Review: Einfachcamcorder für den schmalen Geldbeutel

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Als Cisco im April 2011 entschied, die Flip-Camcorder einzustellen, waren sich viele Analysten schnell einig, dass der Einfachcamcordermarkt am Ende sei. Doch das war ein Irrtum. Wer einfach nur kleine Videos aufnehmen will, der sollte sein Smartphone beseite lassen und lieber einen Pocket Camcorder verwenden. Wir haben uns einige aktuelle Modelle angesehen, die wenig kosten und viel leisten.

Wir sprechen hier nicht über High-End Videokameras. Es dürfte klar sein, dass man mit den Videos von Einfachcamcordern keine Preise gewinnen kann. Aber wer einfach mal ein kurzes Video aufnehmen will, sei es auf Reisen im Urlaub, auf Partys und Familienfesten oder einfach zwischendurch, der sollte sich die Geräte einmal ansehen. Immerhin bietet selbst das günstigste Modell mehr Funktionen und ein besseres Objektiv als jedes uns bekannte Smartphone.

Wir haben ein Testfeld von günstigen Camcordern von Kodak, Sony und Cisco zusammen gestellt um zu prüfen, welches der Geräte das beste Preis- Leistungsverhältnis ausweist.

Cisco Flip Mino HD: Lebe schnell, liebe heftig, stirb jung

Wir haben es oben schon erwähnt. Ciscos Flip-Camcorderserie wird eingestellt. Aber Cisco verlässt den Markt nicht, weil er zusammen gebrochen ist, sondern das Videokamerageschäft nicht in die Kernkompetenzen des Konzerns fällt. Warum Cisco Flip dann überhaupt erst kaufte, ist uns schleierhaft.

Beschleicht euch ein ungutes Gefühl, ein Produkt zu kaufen, das eingestellt wurde. Kein Problem – Cisco gewährt weiterhin ein Jahr Garantie auf alle Flip- Produkte und will sie bis 2013 unterstützen.

Die Bedienung des Flip Mino HD ist extrem einfach. Es gibt einen vergleichsweise riesigen roten Button auf der Rückseite, mit der die Aufnahme gestartet und beendet wird. Rud um diesen Button gibt es vier kleinere Knöpfe mit Doppelbelegung, mit denen die Lautstärke, die Bildgröße und das Vor- und Zurückspulen geregelt wird. Natürlich gibt es auch einen Pause- und Play-Knopf. Das Mülleimersymbol löscht einzelne Videoclips. Außer dem roten Button sind alle anderen übrigens keine physischen Knöpfe sondern reagieren wie Touchscreens. Das gefiel und nicht so gut.

Ein USB-Kabel benötigt man nicht, da der Flip einen eingebauten USB-Stecker besitzt, der auf Knopfdruck hervorspringt. Über USB werden nicht nur die Videos vom Gerät herunterkopiert sondern auch der Akku geladen. Auch ein Mini-HDMI Anschluss befindet sich am Flip. Obwohl das Gehäuse komplett aus Kunststoff besteht, fühlt es sich wertig und sehr stabil an.

Der Flip Mino HD nahm eine Innenaufnahme mit künstlicher Beleuchtung besser auf als alle anderen Camcorder im Testumfeld. Sein 1,6 Megapixel-CMOS_Sensor bildete die Farben naturgetreu ab und erzeugte ein gutes Videobild, das keines seiner Konkurrenten schlagen konnte. Draußen funktionierte das Gerät auch recht g ut, aber der Kodak Playfull erzeugte lebendigere Farben.

Der Flip Mino HD wäre der klare Sieger im Vergleichstest, wenn es nicht ein Manko gäbe. Er kann nur in 720p aufnehmen. Full-HD gibt es nicht. Im fehlt ein Effektgenerator oder manuelle Kontrollmöglichkeiten, aber er macht in den meisten Beleuchtungssituationen erstaunlich gute Bilder. Für uns ist es absolut unverständlich, warum Cisco kein Unternehmen sucht, dass die Flips weiter produziert.

Preis ab rund 100 Euro, www.theflip.com

Kodak Playfull: Liebling, ich habe das LCD geschrumpft

Kodak hat sich ganz offensichtlich den Flip zum Vorbild genommen und verstanden, warum das Produkt so erfolgreich war. Der Playfull ist der kleinste und dünnste Camcorder des Testfeldes und leicht zu benutzen. Er liefert eine gute Bildqualität ab und bietet zahlreiche nette FUnktionen. Kodak hat jedoch einen dummen Fehler gemacht. Das Display ist gerade einmal 1,5 Zoll groß und damit viel zu winzig.

Der große runde Schalter auf der Rückseite des Playfull unterhalb des Displays übernimmt gleich mehrere Funktionen. Er arbeitet als Record, Play und Pauseknopf. Sogar das Vor- und zurückspulen wird damit erledigt. Rund um diesen Schalter sind weitere Knöpfe angebracht, mit denen man zum Beispiel das Menü des Camcorders erreicht.

Der Share-Knopf verdient besondere Beachtung, denn mit ihm kann man festlegen, ob ein Video zum Beispiel auf Facebook, Flickr oder Youtube geladen werde soll. Wer will, kann außerdem Standbilder auf die Kodak-Website heraufladen. Von dort aus werden sie automatisch auf den eigenen Kodak Pulse Bilderrahmen heruntergeladen.

