Eine Nacht im Leben eines Foxconn-Mitarbeiters

Nach einer Reihe von Selbstmorden unter der Belegschaft des Hardware-Herstellers Foxconn hat die New York Times einen Mitarbeiter des Unternehmens durch eine Nachtschicht begleitet, in der er 1.600 Festplatten bearbeitete.

Der 24 Jahre alte Yuan Yandong sagt, dass der Zeitbedarf für jeden Arbeitsschritt bei Foxconn strikt vorgegeben ist. Das stumpfe zwar ab, aber er habe sich daran gewöhnt. In seiner Schicht, die von 19.30 bis ca. 5.30 Uhr dauert, besetzt er eine Station in einer großen Festplatten-Fertigungslinie: „Im Rahmen seines Jobs ist er an der Fertigung von 1.600 Festplatten – dem Pensum seiner Schicht – beteiligt, wobei er sich keine Fehler erlauben darf. Er sitzt in der Mitte der Fertigungskette und trägt ein schwarzes Foxconn-Poloshirt, Baumwollhosen und von der Firma vorgeschriebene Plastik-Slipper. So wartet er darauf, dass das Fließband die nächste, teilweise montierte Festplatte anliefert. Er versenkt dann zwei Chips sowie ein Bauteil, das Licht umlenkt, in der Festplatte, verschraubt mit Hilfe eines elektrischen Schraubendrehers vier Schrauben und gibt die Platte dann per Fließband weiter. Für diese Tätigkeit hat er genau eine Minute Zeit.“

Gut, das klingt nicht berauschend, aber dem Bild der Höllenfirma, das von Foxconn zuletzt gezeichnet wurde, entspricht das auch nicht. Es ist eben klassische Fließbandarbeit, bei der die Produktion typischerweise in so einfache Arbeitsschritte zerlegt wird, dass sie von (nahezu) ungelernten Kräften erledigt werden können. Wäre da nicht der Umstand, dass Yandong sein Interview mit Zustimmung seiner Vorgesetzten gab, könnte man glatt ein wenig Erleichterung verspüren. Außerdem kann man wohl nicht davon ausgehen, dass die Arbeitsbedingungen in allen Foxconn-Werken identisch sind.

Der ganze Bericht verrät noch eine Menge weiterer Details. So dürfen Mitarbeiter während der monotonen Arbeit keine MP3-Player tragen, erhalten aber eine einstündige Pause zur Mitte der Schicht usw. [Kyle VanHemert / Tim Kaufmann]

[Via NYT]

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  1. hmm: 19:30-5:30=10h; -1h pause=9h=5400min. er hat 1 min zeit für seine arbeit, also bei 1600 hd’s entspricht das 1600 min arbeit. was macht er den die anderen 3800 min (6h20min)? da kann etwas nicht stimmen…

  2. @ ???:

    Das verstehe ich auch nicht. Erstens Deine Rechnung, da 9 Stunden keine 5400 Minuten, sondern 540 Minuten sind!!!!!!!!

    Zweitens weil er in 540 Minutennur 540 HDDs montieren kann!

    1. „Für diese Tätigkeit hat er genau eine Minute Zeit.“

      Wenn er aber nur ca. 20 Sekunden für eine braucht (nach ner Zeit hat man das drinne), kann er so die dreifache Menge schaffen und dann kommt man auf 540*3 = 1620 HD’s.

      Macht Sinn oder? ;-)

  3. ganz einfach, neben ihm werden wohl noch ein paar andere sitzen und auch schrauben ….
    oder in der mittagspause kommt die stunde ne hilfskraft die arbeitet ^^

  4. Wer lesen kann ist klar im Vorteil

    „Im Rahmen seines Jobs ist er an der Fertigung von 1.600 Festplatten – dem Pensum seiner Schicht – beteiligt“

    Soll bedeuten das seine ganze Truppe insgesamt 1600Stk fertigen muss

  5. er ist ja nur einer in einer Kette.
    D.H. er kann erst weiter machen, wenn die Station vor Ihm fertig ist.
    Wenn jemand in der Kette lahmarschig ist müssen alle danach auf ihn warten.
    Deswegen gibt es vermutlich eine Maximal Dauer von 1 Minute pro Station, sonst bekommt man Lohnabzug.

    Das ganze riecht zu sehr nach Marketing.
    Foxconn hat richtig einen auf den Deckel bekommen, jetzt müssen die wieder besser dastehen.

    Es wird schon seinen Grund haben warum sich Menschen dort umbringen!
    Das machen die nicht aus Langeweile

  6. Man darf nicht vergessen, die Menschen freiwillig dort arbeiten weil die alternativen noch schlechter sind.
    In anderen Fabriken sind die Bedingungen oft wesentlich schlimmer.
    Die andere Alternative ist halt die Arbeitslosigkeit und da gibt es kein Harz4.

    Uns fällt es leicht über die Chinesen zu richten, wollen aber gleichzeitig immer alles super billig haben.
    Deshalb finde ich die Diskussion über Foxconn schon sehr bigott.

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