Was uns die durchgesickerten Apple-iBook-Preise über den großen Veröffentlichungs-Krieg verraten

Ein kleiner Blick auf die Bestseller-Liste der Apple-iBooks offenbart uns, dass Apple sehr wohl flexibel mit den Preisen umgeht und Bücher für 9,99 Dollar verkauft, die als Hardcover gute 26 Dollar kosten.

Das passt auch zum Bericht der New York Times, dessen Aussage nach Apple „die Flexibilität haben möchte, Bücher, die auf der New-York-Times-Bestseller-Liste stehen zu niedrigeren Preisen anzubieten“. AppAdvice berichtet, dass alle der derzeitigen Top 10 NYT-Bestseller für 9,99 Dollar als iBook zum Verkauf stehen. Nicht nur das: um genau zu sein, kosten 27 der ersten 32 Bücher 9,99 Dollar. Das teuerste Buch der übrigen ist „Poor Little Bitch Girl“ von Jackie Collins und liegt bei 12,99 Dollar. Bisher war nicht klar, wie viel Einfluss Apple tatsächlich auf den Buchpreis haben würde, da der iBook-Shop grundsätzlich wie der App-Store aufgebaut ist und dort jeder Anbieter den Preis bestimmen darf, während Apple einfach 30% der Einnahmen beansprucht. Die Preise für iBooks wurden also zuerst zwischen 12,99 Dollar und 14,99 Dollar erwartet.

Interessant ist, das „Poor Little Bitch Girl“ auf dem Kindle nur 8,83 Dollar kostet, was nahelegt, dass Apples Flexbilität in der Preispolitik nicht mit den Preisen anderer Anbieter verknüpft ist. Mit anderen Worten: Der Apple-Deal, zumindest der mit MacMillan, denen St. Martin’s Press gehört, die sich wiederum für die Veröffentlichung dieses Buches verantwortlich zeichnen, besagt nicht, dass wenn Amazon ein Buch für 9,99 Dollar verkauft, der iBook-Preis der selbe sein muss. Seltsam, wenn man bedenkt, dass MacMillan mit Amazon einen öffentlichen Disput um die Preispolitik ausgetragen hat, in dessen Zuge Amazon die komplette Verlagspalette aus seinem Sortiment nahm.

Vielleicht liegt Random House richtig und die Industrie steht unmittelbar vor einem massiven Preiskrieg. Dem Gewinner bekommt am Ende die Beute. Fragt sich nur, wie viel am Ende übrig bleibt. [Matt Buchanan / Florian Zettel]

[App Advice]

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  1. Das typische Fatum eines E-Books auf dem iPad wird sein: Ein paar Seiten angelesen und dann nicht wieder angefasst. Jeder, der schonmal ein mehrere 100 Seiten starkes Buch auf einem selbstleuchtenden Farb-LCD zu lesen versucht hat, wird das nachvollziehen können – nach ein paar Seiten tränen die Augen und man kann sich nicht mehr konzentrieren – und ob Leute mit dieser Erfahrung massenhaft Bücher kaufen, darf bezweifelt werden. Kindle bzw. E-Ink-Displays allgemein sind als Leseplattform einfach überlegen, weil sie noch ein einigermaßen ermüdungsfreies Lesen ermöglichen. Trotzdem sind E-Books uninteressant – man kann sie schlecht verleihen, schlecht annotieren und ob ich das in 10 Jahren noch lesen kann, ist auch fraglich. Das ist alles in den Sand gestecktes Geld.

  2. Ist ja schön und gut, dass in den USA so ein Preiskampf tobt, schaut man aber mal auf deutschen eBookportalen vorbei wird man feststellen, dass die ebooks nur unwesentlich günstiger, wenn nicht sogar teurer als die Printausgaben sind. Da überwiegt bei mir immernoch der Gedanke lieber das „echte“ Buch zu kaufen, bei dem ich was in der Hand halten kann.

  3. Das Problem für die Verlage ist ganz einfach: Jeder denkt, dass die Preise für Papier, Druck etc. 90% des Buchpreises ausmachen und ein eBook ja nur noch 2 Euro kosten dürfte. Dem ist nicht so. Vom Ladenpreis gehen als erstes 7% MwSt., als nächstes ca. 40% Buchhändlerrabatt. Bleiben also Pi mal Daumen knapp über 50% des Ladenpreises für den Verlag. Davon zahlt er: Rechte, ggf. Übersetzung, Illustrationen, Covergestaltung, technische Aufbereitung, Personalkosten und und und. Die eingesparten Kosten für Papier und Druck werden dabei durch die Kosten für Online-Plattform, Verwaltung, Transaktionsgebühren etc. geschmälert, da die ZUSÄTZLICH zu den Systemen für den konventionellen Vertrieb aufgebaut werden müssen und sich so der Verwaltungsaufwand, Kosten für Lizenzgebühren etc. erhöht. Das was früher der Buchähndlerrabatt war, greift nun der Plattformbetreiber ab. Zusätzlich muss der Verlag aufpassen, durch E-Books nicht sein klassisches Printgeschäft zu korrumpieren. Wer also glaubt, E-Books würden überhaupt das Potential haben, deutlich günstiger als das Printexemplar zu sein, glaubt wohl noch an den Weihnachtsmann. Ich persönlich würde aber immer die Druckausgabe vorziehen und E-Books für mich erst dann in Betracht ziehen, wenn der Anbieter mir garantieren kann, dass das Buch auch in 10 Jahren noch lesbar ist.

  4. Ja, Leute, MP3s sind doch bei Amazon auch billiger als wie bei iTunes. Trozdem kauf ich meinem Musik in iTunes weil ich zu faul bin den Safari aufzumachen und mich durch die Website von Amazon zu qualen.

  5. Für deutschsprachige Bücher wird in Deutschland eh die Buchpreisbindung greifen. Sprich: Das E-Buch wird bei Amazon, Apple und weißgottwo das gleiche Kosten. Damit wird dankenswerterweise der Wettbewerb auf den Service verschoben.

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