So funktioniert Multitasking in iPhone OS 4.0

Multitasking kommt auf das iPhone. Zumindest auf das 3GS, den iPod Touch (3. Generation) und das iPad. Und so sieht's aus.

Wie funktioniert es?

Für den Anwender funktioniert Multitasking vollkommen transparent, d.h. ohne dass er etwas steuern muss. Und es ist schnell. Laut Apple kann man „sofort“ zwischen Anwendungen hin- und herwechseln, ohne dass die Anwendung im Vordergrund von Verzögerungen betroffen würde.

Dank Multitasking könnt Ihr eingehende SMS beantworten oder mit einem Freund chatten, einen Anruf entgegen nehmen und dann zu Eurem laufenden Spiel zurückkehren – und des fährt dann genau dort fort wo Ihr es verlassen habt. Oder Ihr könnt Bilder zu Flickr hochladen, müsst dazu aber nicht mehr die Flickr-App offenhalten. Stattdessen könnt Ihr schon mal nach Euren E-Mails oder dem Wetter sehen.

Das Benutzer-Interface für Multitasking ist schlicht. Doppeltes Drücken des Homebuttons öffnet einen Taskmanager, der alle laufenden Anwendungen zeigt. Der Wechsel zu einer Anwendung erfolgt, sobald man ihr Icon drückt. Ziemlich exakt so wie der Taskwechsel in Windows oder Mac OS X.

Praktische Beispiele

Hier ist ein Beispiel: In früheren Versionen von iPhone OS führte ein Klick auf einen in einer Mail enthaltenen Link zum Safari-Browser. Dort konnte man sich die Seite ansehen, musste dann die Home-Taste drücken und Mail starten. Mit Multitasking drückt Ihr einfach doppelt „Home“ und wählt das Mail-Icon aus dem Taskmanager aus.

Ein weiteres gutes Beispiel ist Skype. Bisher musste Skype laufen, damit man Anrufe empfangen konnte. Als Telefonersatz war es dadurch wertlos. In iPhone OS 4 kann Skype im Hintergrund auf eingehende Anrufe warten. Es ist vollkommen gleich ob Ihr unterdessen im Web surft oder ein Spiel spielt. Sobald ein Anruf eingeht könnt Ihr ihn annehmen, ein Gespräch beliebiger Länge führen und dann zum Browser oder Eurem Spiel zurückkehren.

Während eine Anwendung im Hintergrund läuft kann sie noch viel mehr tun als einfach nur eingefroren rumzuhängen. Eine App wie Pandora kann zum Beispiel Musik abspielen obwohl Ihr das Programm gar nicht offen habt. Bisher war das Apples iTunes-Anwendung vorbehalten.

Unter der Haube

Apple behauptet, dass das iPhone-Multitasking den Akku und den Prozessor schont. Aber wie?

Der Grund ist einfach: Es handelt sich nicht um echtes Multitasking. Nicht im Sinne, in dem Entwickler es verstehen: Alle Ressourcen des Systems stehen der Anwendung zur Verfügung. Das Betriebssystem übernimmt sozusagen eine Ampelfunktion, räumt also einigen Anwendungen Vorrechte gegenüber anderen Apps ein.

Ein solches Multitasking verbraucht aber viel zu viele Ressourcen, insbesondere Speicher. Das System gerät zwangsläufig ins Stottern, wenn der ohnehin knappe Speicher zur Neige geht. Auch die CPU wird in Mitleidenschaft gezogen, der Akku sowieso.

Apples Methode ist hingegen ziemlich clever. Im Prinzip erlaubt es Euch, Anwendungen zu pausieren, während einige spezielle Dienste deren Kernfunktionen übernehmen. Apple hat sieben solcher Dienste definiert. Dabei handelt es sich um Hintergrund-Audio, VoIP, Standortbestimmung, Push-Nachrichten, lokale Benachrichtigungen, die Vervollständigung von Aufgaben und der schnelle Wechsel zwischen Anwendung.

  • Der erste Dienst ist offensichtlich: Hintergrund-Audio ist ein Muss für viele Nutzer, die Webradio und anderen Quellen lauschen wollen, die iTunes nicht liefern kann.
  • Voice-over-IP-Dienst: Für Anwendungen wie Skype ist dieser Dienst eine Grundvoraussetzung. Bisher scheiterte ernsthaftes VoIP auf dem iPhone daran, dass die Anwendungen nichts von Anrufen mitbekamen, die eingingen während die Anwendungen nicht liefen. Das ist künftig anders. Sogar anwendungsspezifische Klingeltöne lassen sich generieren.
  • Hintergrund-Standortbestimmung: Dieser Dienst arbeitet auf zwei Ebenen. Anwendungen wie TomTom und Navigator können auch aus dem Hintergrund den vom GPS-Empfänger übermittelten Standort verarbeiten und ggf mit Abbiegehinweisen dienen. Anwendungen, denen die Standortbestimmung per Mobilfunkmast reicht, werden vom iPhone über den Wechsel in eine neue Funkzelle informiert und können dann nach Bedarf auf den neuen Standort reagieren.
  • Push-Benachrichtigungen gab es schon bisher, aber sie wurden um die lokalen Nachrichten erweitert. Diese werden von iPhone-Apps erzeugt. Wer zum Beispiel eine Kochbuch-Anwendung nutzt, der kann sich von ihr über einen ablaufenden Timer alarmieren lassen wenn der Braten aus dem Ofen zu holen ist.
  • Aufgaben-Vervollständigung: Darüber kann eine Anwendung eine Aufgabe zuende erledigen lassen, an der sie zum Zeitpunkt des Wechsels in eine andere Anwendung gerade gearbeitet hat. So lassen sich zum Beispiel Dateiup- bzw. -downloads vervollständigen.
  • Schneller Wechsel zwischen Anwendungen: Bisher mussten Programme beim erneuten Aufruf erst zeitraubend geladen werden. Künftig soll der Wechsel deutlich schneller ablaufen, denn die Anwendungen hängen schlafend im Hintergrund und werden nur noch reaktiviert.

Apple hat also seine Hausaufgaben gemacht und endlich auf die zahlreichen Benutzerbeschwerden reagiert. Es ist zwar kein 100%iges Multitasking, aber trotzdem ziemlich gut. Den meisten Nutzern werden die Hintergründe des Multitaskings ohnehin egal sein. Wichtig sind die dadurch möglich werdenden Funktionen und Eigenschaften wie Schnelligkeit und lange Akkulaufzeiten. So gesehen scheint Apples Ansatz genau das zu sein, was das iPhone, der iPod Touch und das iPad brauchen. [Tim Kaufmann]

Alles über das neue iPhone OS 4.0 findet Ihr hier. Ein Video, das den neuen Taskmanager zeigt, findet Ihr hier.

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  1. das mail-safari-beispiel ist cool: bisher drücke ich aus safari 1x den home-button und starte mail (direkt) per klick aufs icon, um zurück zu kommen. neu wird also sein, dass ich den home-button 2x drücke… ^^ und dann das mail-icon in der task-leiste… wow!! ;-D aber mail ist dann vermutlich noch schneller wieder aufgerufen als beim jetzigen neustarten. nee, ansonsten tolle sache! freu mich drauf :)

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