Test: Apple iPad

Wo und wie man das iPad nutzt ist entscheidend. Mehr dazu im Test!
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Frühstück in New York. Ich sitze im Café Habana und fühle mich ein wenig unwohl, denn die anderen Gäste starren mich an, während ich E-Mails auf dem iPad schreibe. Im Moment erweckt es einfach sehr viel Aufmerksamkeit, mit seinen großflächigen Animationen und dem hell leuchtenden Display. Ein Notebook wäre zwar noch auffälliger, aber das iPad ist eben auch keine Zeitung. Wenn ich mich hingegen zurücklehne, das iPad auf die übereinandergeschlagenen Beine lege und die Times und Jack Londons „Der Ruf der Wildnis“ lese, dann wird das iPad erst zur Zeitung und dann zum Buch und ich fühle mich deutlich wohler.

Ich aß meine Eier, die begannen, kalt zu werden.

In meiner Kindheit verbrachte ich viele Wochenenden damit, im Amerikanischen Museum für naturkundliche Geschichte abzuhängen. Nun bin ich zum ersten Mal seit 20 Jahren dort. Es hat sich nichts verändert. Ich wurde etwas dicker, meine Gadgets dünner. Das iPad erweist sich als guter Begleiter durch den Tag, der mal als Notizbuch, mal als Nachschlagewerk, Dinosaurier-Kompendium oder Touristenführer dient.

Ein kleines Mädchen ignoriert die seltene grüne Schlange im Käfig vor uns zugunsten des YouTube-Videos, das auf dem iPad läuft. Es zeigt die Fütterung dieser Schlange. Das fasziniert sie, nicht die echte Viper.

Das iPad zu benutzen, während man durch das Museum durchläuft, ist eher unkomfortabel. Ich will meine Arme auf einem Geländer aufstützen oder auf einer Bank sitzen. Denn es ist viel schwerer als es aussieht, als sei es aus Magie und Blei gefertigt. Es in einer Hand zu halten während man steht ist unkomfortabel. Ich muss aber hinzufügen, dass sich das iPad manchmal auch leicht anfühlt. Es kommt einfach darauf an, wie man es hält. Ich packe eher vorsichtig am Rand zu, um das Display nicht zu verschmieren. So als hätte ich einen frisch ausgegrabenen Dinosaurier-Knochen in den Händen, der kaputt ginge wenn mich einer der anderen Museumsbesucher anrempelt.

Der Tyrannosaurus Rex sieht so cool aus. Ich frage mich wie diese riesigen, starken Tiere aussterben konnten während eher schwächliche Affen und ihre Verwandten überlebten. Vermutlich die bessere Software und anständiges Power Management.

Ich springe in ein Taxi und überlege kurz, mein iPad auszupacken. Nur eine Sekunde, denn es ist das falsche Tool am falschen Ort. Statt es an den Taschen-WLan-Hotspot zu hängen hole ich für die fünfminütige Fahrt das iPhone raus. Das wird sich nie ändern.

Ich erinnere mich daran als Apple das iPad vorgestellt hat und wie groß das Geschrei war, als rauskam dass es kein Flash beherrscht. Manch einer behauptet ja sogar, das iPad würde genau aus diesem Grund kein Erfolg werden.

In der Nacht vor dem ersten Verkaufstag bleibe ich bis vier Uhr morgens wach, während ich nach iPad-Anwendungen suche. Ich finde nur sehr wenige qualitativ hochwertige Apps, aber es gibt sie: Words with Friends, ein asynchrones Scrabble. Wundermaps, mit dem man Schneestürme in Form animierter Radar-Bilder im Auge behalten kann. Streaming Videos von der Videothekenkette Netflix. Das Internet-Radio Pandora und das Epicurious-Kochbuch. Nachdem ich diese installiert habe, gefällt mir das iPad schon etwas besser.

In drei Stunden muss ich wieder raus. Aber ich finde keine Ruhe. Also versuche ich es mit einem Netflix-Video als Schlafmittel. „September Issue“, eine Reportage über den erfolgreichsten Monat des Modemagazins Vogue, kommt da gerade recht. Ich lehne das iPad gegen ein Kissen, aber es verrutscht. Manchmal bräuchte es einen Ständer. Manchmal übernehmen das meine Arme oder Knie.

Wir kommen etwas zu spät zu einem Oster-Abendessen bei Chris und Alyssa. Die Laptops bleiben zuhause, aber iPads sind dabei. Während wir mit Basilikum gewürzten Prosciutto und Mozzarella mit den Fingern essen, machen wir intensiven Gebrauch von den Servietten, damit das Display nicht noch schmieriger wird.

Erst ist der Appetit gestillt, dann sind wir pappsatt. Alyssa gönnt uns eine Auszeit vor dem Hauptgang. Wir rauchen eine und sehen dem Sonnenuntergang zu. Während wir so auf der Couch sitzen gucken wir uns ein paar Kino-Trailer an. Dank des großen Bildschirms können zwei, drei Leute gleichzeitig gucken, ohne sich die Hälse zu verrenken oder die Augen zu verderben. Nur dass der Ton nur auf einer Seite aus dem iPad kommt stört ein bisschen. Das Lamm und die Nudeln kommen aus der Küche.

Später essen wir ein paar Kekse und spielen Scrabble auf unseren iPads. Fünf Spiele parallel, jeder gegen jeden. Ich entdecke, dass das iPad – neben allen anderen Dingen – ein Computer für Leute ist, die gerne abhängen. Aber es muss nicht immer ein iPad pro Person sein.

Zurück im Hotel sitze ich auf der Couch, dem Ort an dem sich das iPad definitiv am besten anfühlt. Ich lese ein paar Artikel im Netz. Auf dem Laptop habe ich das in dieser Intensität nie getan. Das Hochkantformat des iPad-Displays, die Abwesenheit anderer, ablenkender Anwendungen oder eines nach Eingaben schreienden Keyboards verschaffen mir den ultimativen Lesegenuss. Fast alle Seiten funktionieren wie erwartet. Nur ein Video vom großen Schneesturm in Tahoe letzte Woche läuft nicht. Der Akku hält lange genug.

Es ist Zeit für eine Arbeitspause. Ich lade ein E-Book und verziehe mich auf die Dachterrasse des Büros. Meine Augen werden von der auf dem iPad reflektierenden Sonne geblendet. Alle Gedankenspiele, die Computer-Picknicks und Arbeitssitzungen am Strand beinhalten, werden gecancelt.

Nachrichten sind wie Kaffee für mich. Ich wache auf, haue noch zweimal auf die Schlummer-Taste des Weckers und beim dritten Mal schalte ich den Alarm ab und gucke nach meinen E-Mails. Montag morgen habe ich das mit dem iPad erledigt und dabei mächtig vom Zweispalten-Layout profitiert, das dank des großen Displays möglich ist. Allerdings bleiben die Mails unbeantwortet. Denn die Onscreen-Tastatur liegt mir schlecht unter den Fingern. Ich markiere die E-Mails, die ich beantworten muss, um die Antworten später am Notebook zu schreiben. Oder am iPhone, an dessen kleines Display ich mich so gut gewöhnt habe, dass mir sogar das gedrängte E-Mail-Layout überlegen erscheint.

Ich packe alle drei Maschinen ein und mach‘ mich vom Acker. Zwei hätten auch gereicht – das iPad hätte auf der Couch bleiben können.

Ich packe für den Rückflug nach San Francisco und lade auch ein paar Filme auf das iPad. Außer meinen neuesten Alben habe ich keine Musik auf dem iPad, denn als iPod ist es einfach zu sperrig. Lieber spare ich den Platz für ein paar HD-Videos auf. Das große Display wird bestimmt Spaß machen. Ich habe die Nase voll davon, das iPhone im Flieger abwechselnd direkt vor die Augen zu halten oder am langen Arm. 16 Gigabyte sind ein bisschen sparsam für Filmfans. Es kommt eben auf die Größe an.

