Google TV kombiniert TV und Web per Android

In die lange Liste von Firmen, die uns den Durchbruch von Web auf dem TV versprechen, hat sich jetzt Google mit dem neuen Google TV eingereiht. Das Konzept ist interessant: Auf konventionellen Wegen empfangene TV-Sendungen werden durch neue Hardware mit Informationen und Videos aus dem Netz kombiniert und auf dem Fernseher angezeigt.

Laut Google sind die bisherigen Versuche, Fernsehen und Web miteinander zu kombinieren, aus drei Gründen fehlgeschlagen:

1. Der Zugang zum Netz war auf speziell aufbereitete Inhalte mit begrenztem Nutzen beschränkt.

2. Es handelte sich um geschlossene Systeme, die keinen Zugang auf das gesamte Web erlauben.

3. Man muss sich zwischen Web und TV entscheiden. Eine Kombination ist nicht möglich.

Diese drei Beschränkungen will Google mit der neuen Plattform Google TV aufheben. Dabei setzt man darauf, dass Hardware-Hersteller auf den Zug aufspringen und das von Google entsprechend erweiterte Betriebssystem Android in ihre TV-Geräte, Blu-ray-Player, Satelliten-Empfänger und was sich sonst noch an den Fernseher anschließen lässt, integrieren.

Geeignete Geräte werden mit einem Atom-Prozessor (oder stärker), diskreter Grafik, einem HDMI-Anschluss, Bluetooth, IR-Empfänger/-Sender, WLAN und Ethernet ausgestattet sein sowie Surround-Sound unterstützen. Sie lassen sich per Tastatur, Maus und Fernbedienung steuern.

Aber nicht nur die Hardware wird ähnlich sein, auch die Funktionsweise bleibt gleich, unabhängig davon, welches Gerät man nun als Google-TV-Empfänger verwendet. Der Empfänger schwingt sich auf zur Schaltzentrale in Sachen Web und TV, die zunächst mit dem Fernseher verbunden wird bzw. dort schon eingebaut ist. Per HDMI finden bereits vorhandene Receiver, in Europa also wohl insbesondere DVB-Empfänger, Anschluss an den Google-TV-Empfänger, der diese per Infrarot-Sender auch selbstständig fernsteuert.

Beim Start des Google-Gerätes erwartet den Zuschauer ein simples Eingabefeld für Suchbegriffe. Hier gibt man ein, was man gerne sehen möchte, und Google TV macht sich auf die (Internet-) Suche nach passenden Inhalten. In der Trefferliste erscheinen sowohl zugehörige Videos von YouTube wie auch TV-Sendungen, die sich über einen angeschlossenen Receiver empfangen lassen. In einer auf den US-amerikanischen Markt zugeschnittenen Live-Demo zeigte Google außerdem speziell aufbereitete Versionen der Online-Videothek Netflicks und des Streaming-Video-Dienstes von Amazon USA. Eine „Lean Back“ („Zurücklehnen“) genannte YouTube-Anwendung beginnt die Wiedergabe automatisch, sobald man sie aufruft, und spielt Videos ab, die Freunde positiv bewertet haben oder die auf Basis früher angesehener Sendungen automatisch ausgewählt werden. In Deutschland dürften insbesondere die WebTV-Angebote der verschiedenen Fernsehsender heiße Kandidaten für eine Google-TV-Optimierung sein.

Internet-Videos werden im (flash-fähigen!) Browser Chrome abgespielt, TV-Sendungen via HDMI beigeschafft und auf dem Fernseher ausgegeben. Um Websites für Google TV zu optimieren wird Google eine Web-API und – 2011 – ein Entwicklerwerkzeug (SDK) bereitstellen.

YouTube Preview Image

So weit, so gut – das waren aber erst die Basics. Spass machen könnten die verschiedenen Zusatzfunktionen. So wird Google TV eine Bild-in-Bild-Funktion bereitstellen, dank der sich TV-Inhalte mit Informationen aus dem Netz kombinieren lassen. Darüber kann man zum Beispiel während einer Fussball-Übertragung zugehörige Twitter-Nachrichten verfolgen oder einfach nur während des Fernsehens im Web surfen. Mit Hilfe von Google Translate werden fremdsprachige Untertitel live in die Sprache des Zuschauers übersetzt. Zudem wird Google TV einen Zugang zum Android App Store beinhalten, so dass Drittanbieter die Plattform mit Zusatzanwendungen bereichern werden. Im Rahmen der Demo zeigte Google beispielsweise die App von Pandora, die ein personalisiertes Webradio abspielt.

Via Bluetooth und/oder WLAN soll sich das Google-TV-Gerät auch von Android-Smartphones fernbedienen lassen. Wer eine interessante Website auf dem Handy entdeckt, der soll sie direkt zum Fernseher beamen können. Die Spracherkennung des Smartphones wird sich ebenfalls zur Fernsteuerung einsetzen lassen. Google plant, das IP-basierte Fernbedienungsprotokoll freizugeben, so dass sich Fernbedienungsanwendungen auch für andere Systeme programmieren lassen.

Zum Marktstart, der Ende 2010 in den USA erfolgen wird, stehen drei Hardware-Hersteller mit Google-TV-Geräten parat. Logitech wird eine Settop-Box verkaufen und für Google TV optimierte Fernbedienungen und Tastaturen liefern. Von Sony werden entsprechend ausgestattete TV-Geräte erwartet. Und der hierzulande eher wenig bekannte Hersteller Dish wird Google-TV-fähige Satellitenempfänger liefern. Preise oder gar einen Starttermin für die internationalen Märkte nannte Google nicht. [Tim Kaufmann]

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