen solchen Ausweis, weil die Regierungen bereits anhand der IP-Adresse meist wissen wer dahintersteckt. Kriminelle, die Ahnung haben, werden immer eine Möglichkeit finden unterzutauchen – das können sie auch heute schon. Jemand, der es nicht kann, wird sofort geschnappt. Aber durch einen Ausweis erhöht sich für das Risiko und der Aufwand für die Hacker – verkehrt ist er also nicht.

GIZMODO: Wie stellen Sie sich eine Umsetzung vor?

Kaspersky: Dazu müsste ein internationales Gremium geschaffen werden, das man vielleicht dem Interpol unterstellen könnten. Auf jeden Fall muss es etwas internationales sein und nicht auf Landesebene funktionieren, weil es uns sonst nicht weiterbringt.

GIZMODO: Was uns schon immer interessiert hat: Haben Sie als Sicherheitsexperte eigentlich jemals einen Virus auf dem eigenen Rechner gehabt?

Kaspersky: (lacht) Ja, ich hatte sogar zwei. Das ist aber schon lange her. Einmal, weil ich einen infizierten USB-Stick angesteckt habe und ein anderes Mal, weil ich auf meinem Rechner beim Scannen aus Versehen einen Virus installiert habe – sowas kommt vor.

GIZMODO: Anderes Thema: Sie haben in Barcelona eine neue Version ihrer Smartphone-Security vorgestellt. Sind Handys für Sie die Zukunft?

Kaspersky: Ja, auf lange Sicht werden wir keine PCs und Notebooks mehr haben, sondern kleine portable Geräte. Handys sind also ganz klar die Zukunft – nicht nur für uns. Das haben wir bereits vor vier Jahren erkannt und eine Sicherheitslösung vorgestellt. Die gab es auf dem Mobile World Congress zu sehen. Die ersten zwei Jahren haben uns alle schief angeschaut und lediglich den Kopf geschüttelt oder gefragt: »Habt ihr sie noch alle?«. Doch im dritten Jahr haben alle angefangen zu begreifen warum wir diese Software anbieten. Dieses Jahr haben wir bereits viele Gespräche mit Providern geführt. Das Thema ist also interessant!

GIZMODO: Wenn Sie in Ihre magische Kristallkugel blicken: Wann werden die Handys die Computer überholt haben?

Kaspersky: Bald! (lacht)

GIZMODO: Das ist aber eine ungenaue Zeitangabe…

Kaspersky: Ich schätze mal in 10 Jahren wird man im täglichen Leben keinen Computer mehr brauchen und mit den Fingern telefonieren können.

GIZMODO: Ihre Software gibt es für Windows Mobile aber nicht für Android und das iPhone. Warum?

Kaspersky: Eine Android-Version ist in Arbeit. Das iPhone ist aber ein schwieriges Thema. Apple ist ziemlich strikt was Software angeht. Das ist keine gute Strategie für ein so großes und erfolgreiches Unternehmen und hat in der Vergangenheit schon anderen Großen das Genick gebrochen.

GIZMODO: Zum Beispiel?

Kaspersky: Novell oder IBM. Durch strikte Richtlinien behindert man sich auf Dauer selbst. Entwickler brauchen Freiheit und die Möglichkeit eigene Anwendungen im vollen Umfang zu entwickeln. Microsoft hat das bereits vor vielen Jahren erkannt und eine riesige Entwickler-Community aufgebaut. Apple sollte das auch umgehend tun, sonst befinden sie sich auf dem absteigenden Ast.

GIZMODO: Sie zweifeln an dem Erfolg des iPhones?

Kaspersky: Nein, das iPhone ist ein sehr erfolgreiches Produkt. Jedoch sollte sich Apple nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern eine vernünftige Entwickler-Community ohne Beschränkungen aufbauen. Das iPhone hatte die Chance auf dem Mobilfunk-Markt das zu werden, was Windows auf dem Desktop-Markt ist. Diese Chance haben sie sich aber bereits fast vertan, weil auch die Konkurrenz nicht schläft. Jeder Versuch ein System strikt zu regulieren kann nur auf Dauer zum Misserfolg führen. Das ist auch der Grund warum Symbian eine 180-Grad-Wende gemacht hat und von strikt zu Open-Source gewechselt ist.

GIZMODO: Eine persönliche Frage: Stellen Sie sich eine Welt ohne Sicherheitsbedrohungen vor. Welchen Job würden Sie dann machen?

Kaspersky: Nun, ich stelle mir eine Welt ohne Feuer, ohne Kriminalität und ohne Viren und Trojaner vor. Dann würde ich vermutlich das machen, was alle Feuerwehrleute, Polizisten und Sicherheitsexperten in einer solchen Welt machen würden: Den ganzen Tag rumsitzen, Domino spielen und Bier trinken (lacht).

GIZMODO: Wie ein professioneller Dominospieler sehen Sie nicht gerade aus…

Kaspersky: Nein, ich spiele auch gerne mit Karten (lacht). Nein, mal im Ernst: Ich mag meinen Job und bin sehr damit zufrieden. Es ist das, was ich schon immer machen wollte. Ich hatte erst zwei Jobs in meinem Leben.

