Test: HP TouchPad – der unvollendete iPad-Killer

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Gelangweilt vom iPad habe ich mich so richtig auf HPs TouchPad Tablet gefreut. Auf den ersten Blick macht es auch echt einen sehr guten Eindruck. Aber dann folgte die Ernüchterung.

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Warum das TouchPad wichtig ist

Tablets. Da ist zuerst das iPad und dann lange nichts. Das TouchPad ist das erste Tablet, das dem iPad so richtig Konkurrenz machen könnte. Die grundlegenden Konzepte wie Synergy (HPs webOS Cloud-Service) und das Card-Interface machen Sinn. Auch in den Details, etwa bei der Verbindung von TouchPad und Pre3, steckt viel Cleverness. Konzeptionell ist das TouchPad vielen Mitbewerbern voraus.

Das TouchPad, soviel sei an dieser Stelle wiederholt, ist das erste Tablet, auf dem Palms webOS läuft, eine ziemlich hübsche Software, die uns schon auf Smartphones viel Freude bereitet hat und sich nun zum vierten großen Tablet-OS mausert. Das TouchPad ist außerdem das erste richtig neue Produkt von Palm, seit das Unternehmen von HP gekauft wurde. HP hat webOS mittlerweile auf eine ganze Reihe von Geräten gebracht, die vom Drucker bis zum PC ganz unterschiedliche Gerätekategorien umfassen.

Die Praxis

Das Material lügt. Die Rückseite aus glänzendem Onyx und Kunststoff impliziert Leichtigkeit. Aber das ist es nicht. Die gerundeten Kanten suggerieren Schlankheit, aber das ist es nicht. Das TouchPad fühlt sich zwar wertig und angenehm an, aber es ist überraschend schwer und rutschig – eine potentiell tödliche Kombination. Am besten stellt Ihr es Euch als iPhone 3G vor, das auf iPad-Größe aufgepumpt wurde.

Man sollte meinen, dass webOS von Anfang an für Tablets entwickelt wurde. Es läuft sehr schön, obwohl es sich nahezu um eine 1:1-Umsetzung der Smartphone-Version handelt. Im Vergleich mit den Cards fühlt sich Multitasking auf allen anderen Geräten ziemlich dürftig an. Eine laufende App ist eine Karte. Karten lassen sich stapeln, sortieren, anordnen und wenn Ihr fertig seid, dann schließt Ihr sie einfach.

Die einzige nennenswerte Erweiterung, die webOS für das TouchPad erfahren hat, sind die Panes genannten, großen Ebenen. In komplexeren Apps könnt Ihr diese Ebenen hin- und herschieben, zum Beispiel in der E-Mail-App Ebenen mit Postfächern, Nachrichtenlisten, einzelnen Nachrichten etc. Wer schon mal Twitter auf dem iPad gesehen hat, weiß, wie das in der Praxis aussieht.

Benachrichtigungen tauchen am oberen Rand des Displays auf und lassen sich dort ruckzuck durchblättern. Auch in größeren Nachrichtenmengen verliert man dort nicht den Überblick. Sehr hübsch.

Leider hat Palm für jede Funktion, die man elegant gelöst hat, eine andere versaut. Da ist zum Beispiel die vergrößerbare Tastatur, auf der man super tippen kann, auf der es aber kein „Doppeltes Leerzeichen = Punkt“ gibt. Oder die fummelige Übertragung von Musik. Oder die Wartezeiten, bis eine Karte geladen ist. Und es ist wirklich alles eine Karte, bis hin zum einzelnen Browser-Tab.

Es sind die Apps, die einer Plattform Größe verleihen oder diese zum Scheitern verurteilen. Die App-Situation in Sachen TouchPad ist nicht wirklich schlecht. Zum Start stehen rund 300 Apps zur Verfügung. Aber das Angebot ist schon ein bisschen langweilig, so ohne Netflix, Nook, Instapaper und Rdio. Ein paar wichtige Apps befinden sich derzeit im Beta-Test, darunter Kindle und Facebook, Noch können Entwickler keine Apps programmieren, die sowohl auf dem TouchPad wie auch auf webOS-Handys laufen. Dadurch müsst Ihr die eine oder andere App ggf. ein zweites Mal kaufen.

