Fußball-Hightech: Feintuning für die WM-Ausrüstung

Nach dem 4:0 gegen Australien seid Ihr auch schon ganz gespannt darauf, wie sich unser Team am Freitag gegen die Serben schlägt? Als kleinen Pausenfüller haben wir für Euch zusammengetragen, wie sich die Ausrüstung unserer Fußballer, insbesondere Bälle und Schuhwerk, in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat.

Vor der ersten WM im Jahr 1930 haben Fußballschuhe eine harte Oberseite aus Leder, stählerne Zehkappen (!) und Stollen aus Leder oder Metall. In den 1930er Jahren brachten die Teams ihre eigenen Bälle mit zum Spiel, bei denen es sich im Prinzip um mit Luft gefüllte Lederklumpen handelte. Ab 1949 tauchen dann die ersten synthetischen Materialien auf. So hat der 1950 von Adidas vorgestellte Fussballschuh Samba eine Gummisohle mit mehreren darin eingelassenen Gummistollen.Fußbälle erhalten ein Ventil, über das man sie aufpumpen kann.

Erst 1954 reguliert die FIFA erstmals Größe, Durchmesser und Gewicht des Fußballs. Eine orangefarbene Version erscheint speziell für die in der verschneiten Schweiz ausgetragene WM 1954. Bereits 1952 hat Puma den Atom vorgestellt, einen Fussballschuh mit schraubbaren Stollen. Dieser Technik wird ein wesentlicher Anteil am Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 durch die deutsche Nationalmannschaft zugeschrieben. Die WM 1954 ist zugleich auch das erste im Fernsehen übertragene Turnier dieser Serie.

Ab 1957 ziehen Kunststoffe zuerst in das Schuhwerk, ab 1962 dann auch in den Ball ein. Ihren vorläufigen Höhepunkt findet diese Entwicklung in den erstmals 1968 eingesetzten Schuhsohlen, die aus einem einzigen Stück Polyurethan gefertigt sind.

1970 stellt Adidas den Telstar-Ball vor. Der erste offizielle FIFA-Ball wird aus 32 schwarzen und weißen Einzelteilen genäht. Adidas ist seither exklusiver Hersteller der WM-Bälle. Im selben Jahr ist die Fussball-WM in Mexiko die erste, die in Farbe im Fernsehen übertragen wird.

Einen Sprung nach vorne stellt der 1982 für die WM in Spanien entwickelte Ball Tango Espana dar. Seine wasserdicht versiegelten Nähte verhindern, dass der Ball bei Regenwetter durch aufgesogenes Wasser sein Gewicht deutlich verändert. Abgelöst wird er 1986 durch den Azteca, dem ersten Ball der nicht mehr aus Leder besteht. Er beschleunigt das Spiel, ist weitgehend wasserunempfindlich und hält länger.

Mit dem 1990 vorgestellten Ball Etrusco Unico kickt sich zum dritten Mal in Folge eine deutsche Nationalmannschaft ins WM-Finale. Eine innenliegende Schicht aus schwarzem Polyrethan-Schaum macht ihn gänzlich wasserunempfindlich. Zum für den amtierenden Weltmeister wenig erfolgreich verlaufenden Turnier 1994 rüstet Adidas den Schuhrücken erstmals mit gummierten Applikationen aus. Das erleichtert es dem Spieler, den Ball mit Spin zu schießen. Im Modell Predator gibt es außerdem keine Stollen mehr, sondern „Blades“ (Klingen) genannte Streifen, die Verletzungen durch unbeabsichtigte Drehbewegungen vorbeugen sollen.

In Sachen Ball bringen die 1990er Jahre vor allem mehr Geschwindigkeit. 1998 betritt mit Nike ein dritter Ausrüster die WM-Bühne, der den Veteranen Adidas und Puma mit dem 200 Gramm leichten Schuh Mercurial Konkurrenz macht. Die „Sommermärchen-WM“ 2006 in Deutschland bringt den „Teamgeist“ genannten Ball hervor, der mehr Kontrolle ermöglichen soll, bei Torhütern aber vor allem als Flatterball gefürchtet ist. Das Turnier ist die erste WM, die in HD-Qualität im Fernsehen übertragen wird. Erstmals können Spieler den Look ihrer Schuhe selbst gestalten.

2009 stellt Adidas die neueste Ausgabe der nunmehr 17 Jahre alten Predator-Schuhserie vor. Kurz darauf erscheint der aktuelle WM-Ball Jambulani, der erste 100prozentig runde Ball der Geschichte. Die WM wird in immerhin 30 Ländern in 3D übertragen. Zudem kommt erstmals künstliches Gras bei einer Fussball-WM zum Einsatz. In zwei Stadien verstärken rund 20 Zentimeter tief im Wurzelwerk eingeflochtene Fäden das Grünzeug. [Tim Kaufmann]

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