Wie Apple das neue iPhone verloren hat

Was ist nötig, um einen Prototypen des neuen iPhone 4G zu verlieren? Vielleicht war es das deutsche Bier, vielleicht allgemeine Verwirrung. Zumindest hat ein Apple Software Entwickler namens Gray Powell in einem deutschen Restaurant in San Francisco sein Gerät liegen lassen. Es gelang letztendlich in unsere Hände. Doch lest die Geschichte selbst.

iPhone_4g_Wie_es_dazu_kamGray Powell hat 2006 seinen Abschluss an der North Carolina State University gemacht. Er ist talentierter Hobby-Fotograf und ein Software Entwickler bei Apple. Er ist verantwortlich für die Technologien, die es dem iPhone ermöglichen zu telefonieren. Ein Traumjob für Powell. Einen Applefan, der schon immer mal Steve Jobs begegnen wollte.

Am 18. März war es soweit. Er genoss einen Ale im Gourmet Haus Staudt, das ist ein deutscher Biergarten in Redwood City, Kalifornieren. Und er war glücklich: Kein Wunder, schließlich war es ja sein Geburtstag. Er wurde 27 und die Welt war schön. Der Ort war toll und das Bier hervorragend. „Ich habe wohl unterschätzt, wie gut das deutsche Bier ist“, schreib er mit seinem iPhone-Prototypen, den er gerade getestet hat. Es war intelligenterweise als iPhone 3GS getarnt – dazu hatte Apple eine Spezial-Hülle angefertigt. Das war sein letztes Facebook Update von seinem Geheimhandy. Einige Augenblicke später, hat er es in der Bar liegen lassen und ist nach Hause gegangen.

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Es ist ein kleiner Fehler, der beim Feiern unterlaufen ist. Ein Fehler, der selbst Steve Jobs und Jonathan Ive hätte passieren können. Da wir ja wissen, wie kritisch Apple solche Fehler sieht und welche Konsequenzen Gray nun drohen könnten, war das womöglich das bitterste Bier seines Lebens.

(Fast) Unfehlbare Sicherheitsvorkehrungen

Es gibt wohl kaum einen Konzern, der soviel Wert auf Geheimhaltung legt wie Apple. Bisher haben die Apple-Richtlinien auch sehr gut funktioniert. Es gab höchstens mal ein verschwommenes Bild hier und da zu sehen oder ein technisches Detail, das unter der Hand verraten wurde. Aber das große Ganze blieb stets geheim. Es wurde weggesperrt hinter Metalltüren, die mit Sicherheitscodes geschützt sind, die alle paar Minuten wechseln. Prototypen sind an Tischen befestigt. Tief versteckt in den geheimen Apple Labors. Hardware, Software und Design werden jeweils separat entwickelt, ohne eine Vorstellung von dem finalen Produkt zu haben.

Versteckt in jeder Ecke ist Apples geheime Polizei. Ein Team mit einer einzigen Mission: Sicherzustellen, dass keiner sich verplappert. Wenn es ein Leck gibt, suchen sie den Verräter und geleiten ihn mehr oder weniger freundlich aus dem Gebäude. Sie nutzen Taktiken wie Abschottung und andere Mittel, um die Mitarbeiter einzuschüchtern. Sie sind die letzte Verteidigungslinie gegen Neugierige. Steve Jobs vertraut auf sie, um den Supergau zu verhindern: Ein strategisch wichtiges Produkt, dass an die Öffentlichkeit dringt. Etwas, das dafür sorgt, dass Apple die Kontrolle über den eigenen Produktzyklus verliert.

Aber es gibt keine perfekten Sicherheitsvorkehrungen. Nicht, wenn Menschen mit im Spiel sind. Menschen, die zum Beispiel den iPhone-Prototypen verlieren könnten.

Verloren und Wiedergefunden

Apples scheinbar undurchdringliche Sicherheitsvorkehrungen fielen in sich zusammen am 18 März. Dem Tag an dem Powell in dem Gourmet Haus Staudt war. Das liegt wie bereits erwähnt nur 20 Milen von dem Firmensitz entfernt. Rund um ihn herum gab es viele andere Menschen, die einfach die Atmosphäre genossen und Bier tranken.

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Die Person, die letztendlich das iPhone fand, saß direkt neben Powell. Er trank – ebenfalls mit einem Freund. Eigentlich ist im der iPhone-Besitzer gar nicht weiter aufgefallen. Zumindest nicht, bis er weg war und der betrunke Typ, der ihm gegenüber saß sich entfernt hat und an einen anderen Platz gesetzt.

