Das Bitcoin-Experiment könnte schon vorüber sein

bitcoin_01

Dass es lustig war, Bitcoin dabei zuzusehen, wie die virtuelle Währung von Tag zu Tag mehr wert wurde, bestreitet niemand. Wann hat es das schon mal gegeben: Eine quasi anonyme, internetbasierte Währung, die einen Höchststand von 32 Dollar erreichte? Aber wie es aussieht, sind die Flitterwochen von Bitcoin und Community vorüber.

Nachdem der Wert des Bitcoins auf zuletzt 7 Dollar fiel, hat sich Nicholas Jackson vom Atlantic dem Thema gewidmet. Sein Fazit: Das größte Problem von Bitcoin ist, dass es auf nichts basiert. Absolut nichts: „Die Gründe für den Niedergang von Bitcoin sind die selben, die für seine Beliebtheit gesorgt haben. Bitcoins hinterlassen keine Spuren. Es braucht eine gewaltige Portion Rechenkraft, um neue Bitcoins mit einem PC zu erzeugen (natürlich kann man sie auch kaufen, was die meisten Menschen tun). Ein komplizierter Algorithmus hält den Nachschub an neuen Bitcoins konstant. Jede digitale Münze besteht nur aus einer Handvoll Bits und Bytes, ein klein wenig verschlüsselter Code. Es gibt zugrundeliegenden Wert.“

Natürlich kann man dieser Argumentation entgegen halten, dass auch der Wert von Banknoten und (der meisten) Münzen gegen Null geht. Aber hinter den Währungen steht entweder ein realer Gegenwert (wie Gold) oder das Vertrauen der breiten Mehrheit der Bevölkerung in den Wert der Währung, der letztlich darauf fußt, dass man mit einer bestimmten Währung seine Steuern bezahlen kann. Beides ist bei Bitcoin nicht gegeben. Deshalb könnte es ein nerdiges Experiment bleiben. Wer von Euch mehr zum Thema Bitcoins wissen will, dem sei die entsprechende Folge 169 des Chaosradio-Podcasts empfohlen. [Adrian Covert / Tim Kaufmann]

[Via BitCoin Charts, The Atlantic]

Tags :
  1. Der Wert einer Währung besteht nicht darin, dass ich damit meine Steuern zahlen kann… Der Wert einer Währung besteht darin, dass mir eine Bank garantiert, dass ich jederzeit dieses eigentlich wertlose Stück Papier mit den lustigen bunten aufgedruckten Zahlen nehmen kann, damit zur Bank gehen kann, und diese Bank jederzeit in der Lage ist, dieses lustige bunte Zettelchen gegen hübsches glänzendes Gold im Gegenwert der aufgedruckten bunten Zahlen einzutauschen…

    1. Ob Steuern zahlen oder Gold kaufen ist dasselbe. Es geht darum, dass eine grosse Mehrheit darauf vertaut, mit dem Geld etwas bezahlen oder kaufen zu können.

      Ein anderer Wert liegt dem Geld heute nicht mehr zugrunde. Der Goldstandard wurde ausserdem schon lange abgeschafft.

    2. Das ist schon lange nur mehr Theorie. Würden das nur 10% der Bevölkerung machen, dann wäre kein Wechsel in Gold mehr möglich. Die Deckung Geld zu Gold gibt es schon lange nicht mehr.

  2. Aber Gold repräsentiert auch nur einen persönlichen Wert der Menschen

    ICH gründe jetzt die „Bank of Dirt“ und Dreck wird meiner Währung meinen persönlichen Wert sowie Sicherheit geben. Es wird auch keine Schulden mehr geben den Dreck haben wir alle.

    Also bringt alle euren Dreck zur Nationalbank und verlangt den entsprechenden € Wert auf euer Konto zu transferieren.

    1g Dreck (1 Dreckschein) = 100 $ Wert Viel Spaß beim reich werden!

    1. Bei Gold geht es aber nicht nur um den persönlichen Wert (als Schmuck usw) und die daraus resultierende Wertigkeit, sondern schlicht und ergreifend darum dass es auch selten ist und somit eine Wertigkeit hat. Dreck findest du überall…

  3. Überzeugt mich leider nicht, dass hier einfach eine relativ unreflektierte Meinung aus dem Englischen übersetzt wird, ohne neue Inhalte beizutragen. Dass Bitcoins keinen Gegenwert hätten aber Gold per se wertvoll ist, ist schlichtweg Unsinn. Gold hat eigentlich überhaupt keinen Wert für den Menschen, auch wenn man daraus Schmuck machen kann, denn weder Gold noch Schmuck kann man essen. Der Grund, warum Gold einen so stabilen Wert hat ist, dass es sehr wenig davon gibt und neues herzustellen (also abzubauen) sehr kostenintensiv ist (Kosten nun im Sinne von Arbeit). Dadurch bleibt mehr oder weniger immer die gleich Menge Gold im Umlauf. Man kann es nicht fälschen, strecken, kopieren usw. (zumindest nicht, wenn sich derjenige etwas auskennt, dem man es andrehen möchte). All diese Eigenschaften erfüllen Bitcoins, was auch genau die Idee bei deren Entwicklung war. Dass man sie sich nicht um die Brust hängen kann, sollte nur Kleingeister stören. Viel entscheidender ist, dass mit Bitcoins eine sehr viel praktischere Form der SIcherheitsreserve als Gold erfunden wurde. Genau deshalb steigt der Goldpreis nämlich in Krisenzeiten: Die Leute sichern sich ihren Anteil am Weltvermögen an Gold. Nun kann man das mit deutlich weniger Aufwand mit Bitcoins tun. Dass die Währung heftigen Schwankungen unterliegt ist auch vollkommen verständlich. Man muss sich nur einmal vor Augen halten, dass einige Leute 25.000 Bitcoins oder mehr halten. Würden sie diese auf den Markt werfen, wäre sofort der Preis ruiniert. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis man sich auf den Bitcoin-Kurs verlassen kann, aber bezeichnend ist doch, dass der Preis nicht wie in o.g. Artikel prognostiziert immer weiter sinkt, sondern inzwischen wieder ein bisschen angestiegen ist. Der aktuelle Preis entspricht ungefähr dem Strompreis den jemand mit billigem Strom und guter Hardware für einen Bitcoin zur Zeit zahlen muss. Wenn das mal kein Zufall ist…

  4. Ich denke, sowohl der Atlantic-Artikel als auch dieser hier lassen einen sehr wesentlichen möglichen Grund für den jüngsten Werteeinbruch außer Acht: Die Seite mybitcoin.com, die einen Online-Wallet-Dienst anbot, war tagelang ohne Nachricht der Betreiber offline. Nun gibt es eine Mitteilung, die Hälfte der umfangreichen Guthaben seien aufgrund einer Manipulation von Gutschriften verloren gegangen. Nachprüfbar ist das nicht, da der Betreiber völlig anonym ist und mittlerweile wohl jegliches Vertrauen eingebüßt hat. Es ist also nicht klar, wer die Einlagen hat, wohl aber dass sie geklaut wurden.

    Auf jeden Fall erwartet die Community nun einen Abverkauf der erbeuteten Bitcoins und dies drückt sicher auf den Kurs, Unter anderm wird darüber spekuliert, dass es Absicht der Betreiber sei, einen Panikverkauf auszulösen und dabei die entwendeten Coins zuerst teuer zu verkaufen und dann billiger wieder einzukaufen. So ließe sich mit dem Geld der Nutzer auf deren Risiko gewinnbringend spekulieren. Diese Aussicht trägt jedenfalls sicher nicht dazu bei, den Kurs zu erhöhen. Mit einem Sicherheitsmanko von Bitcoin selber hat das nichts zu tun.

  5. Toller Artikel!
    Vor allem die Erkenntniss, dass richtige Währungen durch einen realen Gegenwert gedeckt werden, wie z.B. Gold.
    Wenn der Author dann noch wenigsten EINE EINZIGE Währung, die durch Gold gedeckt ist, benennen könnte…

    Und das ich meinen Euros im Portmoney vertraue, weil ich damit meine Steuern zahlen kann, ist mir auch neu.
    Ich vertraue erstmal dadrauf, dass ich Brot/Butter/Wurst… damit zahlen kann.

    BitCoins ist mit einer „normalen“ Währung sehr gut vergleichbar.
    Beide Währungen (BitCoins und „normale“) basieren auf dem Glauben, dass andere Menschen mir für eine entsprechende Währungseinheit eine Gegenleisstung erbringen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising