Der Atomgarten – die Gentechnologie der 50er und 60er Jahre

Atomic Gardens

Schon der erste Blick verriet, dass diese Pflanzen nicht normal gewachsen waren. Kreisförmig angepflanzt waren sie. Die Gewächse in Kreismitte waren abgestorben, und die weiter entfernten hatten seltsame Verwachsungen und Tumore. Die Rede ist von einer Art der Pflanzenzüchtung, die lange vor dem Zeitalter der Genetik mit dem Erbgut spielte: Der Atomgarten.

In den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts waren es Botaniker, die versuchten, mit Hilfe radioaktiver Strahlung neue Pflanzen zu entwickeln. Im inneren des kreisförmigen Versuchsfeldes platzierten Sie einen Kobalt-60-Gammastrahler. Das Erbgut in den Samen der Pflanzen mutierten und heraus kamen die seltsamsten Spielarten, die die Natur aufbringen konnte.

Lange bevor Wissenschaftler in der Lage waren, direkt in das Erbgut einzugreifen, versuchten sie es mit Mutationen. Der Anspruch war hoch. Sie wollten Pflanzen entwickeln, die auch unter schwierigen Umständen wachsen und so helfen sollten, den Hunger in der Welt zu beseitigen. Außerdem sollten auch Hobbygärtner in den Genuss mutierte Pflanzensamen kommen.

Nanotechnikerin Paige Johnson hat sich mit der Geschichte des atomaren Gartens beschäftigt und in ihrem Blog Garden History Girl veröffentlicht. Blogger Alexander Trevi hat Johnson für sein eigenes Blog Pruned interviewt.

Wenn wir die moderne Genetik mit der vergleichen, die damals angewendet wurde, drängt sich der Vergleich zwischen Skalpell und Hammer auf, sagt Johnson. Das gesamte (englischsprachige) Interview ist sehr lesenswert. Es kann in voller Länge online gelesen werden.

Die Geschichte des Atomgartens zeigt interessante Parallelen zu den heutigen Biotechnologien. Auch damit soll versucht werden, Pflanzen zu entwickeln, die dem Hunger bekämpfen. Beide sind extrem umstritten – auch wenn die heutigen Argumente gegenüber genetischen Eingriffen andere sind. Auch im Lichte der Nuklearkatastrophe in Japan ist die Geschichte lesenswert.

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  1. „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

    1. „Erst wenn die letzte Ölplattform versenkt und die letzte Tankstelle geschlossen ist, werdet ihr merken, dass man bei Greenpeace nachts kein Bier kaufen kann.“

    1. Das sieht mir allerdings aus wie eine Nachbehandlung der Ernte – und dient nicht wie in unserem Beispiel zur (ungezielten) Mutation der späteren Aussaat.

  2. @hugo
    schönes zitat, aber passt hier mal überhaupt nicht rein, aber wo wir dabei sind:
    „sometimes you just have to pee in the sink“
    -bukowski

  3. ich wollte mir jetzt ieigentlich die mühe machen und erklären was es mit der ganzen sache auf sich hat, aber nein, ich würde mich angesichts der ignoranz der thematik und des unwissens der allgemeinheit doch eh nur aufregen.

    bei gentechnik sogar noch mehr als bei den atomkraftgegnern haben die menschen mit dem größten unwissen und geringsten verständniss gleichzeitig auch noch das größte maul.

    und es ist nicht meines hier licht ins dunkel der massenhaften idiotie zu bringen.

    1. >ich wollte mir jetzt ieigentlich die mühe machen und erklären was es mit der ganzen sache auf sich hat, aber nein, ich würde mich
      >angesichts der ignoranz der thematik und des unwissens der allgemeinheit doch eh nur aufregen.

      Na lassen Sie sich doch nicht so bitten :) Wenn Sie etwas interessantes zum Thema beizutragen haben, dann nur zu. Sie müssen sich ja nicht auf die Seite der Befürworter schlagen, sondern können Ihr Wissen objektiv weitergeben.

  4. Nach einem Artikel in der FAZ vom 17.05.2001 wurden in den 1950er und 1960er Jahren viele neue Sorten mittels Bestrahlung gezüchtet, nämlich 434 Reis-, 269 Gertsen- 232 Chrysanthemen-, 197 Weizen-, 90 Soja-, 68 Mais-, 61 Rosen-, 54 Bohnen-, 48 Erdnuss-, 36 Dahlien-, 32 Erbesen- und 24 Baumwoll-Sorten. Ganz schöne Bilanz, oder? Und niemals hat sich jemand darüber aufgeregt, diese Sorten wurden nicht verdammt, sondern angebaut – und zur Weiterzucht verwendet. Das heißt, viele unserer heutigen Sorten beruhen auf diesen durch Bestrahlung erzeugten.

  5. @ Gizmodo: Also wenn ihr hier weiterhin rechtschreiblich und grammatikalisch korrekte Beiträge einstellt, die auch noch interessante Themen behandeln, droht euch ernsthaft der Aufstieg in die Mittelmäßigkeit…

    Im Ernst: Weiter so, auch wenn ich die richtig schlechten Artikel irgendwie lustig fand ;)

  6. Auch noch in den 70ern hatte man eine mehr oder minder positive Einstellung zu Radioaktivität. So wurde uns am 24.04.1975 ein Text mit dem Namen „Der Atomgarten“ diktiert. Hier heißt es im letzten Abschnitt: „Die Atombiologen bezweifeln nicht, dass es einmal möglich sein wird, mit Hilfe radioaktiver Strahen Kirschen zu züchten, die so groß sind wie Äpfel. Die Größe der Äpfel könnte den heutigen Kürbissen angeglichen werden. …“.
    Irgendwie doch ein etwas unheimlicher Gedanke.

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