Steve Ballmer – Der Milliardenvernichter

Steve Ballmers Zwischenbilanz als Microsoft-Chef: Hardware-Flops und riesige Verluste im Internet. Wohl der einzige Grund, warum er noch im Amt ist: Es ist kein Nachfolger auszumachen.

Unsere Kollegen vom schweizer Tagesanzeiger haben sich mit dem Fall Steve Ballmer auseinandergesetzt und seine bisherigen Erfolge und Misserfolge betrachtet. Ende April gab Microsoft zum Beispiel bekannt, vorerst keinen eigenen Tablet-Computer (Courier) gegen das iPad ins Rennen zu schicken, die Erkenntnisse aus dem erst im Januar vorgestellten Projekt würden aber „in andere Produktentwicklungen einfliessen“. Wenn das Unternehmen Klartext reden würde, müsste es heissen: Wir kapitulieren vor dem iPad des Hauptkonkurrenten Apple.

Gestern gab das Unternehmen das Ende einer weiteren Microsoft-Hardware bekannt. Nach nicht einmal zwei Monaten wird die Produktion des Smartphones Kin eingestellt, der zunächst angekündigte Europa-Start ist abgeblasen.

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Klumpenrisiko Windows

Damit zeichnet sich ab, dass 2010 für den immer noch grössten Softwarehersteller der Welt ein Debakel wird. Während Ballmer-Antipode Steve Jobs mit dem iPad und dem iPhone 4 einen Rekord nach dem anderen aufstellt, hält sich Microsoft verzweifelt am Klumpenrisiko Windows 7 fest. Laut einem Microsoft-Blogeintrag von Mitte Juni hat das Unternehmen seit dem Marktstart von Windows 7 150 Millionen Lizenzen verkauft.

Im Bereich Hardware fehlt ein solches Zugpferd zur Gänze: Sowohl Apple als auch Google glänzen auf dem Handymarkt mit unglaublichen Wachstumsraten (Google allerdings nur indirekt mit dem auf vielen Smartphones laufenden Betriebssystem Android). Nur drei Jahre nach dem Start des ersten iPhones ist Apple bereits das Unternehmen, welches am meisten mit der Handysparte verdient. In Westeuropa verkauft nur Nokia mehr Handys als der Smartphone-Frischling aus Cupertino.

Anleger sind verärgert

US-Medien haben den Schuldigen der Microsoft-Misere schnell gefunden: Steve Ballmer. Bereits 2009 wurde im Heimmarkt USA heftig über das Ende des Bill-Gates-Nachfolgers spekuliert. „Abgelenkt vom Desaster mit Windows Vista hat Ballmer alle grossen Trends der letzten 10 Jahre verschlafen“, kritisierte etwa Newsweek. Das Unternehmen hinke nicht nur anderen Tech-Unternehmen, sondern auch dem Durchschnitt des Dow Jones hinterher.

Google habe das Rennen im Suchmaschinenmarkt und in der Keyword-Werbung gewonnen, Apple dasjenige um den Musikplayermarkt und die Musikverkäufe – vom Smartphone-Markt ganz zu schweigen. „Microsofts Zune ist ein Blindgänger und Microsofts Suchmaschine Bing wird Google nie das Wasser reichen“, analysierte Newsweek. Grosse Mühe hat das Unternehmen auch mit der Websparte. Wie die Wirtschaftswoche schreibt, wurden seit dem Amtsantritt von Steve Ballmer mit Internet-Medien sieben Milliarden Dollar verbrannt.

Nur im Austeilen stark

Doch Ballmer geht Selbstkritik völlig ab. Dafür beherrscht der 54-Jährige die Kunst der Sticheleien. Apples iPad sei auch „nur ein PC mit einem anderen Formfaktor“, sagte er unlängst (zur Erinnerung: Alle drei Sekunden geht ein iPad über den Ladentisch) und iPhone-Apps sind für den Manager nur Modemätzchen. Google kritisierte Ballmer mit den Worten, dass Microsoft Geld mit dem Verkauf von Software mache, „nicht mit Benutzerdaten, die man zu Geld macht“. Mountain View, so Ballmer abschätzig, sei nur ein „Kartenhaus“.

Peinlich die Kritik an Googles Software Chrome und Android: Er verstehe nicht, warum Google gleichzeitig zwei verschiedene Betriebssysteme für mobile Geräte entwickle. Er liess jedoch unerwähnt, dass Microsoft sechs Software-Plattformen vermarktet – laut einer Analyse des Techblogs Gigaom sind es sogar 18 verschiedene Windows-Varianten.