Der betrunkene Typ zeigt auf das iPhone und fragt den Finder: „Sag mal ist das dein iPhone?“

„Bitte was?“, meint der neue Besitzer, „Nein, das ist nicht meins“.

„Hmm, dann gehört es wohl deinem Freund“, und bezieht sicht auf einen Typen der wohl grad auf der Toilette ist. „Hier nimm es“, meint der Betrunkene, und drückt es ihm in die Hand, „Du willst es doch nicht verlieren“. Kurz darauf verlässt der Besoffene die Bar.

Der Typ, der das iPhone letztendlich hatte, fragt in der ganzen Bar herum, aber niemand vermisst ein iPhone. Er dachte an den jungen Mann, der neben ihm saß. Aber Powell kam an dem Abend nicht mehr zurück.

Er spielt also etwas mit dem iPhone herum und es wirkt wie ein ganz normales iPhone. „Ich dachte, es wäre einfach ein iPhone 3GS“, meint er in einem Telefoninterview, „Es sah aus wie eines. Ich habe die Kamera ausprobiert, aber es ist dabei drei Mal abgestürtzt“. Das Gerät schien keine besondere Funktionen zu haben. Nur zwei Barcodes auf der Rückseite auf denen 8800601pex1 und N90_DVT_GE4X_0493 stand. Neben dem Lautstärkeschalter war ein weiterer Aufkleber auf dem iPhone SWE-L200221 stand. Davon abgesehen gab es sechs Homescreens. Auf einem war die Facebook-Anwendung und darin das Profil von Powell.

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Der Finder dachte daran das iPhone am nächsten Tag zurückzugeben. Allerdings war das Telefon tot, nachdem er am nächsten Morgen aufgewacht ist. Es wurde über MobileMe abgeschaltet. Damit kann man verlorene Apple-Handys abschalten. Erst da kam ihm an dem Gerät irgendetwas seltsam vor. Das Gehäuse fühlte sich merkwürdig an und es gab eine Kamera auf der Vorderseite. Er hat mit etwas mühe das Fakegehäuse aufbekommen.

Da war es also: Ein glitzerndes neues Ding, dass sich von dem bisherigen iPhones komplett unterschied.

Er ruft also bei Apple und versucht jemanden zu finden, der ihn zumindest mit der entsprechenden Person verbinden könnte. Aber niemand nimmt ihn für voll. Alles was er kriegt, ist eine Wartenummer.

Doch er gibt die Hoffnung nicht auf, dass er irgendwann zurückgerufen wird, weil Apple erkennt wie wichtig das Gerät ist. Aber sein Telefon hat niemals geklingelt. Was soll er also tun? In einen Apple-Store rennen und es einem 20-Jährigen in die Hand drücken, der es möglicherweise am Ende bei eBay verkauft?

Das Nachspiel

Wochen später, haben wir es bekommen. Es war echt. Als wir es auseinander genommen haben, gab es keine Zweifel. Wir haben von dieser Geschichte erfahren, waren uns aber nicht sicher, ob es wirklich Powells Handy war. Wir haben ihn also über sein Telefon kontaktiert.

Gray Powell: Hallo
John Herrman: Ist da Gray?
G: Ja.
J: Hi, hier ist John Herrman von Gizmodo.
G: Hey!
J: Du arbeitest bei Apple, richtig?
G: Um, ich meine ich kann grad nicht reden.
J: Ich verstehe. Wir haben ein Gerät, wir glauben, dass du es in einer Bar hast liegen lassen.
G: Ja, ich habe deine Email weiter geleitet und sorge dafür, dass jemand zu dir Verbindung aufnimmt.
J: OK.
G: Kann ich dir die Telefonnummer schicken?
J: [Kontakt Information]

Er klang müde und kaputt. Aber zumindest ist er am Leben und arbeitet noch bei Apple. Immerhin ist es nur ein blödes iPhone und Fehler können jedem passieren. Mir, dir, Phil Shiller und Steve Jobs.

Der einzige Fehler wäre Gray wegen einer solchen Kleinigkeit oder aus Prinzip zu entlassen. Apples unüberwindbare Sicherheitsvorkehrungen wurden ein paar Litern deutschem Bier und einem kleinen menschlichen Fehler ausgehebelt. [Jesus Diaz/John Herrman/Kyle VanHemert/Matt Buchanan/Arianna Reiche/Maxim Roubintchik]

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  1. Waas? Wenn ich das teil gefunden hätte, dann hätte ich mich doch sofort mit HTC in Verbindung gesetzt und das teil mindestens für einen 6 Stelligen Betrag verkauft. Wenn das iPhone neue Sensoren und alles hat, dann stecken da Millionen von Dallar an Entwicklung drin. Da hätte HTC sicher Ordentlich was für bezahlt

  2. ich bin mir zu 85% sicher dass er gefeuert wird. die 15% bestehen nur, dass wenn daraus eine große mediennummer wird, dass sich steve jobs asozialität bestätigen würde wenn er ihn feuert.

    im moment sind es nur gerüchte, wie anstrengend der feine ceo sein soll, aber wenn er wegen dem fehler den mann feuert, ist er der arsch der welt. was die leute ihm mit dem neuen iphone vielleicht verzeihen werden aber who knows

  3. @Feix: Die Sensoren entwickelt aber nicht Apple. Wenn es irgendweliche neuen super-Senosren geben würde dann würde nicht nur Apple dieses Teile kaufen können.

  4. htc, 6 stelliger betrag, vielleicht, aber, mit welchem risiko… scheiss ego-gesellschaft, ich wär hätt gray aufn bier eingeladen und es ihm direkt gegeben…
    maybe jesus can help him :D

  5. Ich halte das Ding für einen äußerst wirksamen und außgeklügelten PR-Gag. Die Leute reden darüber, überall ist davon zu hören, im Fernsehen ist davon zu sehn…unglaublich genial. Angenommen: Powel wurde angewiesen das Ding zu verlieren, jemand hat es gefunden, sicherlich war da auch noch eine andere hand im spiel, es wurde verkauft und apple hatte einen deal mit dem Käufer…klingt eigl ganz logisch. sicherlich gibt es hier und da ein paar feinheiten über die man noch diskutieren müsste, aber ich denke es ist möglich das es so oder zumindest so ähnlich abgelaufen ist. Göttliche PR-Leute sind da natürlich Vorraussetzung. Ich verweiß da mal auf den PR-Gag von Chocolat Frey ;) einfach im netz suchen und anschauen / durchlesen ;)

  6. Hätte Gray die App „Beer Goggler“ installiert, wäre ihm das alles nicht passiert. Die Beer Goggler App warnt vor dem Schöntrinkeffekt und den Folgen von zuviel Alkohol … funktioniert auch mit deutschem Bier :-)

  7. Also das ist nicht der neue iphon , das weiß ich sogar. Das neue iphone sieht ganz anders aus, ist ganz schmal und hat einen großen display als der vorgänger 3G und 3Gs .Der ist so dünn wie der Ipod Touch und hat eine spiegel rückseite, 5 megapiksel Kamera, eine schnelle grafik chip, oled display, leichter als 3G und 3Gs , und das akku laufzeit ist 3 mal stärker als beim vorgänger .Sorry bald bekommt ihr ärger von apple anwälte

  8. das war doch geplant…
    und die leute von htc werden dir sicherlich keinen 6 stelligen betrag fürs iphone geben …
    wenn ein apple mitarbeiter mit solcheinem gerät saufen geht .. dann hat schon jeder von der konkurenz so ein iphone..

  9. „Waas? Wenn ich das teil gefunden hätte, dann hätte ich mich doch sofort mit HTC in Verbindung gesetzt und das teil mindestens für einen 6 Stelligen Betrag verkauft. Wenn das iPhone neue Sensoren und alles hat, dann stecken da Millionen von Dallar an Entwicklung drin. Da hätte HTC sicher Ordentlich was für bezahlt“

    Meine Antwort:
    Dann wärst du ziemlich im A… gewesen, weil in nach amerikanischem Recht jeder dazu verpflichtet ist, die Besitzer von gefundenen Dingen zu ermitteln und das Gefundene zurück zu geben.

    Kannst dir also ausrechnen, was passiert, wenn du schon weißt wem es gehört und es trotzdem weiterverkaufst…..Erst informieren, dann rumtönen

  10. @ Rocky_B4lboa
    Wir sind aber in Deutschland ^^ somit herrscht hier das deutsche Recht.
    Auch wenn die ziemlich ähnlich in solchen Fällen sind ; )

  11. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine PR-Aktion war, dass Iphone zu verlieren , da der Schaden sehr groß ist und bis zur Keynote am 22.Juni (Yerba Buena Center ist schon angemietet) sehr viel zeit für Konkurrenten ist auf Design und Hardware zu reagieren. Wenn es eine geplante Aktion wäre hätte Apple niemals zugelassen, dass das Iphone zerlegt wird und diese Fotos veröffentlicht werden. Außerdem ist das Risiko dass es einer Konkurrenzfirma z.B. HTC in die Hände fällt viel zu groß. Da die Geschichte aber so unwahrscheinlich wirkt gehe ich davon aus, dass das Handy entweder vom Firmengelände, oder von einem Testteam, dass den Empfang außerhalb von Apples Campus testete gestohlen wurde. Apple kann dies aber unmöglich zugeben, da man sonst mit mehr Diebstahlversuchen rechnen muss, wenn öffentlich wird, dass dies schon einmal geglückt ist. Außerdem finde ich es unverschämt einen offensichtlichen Prototypen nur wenige Tage nach dem Fund zu verkaufen/kaufen.
    Es ist klar das es illegal verkauft/gekauft wurde , denn selbst wenn es gefunden wurde darf man es nicht verkaufen. Außerdem muss man bei einem solchem Prototypen IMMER mit einem Diebstahl rechnen.

  12. der 1. april is vorbei jungs also ich glaub irwie auch noch nicht dass das das neue iphone sein soll das sieht irwie zuhässlich für apple aus….naja wenns das ist dann muss man das design noch ma gründlichst überarbeiten oder gaaaaaaaaanz von vorne damit anfangen…… naja aber die story is gut aufgemacht.. lg

  13. Wer so nen Schwachsinn glaubt, tja der hat´s nicht besser verdient *lol*
    Wie sollte der Entwickler überhaupt das Gelände mit dem Prototypen verlassen können?? Es gibt tausende von Sicherheitsmaßnahmen, alle Mitarbeiter werden überprüft beim verlassen des Gebäudes; so ein Schwachsinn….das ist ne PR Aktion von Apple und zwar seeehr geschickt. Alles redet drüber…günstiger kann man keine Werbung erhalten ;-)

    Und wer sagt das oben abgebildete Iphone ist das neue? Schaut für mich nicht typisch Apple Like aus ;-) Aber sind wir gespannt…ich sach das alles verarsche und Apple lacht sich ins Fäustchen!

  14. Ei-Fon, Popei-Fon. Der virale Marketing-Schwachsinn nervt allmählich. Wer so eine hanebüchene Story für voll nimmt, dem ist ja wohl nicht mehr zu helfen. Ich freue mich schon auf die ersten Enthüllungen des „Tathergangs“ auf wikileaks.org & Konsorten..

  15. Erstens strotzt Euer Text vor Schreibfehlern. Zweitens strotzt er vor Ungereimtheiten und drittens unterschlagt Ihr die Info, dass 5.000 Dollar für das iPhone bezahlt worden sind, und dass die Polizei in der Sache ermittelt. Diese Gizmodo-Geschichte ist eine Sauerei, eventuell sind Diebstahl und Hehlerei im Spiel. Dass Jason Chen den Apple Mitarbeiter öffentlich und namentlich bekannt machte, danach noch eine schleimerische Mail an Apple schickte, wirft ein sehr schlechtes Licht auf Gizmodo. Alles nur, um Gizmodo mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ich lösche gizmodo.com und gizmodo.de aus meinen Favoriten und informiere mich in Zukunft mit Engadget, Apple rumors usw.

  16. Hi,

    ich wollte lediglich mal loswerden, dass ihr die Sache ganz schön breit tretet.

    So nach dem Motto: “ Da holen wir jetzt noch den letzten Cent raus“.
    Das ist kein Journalismus mehr…

  17. Also ehrlich gesagt finde ich es schon ein wenig asozial, jemanden öffentlich so an den Pranger zu stellen.

    Stellte euch einmal vor, euch wird vermutlich etwas gestohlen und dann werdet ihr dafür noch an den Pranger gestellt und verliert wahrscheinlich euren Job. Eure potenzielle Arbeitsgeber finden dann solche Sauf-Storys im Internet. Den Rest könnt ihr euch natürlich selbst denken.

    Und ein Handy zu verlieren oder zurückgeben versuchen klingt auch nach einem Drehbuch. Nicht zum Fundamt oder Polizei gehen, sondern das Produkt an euch zu verkaufen.

    „Ja ne, ist klar.“

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