Warum Google Palm kaufen sollte – eine Analyse

Google und Palm könnten eine erfolgreiche Verbindung eingehen, um im anstehenden Megakrieg mit Apple gegen den mächtigen Gegner zu bestehen.

Mit < ahref="http://www.testticker.de/news/2010/03/19/palm__schon_wieder_22_millionen_euro_verlust" target="_blank">schrecklichen Verkaufszahlen und keinem Anzeichen der Verbesserung, reduzieren sich die wirtschaftlichen Überlebensmöglichkeiten für Palm auf eines: Buyout. Ex-Apple-Mann Phil Kearney sieht einen Käufer in Google, der im anstehenden Megakrieg mit Apple die Firma Palm vielleicht genauso brauchen wird wie Palm Google. Er hat die Situation genauer analysiert:

Im Angesicht des anschwellenden Kampfes zwischen Apple und HTC werde ich immer wieder gefragt, wann denn nun Google mitmischen wird. Ich glaube, dass langfristig Google mitmischen muss – und dass das genau das ist, was Apple erwartet. Ich habe sieben Jahre für Apple gearbeitet und die Entwicklung und Erneuerung der drahtlosen Netzwerke für den privaten Bereich geleitet. Ich kann aus erster Hand sagen, dass die Leute von Apple geschickt, überlegt und sorgfältig handeln.

Diejenigen, die vermuten, dass Google sich schließlich einmischen muss, haben absolut Recht. Selbst wenn dies aus keinem anderen Grund geschieht, als dass ein geistreicher Anwalt von HTC in den Vertrag mit Google mögliche Schadensersatzklauseln aufgenommen hat, falls Google sich nicht richtig um seine eigenkretionen kümmert. Und Apple weiß das.

Selbst wenn Google gegenüber HTC keine Schadensersatzverpflichtungen hätte – im Patentkampf von Apple und HTC sollte es mehr um Android und Google gehen als um alles andere. Apple möchte keinen Patentaustausch mit HTC, weil HTC im Vergleich nur wenige Patente hat. Apple hat über 30 Milliarden Dollar auf der Bank – also ist es sicher nicht das Geld, das sie durch ihre Patentklage von HTC haben wollen. Aber was könnte Apple dann motivieren, HTC zu verklagen?
Ich stimme jenen zu, die spekulieren, dass Apples Angriff auf HTC den Zweck hat, Hardwareproduzenten davon abzuhalten, Android in ihren neuen Produkten zu benutzen.

Aber während ich über diese Frage nachdenke, sehe ich in einem Palm-Kauf für Google genau darin den Trick, Apples Schachzug entgegenzuwirken – indem man so selbst wichtige Patente erwirbt. Ich habe im Internet einige Artikel zur Apple-HTC Auseinandersetzung gelesen. In einigen davon wird Bezug auf ältere Artikel genommen, in denen auf mögliche Patentstreitigkeiten zwischen Palm und Apple angespielt wird. Es ist interessant, dass sich bisher noch kein Palm-Apple Patentkampf manifestiert hat. Diese Tatsache in Kombination mit den aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Palm wirft für mich die Frage auf: Warum kauft Google nicht gleich Palm?

Mir ist klar, dass einige Leute glauben, dass es für eine Firma zu teuer ist, Palm nur wegen seiner Patente zu kaufen, aber wenn man die Sache genau betrachtet, ist Palm eine preiswerte Anschaffung. Selbst zu einem Preis von etwa 800 Millionen US-Dollar, die sie gegenwärtig wert sind. Mit einer Marktkapitalsierung von über 180 Millarden Dollar würde Google weniger als ein Prozent seiner Marktkapitalisierung für Palm ausgeben – und sie würden viel mehr kriegen als nur die Patente!

Auch Nokia und Motorola könnten es sich ohne weiteres leisten, Palm zu kaufen – mit einer gesalzenen Prämie – nur um die Patente zu erwerben. Und es wäre für keine der beiden Firmen eine übergroße Investition.
Meiner Ansicht nach ist der Preis stimmig. Und die Gelegenheit zu verpassen, Palm jetzt zu kaufen, ist zu kostspielig für jeden Käufer, der an der Post-PC kommunikationstechnischen Welt in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts und darüber hinaus teilnehmen will. Das gilt auch für Google.

Es gibt eine Reihe von weiteren Gründen, warum es sinnvoll wäre für Google, Palm jetzt zu erwerben. Und der anstehende Patentkrieg mit Apple verleiht einer solchen Entscheidung nur mehr Kraft.
Denkt an all die guten Dinge, die sich aus einer Kombination von Google und Palm entwicklen könnten. Google bekäme alle Mittel, die ihnen im Moment noch fehlen, um erfolgreich gegen Apple bestehen zu können, vor allem im Smartphone-Bereich und anderen langfristigen „Post-PC“-Geschäften.
Außerdem bekäme Google alle von Palms Patenten. Und wir wissen, dass sie viele und gute Patente haben. Palm arbeitet seit fast zwanzig Jahren daran. Sie haben viele Patente entwickelt, von denen einige den Patentansprüchen von Apple durchaus etwas entgegen setzen könnten.
Es ist möglich, dass der Hauptgrund, warum es bisher keinen Patentkrieg zwischen Palm und Apple gab, die Tatsache ist, dass die Rechtsabteilung von Apple die Situation geprüft hat und feststellen musste, dass Apple genauso viele Palmpatente verletzt hat, wie Palm Applepatente – so dass ein Patentkrieg zwischen beiden nicht wirklich eine gute Idee wäre. Wenn das der Fall ist, dann könnte Googles Erwerb von Patenten an erster Stelle stehen.

Für mich ähnelt der Angriff von Apple auf HTC ein bisschen der österreich-ungarischen Invasion von Serbien oder der deutschen Invasion in Belgien zu Beginn des ersten Weltkriegs. Wie zu Anfang dieses fürchterlichen Krieges, könnte der Konflikt zwischen Apple und HTC zu einem viel grösseren Kampf führen – zumal es bereits eine Kampfzone zwischen Nokia und Apple gibt.

Die Patente alleine reichen als Grund schon aus, um für Google den Erwerb von Palm zweckmässig zu machen. Aber abgesehen von den Patenten, bekäme Google viel mehr Mittel – die sie dringend brauchen, wenn sie langfristig mit Apple im Smartphone Bereich konkurrieren wollen.

Google bekäme außerdem eine solide Gruppe von WebOS Software Entwicklern, von denen einige das erste iPhone OS entwickelt haben, während sie noch bei Apple waren und daran beteiligt gewesen sein könnten, viele der ursprünglichen iPhone Patente zu entwickeln. Im Übrigen, wenn wir hinter die Fassade von WebOS und Android blicken, können wir feststellen, dass sie einander erstaunlich ähnlich sind, was Struktur und Ausführung angeht. Beide, WebOS und Android sind Kinder von Linux und ziemlich nah verwandt. Das bedeutet, dass die Leute, die WebOS entwickelt haben ohne weiteres die Entwickler von Android unterstützen könnten. Oder vielleicht könnten sogar WebOS und Android miteinander vereint werden und ein neues Betriebssystem bilden, welches Google sich formal lizenzieren und von allen Hardwareproduzenten bezahlen lässt, die Android in ihren Geräten benutzen wollen. Mit Einsatz des WebOS-Teams könnte Google alle großartigen WebOS Eigenschaften mit Android kombinieren und hätte dann selbst auch ein besseres Betriebssystem für ihre eigene Hardware und alle potentiellen Lizenzen.

Aber das wäre nicht der einzige Software Vorteil, den Google durch den Erwerb von Palm bekäme. Wenn die Entwickler des WebOS-Teams Angestellte von Google würden, erhielte der Internetriese auch eine kompetente Kriseneinsatztruppe, die im Kampf mit Apple helfen könnte. Und: Die WebOS-Macher von Palm sind eine willkommene Ergänzung für Google, ihre wachsenden Android-Entwicklungsbedürfnisse zu bedienen.
Lasst uns ausserdem auch nicht vergessen, dass die wichgtigen Leute, die Apple nach der Kreation des ursprünglichen iPhones verlassen hatten, vom Cupertino-Zug abgesprungen sind und aus gutem Grund zu Palm gegangen sind. Sie waren offensichtlich mit etwas unzufrieden – daraus schliesse ich, dass sie keinerlei Problem hätten, in einem Kampf gegen Apple ihren Beitrag zu leisten.

Neben der Verstärkung der Google-Android-OS-Entwicklungsmöglichkeiten durch neue Teammitglieder, gestattet der Erwerb von Palm Google auch eine ganz neue Fähigkeit: sie erhalten ein Mobiltelefon-Harwaredesign, das bisher extern HTC machen musste. Entwicklung der eigenen Hardware auszulagern ist kein Weg, um langfristig mit dem iPhone konkurrieren zu können. Genausowenig, wie das Auslagern der Softwareentwicklung. Und die amtierenden Mobiltelefondesigner wie Nokia und Motorola haben das auch endlich begriffen.
Um mit Apple langfristig und auf glaubwürdige Weise konkurrieren zu können, muss eine Firma also alle herstellerisch notwendigen Komponenten, die es braucht, um ein gutes Smartphone entwickeln zu können, selbst besitzen und kontrollieren können, .