„Ballmers verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung“

Natürlich: Das Geschäft mit Software läuft immer noch gut. Neben Windows 7 hofft der IT-Konzern auf eine Fortsetzung des Booms mit dem Microsoft-Bürosoftwarepaket Office. Aber nach den Megaflops Courier (Tablet) und Kin (Smartphone, siehe Bildstrecke) scheinen jene Kritiker recht zu bekommen, die überzeugt sind, Ballmer könne sich nur noch im Sattel halten, weil er ein alter Freund und Uni-Gefährte von Software-Guru Bill Gates ist.

«Ballmers verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung wird immer schlimmer», schreibt der bekannte Investor Jean Louis Gassée in einem Blogeintrag. Kein Blatt vor den Mund nimmt auch «Fast Company». Das Wirtschaftsmagazin fordert: «Holt Bill Gates zurück!» Kann Ballmer Medienkritik im Prinzip unter den Tisch wischen, muss er sich um die Anlegermeinungen ernsthaft Sorgen machen. Denn die Börse hat Microsoft brutal abgestraft: Seit dem Amtsantritt von Ballmer vor zehn Jahren hat sich der Börsenwert Microsofts gedrittelt.

Wie lange also kann sich Microsoft Ballmer noch leisten? Vielleicht länger als das Unternehmen eigentlich möchte. Denn ein geeigneter Nachfolger ist nicht in Sicht.

[Reto Knobel (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)]

Ergänzung:

Das Thema Steve Ballmer beschäftigt Microsoft schon lange. Auch wir hatten das eine oder andere Mal darüber berichtet. Außerdem haben wir in einem Interview mal Ballmer direkt auf die verrückten YouTube-Videos angesprochen. Seine Antwort gibt es in unserem Interview-Video zu sehen. Microsoft schlägt sich dennoch auch weiterhin recht gut – auch mit Ballmer als Chef – und die Zukunft sieht vielversprechend aus. [mr]

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  1. Bill Gates war ein genialer Mann, das kann keiner bestreiten. Steve Jobs ist sein heutiges Pendant.
    Gates kommt nie zurück. Aber sicher wird es noch die ein oder andere Revolution geben, Microsoft wird wohl irgendwann wieder mitspielen.

    Steve Ballmer ist eigentlich garnichts….

  2. Also erlich, nimmt der Typ irgendwelche Drogen zu sich, oder warum rennt der in dem Video wie ein Freak und hüpft wild durch die Gegend?

  3. „Denn ein geeigneter Nachfolger ist nicht in Sicht.“

    Oh doch ist in Sicht und schon steht schon lange hinter den wirklichen Erfolgen von Microsoft: Steven Sinofsky! Man muß nur noch den letzten Schritt machen und ihn als CEO einsetzen.
    Für mich eine Frage der Zeit … nur allzu viel Zeit sollte sich Microsoft damit nicht lassen.

    1. In der Tat, man kann mit der gleichen Argumentation behaupten, dass Steve Jobs bei Betriebssystemen und Office-Paketen der dummbatzige Totalversager schlechthin ist.

      Das interessante ist doch – und soweit denkt man bei Gizmodo nicht – dass das Kerngeschäft bei Microsoft besser denn je läuft. In sofern muss man Kerngeschäft mit Kerngeschäft vergleichen. Und da steht Microsoft mit Windows und Office im Betriebssysteme-/Businesssoftwaremarkt deutlich besser da, als Apple mit dem Telefon.

      Randgeschäfte haben nunmal für Microsoft niedrige Priorität, während die i-Dinger für Apple inzwischen existenziell wichtig sind. Und bei Apple zeigt sich auch, wie vulnerabel die Klitsche ist: der iPod löst das iPhone ab, das iPad kommt hinzu und wird irgendwann den iPhone-Hype kompensieren müssen. Vernachlässigt wird hingegen der Markt mit Notebooks und stationären Macs. Das Problem ist – wenn Apple es nicht gelingt, alle vier Jahre irgendwas revolutionäres hervorzubringen, hat Apple ein massives doppeltes Problem, weil dann nicht nur die Hardwareverkäufe zurückgehen, sondern auch die Distributionswege nicht mehr wachsen.

      Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Apple diesem Druck von selbst- und fremdgesteigerten Erwartungen kein adäquates Produkt mehr entgegensetzen kann. Und Liebesentzug von Aktionären kommt meist einher mit dem Liebeszug durch die Medien.

      1. die sache ist nur, dass das kerngeschäft schon lange vor balmer lief und er dazu ansich nicht viel beigetragen hat. mit vista hat er es sogar fast auch noch zerstört.
        alle neuentwicklungen die mehr oder weniger in seiner era angefangen wurden sind ein flop!

