Keine Freiheit für die Beatles: EU fordert eine Verlängerung der Schutzfrist für Tonaufnahmen

Schallplatte

„Please Please Me“, das erste Album der Beatles wäre in zwei Jahren frei von Leistungsschutzrechten. Nun will die EU die Schutzfrist für Tonträger von 50 auf 70 Jahre erhöhen. Damit können Alben nicht wie bisher 50, sondern 70 Jahre kommerziell verwertet werden, bevor sie gemeinfrei werden. Eine Enttäuschung für Musikliebhaber.

Seit fast zwei Jahren wird in Deutschland die Verlängerung der Schutzfrist für Tonaufnahmen kontrovers diskutiert. Obwohl das Europaparlament der Verlängerung bereits 2009 zustimmte, hat sie bisher aufgrund einer fehlenden Mehrheit im Ministerrat keine Umsetzung gefunden. Dänemark, das sich vor zwei Jahren gegen die Erweiterung ausgesprochen hatte, hat nun seinen Widerstand aufgegeben. Einem EU-Botschafter zufolge hat sich das Parlament bereits am Mittwoch in Brüssel auf die Verlängerung geeinigt. Der formelle Beschluss soll am Montag, den 12. September durch die EU-Minister erfolgen.

Begründet wird die Entscheidung des Parlaments damit, dass Musiker auch nach mehr als 50 Jahren noch an ihren Aufnahmen verdienen sollen. Weil diese Rechte aber in der Regel schon vorab über Plattenverträge an Produzenten und Musiklabels abgetreten werden, würden aber weniger die ausübenden Künstler, sondern vielmehr die großen Plattenfirmen von der Verlängerung profitieren.

Derzeit sind mehrere Petitionen im Umlauf, die sich gegen die Entscheidung der EU aussprechen.

Foto: Wikimedia Commons

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  1. sehr geehrte musikverwerter,

    das darf doch wohl nicht war sein. statt euch ernsthaft gedanken darüber zu machen wie in zukunft musik gerecht vergütet werden kann (z.b. kulturflat), fällt euch nichts besseres ein als diese schutzfrist um 20 jahre zu verlängern.
    glückwunsch, genau das ist der grund weshalb jeder nach belieben musik kopiert und dabei sich noch vorkommt wie robin hood.
    kann man denn so gierig sein? wie viel habt ihr denn an obigem beispiel, den beatles, denn schon verdient? sorgt doch lieber dafür neue gute musik auf den markt zu bringen die auch zum kauf animiert als den massenkonformen popmist der mir aus dem radio entgegenlärmt.
    eure unbeweglichkeit und eure habgier ist genau der grund weshalb ih in den letzten jahren immer weniger umsetzt mit musikverkäufen. hätet ihr zu zeiten des alten napsters schon geschaltet und digitale musik komfortabel zum download angeboten und zwar für ein zentel des preises einer cd, hättet ihr milliarden mehr statt weniger gemacht.

    ich sag nur macht weiter so und ihr vernichtet diesen geschäftszweig selbst. ich kann nur hoffen, dass die künster selbst eines tages so schlau sind sich von euch abzuwenden und die vermarktung ihrer musik selbst in die hand zu nehmen und den vertrieb wie er heute existiert ganz zu umgehen.

    denkt nach! eurer verhalten kann nicht richtig sein, schaut auf die zahlen. seid mutig und versucht neues. ich möchte wirklich, dass künster auch geld für ihre arbeit bekommen aber so nicht.

    kuno van euten

    1. Tja lieber Kuno, ein guter Beitrag und ich teile Deine Meinung gänzlich, aber leider ist es wohl vergeblich. Die Musikindustrie (vor allem deren Anwälte) zeigt sich seit Jahren vollkommen beratungsresistent. Warum sollten sie auch was ändern? Die Rechtsverdreher kriegen ja noch ausreichend und ansosnten gibt es in dem gesamten Gebilde ja annähernd keine denkenden Organismen. Aber Geduld, sie schaffen es mit tödlicher Sicherheit sich selbst zu versenken, es ist nur eine Frage der Zeit.

  2. @ kuno
    Einer der besten Kommentare die ich hier jemals gelesen habe. Ich Teile deine Meinung und bin gespannt ob das Musikbusiness sich irgendwann mal einen Ruck gibt und nach neuen Wegen der Vermarktung sucht.

  3. @ kuno: mögen die Grundideen zur Industrie auch richtig sein, so muss doch klargestellt werden:

    a) Die Leistungsschutzrechte (um die geht es hier ausschließlich – nicht die Urheberrechte!) werden in der Regel an Künstler und Label zu gleichen Teilen vergütet.

    b) Viele Künstler können sich vertraglich den Labelanteil auch noch sichern. Der umgekehrte Fall ist äußerst selten, da die Künstler direkt ihr Geld (GVL) erhalten. Da müsste das Label schon beim Künstler anklopfen oder es irgendwie verrechnen.

    c) Das Geld dafür stammt größtenteils aus den Werbeeinnahmen der Radio- & TV-Sender. Der gemeine Bürger gibt da nur einen kleinen Teil durch die ZPÜ-Abgabe (einen noch kleineren Teil) dazu.

    d) CDs werden dadurch nicht unbedingt billiger für den Endkunden.

    e) Durch das Urheberrecht sind die Titel sowieso nicht gemeinfrei. Vom Urheberrecht haben in ersten Linie die Komponisten und Schreiber etwas (bzw. die Nachkommen), in zweiter Linie die Verwerter, insofern sie Nutzungsrechte erworben haben.

    f) Die reinen Herstellungskosten eines physikalischen Tonträgers bewegen sich im Bereich von wenigen Cent bis zu ca. 5 Euro je Exemplar (je nach Aufwand bei der Verpackung). Der Vertrieb bewegt sich zwischen ca. 15 – 30 %. Server kosten Strom, Downloads kosten Traffic. Webmaster und Admins kosten auch Geld. Der elektronische Vertrieb (z. B. iTunes) will weiterhin sein Geld, auch wenn er kein Plattenladen betreibt. Alles zusammen kann ein Album nicht ein Zehntel kosten.
    Aber durch Einzeldownloads könnte man als Endkunde zumindest die „Fillers“ ( die Schrott-Tracks) weglassen und somit Geld sparen. Nur wenige Alben haben noch die Qualität sie vom 1. bis zum letzten Titel hören zu können.

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