Ein Autokonzern baute das erste mechanische Herz der Welt

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1952 zog Dr. Forest Dodrill das Interesse der Medien auf sich. Er war der erste Chirurg, der mit einer mechanische Herzpumpe an einem Patienten ein ganz besonderes Gadget ausprobierte. Das war am Wayne State Universitys Harper Hospital in Detroit. Und es gibt einen Grund, warum diese Pumpe aussieht wie ein 12-Zylinder-Motor. Sie wurde von General Motors gebaut. Wie das kam, verrät unser Bericht.

Automobilhersteller haben nicht selten einen Einfluß auf Technologien, die weitab von der Entwicklung von Autos, Bussen und LKWs stehen. Farben, Solar- und Brennstoffzellen und sogar das Trägheitsnavigationssystem des Apolloprogramms der NASA stammt aus der Automobilindustrie. Bei der ersten mechanischen Herzpumpe war das nicht anders.

Dr. Dodrill hoffte, dass man eine Maschine entwickeln könne, die zeitweilig die Pumpfunktion des menschlichen Herzens übernimmt und damit eine offene Herzchirurgie möglich machen würde.

Zahlreiche Vorläuferexemplare wurden bei Versuchen mit Tieren eingesetzt. Vor dem ersten Einsatz am Menschen mussten die die Schwierigkeiten überwunden werden, die roten Blutkörperchen zu erhalten, wenn das Blut durch die Maschine gepumpt wurde. Auch Gerinnung sowie Infektionen waren Probleme, die man vor dem Menschenversuch beheben musste.

Dr. Dodrill und sein Team wandten sich an eine Gruppe von Wisschenschaftlern und Ingenieure, die an den GM Research Laboratories tätig waren.
Das Ergebnis war das „Dodrill-GMR Mechanical Heart“. Es wurde von den GM Research Laboratories gebaut und teilweise von der American Heart Association finanziert.

Die Maschine misst ungefähr 25 x 30 x 43 cm und erinnert an einen Verbrennungsmotoro mit sechs separaten Kammern, die an Zylinderkammern erinnern. Das Gerät besteht aus Edelstahl, Glas und Gummi. Druckluft und Vakuumpumpen sorgen für die Blutzirkulation im Körper des Patienten, während das Herz still steht und operiert wird.

Der erste Patient war ein 41jähriger polnischer Immigrant , der von Kurzatmigkeit und Brustschmerzen geplagt wurde. Er wurde am 3. Juli 1952 ins Harper Hospital eingewiesen. Sein Name: Henry Opitek.


Die GM-Forschungsmitarbeiter testen das mechanische Herz

Ein seltsamer Zufall wollte es, dass Opitek auf dem Dach des gegenüberliegenden Gebäudes Hunde sah, die herumtollten und durch ihre glattrasierte Brust auffielen. Opitek erfuhr später, dass diese Hunde die Tiere waren, an denen zuvor die Versuche mit dem mechanischen Herz unternommen wurden, mit dem er kurz darauf eine intensive Begegnung haben würde.

Die Operation dauerte 80 Minuten und das mechanische Herz wurde 50 Minuten lang verwendet, um Opitek am Leben zu halten, während an seinem Herzen operiert wurde. Er lebte nach der Operation noch fast 30 Jahre lang.

Als andere Medizintechniker später ausgereiftere Herz-Lungenmaschinen entwickelten, spendete GM das Gerät 1954 an die Smithsonian Institution. Es wird heute im Museum of American History Division of Science, Medicine and Society ausgestellt.
Mittlerweile werden weltweit jährlich rund eine Million Operationen am offenen Herzen durchgeführt, schrieb Herzchirurg und Medizinhistoriker Dr. Larry Stephenson an der Wayne State University. Ohne eine Blutpumpe oder eine Herz- Lungenmaschine könnten viele dieser Eingriffe, die heutzutage Routine sind, nicht durchgeführt werden. [Ray Wert / Andreas Donath]

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