Getestet: Android 2.2 „Froyo“ ist richtig gut gelungen

In kaum 18 Monaten ist Android erstaunlich weit gekommen. Android 2.2 - Codename "Froyo" - ist die bisher am besten bedienbare, hübscheste Ausgabe von Googles Betriebssystem. Wichtiger noch dürfte sein, dass es sich um den ersten Aufguss handelt, der ein breites Publikum ansprechen wird. Froyos Neuheiten sind nicht radikal. Vielmehr hat Google eine ganze Menge wichtiger Kleinigkeiten verändert, was Android insgesamt sehr gut bekommen ist. Wir haben uns Froyo im Detail angesehen.

Need for Speed

Ohne hier allzu technisch werden zu wollen: Android führt Anwendungen in einer virtuellen Maschine namens Dalvik aus, die auf dem Linux-Kernel läuft auf dem Android basiert. Eine der wichtigsten Neuheiten in Froyo ist der Just-in-time-Compiler für Dalvik, dank dem CPU-intensive Jobs laut Google um den Faktor 2 bis 5 schneller als bisher ausgeführt werden. Zudem kommt eine effizientere Speicherverwaltung zum Einsatz, die ebenfalls auf das Gaspedal drückt.

Tatsächlich fühlt sich Froyo deutlich schneller an als sein Vorgänger. So ziemlich alles, was man mit dem Smartphone machen kann, geht flotter von der Hand. Auch die verschiedenen Animationen laufen flüssiger. Die gelegentlichen Ruckler und Hänger, die wir von Android bisher gewohnt waren, gehören der Vergangenheit an.

Wenn man mich fragt, welche Anwendung am deutlichsten vom Update profitiert, dann ist das der Webbrowser. Google hat eine neue JavaScript-Engine namens V8 eingebaut, die doppelt so schnell sein soll wie die in Android 2.1. Da hat der Löwe nicht nur gut, sondern auch außerordentlich korrekt gebrüllt, wie folgendes Diagramm zeigt.

Ich habe ein Nexus One mit 2.1 und 2.2 getestet und zum Vergleich auch ein iPad, jeweils über WLAN. Die Flash-Unterstützung des Android-Browsers war dabei auf „On Demand“ geschaltet, was eigentlich „Aus“ heißen sollte. Nicht bestätigen können wir übrigens Googles Aussage, dass auch die Akkulaufzeit von den jüngsten Massnahmen profitieren würde – zumindest nicht in einem im täglichen Gebrauch relevanten Umfang.

Doch nochmal zurück zum Thema Flash: Dessen Unterstützung lässt sich über einen Download aus dem Android Market nachrüsten. Nach meiner Erfahrung führt das aber in erster Linie dazu, dass jede Menge Flash-Werbung die CPU und den Anwender gleichermaßen plagt. Die Einstellung „On Demand“ führt dazu, dass man Flash-Anwendungen antippen muss, um sie zu starten. Davon abgesehen handelt es sich noch um eine Beta-Version des mobilen Flash-Players, deren Anzeige teilweise von der des Desktop-Players abweicht und die auch noch die angekündigte Hardware- Unterstützung für H.264-Videos vermissen lässt. Insofern ist der Nutzwert für mich kaum vorhanden, zumal ich auch kein Farmville spiele …

Tausend Kostbarkeiten

Der Geschwindigkeitsgewinn ist schon super, aber erst die vielen kleinen Verbesserungen, die ich Eingangs bereits angesprochen habe, machen Froyo zu einem wirklich lohnenswerten Update. So ist die Benutzeroberfläche zwar weiterhin eine ganze Ecke komplexer als zum Beispiel die des iPhone OS. Aber sie sieht jetzt deutlich besser aus und ist insgesamt schlüssiger geraten:

– Die Messaging-Anwendung, über die man SMS, MMS und Google Talk steuert, sieht jetzt der Google-Mail-Anwendung sehr ähnlich: Schwarzer Text auf violettem Hintergrund und nicht mehr weißer Text auf schwarzem Hintergrund.

– Innerhalb von Google Mail könnt Ihr jetzt zügig zwischen Euren Mail-Accounts wechseln, in dem Ihr den Kontonamen rechts unten anklickt.

– Verbindet man das Handy mit dem Computer und schaltet den USB-Speicher an, dann erscheint eine hübsche Grafik mit den wichtigsten Tipps für das An- und Abmelden des Laufwerks.

– Die Bedienelemente der Kamera wurden deutlich verbessert. Einstellungen wie der Weißabgleich und der Blitz sind jetzt gut zugänglich und verbergen sich nicht mehr hinter einem Schieber, der die Hälfte der Zeit nicht funktioniert.

– Für Bildergalerien gibt es eine nette kleine Vorschaufunktion.

– Auf dem Homescreen sind die Wählfunktion des Telefons, das App-Menü und der Browser dank eigener Einträge rascher zugänglich.

– Durch Drücken und Halten des mittleren App-Knopfes erscheinen verkleinerte Vorschaubilder, die den Inhalt der verschiedenen Screens zeigen. Bisher musste man dazu den linken oder rechten Desktop-Knopf halten.

Es gibt noch Baustellen

Froyo ist das bisher beste Android, aber fertig ist Google damit noch längst nicht. Es gibt immer noch zu viele Funktionen, die sich hinter dem Menü-Knopf verstecken und Ungereimtheiten wie eine zweite E-Mail-Anwendung für den Zugang auf E-Mail-Konten außerhalb von Google Mail. In der Google-Mail-App könnt Ihr jetzt zwar Text auswählen, aber das Handling dieser Funktion ist ziemlich hakelig. Und die „Weiß auf Schwarz“-Optik von Dialer und Kontakten wirkt jetzt noch deplatzierter.

Ich finde auch, dass Android nach wie vor unter einem großen, inneren Widerspruch leidet. Einerseits ist es das Smartphone-OS mit der mit Abstand besten Sprachsteuerung und Übersetzung von Sprache in Text. Andererseits sind Basics wie die Bildschirm-Tastatur oder Kopieren und Einfügen extrem fummelig. Aber insgesamt ist Android auf einem guten Weg.

Die Apps

Der Android Market bietet nun endlich einen „Alle aktualisieren“-Knopf, über den man die installierten Apps in einem Rutsch auf den neuesten Stand bringen kann. Apps, denen Ihr vertraut, könnt Ihr außerdem erlauben, sich selbst ohne weitere Rückfrage zu aktualisieren.

Über den endlich gescheiten (etwas versteckten) Task-Manager könnt Ihr Apps beenden, die sich als Speicherfresser erweisen. Die App-Hamster unter Euch können ihre Programme auch auf SD-Karten verschieben und so den knappen, internen Speicher schonen. Allerdings machen das bisher nur wenige Apps mit – scheinbar müssen die Entwickler hier entsprechende Funktionen freischalten.

Wer sich bisher mit Tethering per USB und Bluetooth geplagt hat, der wird sich über die neue „Portabler Hotspot“-Funktion freuen. Einfach ein Häkchen bei der entsprechenden Option setzen und schon verwandelt sich das Smartphone in einen tragbaren WLAN-Access-Point, über den Laptops und andere Geräte die 3G-Verbindung mitbenutzen können. Die Beschränkung auf WPA2-verschlüsselte Verbindungen könnte für manches ältere Gerät aber zum Stolperstein werden.

Die offizielle Twitter-App ist jetzt fester Bestandteil von Android, ähnlich wie das für Facebook schon seit der 2.0 gilt. Die Einrichtung läuft automagisch, was Fluch und Segen zugleich ist. Wenn die App erst mal den falschen Kontakt mit einem Twitter-Benutzer verheiratet, dann wird man dieses Setup so schnell nicht wieder los.

Wer mehrere Google-Kalender-Konten verfügt, der freut sich darüber, dass Google die unseelige Beschränkung auf ein einziges synchronisiertes Konto aufgehoben hat. Admins in Unternehmen profitieren von der Unterstützung für Exchange-Kalender. Zudem dürften sie sich um die Sicherheit ihrer Anwender künftig weniger Sorgen machen müssen, unterstützt Froyo doch endlich eine Benutzeranmeldung per Kennwort (und nicht mehr nur über verräterische Gesten).

Die Musik-App ist übrigens immer noch umständlich und behäbig und die Sehnsucht nach der auf Simplify Media basierenden Streaming-Lösung, die Google kürzlich vorgestellt hat, wird immer größer.

Bildergalerie

Hallo, Android

Android 2.2 ist die erste Android-Version, die nicht mehr nach Baustelle sondern nach zeitgemäßem Smartphone OS aussieht. Sie ist noch nicht so gut, dass man sie auch weniger versierten Anwendern in die Hand drücken möchte, aber auf einem guten Weg dahin. Blickt man auf stürmische die Entwicklung der letzten 18 Monate zurück, dann kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass in spätestens einem halben Jahr auch die letzten Ecken und Kanten herausgeschliffen sind. [Tim Kaufmann]

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  1. Bin schon sehr gespannt wie lange HTC braucht um die Sense Oberfläche auf Android 2.2 zu portieren! Wenn mir das zu lange dauert: CustomROM!

    Android ist wirklich genial ;)

  2. Es ist echt Wahnsinn wie schnell Google mit der Entwicklung von Android voranschreitet. Ich bin ganz froh, dachte schon ich muss jetzt mir ein leben lang iPhones zulegen… Jetzt kann ich auch mal wieder was anderes ausprobieren die Androids von HTC haben mir es angetan (HTC EVO 4G) aber auch das Samsung Galaxy S gefällt mir. Ist schon schön jetzt wieder etwas mehr Auswahl zu haben.

  3. Also ich bleibe weiterhin beim IPhone! Das hat viel mehr Auswahl was Apps anbelangt und ist auch wesentlich intuitiver und zu bedienen. Außerdem läuft es viel stabiler und länger! Das Design gefällt mir auch um Welten besser, ist aber wohl Geschmackssache. Alles in allem ist man mit dem IPhone noch besser bedient und hat weniger Arbeit und viel mehr Flow-Gefühl!

    1. @Baltasassa, weil ein Kollege das G1 hat und ein anderer das Desire und beide haben nur Probleme damit. Außerdem ist das viel zu umständlich…

  4. @ naja

    tja also is das eiphone was für doofe, gut gebrüllt ;-)

    das g1 is ja nun ein ticken älter und wer mit dem desire nicht um kann sollte wirklich das „ed hardy“ der mobilfunkgeräte nutzen…

  5. Na ja, mein Droid macht keine Probleme.
    Was ich an dieser ganzen Iphone geschicht bisel merkwürdig finde ist das von vier leuten aus meinem Freundeskreises drei ein geknacktes haben. Aber kauft man nich eigentlich Apple damit man sich mit sollchen Themen nicht mehr beschäftigen muss? Ich hatte auch vier monate ein Iphone und muss sagen das man einige Android Phones schon gar nicht mehr mit dem Iphone vergleichen kann,da sie Technisch in einer anderen Liga spielen.

    Ps: @ Naja, Wenn du ein Droid Handy haben willst was von einem fünf jährigen bedient werden kann würde ich dir eins mit HTC Sense empfehlen.

    1. Ein Handy zu bedienen ist im Grunde kinderleicht, egal ob Androdumm oder was auch immer drauf läuft. Ich meinte aber mit kompliziert das es umständlich ist. Außerdem sind Androdumm Handys auch nicht so „frei“ wie immer angepriesen wird. Da werden die Apps auf den lächerlich kleinen internen Speicher gespeichert anstatt auf das SD Card. Gut, mit 2.2 soll das nun auch möglich sein Apps auf SD zu installieren aber nur wenns der Entwickler zulässt was wohl die wenigsten machen werden weil man sich die Apps so viel einfacher kopieren könnte usw…! Das iPhone hat dazu 1000x bessere Multimediafeatures falls man zum Beispiel auch mal Musik hören möchte! Und das neue iPhone 4G was demnächst kommt wird dann in Sachen Technik wieder viel besser sein als die Androdumm Handys bzw. wie du sagtest „technisch in einer anderen Liga spielen“.

      Fazit: Das iPhone ist und bleibt weiterhin das bessere Handy. Spätestens wenn das 4G raus kommt wird sich erneut beweisen dass es die Nummer 1 der Verkaufscharts wird so wie das iPad vor ein paar Tagen…

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