Das Ende des Silicon Valley

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Das Ende des Sommers naht und im Silicon Valley geht gleich eine ganze Ära zu Ende. Die Garagenzeiten sind vorbei. Die Zukunft gehört dem Studentenwohnheim. Warum das so ist, lest ihr in unserem Essay zum Wochenausklang.

Die Uni Stanford ist so etwas wie der Urvater des Silicon Valley. Die Geschichte des Silicon Valley ist weitgehend die Geschichte der kalifornischen Universitäten Stanford und Berkeley und Cal Poly. HP, Intel, Apple, Cisco, AMD, Sun Microsystems, und sogar das altehrwürdige Unternehmen Fairchild Semiconductor entstanden letztlich aus den Unis aus dem „Golden State“ Kalifornien.

Viele der größten Unternehmen des 20. Jahrhunderts wurden von College-Kids gegründet. Verrückte High-Tech-Produkte, für die weder Märkte noch praktische Anwendungen existierten, entstanden so, wie zum Beispiel Transistoren und Halbleiter. Entwickelt in den billigsten Kaschemmen, die die Studenten finden konnten. Das Silicon Valley wurde in Garagen, Werkstätten und Schuppen geboren.

Bill Hewlett und Dave Packard starteten HP 1939 in einer Garage. Fast 40 Jahre später baute Steve Jobs und Steve Wozniak Apple in einer Garage auf, die zum Haus von Jobs Eltern gehörte. Heute ist die Apple-Garage schon fast zu einem Wahrzeichen für Geeks geworden und HPs Garage verwandelte sich in ein Museum. Oder sollte man sie besser als Mausoleum bezeichnen?

Mit dem Ausstieg von Steve Jobs bei Apple und HPs wie auch immer gearteten Ausstieg aus dem PC-Geschäft für Privatanwender ist dieser Sommer auch das Ende der Silizium-Ära des Silicon Valley.

Hardware-Startups werden nicht mehr in den Garagen von in Palo Alto oder Menlo Park gegründet. Und das wird auch nie wieder so sein. Solche Projekte sind mittlerweile so forschungsintensiv und arbeitsaufwändig, dass Collegestudenten keine Chance mehr haben, da mitzumischen. Wenn heute ein Hardwareunternehmen gegründet wird, dann in China.

Natürlich gibt es immer noch Startups in Silicon Valley. Was in Silicon Valley passierte, geschah im großen Stil auch in den USA. Und auch in Deutschland hat sich die Unternehmenslandschaft gründlich geändert. Der Wissensarbeiter ersetzt mehr und mehr den Fabrikarbeiter. Ein Gadget mag in Kalifornien entwickelt werden – aber gefertigt wird es dort nicht mehr. Das Zeitalter der Garagen und Werkstätten ist vorbei – das Studentenwohnheim eignet sich nun eher als Keimzelle für Startups.

Das heutige Silicon Valley gehört den Googles, Facebooks und anderen Unternehmen, die in Apartments und den Computerräumen der Unis starteten. Und natürlich in Studentenwohnheimen. Das sind Firmen, die nicht mehr in Hardware sondern in Software „machen“. Sie benötigen keine teuren Belüftungsanlagen und keine teuren Liegenschaften, um loslegen zu können. Garagenplatz ist in Palo Alto übrigens auch nicht mehr preiswert, wenn man sich Craigslist ansieht.

Stanford, Berkeley und Cal Poly sowie die riesigen Venture-Capital-Firmen der Sand Hill Road werden Silicon Valley und die US-amerikanische Wirtschaft weiterhin mit klugen Köpfen und Geld versorgen und Investitionen vorantreiben. Aber das Spiel läuft heutzutage anders.

Eine bekannte Wired-Headline aus dem Jahr 2010 lautete: Atome sind die neuen Bits. Doch die Zukunft des Silicon Valley sind Bits und keine Atome. Garagen als Brutstätten neuer Unternehmen gibt es nicht mehr. Heute wird dort ein Tesla abgestellt.

Auf einen schönen Herbst! Der Sommer war ja wohl in weiten Strecken keiner. [Mat Honan / Andreas Donath]

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  1. Im Silicon Valley wurde doch eh noch nie so richtig produziert, sondern eigentlich nur entwickelt.
    Die Produktion fand immer schon im Billig-Lohn Ländern wie China und sonstwo in Asien statt. Also hat sich in der Hinsicht nichts geändert und kann auch erstmal kein Grund sein warum Hardware-Startups nicht im im SV gegründet werden sollten.

    Merkwürdig in dem Artikel ist auch die Unterscheidung zw Startup aus Garagen- und Studentenwohnheim-Herkunft. Erstens ist es ja das gleiche und zweitens wird im Artikel ja auch gleichzeitig erwähnt dass Garagenstartups immer aus Uni Studenten hervorgingen.
    Irgendwie alles total widersprüchlich verfasst

  2. ja kommt darauf an ob man die Metapher versteht die die Garagen darstellen. Diese stehen für die Entwicklung von Hardware wie es bei HP und Apple der Fall war. Da aber die westlichen Länder auch immer mehr an Produktions know how verlieren, da sie die Produktion in Niedriglohnländern durchführen und der Aufwand einer Innovation im Hardwarebereich deutlich höher ist, wird der Softwarebereich eine größere Rolle spielen. Deshalb keine Studenten in den Werkstätten mehr sondern die Studenten im Wohnheim.

    Guter Artikel!

    1. Hardware enstand auch früher schon nicht wirklich in Garagen. Oder haben damals Bill Gates und Co ihre Platinen und CPUs auf der Werkbank mit dem Schraubenzieher und Hammer gefertigt? wohl nein.
      Und da gerade heutzutage HW-Entwicklung zu 100% Softwaremäßig abläuft, ja sich sogar so gut wie gar nicht mehr von reiner SW-Entwicklung unterscheidet, da HW in speziellen programmiersprachen programmiert wird, ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall wie es hier im Artikel dargestellt wird. Jeder der Lust und Laune hat kann heutzutage ohne große Kosten HW entwickeln und diese dann in Asien fertigen lassen- also müsste es rein nach dieser Logik her dem SV gut gehen.
      Die Suche nach den Gründen ist deutlich vielschichtiger als dieses simple früher war Garagenzeit, heute nicht mehr getexte hier…

  3. Warum habe ich den Eindruck, als wolle Gizmodo das Märchen vermitteln, dass das SV durch das dahinscheiden von Steve Jobs nun am Ende ist.

    Hört auf ihn zu huldigen als würde ohne ihn nichts mehr gehen…

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