Der Verkaufsstart des iPads bedeutete Überstunden, und so bin ich ziemlich froh wieder nach Hause zu fliegen. In der Luft logge ich mich in Virgin America’s WLAN ein und verliebe mich endgültig. Verglichen mit dem iPhone erlaubt das neue Interface einen viel bequemeren Wechsel zwischen E-Mails, Tweets und Songs. Also schreibe ich diese Notiz. Blöd nur, dass das iPad sich manchmal doch wie ein iPhone verhält. Mittendrin poppt eine Benachrichtigung auf – per Instant Messenger ist eine Nachricht eingegangen. Der Hinweis klaut der aktiven Anwendung den Fokus. Und um zum Messenger zu wechseln muss ich erst den Home-Button drücken. So sollte sich ein Computer nicht verhalten.

Ich verwende die Hülle als iPad-Stütze. Die Konstruktion ist stabil genug um das Umkippen des iPad zu verhindern, als sich der Passagier vor mir in seinen Sitz wirft. So langsam gewöhne ich mich an die Tastatur. Nicht genug für einen Sprint, aber doch für einen flotten Galopp. Ich frage mich, ob ich als nächstes Lesen, einen Film sehen oder Scrabble spielen soll und greife zur Times, dann wieder zum Ruf der Wildnis. Meinen Augen macht das ständige Starren auf den Bildschirm nichts aus, sie sind daran aus dem Büro gewöhnt. Nur die Helligkeit muss ich ein wenig runterregeln. Das Blättern per Wischgeste lenkt ab, deshalb tippe ich die Seiten nur noch an. Das Buchgefühl stellt sich ein, auch dank Schrift, Seitennummern, dem virtuellen Bücherregal usw. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir landen.

Kollege Wilson ließ Eleanor mit seinem iPad spielen. Kinder scheinen es schnell zu verstehen – wie bei Touch-Geräten üblich.

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Außerdem musste Marks Mutter dran glauben.

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Nach ein paar Tagen außer Haus arbeite ich jetzt zuhause in Kalifornien. In einem leeren Haus statt im lauten New Yorker Büro. Das iPad liegt neben mir, damit ich damit nach dem Wetter sehen, Surfen, Musik abspielen oder Bilder ansehen kann. Es ist ein bisschen besser als ein zweites Display am Computer.

Das iPad liegt auf der Couch. Im Moment gibt es nichts was ich damit tun will. Es hat weder mein Leben noch diei Spielregeln verändert. Am Abend brauche ich immer noch ein Essen, eine Ziarette und eine heiße Dusche. Und wie der Stapel von Zeitungen, die ich lesen will, ignoriere ich auch das iPad manchmal.

Ein Freund fragt mich, ob er sich ein iPad kaufen soll. Ich sage ihm, das käme darauf an. Es tut nichts, was Du nicht auch mit einem Laptop oder einem iPhone erledigen könntest und im Büro bzw. weg von Zuhause schlägt es sich nicht besonders gut. Andererseits reicht kein anderes Gerät an das iPad heran. Und es gibt ein paar Dinge, die es besser macht als jedes andere Gerät. Ich schließe mit: „Bevor Du Dir eines kaufst solltest Du Dich im iTunes-Store nach Anwendungen umsehen, die Dir gefallen. Überlege was Du damit vorhast und ob Dir diese Anwendungen tatsächlich helfen. Dieser Versuch geht für jeden anders aus. Aber danach weißt Du, ob Du eines willst“.

Zum Schluss fast Joel zusammen, wie wir denken, nachdem wir das iPad für einige Tage getestet haben.

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Die Fotos hat Matt Buchanan mit einer Canon 1D Mark IV aufgenommen. Danke an Chris Mascari der uns als Model gedient hat. Einen besonderen Dank an Canon und an BorrowLenses.com für die Geräte, mit denen wir die hier gezeigten Videos gedreht haben.

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  1. Ich freu mich schon auf heute Abend wenn das iphone vorgestellt wird. Dumme Applefanboys. :-D

    Ich hoffe jeder hat die Ironie verstanden .

  2. Heute Abend wird kein neues iPhone vorgestellt. Dumme Hater…….
    B2T: KRANKER SCHEISS, langsam übertreibt ihr echt ein wenig. Wenn ihr euch doch bei allen Themen soviel Mühe machen würdet.

  3. Ja es ist schon wirklich beachtlich wieviel Apple auf dieser Seite steht. Noch beachtlicher ist aber die Anzahl an dummen Leuten die diese Themen durch Kommentar Einträge erst richtig hoch pushen. Alle schreiben sie hier ihre hate-Nachrichten und wundern sich das noch mehr Apple News kommen. Gizmodo sieht nur eine Statistik wo Apple Themen besonders häufig nachgefragt werden und bedient die „anscheinend“ hohe Nachfrage. Aber das hat ja schon einmal jemand anders versucht euch zu erklären. Ihr seht nur ein Apple Produkt abgebildet und macht dann Copy & Paste aus dem letzten Eintrag. — DONT FEED THE TROLLS!—

  4. Schreibt gar nichts drüber, dass er beim Surfen auf nicht anzeigbare Flash Inhalte gestoßen ist. Denn das sie so weit verbreitet sind, stösst man ja dauernd drauf. Egal ob auf Autoseiten, News, games, videos usw…
    .. ist ja Steve Jobs ja sogar bei seiner Präsentation passiert, suft auf 2 Seiten und kann die zweite schon nicht richtig lesen, weil das ipad die Hälfte des Netzes nicht.
    Apple hat ja sogar in der Werbung einen Flash Inhalt auf den Bildschirm des Ipads als fake kopiert, damit es vollständig aussah.
    Mittlerweile hat Apple diese Schummelei wieder entfernt.
    Ich versteh diese freiwillige Begrenzung des Internets nicht.
    Hoffe, dass bald das HP Slate, Wepad, JooJoo oder Microsoft Courier nachziehen, die alle das Flash anzeigen und Apple zieht dann auch nach.

    Oder findige Jailbreaker knacken das Ipad und erlauben es so das ganze Internet anzuzeigen mit Flash im Browser. Dann passts auch wieder.

  5. HAHA ihr FAIL0rz :D nicht nur, dass das Pad schnell mal überhitzt, der WLAN empfang soll dank des Alugehäuses mehr als schlecht sein xD http://www.hardwareluxx.de/index.php/news/consumer-electronics/gadgets/15028-apples-neues-ipad-weist-eine-w-lan-schwaeche-auf.html Wann blicken die Apple-Fanboys endlich, dass da nur Mist kommt? Oder ist in jedem Apple Gerät irgendetwas drauf, was euer Gehirn wäscht und euch glauben lässt dass Apple unfehlbar ist?

  6. wer braucht sowas!? sorry, aber leute die ihr geld für ipads und so nen kram zum fenster rauswerfen tun mir leid. und zwar, weil der will-haben- den nutzenfaktor übersteigt

  7. Mojo, das ist unlogisch. Wenn ich mir überlege, ob ich ein iPad haben möchte, dann addieren (wenn nicht gar: multiplizieren) sich der Will-haben-Faktor und der Nutzenfaktor zu einem äußerst positiven Wert und ich renne in den Apple Store. Da ist es egal, ob der eine Faktor den anderen übersteigt.

  8. Toller Test mit interessanten Videos. Ich kann mir jetzt ein besseres Bild vom Ipad machen und der Drang eins zu kaufen ist dadurch nicht gerade gesunken :D

  9. „Toller Test mit interessanten Videos. Ich kann mir jetzt ein besseres Bild vom Ipad machen und der Drang eins zu kaufen ist dadurch nicht gerade gesunken :D“ weil er schon nicht vorhanden war? :D

  10. Kay: vielleicht hab ich mich etwas ungünstig ausgedrückt. wenn ich mir die ipad fans angucke, dann seh ich kleine kinder die an der kasse neben dem neusten superplastikspielzeug stehen und immer rufen „will haben, will haben, will haben“ bis mama es käuft. und am end liegts doch nur in der ecke rum, weil man gemerkt hat, dass der geringe nutzenfaktor es doch nicht wert war.

  11. Griaste… Ne frage:
    also es ist ja so das man direkt am ipad den vertrag MIT At&t ( in den USA ) eingehn kann.ist es möglich wenn man bereits einen Vertrag bei T-mobile hat, den auch für das ipad zu nutzen?
    Danke schon mal
    djj

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