Witzigerweise (ok, vielleicht nicht ganz so witzig) ist das TouchPad nicht nur das dritte Tablet, auf dem Flash läuft, sondern auch das dritte Tablet, auf dem Flash einfach schlecht läuft. Bestenfalls läuft es so einigermaßen. Aber meistens kostet es einfach nur Nerven und Akkuleistung. Davon abgesehen macht der Browser einen soliden Eindruck, irgendwo zwischen Android-Browser und Mobile Safari. Der Akku hielt übrigens sieben Stunden bei recht intensiver Nutzung.

Was uns gefällt

Die grundlegenden Erfolgsfaktoren für ein erfolgreiches Tablet sind alle da. Karten scheinen mir die perfekte Metapher für Multitasking. Die Ebenen machen komplexe Apps übersichtlicher. JustType ist nützlich wenn es darum geht, irgendwas ohne viel Aufhebens zu starten. Die App für Benachrichtigungen vereint Nachrichten aus allen möglichen Programmen in einer plausiblen Oberfläche. Die enge Verbindung zwischen Pre3 und TouchPad ermöglicht den Austausch von SMS und Websites – das fühlt sich schon „magisch“ an. Die induktive Aufladung per Touchstone-Technik mag länger dauern als konventionelles Laden des Akkus per Kabel (20% Ladung/h) – Spaß macht sie nichts desto weniger. Und die Lautsprecher sind die besten, die wir bislang in einem Tablet hören durften.

Was wir nicht mögen

Frei heraus gesagt: Zu oft funktioniert das TouchPad nicht so gut, wie es funktionieren müsste, um uns zu begeistern. Apps brauchen ewig zum starten, selbst wenn nur zwei Karten offen sind. Die Krönung waren die zwanzig Sekunden, die ich einmal auf die Bildschirmeinstellungen wartete. Die Verzögerung zwischen dem Tippen auf das Display und der Reaktion des TouchPads ist regelmäßig gigantisch. Wer weiter Tippt, während das TouchPad noch beschäftigt ist, der verschlimmert die Lage nur. Dem Messenger rutschten ständig AIM-Nachrichten durch. E-Mails erschienen erst 10 Sekunden nach dem Antippen. Die HP-App zum Übertragen von Musik auf das TouchPad ist grausam fett und träge. Das alles schmerzt mich um so mehr, als das TouchPad eigentlich alles hat, was es zu einem sehr guten Tablet braucht.

Sollte man es kaufen?

Das TouchPad ist so nah dran am Verkaufsschlager, und dann doch so weit weg davon. Wenn Ihr es nicht eilig habt – gebt ihm ein halbes Jahr Zeit und schaut es Euch dann noch mal an. Gut möglich, dass es ein paar Software-Updates später wirklich brauchbar ist. Wenn Ihr es eilig habt – nun, dann ist das TouchPad definitiv nichts für Euch. Dazu ist es zu träge. Schade drum. [Tim Kaufmann]

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  1. „Gelangweilt vom iPad habe ich mich so richtig auf HPs TouchPad Tablet gefreut.“
    Und dann die Ernüchterung… Der Grund? Man wird von der Bedienung, Schnelligkeit und Funktionalität eines iPads (meine Wenigkeit besitzt die 2. Version) einfach VERWÖHNT. Deshalb die Ernüchterung! ;-)

  2. Von wegen vom ipad gelangweilt,ihr solltet etwas objektiver sein!
    Und sind wir mal ehrlich,nach den bisher gelaufenen tests von diesem hp wunder solltet ihr kleiner brötchen backen,hp lahmt das ist fakt!
    Auf den ipad killer werden wir alle noch ewig warten.mir solls egal sein,ich nutze ein ipad und stelle immer wieder mit großer zufriedenheit fest,das alles andere einfach nur riesengroße scheise ist!

  3. Ich liebe es.
    Ja manche Apps starten langsam, aber man muss sie ja nicht wieder schließen. Das Touchpad wird nicht langsamer, wenn man 20 Apps offen hat. Geladene Apps sind genauso smooth wie auf dem iPad.
    Wie gut das OS ist merkt man erst, wenn man danach wieder ein iPad oder Xoom in den Händen hält. Die Cards sind für das Wechseln der Programme genial einfach und intuitiv.
    Der Browser ist zwar nicht so flott, wie auf dem iPad, jedoch finde ich, dass Flash echt ordentlich läuft. Zumindest Flash-Videos, und das ist bei surfen ja das wichtigste, finde ich. Da es Steve Jobs noch nicht geschafft hat Flash aus dem Web zu vertreiben, ist das ein echter Mehrwert.
    Die geniale Skype Integration mit Video-Telefonie wurde gar nicht angesprochen. Es gibt gar keine Skype App, sondern die Funktionen sind dort eingebaut wo sie hingehören. Skype-Telefonie in der Telefon-App, Skype-Chat in der Messaging-App. Und durch Synergie bekommen meine Kontakte automatisch durch meinen Skype-Account ihre Skype-Adresse zugeordent.
    Ähnlich mit Facebook. Bei manchen meiner Freunde in der Kontakte-App, sind die Daten aus HP-Kontakt, Facebook-Freund und Skype-Buddy zu einem Profil zusammen gemerged und das voll automatisch. Manuelles mergen oder trennen geht auch sehr intuitiv.
    Eingehende Anrufe (egal ob Skype oder GSM) werden sowohl auf meinem Pre+ (nur GSM) als auch auf dem Tablett mit Bild angezeigt und können angenommen werden. Deswegen benötigt das TouchPad auch keine SIM-Karte. Für’s Pre gibt es eh Tethering-Apps.
    Aber es ist schon richtig, die Anzahl der Apps ist schon recht dürftig und die alten Mojo-Apps laufen mehr schlecht als recht in einer simulierten Umgebung. Aber dass die Kindle-App bisher scheinbar nur in USA zu haben ist, ärgert mich schon sehr.
    Auch fehlen mir ein X11-Server und RemoteDesktop um Linux und Windows Kisten fernzugesteuern. Na ja, es gibt schon eine Citrix-Receiver App, die ich aber noch nicht getestet habe.
    Auf alle Fälle bin ich bisher sehr zufrieden mit dem Teil.

  4. Ich kann, nein muss mich den Erfahrungen des Autor anschließen. Leider erfüllt das TouchPad (noch) nicht meine Erwartungen. Jetzt, da das Gerät bald für 399€ in den Läden steht äreger ich mich doch ein bisschen. Auch die nicht vorhandene mobile Internetverbindung vermisse ich mehr als ich vor dem Kauf dachte.
    Warten wir es ab und hoffen auf webOS-Updates und mehr, bessere und billigere Apps.

  5. Wobei webOS mit dem Update auf v3.0.2 in einigen kritisierten Punkten nachgebessert wurde. Die Zeitdauer zum Starten der Apps stört mich eigentlich nicht, nur das Hochfahren des Gerätes könnte wirklich rascher erfolgen. Und die Geo-Restriktionen im App Catalog sind einfach nur nervig und nicht nachvollziehbar.

    Die 3G-Version brauche ich nicht, da ich mobiles WLAN (MiFi) habe, das bis zu 5 Geräte gleichzeitig mit dem Internet verbindet. Und hoffentlich nenne ich bald auch ein HP Pre 3 mein Eigen, das synct mit dem Touchpad und stellt nach Wunsch ebenfalls einen mobilen WLAN-Hotspot zur Verfügung.

    Im Gegensatz zum iPad kann das HP Touchpad ohne Zusatzsoftware von jedem Computer mit Daten (Fotos, Musik, Videos, Dokumente) befüllt werden, man kann seine Daten am Gerät nach eigenem Belieben geordnet ablegen und man kann ebenso einfach auch Daten vom Touchpad auf einen Computer kopieren, da es sich wie ein Wechseldatenträger verhält.

    Ich bin mit dem Touchpad (Bildschirm, Lautsprecher, Betriebssystem) und dem für freie Entwickler offenen System (Preware/Homebrew) bis auf die genannten Einschränkungen sehr zufrieden.

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