Wenn das Internet lügt: Urbane Legenden identifizieren und entkräften

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Auch wenn ihr noch nie eine urbane Legende weitergegeben oder geglaubt habt, sicherlich ist schon jeder einmal damit in Berührung gekommen. Vielleicht sogar unwissentlich. Das nächste Mal, wenn euch ein Tweet, ein Link oder eine E-Mail erreicht, deren Inhalt etwas seltsam erscheint, werdet ihr sie erkennen, wenn ihr diesen Bericht lest.

Urbane Legenden werden auch Großstadtlegenden genannt und davon gibt es viele. Eine davon ist die Legende, dass die NASA für einen Millionenbetrag einen Kuli entwickeln ließ, der auch im Weltraum funktioniert und die Sowjets einfach einen Bleistift mit ins All nahmen. Ach das habt ihr geglaubt?

In Wahrheit kostete der Spezialstift pro Stück 6 US-Dollar und die Sowjets nahmen am Anfang Fettstifte ins All, bis auch sie den Space-Pen kauften. Die Space-Pens wurden privat und ohne NASA-Auftrag entwickelt.

Und noch eine Geschichte aus der jüngsten Vergangenheit. Osama bin Ladens Tod sorgte für Millionen von Tweets. Tausende davon enthielten ein Zitat, das Martin Luther King Junior zugeschrieben wurde. Nur leider hat King das nie gesagt. Ein einfacher Facebook-Eintrag sorgte dafür, dass sich dieses falsche Zitat in Windeseile verbreitete und schließlich für wahr gehalten wurden, weil es ja alle schrieben. The Atlantic hat die ganze Geschichte dieses Fehlzitats einmal aufgeschrieben.

Nun aber zurück zum Wesentlichen: Wie erkennt man solche Fehlinformationen und wie verhindert man, dass man auf Mythen, Urbane Legenden und Hoaxes herein fällt?

Erster Schritt: Unglaubwürdigkeit

Der erste Schritt ist der schwerste: Man muss ein gesundes Maß an Zweifel gegenüber allem haben, was man liest, hört, sieht oder auf eine andere Weise konsumiert. Egal ob im Internet oder irgendwo anders. Wenn man die Begebenheit schon einmal gehört hat, und nun wieder hört, dann könnte es sein, dass man einem Schwindel aufsitzt. Zum Beispiel wenn es um das Fehlzitat von Martin Luther King Jr. geht. Die Tweets gingen ungefähr so:

„I mourn the loss of thousands of precious lives, but I will not rejoice in the death of one, not even an enemy.“ (Ich trauere um den Verlust tausender wertvoller Leben, aber ich werde nicht über den Tod eines Einzelnen jubeln, auch nicht den eines Feindes.)

Megan McArdle von The Atlantic bemerkt dazu:

Es klingt ein wenig beiläufig. Welche „Tausende“ meint King? Bei dem Tod welchen Feindes sollte er jubeln?

Das gefakte Zitat war relativ glaubwürdig. Es war nicht besonders kontrovers, gut formuliert und hat einen netten sentimentalen Touch. (ok – meine Übersetzung vielleicht nicht). Das Verarsche-Gefühl wird bei einer E-Mail mit dem Betreff „Sie haben ein iPad gewonnen“ eher hochkommen als bei diesem Zitat. Aber auch beim King-Zitat hätten eigentlich alle Alarmglocken schrillen müssen.

Man sollte sich auch einmal damit auseinander setzen, woher das Zitat kam. Wenn es von jemanden kommt, dem man vertraut, wird man seine Glaubwürdigkeit vermutlich etwas höher einstufen als wenn es von jemand vollkommen unbekannten kommt. Aber auch wenn man denjenigen kennt, der das Zitat überbringt, sollte man sich doch fragen, ob er oder sie wirklich irgendwas über Martin Luther King Jr. wissen.

An diesem Punkt entscheidet sich zumindest, ob man an die Sache glaubt oder nicht. Wenn man es nicht tut und Zweifel hat, dann kommt nun der nächste Schritt: Mythenzerstörung.

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  1. Diesen Stift hat Paul C. Fisher und seine Firma Fisher Pen Company entwickelt. Dafür wurde 1 Mio. USD investiert. Der Preis des Stiftes betrug $3,98 da aber die USA und später auch die UdSSR 40% Preisnachlass bekamen, kauften sie den Stift für $2,39 pro Stück.

  2. Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und war voll Aufregung: „Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen, wie dein Freund …“ „Halt ein!“, unterbrach ihn der Weise, „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe?“, fragte der andere voll Verwunderung. „Ja, guter Freund. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“

    „Nein, ich hörte es erzählen und …“

    „Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft, es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht als wahr erwiesen -, so doch wenigstens gut?“

    Zögernd sagte der andere: „Nein, das nicht, im Gegenteil …“

    „Hm“, unterbrach ihn der Weise, „so lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so erregt!“

    „Notwendig nun gerade nicht …“

    „Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut, noch notwendig ist, so laß es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“

    ———
    Der Autor ist noch nicht identifiziert, Sokrates hat damit nix zu tun, sagte er mir ;-)

  3. Ein sehr beliebtes Zitat ist „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ das Hugo Victor zugeschrieben wird. Das hat dieser aber nie so gesagt oder geschrieben.

    Vermutlich hat sich das im Stil der Flüsterpost aus „On resiste à l’invasion des armées, on ne resiste pas à l’invasion des idées.“ (Wir widersetzen uns dem Eindringen von Armeen, nicht dem Eindringen von Ideen.) entwickelt das Victor Hugo in seinem Buch „Histoire d’un crime“ (Geschichte eines Verbrechens) geschrieben hat.

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