Ausprobiert: Facebook Timeline

xlarge_fbtimelinereview2

Im Film "The Social Network" beschreibt Zuckerberg sein Projekt als Abbildung des Collegelebens im Internet. Nun hat der echte Zuckerberg ein Projekt vorgestellt, dass unser gesamtes Leben facebooken soll. Es ist erschreckend gut gemacht.

Warum es wichtig ist

Die „Timeline“ ist die wichtigste Funktion, die Facebook jemals eingeführt hat. Bald werden 750 Millionen Teilnehmer von Facebook darauf zugreifen können. Die Timeline ersetzt das bisherige Profil und soll das gesamte Leben des Anwenders abbilden. Timeline soll eine visuelle Abfolge eures Lebens werden und mit der Geburt beginnen. Mit was es enden soll, kann sich jeder denken. Liebe, Verlust, Freundschaft, Geburtstage, Trennungen, Haustiere und Besäufnisse: Das soll alles in die Timeline. Sie soll euere Leben repräsentieren und wird mit dem gespeist, was ihr online gestellt habt.

So funktioniert’s

Facebook Timeline ist wunderbar – diese Worte gehen mit nicht leicht über die Lippen. Die meisten Änderungen bei Facebook sahen in der Vergangenheit so aus, als sei ein Programmierer in Gestalt eines Grafikdesigners mit einer massiven Persönlichkeitsstörung ans Werk gegangen. Timeline sieht hingegen nicht nur sehr gut aus, sondern ist auch wunderbar benutzerfreundlich. 

Die chronologische Abfolge der alten Wall wird beibehalten aber begleitet von allem, was man jemals bei Facebook gemacht hat: Statusupdates, Wallpostings und Fotoverschlagwortungen zum Beispiel. Je weiter man herunterscrollt, desto weiter geht man in der Vergangenheit zurück. Monate und Jahre fließen am Anwender vorbei. Wieviel da zu sehen ist, hängt natürlich davon ab, wie lange und wie aktiv man bei Facebook ist. Wer will, kann manuell „Lebensereignisse“ (Life Events) hinzufügen, um zum Beispiel in der Timeline auch Hochzeiten, Abschlüsse und ähnliches einbinden zu können. 

Was uns gefällt

Facebook Timeline erlaubt die Erstellung einer reichhaltigen Onlinebiografie. Das ist etwas vollkommen anderes als die bisherigen Facebook-Belanglosigkeiten. Wie mit Timeline das eigene Leben am Bildschirm vorbeiscrollt, habe ich bei bislang noch nie zuvor gesehen. 

Das bisherige Facebook war wie eine ungeordnete Sammlung von alten Polaroids, Reisesouvenirs und Postkarten. Timeline hingegen ist eher wie ein ledergebundenes Fotoalbum. 

Facebook sieht damit nicht mehr wie eine Sammlung von miesen JPEGs und Textblasen aus sondern wie eine Autobiografie. Was man daraus mit anderen Teilen will, kann man selbst entscheiden. 

Was uns nicht gefällt

Es gibt teilweise noch böse Fehler in der Timeline. Wir haben eine Vorabversion ausprobiert, so dass man das verzeihen kann. Es fehlten zum Beispiel zahlreiche Bilder, obwohl sie im Fotobrowser zu sehen sind. Außerdem fehlen viele Konversationen, aber das kann ja alles noch kommen. 

Außerdem wirkt Timeline ziemlich aufgeplustert. Beim alten Facebook wirkte alles recht steril,  spartanisch und segmentiert. Timeline ist zwar kein totales Chaos aber wem das alte Design gefiel, wird vielleicht etwas geschockt sein. Aber das Leben ist auch ein ziemliches Durcheinander und nicht so geordnet, wie man sich das vielleicht wünscht. 

Sollte man es verwenden?

Außer man verlässt Facebook, hat man keine Wahl. Die Timeline ist nicht optional sondern für jeden Anwender von Facebook obligatorisch. Timeline wird in den nächsten Wochen für jeden User eingeführt. Aber will man wirklich sein Leben auf Facebook dokumentieren und die Lücken füllen und alles nachpflegen, was wichtig erscheint?  Wem die Idee gefällt, eine Autobiografie zu schreiben, der wird die Timeline lieben. Wer die Idee hingegen abstoßend findet, sollte lieber aussteigen, denn Timeline wird ein gigantischer Datenspeicher werden, den man selbst durch die Aktivitäten auf Facebook füllen wird. Für die Social-Network-Idee an sich ist Timeline hingegen eine enorme Bereicherung und wird Nachahmer finden.  [Sam Biddle / Andreas Donath]

Tags :
  1. Äußerst bedenklich und für mich ein GRund mehr Facebook fern zu bleiben.
    In diesem Zusammenhang verweise ich gern auf folgenden Artikel (übrigens bei weitem nicht die einzigste Quelle zu dem Thema):

    http://winfuture.de/news,65767.html

    Zitat:
    „Aktuell werden Daten, die einmal auf der Plattform bereitgestellt wurden, für immer vorgehalten. Weder Nachrichten, noch Chat-Protokolle oder Fotos lassen sich real löschen, sondern verbleiben in den Datenbanken.“

    Lasst Euch das mal durch den Kopf gehen…

    Facebook? Nein danke!!!!!!

  2. wir sollten in der zukunft leben und nach vorne schauen und nicht ständig an unsere vergangenheit denken, natürlich ist es mal toll fotos von früher rauszuholen und in errinerungen zu schwelgen, aber mit dieser timeline macht man das tagtäglich und das ist nicht gut.

  3. Hätte das ehemals SED-Regime vor 25 jahren die gleiche Macht wie Facebook,Apple,Google und Co würde die Mauer heute nicht stehen.Das FBI und alle geheimdiensten freuen sich schon.Bei bewerbungen auf ne neue Stelle kann ich mir gut vorstellen das Personalchefs immer ein grund finden um jemand nicht einzustellen.Sie waren mal straffällig vor 15 jahren.!!!x-( …. Ein grund mehr nicht bei facebook.Wùrde zugern wissen, wieviel leute heute per internet bedroht, beleidigt,staking,identitätsdiebstahl,mit dem leben bedroht etc.. und alles frei zugänglich und mit einer verharmlosung der bedrohung eines virus das man kaum mehr losbekommt.Ich sehe schlimme und schwarze zeiten in den nächsten 8 jahren auf und zukommen.

  4. Mir macht diese Datensammelwut Angst. Warum soll man einem amerikansichen Unternehmen alles von sich offenbaren? Wenn es wenigstens eine Löschfunktion geben würde. Oder das ganze Angebot optional anwendbar. So kommt es mir vor, wie eine Datendiktatur.
    Es gab es ein Leben vor Facebook und es wird auch eines ohne geben.

  5. es ist eine tolle idee allerdings auch gleichzeitig erschreckend wenn ich an datenschutz denke.

    ueber datenschutz aufregen? macht eh kein sinn da wir alle seit jahrzehnten glaesene buerger sind! da spielt die datensammlung von FB keine rolle mehr!

  6. Nun ja, Sorgen müssen sich wohl in erster Linie die machen, die bisher auch der Meinung waren, dass es irgendwen interessiert, wie der morgendliche Stuhlgang war. Mit anderen Worten: Man kann FB alles aus seinem Leben mitteilen, muss man aber nicht….

  7. Also ich weiß noch nicht, was ich von der neuen Timeline halten soll. Sicherlich finde ich es eigentlich super, nur wie Jeder will ich nicht meine Daten so gecrawled, gespeichert und verschleudert wissen. Man wird sehen was passiert.
    Sicher ist, dass facebook damit einen riesen Schritt machen wird und seine Marktführerschaft weiter ausbauen wird.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising