Meine Lieblings-App: Cyclemeter

cyclemeter-app

Ein wenig Speck auf den Rippen, ein viel zu lange nicht genutztes Rad im Keller - was liegt da näher, als sich den Wiedereinstieg ins Mountainbiking damit zu versüßen, dass man das iPhone zum Luxus-Fahrradcomputer aufmotzt? Seither hat sich Cyclemeter zu einer meiner Lieblings-Apps gemausert.

Cyclemeter vereint die Leistungen teurer Fahrradcomputer bzw. Navigationsgeräte mit dem Bedienkomfort des iPhones. Ihr bezahlt diesen Luxus nicht nur mit den 3,99 Euro, die die App kostet. Das Display des iPhones ist unter Sonnenlicht auch schlechter ablesbar als das guter Fahrradcomputer und der Akku meines 3GS ist binnen zwei Stunden leergesaugt – obwohl Cyclemeter nach einhelliger Meinung zu den am wenigsten stromfressenden Programmen seiner Art gehört.

Wer mit diesen – vor allem dem System und weniger der App anzulastenden – Schwächen leben kann, den belohnt Cyclemeter mit vielen nützlichen Funktionen und absoluter Stabilität. Am besten gefällt mir die Navigationsfunktion. Ich erstelle zuhause eine Route (mit Garmin BaseCamp), lade sie im GPX-Format auf das iPhone und klemme das an den Lenker (mehr dazu unten). Zwar gibt es keine Turn-by-Turn-Navigation, aber nach den ersten Kilometern hat man sich an die genordete Karte gewöhnt und verpasst auch auf fremden Strecken nur selten eine Abbiegung.

Cyclemeter merkt sich, wie lange Ihr für einzelne Etappen und für die gesamte Strecke benötigt habt. Es erstellt Höhen- und Geschwindigkeitsprofil, Zwischenzeiten usw., die man auch exportieren kann. Standardmäßig ist meine Sklaventreiberin Trainerin eingeschaltet. Sie liest alle fünf Minuten vor, wie schnell man derzeit ist – und wie man sich gerade im Vergleich zur bisherigen Best- bzw. Schlechtleistung schlägt. Das spornt ungeheuer an, auch wenn die Angaben gefühlt stärker schwanken als es nur durch unterschiedliche Fahrtgeschwindigkeit erklärbar wäre.

Generell legt Cyclemeter großen Wert auf den Motivationsfaktor. Die App kann Eure aktuelle Leistung automatisch twittern (ok, das ist mir persönlich zu selbstverliebt). Was ich cooler finde, mangels Facebook-begeistertem Freundeskreis aber nicht testen kann: Cyclemeter lädt Nachrichten, die Euch Freunde an die Pinwand schreiben, unterwegs herunter und liest sie Euch vor. So können Kumpels Euch unterwegs anfeuern. Außerdem könnt Ihr Fahrten von Freunden importieren und dann virtuell gegen sie antreten, d.h. die Trainerin vergleicht Eure Zeiten mit denen des jeweiligen Freundes.

Cyclemeter wirkt fast immer bis ins Detail stimmig. Eines dieser Details ist zum Beispiel, dass die Stoppuhr automatisch anhält, wenn man eine Rast einlegt und weiter läuft, wenn’s zurück auf die Piste geht. Außerdem lässt sich die App auch per Kopfhörer-Fernbedienung steuern.

Was mir aber immer noch ein Rätsel ist, das sind die Einstellungen für die E-Mail-Benachrichtigung. Grundsätzlich finde ich die Idee, dass mein iPhone unterwegs immer wieder mal eine Mail mit meinem aktuellen Standort verschickt, sehr nützlich. Sei es, dass man mich im Wald schneller findet, sollte ich übel stürzen oder sei es, dass man zuhause schon mal den Grill anwirft, wenn ich mich der Heimat nähere – damit kann man schon interessante Sachen machen. Allerdings funktioniert die Benachrichtigung erst zuverlässig, seitdem ich sie auf „Alle 1 km“ gestellt habe.

Schön wären noch die folgenden Features:

  • Möglichkeit, eigenes Kartenmaterial hochzuladen
  • Turn-by-turn-Navigation
  • ANT+-Integration (s.unten)

Allgemein – so geht iPhone am Mountainbike

Eigentlich kam ich zu Cyclemeter wie die Jungfrau zum Kind. Alles begann mit der Feststellung, dass ich an meinem neuen Wohnort keine Radrouten kenne, die mir Spaß machen. Die findet man zwar bei OpenMTBMap, doch wie zeigt man die am Mac geplante Route am Fahrrad an?

Als erstes braucht es einen Lenker-Halter für das iPhone. Kurz gesucht, viele gefunden, hängen geblieben beim Wahoo Bike Case. Die Hülle kostet auch nicht mehr als andere, anständige Halterungen, lässt sich aber über Silikon-Einlagen an unterschiedliche iPhone-Modelle anpassen. Nett: In der Hülle steckt auch noch Funktechnik gem. dem Standard ANT+, über die man Sensoren für Geschwindigkeit und Kadenz sowie Pulsmesser verschiedener Hersteller anbinden kann. Die eingehenden Daten lassen sich dann von diversen Apps am iPhone weiterverarbeiten.

Die Halterung ist ok, man muss nur die Kabelbinder richtig stramm ziehen, dann hält sie auch. Die Sensoren habe ich mit der vom Hersteller bereitgestellten App getestet, sowohl Pairing wie auch anschließende Datenübertragung funktionieren sauber. Das Problem bei dieser Lösung ist, dass sich die Sensoren nicht von im Hintergrund laufenden Anwendungen abfragen lassen.

Will man nicht während der Fahrt zwischen Programmen wechseln, dann braucht man also eine einzige App, die sowohl die Daten der Sensorik verarbeitet wie auch andere unterwegs gewünschte Funktionen, bei mir die Navigation, ermöglicht. Eine solche App fand ich nicht, als ich im April 2011 zuletzt danach suchte. Allerdings stieß ich bei der Suche auf Cyclemeter, das mir von allen Apps den besten Eindruck machte und obendrein „zukünftig“ auch die ANT+-Sensoren unterstützen soll.

Tim Kaufmann, Gizmodo-Autor

[Cyclemeter für iOS]

Tags :

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising