Warum passen 74 Minuten Musik auf eine CD?

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Als die Compact Disc Digital Audio 1980 auf den Markt kam, verwundert eine Zahl die Fachwelt. Genau 74 Minuten Ton passen laut Standardbeschreibung darauf. Nicht 60 Minuten, nicht 70 Minuten. Und daran ist ein tauber Mann schuld.

Genauer gesagt heißt dieser Herr Ludwig van Beethoven. Er komponierte unter anderem die 9. Sinfonie in d-Moll op. 125.

Was war da passiert?

1979 entwickelten Philips und Sony gemeinsam den ersten Audio-CD-Standard. Philips wollte eine Scheibe mit 11,5 cm Durchmesser und Sony eine mit 10 cm. Beide boten genügend Platz, 60 Minuten Stereomusik mit 16 Bit und einer Abtastrate von 44.056 Hz aufzunehmen.

Aber das war nicht genug, meinte Norio Ohga. Ohga war ein Musikverrückter. Nachdem er das erste Mal einer Aufnahme eines Sony-Bandrekorders hörte, schrieb er einen Beschwerdebrief an Sony. Ihm wurde ein Job angeboten und über die Jahre wurde er so einflussreich, dass er in den 80er Jahren Sonys Präsident wurde. Als es um die Audio-CD ging, war er Projektleiter und verlangte, dass die komplette 9. Sinfonie darauf passt.

Nach Angaben von Philips dauerte die längste bekannte Aufführung 74 Minuten. Es ist eine Monoaufnahme, die während der Bayreuther Festspiele 1951 entstand und von Wilhelm Furtwängler dirigiert wurde. 60 Minuten reichten also nicht – es wurden 74 Minuten und die CD 12 cm groß.

Das ist zumindest eine Version der Geschichte. Andere beziehen sich auf Herbert von Karajan, der ebenfalls wollte, dass die komplette 9. Sinfonie auf die Scheibe passt. Er sollte das neue Format unter Musikliebhabern bekannt machen und habe die 74 Minuten zur Bedingung gemacht.

In der Wikipedia steht noch eine andere Geschichte, nach der Philips‘ Chefingenieur Kees Immink die 12 cm als neutralen Kompromiss aus Sonys und Philips‘ Vorstellungen vorschlug. Das fände ich aber sehr schade. Mir gefällt die Version mit Beethoven besser. [Jesus Diaz / Andreas Donath]

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  1. Halte ich für ein Gerücht.

    Die 74 Minuten haben eher die gleiche Ursache wie die krumme CD-Abtastrate von 44.1kHz. Schon in den 70ern waren nämlich eigentlich 48kHz als theoretischer Standard für digitales Audio definiert.

    Damals wurde digitale Musik mangels Alternativen auf analoge Videobänder gemastert, und zwar mit PCM-Prozessoren, die aus dem digitalen Datenstrom analoge Video-Pixelbilder machten. Und die schrieben in jede Video-Zeile 6x 16 Bit. Drei für Links, Drei für Rechts. NTSC hat 490 aktive Zeilen und ungefähr 30 Frames pro Sekunde, macht:

    3 x 490 x 30 = 44.100

    Gemastert wurde auf U-Matic-Kassetten. Die hatten normal eine Stunde Laufzeit. Es gab aber auch überlange mit….. tataaaa….. 75 Minuten Laufzeit. Mit ein bisschen Sicherheits-Vorlauf (Video-Spratzer, Gleichlauf) bleiben 74 Minuten zur Nutzung.

    1. So eine Klugscheißerei immer .. nimms doch einfach wie es da steht und stell hier nich irgendwelchen hergezauberten wissenschaftlichen Quark auf den Tisch nur weil dir die Variante mit der Symphonie anscheinend nicht gefällt.

      tztztz

  2. maaaaaaaan… nur noch Kommentare über Rechtschreibfehler oder sonst welche Beschwerden.
    Wäre für Gizmodo echt besser diese Funktion einfach abzuschalten… sieht besser aus!

  3. Was man ebenfalls nicht vergessen sollte: Nicht jede Aufführung ist 74 Minuten lang… die Länge ist bisweilen sehr unterschiedlich. Nicht aufgrund von Kürzungen oder längeren Improvisationen, sondern aufgrund der unterschiedlichen Stile der Dirigenten.

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