Flug-Zwischenfall: Wenn die Sauerstoffmasken herunterkommen

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Vor jedem Flug das gleiche Spiel: Das Sicherheitsballet mit den Hinweisen, wie man sich als Passagier im Falle eines Notfalls verhalten soll. Dazu gehört auch regelmäßig der Hinweis auf die Sauerstoffmasken, die automatisch "von der Decke" herunterfallen, wenn es zu einem Druckverlust kommt. Aber was bedeutet Druckverlust genau - und wie gefährlich ist dieser Zwischenfall wirklich?

Dazu sollte man sich erst einmal darüber klar werden, warum die Flugzeugkabine überhaupt unter Druck gesetzt wird:

Die Kabine wird unter Druck gesetzt, damit die Passagiere und die Crew normal atmen können – ohne zusätzlichen Sauerstoff. Die Druckerhöhung sorgt dafür, dass eine dichte, sauerstoffreiche Atmosphäre entsteht, die der am Boden sehr stark ähnelt. Während des Flugs werden nicht exakt die Bodenverhältnisse nachgeahmt – sondern eher die auf 5.000 bis 8.000 Fuß (rund 1.500 bis 2.400 m). So atmet man ungefähr so, wie in Denver oder Mexiko City (ohne die dort herrschende Luftverschmutzung). Würde man die Druckverhältnisse in Bodennähe nachahmen, würde damit zuviel Kraft auf das Flugzeug ausgeübt. Der Druck wird über Kompressoren in den Triebwerken aufgebaut und über Ventile reguliert.

Das war’s schon – auch wenn viele Passagiere glauben, dass der Druckaufbau überlebensnotwendig ist. Häufige Fragen: Was passiert, wenn ein Druckverlust eintritt? Platzen dann meine Augen/Bauch etc? Nein – das passiert zum Glück nicht. Ein Flug ist nicht vergleichbar mit einem Tauchgang im Marianengraben :)

Beim Auf- und Absteigen des Flugzeugs wird der Luftdruck im Innern verändert. Dazu sind spezielle Ventile eingebaut. Früher hieß es in den Sicherheitshinweisen vor dem Flug immer, dass beim Verlust des Kabinendruck Sauerstoffmasken herunter fallen. Das hat offenbar für große Ängste gesorgt. Dabei ändert sich der Luftdruck in der Kabine die ganze Zeit des Fluges über – je nachdem wie hoch die Maschine fliegt.

Änderungen sind eine Sache – unkontrollierter Druckverlust ein andere. Stellen wir uns deshalb mal etwas anderes vor. Ein plötzlich auftretendes Loch oder ein Riss in der Druckkabine. Ein großer Druckverlust bedeutet auch ein Verlust von Sauerstoff. Wenn das Loch groß genug ist, kann der künstlich aufgebaute Kabinendruck vollständig verloren gehen. Im Grunde genommen gibt es drei Arten von Druckverlust. Die ersten beiden sind ziemlich häufig und für die Crew ein Routinefall.

Das erste was ein Pilot in einem solchen Fall macht, ist ziemlich simpel. Er setzt seine Sauerstoffmaske auf und leitet einen rapiden Abstieg vor. Ziel ist eine Flughöhe von unter 10.000 Fuß (3.000 m). Dort kann jeder ohne Maske atmen. Selbst wenn ein vollständiger Druckverlust eintritt, reicht der Sauerstoff in der Kabine in der Regel noch mehrere Minuten für die Passagiere und die Crew. Dennoch gilt es, die sichere Flughöhe so schnell wie möglich zu erreichen. Bei diesem Manöver glauben viele Passagiere, dass das Flugzeug abstürzt. Dem ist aber nicht so. Dieses Manöver gehört zur Basisausbildung und das Flugzeug ist dafür ausgelegt. Es ist in keiner Weise per se gefährlich.

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  1. Ich fliege nicht so häufig, aber guter artikel, sehr interessant und informativ. Und dann auch noch an einem sonntag. Sonntag gibts doch fast nie einen artikel.

  2. wirklich guter artikel…
    wäre mal interresant wenn sowas mal vorkommt wie wohl das gefühl is, wenn der pilot auf einmal in den sinkflug geht^^ löst dieses gefühl bei euch auch euphorie aus?? xD

    1. Es fühlt sich ungefähr so an wie in ner Achterbahn – der Magen hebt sich, die Masse schreit – wer damit umgehen kann erlebt wirklich ein durchaus angenehmes Gefühl. Zumal es viel länger dauert als auf einer Achterbahn. :)

  3. Es wird immer schwerer den GizmodoFeed nicht aus meiner Liste zu streichen.
    Warum?:
    1. Wollte ich solche Artikel lesen hätte ich Bild der Frau abonniert.
    2. Der Schreibstil gehört eher in die Kategorie „Aus-dem-Flieger,-in-Uniform-in-die-Kneipe-und-nach-4-Cuba-Libre-die-Mädels-an-der-Bar-angraben“ Kategorie – eigentlich prima ;-) – aber bei einem „Fachartikel“ in einem „GadgetBlog“?

    LG, BB, Marc

  4. Da der Artikel nicht von Gizmodo selbst stammt, wird der Stil sich wohl nicht fortsetzen. Obwohl das Thema interessant ist fragt man sich doch, was es bei Gizmodo zu suchen hat?

  5. An sich kann ich mich meinen Vorrednern anschließen… ABER:
    Wenn ein sehr plötzlicher Druckverlust eintritt (ist schon vorkgekommen, dass eine Maschine ein Teil
    des Kabinendachs verloren hat) kann es durchaus zu Organschäden kommen.
    Dadurch dass der Überdruck schlagartig entweicht, kann z.B. die Lunge Schaden nehmen.
    So hat eine Obduktion der Unfallopfer des oben erwähnten Fluges ergeben, dass die meisten nicht durch den Aufprall, sondern durch geplatzte / gerissene Lungenflügel gestorben waren.
    Ganz so ohne ist sowas dann eben doch nicht…

    Gruß und weiterhin viel Spass am Fliegen,
    segalight

  6. Durchaus interessant, das mal aus der Sicht eines Piloten zu hören :-) In der Tat, aus Passagiersicht ist sieht es sicher äußerst dramatisch aus, wenn die Masken aus der Kabinendecke fallen… ja, wir sind sicher alle von der Filmindustrie gut konditioniert.
    Eins würde mich dennoch interessieren: In 8000m Höhe herrscht ein Umgebungsdruck von ca. 0,3 Bar. Die Taucher werden das Gesetz von Henry kennen: Die Menge Gas, die in einer Flüssigkeit löslich ist, hängt proportional vom Umgebungsdruck ab. Bei einem raschen Druckabfall von 0,9 auf 0,3 Bar dürfte demnach nur noch ein Drittel der Atemluft im Blut lösbar sein (beim Tauchen ist das als „Caisson-Krankheit“ bekannt und der Grund dafür, weshalb man nicht zu rasch aus der Tiefe aufsteigen darf und ggf. Deko-Stops einlegen muß). Habt ihr im Falle eines Druckverlusts nicht ein ganze Flugzeug voller Taucherunfälle?

    @gizmodo: Der Link in der Quellenangabe am Artikelschluß ist falsch; askthepilot.com führt zur gewünschten Seite, askapilot.com zu einem Domain-Ramscher.

  7. „Selbst wenn ein vollständiger Druckverlust eintritt, reicht der Sauerstoff in der Kabine in der Regel noch mehrere Minuten für die Passagiere und die Crew.“

    Laut der ECA: „At a normal altitude of 35000 feet the time a person has to reach an oxygen mask is 30 seconds before falling unconscious. A pilot or a crew member has to get an oxygen mask within 10 seconds before his/her judgment starts to alter. At a higher altitude and with the oxygen rarefaction this period falls to 5 seconds.“

    Minuten sind keine Sekunden.

  8. oh weh oh wei,

    wollen wir mal hoffen, dass der pilot und der copilot nicht beide vom fisch gegessen haben und wenn doch, dass wenigstens ein ww2 pilot an board ist der kein vietnamsyndrom hat.

    guten flug

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