GIZMODO: Die waren?

Kasperky: Nun, den den ich jetzt habe und ich war Verschlüsselungsexperte beim Militär.

GIZMODO: Dann wissen Sie ja, wie man Truppen anführt.

Kaspersky: Ich leite auch mein Unternehmen manchmal mit einem Militärdrill und schlage gerne mit der Faust auf den Tisch (lacht).

GIZMODO: Gutes Schlusswort. Danke für Ihre Zeit.

Das Interview wurde geführt von Maxim Roubintchik und Manfred Kohlen.

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  1. Ja wer strickt denn da? Wann ist der Pulli denn fertig?

    So wie ihr strikt meint, schreibt man es ohne ck. Aber das kann der Praktikant nicht wissen. Und wenn es ein „ausgebildeter“ Redakteur geschrieben hat, zeigt es die Qualität von Gizmodo.

  2. Wieder einmal einer, der das Ende von irgendwas predigt. Das mag lediglich für die gelten, die auch heute schon keine längeren Texte, als mal ne SMS schreiben.
    Das einzige, womit er recht hat, ist der Umstand, dass Apple sich gerade ein ähnliches Image wie Microsoft vor 10 Jahren hatte, zuzulegen.

  3. Das aus der Desktop PCs ist noch lange nicht gegeben. Ich kann mir jedenfalls keine Sekräterin vorstellen die auf nem IPhone Office Dokumente verarbeitet. Dass die Handies die Zukunft sind, gerade was Sicherheitssoftware angeht, ist klar. Mehr Power und Konnektivität gepart mit immer quelloffeneren Handy-OS sind die Grundvorraussetzungen um anständige Schadsoftware. Und das es jetzt schon mehr Handies als Computer gibt auf der Welt, kann sich Kaspersky nur die Hande reiben.

    Und dass bei Apple was schief läuft und sie gerade Ihre Chancen verspielen fällt auch einem Blinden auf. Aber anstatt über andere zu schimpfen sollte sich der Herr Kaspersky mal selbst an der Nase packen. Die Anti-Schadsoftwarelösungen aus dem Haus Kaspersky sind sehr gut was die Erkennung etc. angeht (Qualität) – ich selbst bin Kaspersky Nutzer.
    Allerdings fehlt es dem Programm an flexibilität. Kaspersky entwickelt sich was die Bediehung angeht in Richtung ZoneAlarm (DAU-Prinzip-Bedienung). Anspruchsvolle Nutzer die schnell KONTROLLE über ihre Software haben wollen müssen sich durch zich undurchschaubare Unterkategorien von Buttons duchklicken.
    Wie sehr vermisse ich die Zeiten von Sygate Firewall, inder ich genau einmal festlegen musste ob die Software ins Inet darf oder nicht und ansonsten erst wieder wenn sich etwas an dem Programm geändert hatte. Bei Kaspersky darf ich 5 mal erlauben klicken, und anschließend ist das höchste der Gefühle dass meine Erlaubnis nur für eine Session gespeichert ist und das Ding immernoch nicht so will wie ich das gerne hätte, weil irgendwo in den 20 Unterkategorien, die alle das gleiche meinen aber anders heißen, noch ein Haken drin ist den man wenn man ihn mal findet nicht herausnehmen kann, weil er ausgegraut ist. Das ist Kontrolle.
    Aber über Apple lästern.

  4. „Kaspersky: Der Klimawandel ist vorbei!
    GIZMODO: Wie kommen Sie darauf?
    Kaspersky: Sehen Sie doch mal aus dem Fenster!
    GIZMODO: Da haben Sie recht. Aber kommen wir mal zu ernsten Themen. Die Frage, die uns alle bewegt ist: Wie unsicher ist das Internet?“

    Der Artikel ist schön, ich stimme eigentlich mit diesem Typen überein, wobei ich nicht denke, dass PCs ganz verschwinden, für langes Arbeiten ist er einfach bequemer als ein Smartphone.

    Die Sache mit dem Klimawandel ärgert mich allerdings, auch, dass ein nicht ernstes Thema sein soll.
    Klimawandel heute heißt nicht, dass es überall wärmer wird. und global hatten wir einen der wärmsten Januare der letzten 2 Jahrhunderte.

    So und jetzt nichts mehr dazu.

    Was denkt ihr, wann der Palm Elan kommt?

  5. Sorry, für ernsthaftes arbeiten wird es immer einen Rechner mit einem großen Bildschirm, anschließbarer Peripherie etc. geben.
    Anstatt sich über solch einen Ausweis Gedanken zu machen mal im Jetzt leben und einen Virenscanner für x64er System herstellen.
    Mit solch einem Ausweis weckt er doch nur wieder den Wunsch nach der allumfassenden Kontrolle und des Trackings bei einigen vermeintlich demokratischen Regierungen (auch in D) das Wort

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