Interview: „Behörden und Regierungen haben keine Chance gegen Wikileaks“

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Unsere Kollegen vom Tagesanzeiger haben ein Interview mit Denis Simonet, Informatik-Student und Präsident der schweizer Piratenpartei, geführt. Der 24-Jährige betreibt unter anderem Wikileaks.ch und verrät ein paar interessante Details über Wikileaks-Chef Julian Assange.

Die umstrittene Enthüllungsplattform Wikileaks ist letzte Woche in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Durch die Veröffentlichung von brisanten Politiker-Informationen, mussten die Vereinigten Staaten massive Kritik über sich ergehen lassen. Denis Simonet ist einer der stärksten Unterstützer von Wikileaks. Vor einem halben Jahr hat er die Seite Wikileaks.ch registrieren lassen, kürzlich kam es zu einem Treffen zwischen Wikileaks-Gründer Julian Assange und Denis Simonet.

Denis Simonet, Sie haben den Wikileaks-Gründer persönlich kennengelernt. Wer ist Julian Assange?

Er ist so, wie er sich in der Öffentlichkeit gibt: ein Verfechter der Wahrheit, der von den Regierungen grösstmögliche Transparenz fordert….

…der sich selber aber sehr verschlossen zeigt.

Aus gutem Grund. Der Bürger hat ein Recht auf Privatsphäre, der Staat aber ist für den Bürger da. Er darf seine Bürger nicht anlügen. Assange hat sich bislang immer für dieses Prinzip eingesetzt. Er macht nur öffentlich, was öffentlich sein muss. Fehler oder Vergehen von Privaten, die an ihn weitergeleitet werden, hat er meines Wissens nicht veröffentlicht. Auch wir von der Piratenpartei treten ein für den Schutz der Privatsphäre von Privatpersonen.

Warum war Wikileaks.ch am Freitag lange nicht erreichbar?

EveryDNS, ein Hoster in den USA, fühlte sich dazu veranlasst, den Service für Wikileaks.org einzustellen. Es musste eine neue Adresse her. Die Wahl von Wikileaks fiel auf den Schweizer Domain. Ich wurde davon genauso überrascht wie alle anderen. Das Problem: Wir befanden uns zu dem Zeitpunkt ebenso bei EveryDNS. Es war eine Frage von Stunden, bis auch Wikileaks.ch gesperrt wurde. Es dauerte dann zwei Stunden, bis wir 10 Nameserver bei 5 Hostern in der Schweiz fanden, die nun gemeinsam 4000 DNS-Abfragen pro Sekunde bewältigen. Seither funktioniert die Weiterleitung einwandfrei. Das Interessante ist eigentlich, dass es Wikileaks.ch seit einem halben Jahr gibt. Bis vor kurzem aber hat das niemanden interessiert. Das Medieninteresse kam, als Wikileaks die Domain Wikileaks.ch per Twitter ankündigte.

Sie haben Julian Assange kürzlich in Genf getroffen. Warum?

Assange hat erzählt, dass er eventuell in der Schweiz Asyl beantragen wird. Wir haben gefunden: Wir helfen ihm. Über fünf Ecken kam dann das Treffen zustande. Wir sprachen aber nicht über Wikileaks, sondern nur über rechtliche Fragen des Asylwesens und über das politische System Schweiz.

Warum habt Ihr nicht über Wikileaks gesprochen?

Assange gab zu technischen Wikileaks-Details wenig preis, dafür sprach er viel über die Philosophie von Wikileaks. Man tut Assange unrecht, wenn man ihm unredliche Intentionen unterstellt.

Zum Beispiel, dass er mit seinen Publikationen der Weltpolitik schadet.

So ein Unsinn. Es gibt nichts Öffentlicheres als offizielle Vertreter von Regierungen. Wenn Wikileaks offenbart, was hier schiefläuft, ist das ein grosser Beitrag an die Menschheit. Unser Pressesprecher Raffi Herzog sagt: «Plattformen wie Wikileaks schaffen Transparenz, jeder Bürger kann die wahren Beweggründe für Entscheidungen nachvollziehen und das stärkt letztlich die Demokratie.» Dem stimme ich zu. Denn Wikileaks deckt keine Geheimnisse auf, sondern die Lügen der Mächtigen.

Julian Assange ist in Schweden der Vergewaltigung angeklagt.