Uns gefällt zwar das kleine Gehäuse des Kodak Playfull, aber ein größeres Display hätte darin problemlos Platz gefunden. In den Memory-Card-Slot passen SD-Karten mit maximal 32 GByte Kapazität. Im Lieferumfang ist ärgerlicherweise keine Karte enthalten.

Wie beim Flip ist auch im Playful der USB-Stecker eingebaut. Dazu kommt Mini- HDMI. Im Lieferumfang ist sogar eine kleine Fernbedienung enthalten. Der Playful liefert eine hervorragende Bildqualität ab. Bei Außenaufnahmen liefert der Camcorder das beste Bild im Test ab. Dazu trägt sicherlich auch sein Objektiv mit f/2,8 bei. Bei Innenaufnahme belegt der Camcorder den zweiten Platz hinter dem Flip.

Einige rudimentäre Schnittfunktionen sind im Kodak-Camcorder bereits enthalten. So lässt sich der Anfang und das Ende eines Clips nachträglich bestimmen. Einzelbilder aus dem Film lassen sich außerdem separat speichern. Übergänge und andere Effekte gibt es jedoch nicht. Aber einige Filter für eine Schwarzweiß- Umwandlung oder knallige Farben sind mit an Bord. Sie müssen jedoch schon beim Filmen aktiviert werden, da sie sich nachträglich nicht mehr anwenden lassen.

Der Kodak Playfull ist ein sehr leistungsfähiger Einfachcamcorder, der einige echt gute Funktionen bietet. Leider ist das winzige Display ein echter Showstopper. Dafür wird das Gerät mittlerweile sehr günstig verkauft, vielleicht auch weil ein Nachfolger in den Startlöchern steht.

Verschiedene Farben, ab ca. 120 Euro

www.kodak.com

Sony Bloggie Touch: Unverständliche Produktbezeichnung

Wenn man die Camcorder nur nach ihrem Design bewerten würde, hätte das Sony- Gerät gute Chancen auf den ersten Platz. Das flache Gehäuse fühlt sich zudem gut an und besitzt eine Aluminium-Vorderseite, ein 3 Zoll großes Display und ein Gehäuse, dass gerade einmal 1,6 cm dick ist. Aber gutes Aussehen ist nicht alles.

Der Bloggie besitzt nur einen einzigen Knopf, der die Aufnahme starten und beenden kann. Alle anderen Funktionen werden über den Touchscreen gesteuert. Das Interface ist leicht verständlich und steht nicht im Wege, wenn man filmen will.

Sonys Bloggie Touch ist hübsch, aber nicht der beste Camcorder dieses Vergleichs.

Der Speicher des Bloggie kann nicht erweitert werden -es gibt keinen Memoryslot. Der fehlt aber auch beim Flip. Der Bloggie bietet 8 GByte Speicherkapazität. Er kann über USB mit dem Rechner verbunden werden und erlaubt darüber nicht nur den Datenaustausch sondern auch das Aufladen seines Akkus. Dazu kommt als weitere Schnittstelle ein Mini-HDMI-Anschluss.

Der Bloggie besitzt eine Fixfokus-Linse mit f/2,8 und einen Bildsensor mit einer Auflösung von 12,8 Megapixeln für Standbilder. Es dauerte ein bis zwei Sekunden, bis das Gerät bei Innenaufnahmen seine Einstellungen so angepasst hat, dass eine Aufnahme möglich wird. Dieses irritierende Verhalten zeigt das Gerät auch bei Außenaufnahmen. Wenn man etwas unwiederbringliches filmen will, ist diese Justierungspause einfach nervig.

Bei künstlicher Beleuchtung sind die Farben sehr gut und der große Bildschirm, der auch als Sucher fungiert, erleichtert die Bildgestaltung ungemein. Die allgemeine Bildqualität jedoch liegt unterhalb der von Cisco und Kodak. Der Bloggie Touch sieht attraktiv aus, hat einen sehr guten Touchscreen aber er ist auch teurer als die beiden Mitbewerber, die bessere Aufnahmen erzielen.

verschiedene Farben, ab ca. 190 Euro

www.sonystyle.com

Und nun seid ihr dran. Es gibt ja nicht nur diese drei Modelle. Wie sind eurer Erfahrungen mit Einfachcamcordern? Verwendet ihr so etwas und wenn ja, seid ihr mit eurem Modell zufrieden? Was sind die Schwachpunkte? Was ist besonders gut. Schreibt einfach in die Kommentare. [Alan Fackler / Andreas Donath]

[Via Maximum Tech]

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  1. Also die Geräte sind bestimmt nicht schlecht aber zu teuer. Ich habe für meinen Schwiegervater den Kodak ZX1 für um die 55€ besorgt. Das ist das Gerät allemal wert und nimmt auch noch in HD auf. Meist wird aber in einer niedrigeren Qualität aufgenommen was auch nicht schlecht ist. Wer nicht unbedingt wasserdicht benötigt kann sich das Gerät ja auch Mal ansehen. ;O)

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