Review: Dell Venue Pro

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Schon früh hat Microsoft klargemacht, dass Windows Phone 7 ein mobiles Betriebssystem mit starkem Multimedia-Fokus ist. Das Unternehmen meinte die Wünsche der Kunden verstanden zu haben und investierte viel Zeit und Geld in die Vermarktung des jungen Systems. Ob Microsoft damit viel Erfolg hatte, muss jeder für sich beurteilen. Fakt ist, dass der weltweite Marktanteil noch immer weit unter 3,5% liegt. Umso erstaunlicher, dass Unternehmen wie Dell, die eigentlich Business- und Enterprise-Lösungen anbieten, ein Smartphone mit Windows Phone 7 als Betriebssystem anbieten. Ob das Dell Venue Pro trotz Multimedia-lastigem Betriebssystem auch Business-Nutzer glücklich machen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

Haptik und Optik

Das Dell Venue Pro ist eigentlich ein Plastik-Smartphone, schafft es aber durch die gute Verarbeitung den Eindruck eines hochwertigen Smartphones zu erwecken. Das Business-Schwarz im Klavierlack-Design wirkt sehr modern und edel.

Auf den ersten Blick wirkt das Venue Pro recht dick, doch wegen der abgerundeten Form liegt es sehr gut in der Hand, so dass man das Gewicht kaum wahrnimmt. Einzig in der Hosen- oder Hemdtasche fällt das Smartphone deutlich auf.

Wird der Bildschirm nach oben geschoben, kommt die Tastatur zum Vorschein. Die Tasten sind zwar recht klein, haben aber eine angenehme Höhe und einen guten Druckpunkt. Die Abstände zwischen den einzelnen Tasten sind passabel, wenn auch eine gewisse Eingewöhnungszeit nötig ist. Durch die Gummierung fühlt sich das Tippen sehr angenehm an.

Leider fehlt der Tastatur die Tabulator-Taste und warum bei einem deutschen Gerät statt einer „.de“- eine „.com“-Taste das QWERTZ-Layout schmückt, war uns auch nach dem Test nicht ganz klar.

Funktionen und Hardware

Die Hardware des Venue Pro gleicht der aller anderen auf dem Markt befindlichen Windows Phone 7-Geräte nahezu komplett. Das hat mit den strikten Rechtlinien von Microsoft zu tun, die Vielfalt und aktuelle Hardware verhindern.

So wird auch das Venue Pro von einem schnellen 1 GHz Snapdragon-Prozessor von Qualcomm angetrieben. Bei den 265 MB Arbeitsspeicher bewegt sich das Smartphone, zumindest im plattformübergreifenden Vergleich, auf hintersten Plätzen. Dafür ist mit 8 GB Flash-Speicher der Platz für Apps und Daten ausreichend. Der Speicher lässt sich aber nicht auswechseln – auch hier setzt Microsoft die bereits oft kritisierten und unsinnigen Rechtlinien durch.

Der 4,1-Zoll-Touchscreen mit 800 x 600 Pixeln Auflösung (qHD wie beim HTC Sensation beherrscht Windows Phone 7 noch nicht) erstrahlt förmlich dank AMOLED-Technologie. Er wird durch eine gekrümmte Glasscheibe geschützt, die einen entsprechenden Lupen-Effekt aufweist.

Auf der Rückseite befindet sich eine 5-MP-Kamera, die ganz ordentliche, aber nicht überragende Fotos macht. Das Blitzlicht ist angenehm hell. Der eingebaute Lautsprecher ist laut, weist aber eine, besonders von Mittelklasse-Smartphones bekannte, unklare Ausgabe von Bass-lastigen Songs auf. Für ein modernes (Multimedia-)Smartphone ist das nicht akzeptabel.

Nutzen im Alltag

Im Alltag ist das Venue Pro, trotz der schwachen Hardware, ein brauchbares Smartphone. Die Tastatur ist eine echte Bereicherung, besonders weil man das Smartphone nicht drehen muss, um sie zu nutzen. Zumal Windows Phone 7, zumindest auf dem Homescreen, kein Landscape beherrscht, bei Anwendungen das automatische Drehen aber nicht abgeschaltet werden kann – extrem nervig!

Erfreulich sind die Basis-Funktionen, die der Office-Hub mitliefert. Diese sind zwar nur (sehr) minimalistisch, binden sich aber geschickt in die Microsoft-Infrastruktur ein. Leider fehlt Local-Sync komplett, wodurch Windows Phone 7 von Vornerein nicht für Business-Kunden geeignet ist. Ja, es soll tatsächlich Unternehmen geben, die nicht auf die Synchronisation über einen Exchange-Server und Co. setzen. Aber diese Kunden sind Microsoft eh egal.

Ein wenig enttäuschend ist auch, dass viele Apps bei Windows Phone 7 nicht so qualitativ hochwertig sind, wie unter Android oder iOS. Viele Funktionen fehlen wegen der Limitierungen des Systems, der Großteil aller Apps ist zudem schon unter anderen Plattformen verfügbar, exklusiv Titel gibt es so gut wie keine. Ob Windows Phone 7 bald eine ähnlich hohe Anzahl an Apps bieten wird wie iOS und Android ist fraglich.

Nach elf Stunden war der Akku leer. Dabei wurden zwanzig Minuten telefoniert und jede Stunde wurden mehrere Male neue E-Mails synchronisiert. In der Mittagspause wurde dann noch ein kleines Spiel eine halbe Stunde lang gespielt. In unseren Augen ist das einfach viel zu wenig – dem Akku mit 1400 mAh geht einfach viel zu schnell die Puste aus.

Fazit

Das Dell Venue Pro ist kein schlechtes Smartphone, aber auch keins, dass wir sofort jedem empfehlen würden, so wie das HTC Sensation beispielsweise. Es bietet die grundlegenden Windows Phone 7-Funktionen – nicht mehr und nicht weniger. Die Hardware ist nur mittelmäßig und für den aktuellen Preis von knapp 490 Euro einfach zu teuer. Im Hinblick auf die kommenden Dual-Core-Smartphones muss man sich stets bewusst sein, ein Smartphone auf dem Stand von 2010 zu kaufen. Ein besser ausgestattetes Windows Phone 7-Smartphone bietet derzeit HTC mit dem HTC 7 Pro für knapp unter 300 Euro an.

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  1. Ich glaube nicht, dass MS mit WP7 aufs Business-Segment abzielt. Und wenn, dann (leider) nur halbherzig. Im Unternehmen macht das nur Sinn, wenn massiv Microsoft-Software (Office 365, Sharepoint, Office2010, evtl. Lync) zum Einsatz kommt. Ansonsten aber führt auf dem Business-Segment kein Weg an WM 6.5 (R.I.P.) oder RIM vorbei. Aber letztere reiben sich ja lieber am Privatkundenmarkt auf.

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