Wir unterstützen Wikileaks, indem wir Julian Assange beraten. Wichtig ist, dass wir ihn nicht als Privatperson, die der Vergewaltigung angeklagt ist, unterstützen. Diese Sache geht uns nichts an.

Wikileaks soll schon ein paar Mal gehackt worden sein. Wissen Sie, von wem?

Nein, wie gesagt, in solchen Sachen ist Assange sehr zurückhaltend.

Haben Behörden und Regierungen eine Chance gegen Wikileaks?

Kaum. Am Wochenende gab es eine internationale Telefonkonferenz vieler Piratenparteien. Wir haben beschlossen, Wikileaks zu unterstützen, indem wir dafür sorgen, dass Wikileaks auf internationaler und mehrfach gespiegelter Infrastruktur verfügbar bleibt.

Was heisst „gespiegelte Infrastruktur“?

Spiegelung heisst: Die Infrastruktur ist weltweit so aufgebaut, dass die Löschung oder die Blockade einzelner Teile keine Auswirkungen auf die gesamten Informationen hat. Die Spiegelungen werden dafür sorgen, dass die Veröffentlichung der diplomatischen Depeschen aus den Vereinigten Staaten weiter geführt werden kann und die bisherigen Veröffentlichungen online bleiben. Die Infrastruktur, die die Piraten international nun bereitstellen, stellen nicht mehr nur eine Weiterleitung auf Wikileaks dar, sondern beinhaltet nun deren kompletten Inhalt. Acht Parteien aus aller Welt unterstützen dieses Projekt und täglich kommen neue hinzu.

Assange gibt an, bedroht zu werden. Haben Sie Angst?

Wovor denn? Die Registrierungsstelle Switch und das Bakom haben bestätigt, dass es aus ihrer Sicht keine Veranlassung gibt, zu handeln. Wenn man sich im Rahmen der Gesetze bewegt, gibt es keinen Grund, sich zu fürchten. Und wenn man uns einen Richter auf den Hals hetzen will – nur zu. Er wird einen schweren Stand haben.

Das Interview wurde geführt von Reto Knobel/Tagesanzeiger.ch/Newsnetz.

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  1. Bin mal gespannt, unter welchen mysteriösen umständen Assange stirbt, wenn er die Dokumente über Russland veröffentlicht… dann sind die USA und Russland plötzlich wieder beste Freunde und ein Aktivist weniger auf dieser Welt.

    Würde ja grad bei diesen Nationen ins Bild passen…

    Korrupte Welt.

    1. Ich glaube kaum das er von der Regierung umgebracht wird. Was hätte das für einen Sinn? Die Seite läuft weiter und andere kümmern sich darum. Außerdem müsste Russland ziemlich dumm sein, weil Russland sofort verdächtig wäre.

      Das ist kein Hollywood Film. ;-)

      1. Du glaubst doch nicht im ernst, dass sich auch nur ein land dazu bekennen würde.
        Und Russland hat mehr auf dem Kerbholz als Du jemals in nem Hollywood Filmchen gesehen hast.
        Oft genug kommen solche Geschichten ans tageslicht. Angefangen bei der Kursk bis hin zu hingerichteten Journalisten, weil sie mal ein falsches wort gegen die eigene Regierung gesagt haben.

        Die juckt deren weltansehen sowieso nicht.

      2. Außerdem:

        Es gibt doch die „WikiLeaks Life Insurance“, dessen Passwort veröffentlicht wird, wenn einem WikiLeaks-Mitglied etwas zustößt.

  2. Also den USA gehört sozusagen das Internet, aber die schaffen es nicht eine Website lahmzulegen??

    Sollen sie mal die Chinesen fragen, die können das auch so.

  3. Wenn Assange was zustoßen sollte, dann finde ich das nicht so tragisch und der Welt wird ein gefallen getan!

    Kriege und Terroranschläge wurden schon wegen nichtigeren Dingen begangen. Und da scheiß drauf, dass die Menscheit ein Recht auf die Wahrheit hat.

    Der Typ gefährdet mit seinen Offenlegungen das Leben unschuldiger Menschen und dann besser er als irgendwer anderes!!! Um so schneller der um die Ecke ist um so besser!

    1. …gefährdet das Leben unschuldiger…

      Na ja, darüber liesse sich streiten. Im Moment habe ich das Gefühl, dass die am lautesten gegen Wikileaks brüllen, den meissten Dreck am Stecken haben. Sprich: „Wer nichts zu verbergen hat…“

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