Es gibt ein brillantes Team von Hardware-Ingenieuren und Designern bei Palm, von denen einige außerdem direkt von Apple kamen. Google braucht eine Hardwaretruppe für künftige Android-Produkte und das Palm Hardwareteam füllt diese Nische hervorragend aus. Ich weiß, dass einige Leute Palmphones mit schlechten Displays und Tastaturen haben – aber lasst uns nicht schlechtes Design mit schlechter Herstellungsqualität verwechseln. Ich glaube, die Palm Hardware-Entwürfe sind gut, aber der ausführende Produzent in China kümmert sich vielleicht nicht ausreichend um Montage und Qualitätskontrolle.

Außerdem erhält Google einige weitere Teile des Geschäfts, die andere Menschen, die nie Mobiltelefone entwickelt haben, immer wieder zu vergessen scheinen. Zum einen ist da Palms ganzes Telekommunikations-Beziehungsteam: eine ganze Abteilung zu haben mit Leuten, die Jahrzehnte an Erfahrung im Umgang mit solchen Carriern haben, etwa AT&T, Verizon, China Mobile und Vodaphone. Das ist eine Fähigkeit, die man nicht unterbewerten sollte. Ehrlich gesagt: Hätte Apple über ein solches Team zur Zeit der Entwicklung des iPhones verfügt, wären vielleicht nicht alle US-Kunden auf AT&T als Telekommunikationspartner beschränkt.

Dann gibt es da die Fähigkeiten zur technischen Unterstützung und Infrastruktur, die Palm über die Jahre aufgebaut hat und die dafür gesorgt hat, dass jeder Carrier weiß, wie er mit jedem neuen Mobiltelefon, das Palm entwickelt, umzugehen hat. Ich kenne natürlich einige der Support-Horrorstories über das Nexus One. Wenn sie stimmen, dann braucht Google sämtliche Hilfe, die es kriegen kann – in der Ausbildung und Unterstützung der technischen Support-Organisationen sämtlicher Mobilfunkanbieter, die sich entschließen, Android Telefone anzubieten.

Ich habe viele Freunde bei Apple und ich habe viele Freunde bei Palm – deswegen möchte ich nicht, dass es so aussieht, als ob ich Apple hier zum Bösewicht machen wollte oder die Verzweiflung bei Palm überzeichnen wolle.

Mehr als alles andere möchte ich, dass meine Freunde bei Palm erfolgreich sind. Und ich kann nicht glauben, dass ich der einzige bin, der über die Palm-Akquise-Frage nachdenkt. Ich muss vermuten, dass es Teams gibt bei Google, bei Microsoft, bei Nokia und Motorola und sogar bei Apple, die dieselbe Analyse mchen un vermutlich zu denselben Ergebnissen kommen: Palm zu erwerben, könnte jedes Smartphonegeschäft erfolgreich unterstützen und für die nächste Dekade die Firma zu einem seriösen Anbieter in diesem Marktbereich machen.

Für mich persönlich scheint Google der beste Kandidat für einen Erwerb von Palm zu sein. Palm gäbe Google alles, was die Mehr-als-Such-Firma braucht, um Google Android Smartphones zu seriösen Konkurrenten des iPhones werden zu lassen.

Aber wird dies geschehen? Nur die Zeit wird es zeigen. [Phil Kearney/Elisabeth Karsten]

Phil Kearney ist der Netzwerk-Geek, der für Apple die Produkte AirPortExtreme, AirPort Express und Time Capsule entwickelte, während er dort arbeitetete. Er erwarb seinen ersten Apple-II-Computer 1980 im Alter von 13 und war seitdem immer Apple-Fan. In seiner Freizeit trinkt er gerne edle Weine, isst gutes Essen und ist bekannt dafür, dass er ziemlich viel Online-Poker spielt.

