Apples Zensurpolitik: Die neuesten Beispiele

1933 entschied ein Richter, dass es sich bei James Joyce’ Ulysses nicht um ein obszönes Werk handele. 2010 revidiert Apple die ganze Sache ein wenig und verlangt editorielle Veränderungen einer auf dem Werk basierenden grafischen Novelle. Die gleiche Forderung besteht bei einer Comic-Ausgabe von „The Importance of Being Ernest“.
Hier die Gründe:

Im Falle von „Ulysses Seen“, forderte Apple die Entfernung einiger (nicht pornographischer) Aktdarstellungen. Und obwohl Illustrator Robert Berry verschiedene Alternativen anbot, wie z.B. das Unkenntlichmachen von Brüsten oder das Abdecken mit Feigenblättern, sah die einzige von Apple akzeptierte Fassung am Ende so aus, wie sie nun dort oben abgebildet ist – von der Originalzeichnung ist kaum etwas übriggeblieben.

Im Falle der grafischen Version von „The Importance of Being Earnest“ liegt das Problem bei zwei sich küssenden Männern. Auch hier hat Apple die Schere großzügig angesetzt.

Und das alles, nachdem man Apple bereits bestätigt hat, 17 Jahre oder älter zu sein. Das Schwärzen von sieben aufeinanderfolgenden Feldern in einem Comic sorgt logischerweise für komplette Unleserlichkeit. Und wenn ihr meint, Apple würde sich wegen der Nacktheit so anstellen, irrt ihr euch. Schaut euch nur mal den Ausschnitt von „Kick-Ass“ mit einem heterosexuellen Paar an. Da wurde nichts zensiert.

Bildergalerie

Zensur von Seiten Apples ist ja schon länger ein Thema. Zwar muss man nicht jedes Mal aufs Neue in Geschrei ausbrechen, aber jede neuauftretende Kuriosität in Sachen Zensur sollte eine Meldung wert sein. Nach all dem Geschrei um die Sache scheint Apple sich nun allerdings entschieden zu haben, an ihrer Zensurpolitik zu arbeiten. Heute Morgen wurde der Illustrator von „Ulysses Seen“ aufgefordert, die Originalillustrationen erneut zu übermitteln. [Brian Barrett / Florian Zettel]

[Prism Comics via The Big Money, NY Times]

Tags :
  1. Zeigt übrigens schön die „Lese“paradigmen, die bei Appleusern wirken. Lieber bunte Bildchen anglotzen – maximal mit 10 Wörtern pro Bild, als ein Buch hernehmen. Lösung: Einfach den Applescheiss links liegen lassen und mal n Buch in ner Buchhandlung kaufen. Tut nicht weh, ist preiswert, überhitzt nicht, ist prima in der Sonne zu lesen und bildet. (Ohne „ein“).

    Was würde Apple eigentlich tun, wenn jemand mal geneigt wäre, ne Gemäldegalerie als App herauszubringen? Gibts dann Raffaels Anadyomene und PP Rubens Damen nur mit schwarzen Balken? Oder: Malen Sie das Bild mal anders.

    Jobs hat echt ne Meise. Man muss sich schon sehr verzweifelt nach Individualisierung sehen, um so nen Schrott zu kaufen.

  2. Es ist ja schon irgendwie lächerlich. Also nehmts mir nicht übel, aber Apple hat schon ne ziemlich verrückte Moralinterpretation.

  3. @Peter
    Ich weiss nicht ob ein Buch aus Papier mehr bildet als auf dem iPad.. Der iBooks-Store ist zwar noch ziemlich kein aber ich hab sogar Bücher von Chuck Palahniuk gefunden – unzensiert! Überhitzt ist mir das iPad auch noch nie – es war noch nichtmal warm trotz dauerbetrieb über mehrere Stunden.

    Mit der Sonne hast du aber nicht ganz unrecht bei voller Sonneneinstrahlung wird das Bild schwerer zu erkennen.. zum Glück ist meine Hängematte halbwegs im Schatten :-)

    Naja BTT: Amerika halt. Irgendwie bin ich schon nen paar Jahre zu alt für Comics.. und für Pornos ist das iPad eh das falsche device :P

      1. Zumindest spart man Platz in der der Tasche :-). Ich geb ja zu man kann es nicht wirklich als PC-Ersatz sehen aber wenn es für etwas gut ist dann zum lesen. Und um beim Fußball gelangweilte Mädels mit Minispielchen über Plüschtiere zu unterhalten!

        1. Also meine Suhrkamp-Übersetzung des Ulysses bekomme ich locker in meine Jackentasche. Das iPad nicht :)

  4. Vielleicht werden demnächst auf dem iPhone auch unanständige Worte per Piepston ausgeblendet. Eigentlich sollte jeder Mensch mit gesundem Verstand eine Firma, die eine eigene Zensur betreibt und dem Rest der Welt vorschreiben will, was man zu sehen oder lesen hat, direkt mit Kaufboykott in den Ruin treiben. Die Geschichte hat oft genug gezeigt, wohin sowas führt.

    Ich lasse mir doch nicht einen Fernseher verkaufen, auf dem ich nur bestimmten Sender schauen kann oder einen Computer mit dem ich nur die Firmen-Website aufrufen kann. Aber bei iPod, iPhone und iPad lassen sich die Leute nur zu bereitwillig gängeln. Das kann ich absolut nicht nachvollziehen. Aber wer Spaß daran hat, sich von einem AppStore vorschreiben zu lassen, was er mit seiner Hardware machen kann, der ist selbst dran Schuld.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising