Buch: Aufstieg und Fall der amerikanischen Solarenergie-Nutzung

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In seinem neuen Buch "Powering the Future Dream" (etwa: Energie für den Traum) beschreibt Alexis Madrigal die intensive Nutzung der Solarenergie im Amerika des frühen 20. Jahrhunderts - und zeigt auch, warum die USA von diesem Pfad der Tugend wieder abwichen. Ein spannender Artikel, der zeigt, wie der Energiemarkt funktioniert und das Bild vom energieverschwendenden Amerikaner ein Stück weit widerlegt.

Es gibt Weltbilder, die sind so was von falsch. Dazu zählt das von den „neuen“ grünen Technologien, nach dem Solar- und Windenergie sowie Geothermie neu und vergleichsweise unerprobt sind. Dabei nutzten Menschen schon 1900 Sonnenkraft, um Wasser zu erhitzen und durchkreuzten New York in E-Taxis. Madrigal erzählt die Geschichte von Albert Mussey Johnson und seinem Gehilfen „Death Valley Scott“, die 1929 mitten im Death Valley eine Villa erbaut hatten. Tagsüber ist das einer der heißesten Orte der Welt, aber die Nächte werden richtig kalt. Aus Beton, Kupferschleifen, schwarzer Farbe und Glas erschufen sie eine Konstruktion, mit der sie Wasser tagsüber aufwärmten und nachts zum heizen und duschen verwenden konnten.

Johnson und Scott waren bei weitem keine Ausnahme. Im Jahr 1923 setzt die „The Day and Night Solar Heater Company“ satte 230.000 US-Dollar jährlich um. Die entsprechende Technik war 1891 entwickelt worden und wurde ab 1895 in Kalifornien vertrieben. Bei einem Stückpreis von 25 US-Dollar je Installation setzten zwei Geschäftsleute aus Pasadena alleine in Süd-Kalifornien 1.600 Installationen ab – zu einer Zeit, als ganz L.A. gerade einmal 100.000 Einwohner zählte. Die Investition amortisierte sich binnen weniger Jahre: 9 Dollar Kohle ließen sich im Jahr damit sparen und noch mehr Geld sparte, wer statt Kohle mit dem teureren, aus Kohle erzeugten Gas heizte.

Gerade in Kalifornien ließ sich mit Solarenergie richtig viel Geld sparen. Kohle und Gas mussten zum Ende des 19. Jahrhunderts aufwändig aus dem Osten des Landes herangekarrt werden. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts fielen die Preise für fossile Brennstoffe dann ins Bodenlose. Neue Ölfelder im Westen des Landes wurden entdeckt und die Ölgesellschaften verschleuderten das „Abfallprodukt der Erdöl-Förderung“ – Gas – zu Tiefstpreisen.

Die Solarenergie ging dadurch aber nicht unter. Sie verlagerte sich nur nach Florida, wo fossile Brennstoffe weiterhin teuer waren. Florida erlebte damals einen regelrechten Boom. In den Jahren 1920 bis 1925 verdoppelte alleine Miami seine Einwohnerzahl. Und solar erhitztes Wasser bzw. die dazu notwendigen Geräte gingen weg wie warme Semmeln. 1941 nutzte mehr als die Hälfte der Einwohner von Miami diese Energiequelle und 80 Prozent der zwischen 1937 und 1941 gebauten Häuser waren mit Solaranlagen ausgestattet, auch dank staatlicher Fördermittel. Ende der 30er Jahre buhlten nicht weniger als zehn Solarfirmen um die Gunst der Kundschaft.

Dennoch verschwand die Solarenergie nahezu vollständig vom Markt. Während des zweiten Weltkriegs kam der Wohnungsbau in den USA nahezu zum Stillstand, um sich im Wirtschaftsaufschwung der 50er Jahre wieder dramatisch zu beschleunigen. Doch die Häuslebauer dieser Zeit hatten bei der Auswahl ihrer neuen Warmwasserboiler vor allem die alten, in den 30er Jahren installierten Solartanks vor Augen, viele davon mit argen Rostproblemen. Ein paar geplatzte Tanks und der Ruf der Solarenergie hatte einen Knacks – obwohl man die entsprechenden Probleme sicherlich hätte leicht lösen können.

Hinzu kam, dass die Energieversorger in dieser Zeit wenig Wert auf effiziente Technik legten und vielmehr immer größere Kraftwerke bauten, die immer billigeren Strom erzeugten. Anfang der 50er Jahre war der Strompreis gegenüber der Vorkriegszeit um nahezu die Hälfte gefallen. Zeitgleich verdoppelte sich der Preis für Kupfer – eines der wichtigsten Materialien der solaren Energieerzeugung – zwischen 1938 und 1948. Die Solarenergie wurde also teurer zu einem Zeitpunkt, zu dem sie hätte billiger werden müssen.

Als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre wurden immer mehr Häuser von Wohnungsbaugesellschaften errichtet. Um ihre Immobilien möglichst günstig auf den Markt werfen zu können, wurde verbaut, was am billigsten war – und das waren nun mal elektrische Warmwasserboiler. Dass die Betriebskosten dieser Boiler den Vorteil bei den Anschaffungskosten schnell wieder auffraßen, war den wenigsten Häuslekäufern bewusst und den Wohnungsbaugesellschaften daher egal.

In den folgenden Jahren erlebte die Solarenergie in den USA ihren Niedergang, um in anderen Ländern der Welt – namentlich Japan, der EU und der Türkei – einen wahren Boom zu erfahren. Und das obwohl Studien nahelegen, dass die solare Warmwassererzeugung noch mindestens bis in die 1970er Jahre hinein mindestens ebenso wirtschaftlich gewesen wäre wie das Heizen mit Strom. [Tim Kaufmann]

Alexis Madrigals Buch „Powering the Dream“ ist unter anderem über Amazon erhältlich.

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  1. Der Anfang ist falsch. Wie im Text weiter unten steht: Es nennt sich „Powering the Dream“ und nicht „Powering the Future“.

  2. Endlich mal ein eingermaßen guter Beitrag hier.
    Nur eines stört: Im Text ist immer die Rede von Solarenergie, gemeint ist aber Solarthermie. Der Begriff Solarenergie bezeichnet eher den Gewinn von Strom aus der solaren Strahlung, also Photovoltaik-Anlagen. Und die hat es damals sicher noch nicht gegeben…

  3. hoschi, danke für das wenn auch mit Süffisanz gewürzte Lob. Solarenergie ist der Oberbegriff für Photovoltaik und Solarthermie.

    1. Da hast du Recht, das ist die Definition, aber umgangssprachlich steht es eher für das andere. Das Bild oben ist da auch nicht hilfreich.

      Was mir an dem Buch nicht gefällt: Der direkte Vergleich zw Solarthermie und herkömmlichen Systemen. Solarthermie so gut wie immer ein Zusatz ist und kann in sofern keine Heizung ersetzen, daher finde ich die direkte Gegenüberstellung irgendwie unsinnig da meistens eh nur beides geht.

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