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  1. Google? Was sollen die mit Palm? Das WebOS ist geklaut – außerdem haben die Android und bei dem ist die Entwicklung schon über die Phase hinaus, in der man Konzepte ändern kann. Wenn Google jemand braucht, dann einen Hersteller, der Hardware bauen kann – und das kann Palm nicht. Die Palm-Hardware ist mies und noch nicht mal aus eigenen Fabriken.

    na ich weiß nicht

  2. Wie sieht das eigentlich denn im Moment aus… wenn ich mir ein Pre Plus kaufe, sobald es rauskommt (was ich eigentlich vorhatte), hab ich dann das Problem, dass bei einer möglichen Übernahme durch einen anderen die App-Entwicklung für das Web-OS auf Eis liegen würde? Ich finde es jammerschade, dass Palm vllt. die einzige Möglichkeit bleibt, sich aufkaufen zu lassen. Sie haben zurzeit das beste OS für Smartphones und die Firma ist mir wesentlich sympathischer als Apple und Google es sind. Wenn ich könnte würde ich Palm mit einer Finanzspritze unter die Arme greifen, damit sie sich schließendlich doch noch auf dem Markt durchsetzen könnten… leider habe ich gar kein Geld! =)

  3. Was ein Stuss.

    Nicht nur dass sich der Typ dauernd wiederholt (egal wie oft er schreibt dass Palm tolle Patente hat, es wird dadurch nicht wahrer) er hat auch überhaupt keine Informationen über die Patentlage der Unternehmen. Und das Geschäftsmodell von Google scheint er auch nicht zu verstehen. Bei der Vergleichbarkeit von WebOS und Android wird des dann schlicht lächerlich und gutes Personal kommt Google zugeflogen. Dafür braucht man nun wirklich keine sterbende Firma aus dem letzten Jahrzent zu überteuerten Preisen aquirieren.

    Der gute Herr scheint sich beim Online Poker wohl übernommen zu haben und möchte nun seine Palm-Aktien pushen… :P

  4. Naja, Palm hat ja bereits mehrere Finanzspritzen erhalten und im Moment ist so etwas wie ein Schweinezyklus oder eine selbsterfüllende Prophezeiung im Gange. Die Presse, Gizmodo u.a. berichten laufend über die drohende Pleite von Palm, dadurch kaufen die Leute weniger Palmprodukte, weil sie verunsichert werden und am Ende geht Palm wirklich pleite. Auf jeden Fall hat WebOS ein wirklich innovatives Bedienkonzept und für Geeks lohnt sich das Telefon, weil man sogar Zugriff auf die Konsole hat. Und einen Emulator für PalmOS-Apps gibts auch.

  5. […] Gizmodo hat einen sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht, ein Statement von Phil Kearney, der einmal für Apple arbeitete und der spekuliert, dass Google palm übernehmen könnte – denn Google ist sehr reich, Palm ist für Google billig zu haben und Google muss was tun, denn schließlich werden die Android-Handys überwiegend von HTC hergestellt (und die batteln sich gerade mit Apple um Patente). […]

  6. Der Artikel ist zwar schon älter und wir wissen das HP zugeschlagen hat, aber verkneifen kann ich mir mein Kommentar trotzdem nicht:

    Der Stil des Artikels errinnert mich an fast jeden anderen Zeitschriftenartikel, an jedes Buch und an jedes Paper aus de, US amerikanischen. Tip an Gizmodo, die Zusammenfassung sagt meistens auch alles aus ;-)

    Zu carafaja (mein absolutes 0815-Lieblingskommentar): webOS ist nicht geklaut, dafür sind viel zu viele neue Konzepte enthalten, die es wo anders so nicht gibt. Andernfalls natrülich die Frage, von wo geklaut? Die Palm Hardware ist genauso solide wie die anderer Hersteller und außerdem welcher der Top 5 auf dem Smartphone Markt produziert wirklich selber – jetzt bitte nicht Apple, RIM, Motorola, Nokia, Samsung, Palm, LG oder sonst eine Firma nennen.

    Insgesamt sind palm Pre und WebOS top Produkte, die nur ihren Markt nicht gefunden haben bzw. deren Markt zerstört worden ist. Hier muss ich moritz und Peter zustimmen.

    Ganz ehrlich, jeder der nicht Palm gekauft hat, also alle anderen außer HP, haben verloren – alleine schon aus dem Grundsatz heraus „wer nicht wächst verliert“. webOS ist das innovativste mobile Betriebssystem seit der Einführung von iPhoneOS Nummer 1 (seit dem ist hier nicht wirklich noch etwas passiert). Es gibt neben Apple, Nokia, Microsoft und Palm keinen größeren Konzern der so solide und vielseitige Patente zu Anzeige- und Bedienkonzepten hat. Und Palm hat etwas, dass Apple schon lange verloren hat, den Flair des anders sein, be the cool underdog.

    Tot gesagte leben länger und Palm wünsche ich unter der HP-Haube viel Erfolg.

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