        1. Und was exakt ist jetzt das Problem? Das Kerngeschäft läuft seit Windows 7 wie geschmiert, der Laden macht in der Krise 13 Mrd. Gewinn und es gibt keinerlei Anzeichen, dass das Kerngeschäft in absehbarer Zeit abschmiert … die haben doch perfekte Voraussetzungen, sich in den Randbereichen auszuprobieren … und solche Experimente glücken mal und mal glücken sie weniger.

  4. Man mit diesem „Artikel“ platzt mir jetzt endgültig der Kragen. Der ist ja so mit das am schlechtesten geschriebene, was ich in den letzen Monaten lesen „durfte“. Sorry, Gizmodo, aber das ist letzte Apple-Fanboy-Proll-Polemik.

    Gizmodo ist sowas von langweilig geworden… wenn es Apple nicht gäbe, müsstet Ihr glatt den Betrieb Eurer Website einstellen. Jeder Scheiß wird mit Apple kontextualisiert – gibts in Eurem Universum nichts anderes? Oder seid Ihr schlichtweg mit den banelen Minimalanforderungen journalistischer Arbeit (Recherche, die über ne Google-Abfrage hinausgeht, bei Übersetzungen aus dem Englischen mal ein richtiges Wörterbuch einsetzen und einem Schreibstil, der den Bild noch untergräbt) überfordert?

    Mit „digital lifestyle“ hat das hier schon lang nichts mehr zu tun. Was Ihr hier ständig wiederkäut ist langweilige Massenware… Ich hab jetzt mehrere Monate lang gehofft, das waren nur temporäre Hypes und Gizmodo würde sich dann mal wieder fangen und das eigene Programm wieder verfolgen… Aber das hier wird jeden Tag mieser und mieser. Zum Glück gibts Blogs, die deutlich besser sind als Ihr – die Latte legt Ihr ja nicht besonders hoch!

    Gizmodo fliegt jetzt endgültig aus meinem Newsreader. Schade, mit anzusehen, wie eine Seite, der man jahrelang die Treue gehalten hat, so mies geworden ist und den Bach runter geht!

  5. Der Haupt-Unterschied zwischen Apple und Microsoft ist: Apple ist cool, und Microsoft ist es nicht. Dieser Unterschied ist in unterschiedlichen Produktsegmenten unterschiedlich wichtig. Wenn man mal davon ausgeht, dass noch vor 2 Jahren 90 Prozent aller Menschen mit ihrem Handy nicht mehr getan haben, als damit zu telefonieren oder SMS zu schicken (was man mit jedem Handy tun kann), dann wird klar, dass beim derzeitigen Run auf das iPhone vor allem der Coolness-Faktor eine Rolle spielt. Und da hat sich Microsoft einfach unglaublich weit abhängen lassen. Sollten die Vorhersagen zutreffen, die Microsoft-Deutschlandchef Achim Berg auf der CeBIT 2010 getan hat („in 5 jahren werden mehr Smartphones als PC verkauft), dann kommen auf Microsoft harte Zeiten zu, weil das Geschäft mit den Desktop-Kisten immer unwichtiger wird. Was ich vom neuen Windows Phone gehört habe, das in D noch vor Weihnachten in die Läden kommen soll, so hat das Teil viele Elemete vom iPhone übernommen (z.B. Software-Installation über einen App-Store, nur noch gaz wenige Hardware-Knöpfe). Außerdem soll es neue Maßstäbe setzen, wenn es um die Integration des Mobiltelefons in eine MS-Office-Umgebung und die Zusammenarbeit mit anderen MS-Welten wie Xbox geht. Es wird spannend werden, wie man den Kunden klar macht, weshalb es sie glücklich macht, sich mit diesem Ding auseinanderzusetzen. Dazu müsste man cool wie Apple sein, denn als Besitzer eines iPhone wird man ja auch beneidet, wenn man überhaupt nicht damit umgegen kann.

    Dass MS das Kin eingestampft hat: So what? Das Ding ist eine ganz andere Liga, und es fragt heute auch keiner mehr danach, wieviele iPod Shuffle Apple gerade verkauft. Von seinen Computern ganz zu schweigen.

    Und wie wichtig ein Mann für ein Unternehmen ist (oder eben nicht), hat man an Steve Jobs gesehen. Der Mann war monatelang todkrank – und dennoch hat es in der Zeit bei Apple gebrummt.

  6. […] Software-Gigant und Monopolist Microsoft, bei dem es bis auf Windows Sieben und die Office-Produkte nicht besonders gut läuft, streitet sich mit dem neuen Netz-Monopolisten, welcher im Mobilfunksektor zwar Fuß gefasst hat, […]

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