Hightech-Exoskelette ermöglichen Rollstuhlfahrern das Laufen

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Neben dem iPad und dem Iron Man Suit listet das Time Magazin das Exoskelett der Firma Ekso Bionics als eine der besten technischen Innovationen des Jahres 2010. Übertrieben sind diese Lorbeeren nicht, schließlich hat der Hersteller mit seinem Exoskelett fast ein biblisches Wunder vollbracht: Es lässt die Lahmen wieder gehen. Wir waren live dabei.

Inspiriert wurde die neue Gehhilfe für Körperbehinderte durch die Exoskelette der US-Army, die Soldaten das Tragen von rund 100 Kilogramm Last erlauben. Auf einer Pressekonferenz in München präsentierte uns CEO Eythor Bender, welch lebensverändernde Wirkung ein Exoskelett für Köperbehinderte haben kann.

„Ich bin mit euch auf Augenhöhe“
Als Testpilotin hat Ekso Bionics Amanda Boxtel aus Colorado dabei. Seit einem Skiunfall vor 20 Jahren sitzt die 43-Jährige im Rollstuhl. Es gibt vieles, das Amanda neben der Bewegungsfreiheit seitdem vermisst hat: Alleine an die oberen Regale ihres Hauses zu reichen zum Beispiel, oder das das Gefühl, dass ihre Beine durch die Bewegung warm werden. „Sie werden nie wieder gehen können“, sagten ihr die Ärzte nach ihrem Unfall. Falsch gedacht! Denn zwei Jahrzehnte später sitzt Amanda am Münchner Stachus und schnallt ihre Füße, Unter- und Oberschenkel in ein Exoskelett. Auf dem Rücken trägt sie wie einen Rucksack einen Computer. Dann nimmt sie ihre beiden Krücken, beugt sich vor – und steht mit erstaunlicher Leichtigkeit auf. Unter dem Applaus der Menge läuft sie ohne menschliche Stütze zielstrebig durch die Fußgängerzone auf das Karlstor in München zu.

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Noch gibt es Verbesserungsbedarf

Amandas Hilfe, das 20 Kilo schwere Exoskelett, ist dabei für seine Trägerin kaum spürbar und kann einfach über ihre gewöhnliche Alltagskleidung gestreift werden. Die eigenständigen Schritte ermöglichen vier Motoren, je zwei an der Hüfte und zwei im Kniebereich. Gesteuert wird das Gerät über einen Controller oder die in die Krücken integrierte Fernbedienung. „Wenn ich es trage und herumlaufe vergesse ich die Zeit. Oft muss man mir sagen: ‚Amanda, es reicht‘.“, erzählt die Testpilotin glücklich. Wirklich unabhängig ist Amanda aber auch mit Hilfe des Exoskeletts noch nicht. Zum einen reicht der Akku des Geräts nur für rund 4 Stunden, zum anderen muss das Gerät noch immer von einem Dritten überwacht werden: „Alleine lassen können wir Amanda damit noch nicht. Es gibt vieles, das noch verbessert werden muss.“, schränkt Eythor Bender von Ekso Bionics ein.

Auslieferung für Reha noch 2011

In seiner derzeitigen Ausführung wird das Exoskelett deshalb auch nur in der Reha zum Einsatz kommen. Ausgeliefert werden die Geräte Ende des Jahres in den US-Kliniken, die europäischen Länder sollen im März/April 2012 folgen.

Langfristig ist aber eine Weiterentwicklung geplant, mit der Querschnittsgelähmte wie Amanda wieder eigene Schritte wagen können. Bis es soweit ist, muss Ekso Bionics aber noch einiges an dem Gerät schrauben. „Bisher ist die Bewegung nach unten noch nicht möglich. Das ist aber vor allem bei Rollstuhlfahrern wichtig, die ihre Einrichtung auf eine niedrige Höhe ausrichtet haben.“, so Bender. Vor allen Dingen muss das Exoskelett aber so umgebaut werden, dass keine Sicherung von außen mehr nötig ist und der Nutzer das Gerät ohne fremde Hilfe bedienen kann. Die ersten eigenständigen Geräte, die es Körperbehinderten tatsächlich erlauben, aus ihren Rollstühlen aufzustehen, wird es deshalb erst in 3-4 Jahren geben. Die Anschaffungskosten für das Gerät werden etwa denen eines Kleinwagens entsprechen. Ekso Bionics werde sich aber auf jeden Fall um einen Preis bemühen, der auch von Krankenkassen gezahlt werden kann, versichert Bender. Amanda Boxtel jedenfalls ist zuversichtlich: „Ich habe Muskeln, die sich auf natürliche Weise bewegen. Ich denke, es gibt nichts Besseres.“

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