Kurztest Canon Powershot S100: Viel Gutes und ein böser Fehler

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Die Canon S100 ist wie ihre Vorgänger der S-Serie die nahezu perfekte Kompaktkamera mit einigen Nachteilen, die aufgrund ihrer Größe entstehen. Es gibt zahlreiche verrückte Gimmicks, die der Kamera aber fast zum Verhängnis werden.

Die S100 soll mehr sein als nur eine superkompakte Kompaktkamera, die hervorragende Bilder macht. Sie soll auch als Videokamera geeignet sein und nimmt Full-HD (1920×1080) auf. Mit zahlreichen manuellen Einstellmöglichkeiten und einem GPS-Empfänger versucht sie auf vielen Hochzeiten zu tanzen.

Die S100 enthält jede Menge neuer Hardware, die Canon bislang sonst kaum einsetzt. Sie ist erst die zweite Kamera, die mit dem neuen Digic 5-Bildprozessor ausgestattet ist. Er soll sechs Mal schneller sein als sein Vorgänger. Er verbessert vor allem den automatischen Weißabgleich und die Rauschunterdrückung. Der Vorgänger Digic 4 wurde in so ziemlich allem eingesetzt, was Canon in letzter Zeit produzierte. Er steckt nicht nur in der Canon S95 sondern auch in DSLRs wie der 5D Mark II. Canon hat im Vergleich zur S95 den 1/1,7 Zoll großen CCD-Sensor mit 10 Megapixeln gegen einen gleichgroßen CMOS-Sensor mit 12 Megapixeln Auflösung ausgetauscht. Es ist Canons erste Kompakte mit einem CMOS-Sensor.

Im halbmanuellen Modus (Blenden- oder Zeitprioriät) wird der variable Teil (Blende oder Verschlusszeit) mit dem Funktionsring am Objektiv gesteuert. Ein Klick-Rad auf der Rückseite dient der Menü-Navigation. Auf der Oberseite befindet sich ein Funktionswahlrad mit den Modi Av, Tv, P, M und C. Außerdem kann hier der Filmmodus eingestellt und mit der Record-Taste auf der Rückseite gestartet und beendet werden.

Diverse Einstellungen befinden sich immer noch hinter der Funktionstaste, die auf die Rückseite sitzt und das Menü aufruft. Im Bildschirmmenü sind im Vergleich zu früheren S-Modellen sehr viele neue Einstellungen hinzugekommen. Früher befanden sich hier nur Parameter wie ISO, Weißabgleich, Format und der Wahl der Belichtungsmessung.

Einige der neuen Funktionen klingen sehr verlockend, wie die neue Hochgeschwindigkeitsaufnahme mit 8 Serienbildern oder eine Superzeitlupe für Videos. Aber es gibt zahlreiche Optionen und Einstellungen, die man vermutlich niemals wieder benötigt. Die GPS-Funktion wird ebenfalls über das Kameramenü gesteuert.

Was uns gefällt

Das Fotografieren wird mit der S100 zum Vergnügen. Es macht Spaß, mit dem Apparat zu arbeiten und die Ergebnisse sind hervorragend. Selbst wenn man ein Smartphone mit 8 Megapixeln dabei hat – die kleine Canon nimmt man gerne mit. Die Fotos sind fabelhaft und das liegt auch am neuen Digic 5.

Der neue 12-Megapixel-Sensor macht scharfe Bilder mit 4000 x 3000 Pixeln. Die Lichtempfindlichkeit kann bis maximal ISO 6400 hochgedreht werden, doch sollte man besser unter ISO 1600 bleiben, es sei denn es ist absolut notwendig. Der Freihand-Nachtmodus kann nun im Vergleich zu früheren Modellen Fotos in voller Auflösung aufnehmen und der automatische Weißabgleich misst die Farbtemperaturen an mehreren Stellen des Bildes. Die manuelle Einstellung der Farbtemperatur wird so fast überflüssig. Und die Kamera kann neben JPEGs auch RAW aufnehmen.

Die Kamera arbeitet extrem schnell. Der Autofokus findet praktisch sofort den Schärfepunkt und die Aufnahmeverzögerung ist nicht mehr spürbar. Verpasste Fotosituationen gibt es nur noch, wenn man selbst zu träge ist, im richtigen Moment abzudrücken.

Alles andere an der Kamera sind gern gesehene Gimmicks. Die HD Videos und die Zeitlupenfunktion sind in Ordnung. Die eingebaute GPS-Funktionalität ist kein must-have, aber sie macht es einfach, die Fotos auf der Karte entweder mit der mitgelieferten Canon-Software oder mit anderen Tools zu verorten.

Was uns nicht gefällt

Die Kamera ist so klein, dass man sie immer dabei hat. Doch nach wenigen Fotos ist Schluss. Der Digic-5-Prozessor zieht einfach zuviel Strom – oder ein anderer Teil der Kamerakonstruktion. Nach 200 Fotos ist der Akku leer. Das ist extrem wenig und passierte bei den Vorgängern S95 und S90 nicht.

Canon steckte neben dem neuen Prozessor auch einen höher auflösenden Sensor, akkuverzehrende Funktionen wie HD-Video und einen Hochgeschwindigkeitsmodus sowie GPS in die Kamera. Den Akku machte Canon zwar auch leistungsfähiger (von 3.7 V 1000 mAh nach 3.7 V 1120 mAh) doch das reichte nicht.

Wer mit der S100 glücklich sein will, benötigt also mindestens einen zweiten Akku. Dann kann man auch über die kleinen Probleme hinwegsehen, die das Design plagen. Neben dem schon erwähnten überfüllten Menü ist die Betonung auf niedrige Verschlusszeiten in den Automatikeinstellungen nervig, wenn man leicht zittrige Hände hat.

Fazit

Die Canon S100 ist eine erstaunlich gute Kamera. Aber ich würde sie nicht kaufen. Es gibt viele gute Gründe, die für die Kompaktkamera sprechen. Sie ist klein, schnell und macht gute Bilder und sie bietet viele Funktionen zu einem günstigen Preis. Aber das nutzt alles nichts, wenn sich die Kamera nicht mehr einschalten lässt, weil der Akku leer ist. Wenn Canon beim Nachfolger diese Kinderkrankheit beseitigt, ist sie uneingeschränkt empfehlenswert.

Die Canon PowerShot S100 soll in Deutschland ab Mitte November 2011 für rund 450 Euro erhältlich sein.
[Mario Aguilar / Andreas Donath]

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  1. Ich bleib lieber bei meiner Sony DSC-HX9V. Ist zwar hart an der Grenze was das einstecken in die Hosentasche angeht, aber macht für mich die bisher besten Fotos die ich bisher bei einer Kompaktkamera gesehen habe. Davon ganz abgesehen das ich locker 500 Fotos hinbekomme ohne nachzuladen.

    1. Ich habe die HX7, das Schwesternmodell und ich kann nur vor dem Kauf der HX7 abraten. Alles Fotos wirken von der Bildqualität weichgezogen, ein extrem hoher Bild- und Texturverlust ist vorhanden, auch bei der HX9!
      Daher kann ich diese Bewertung überhaupt nicht teilen, außerdem werden grüne Flächen viel zu hell – ausgeblichen wiedergegeben. Alles in allem, die Funktionen sind Top, da haben alle Hersteller Nachholbedarf! Aber was nutzt das alles, wenn die Bildqualität nur ausreichend ist?

  2. Erstmal danke für den Kurztest, darauf habe ich gewartet.
    Ich habe die S95 und überlegte mir schon umzusteigen, aber ich glaube ich bleibe bei meiner. Mit der schaffe ich fast 400 Bilder und 10 Minuten Video mit einer Akkuladung. GPS ja OK, aber ich brauch es nicht, geht auch so. Full HD währe ein Argument für mich. Was ihr nicht geschrieben hat und das reizt mich schon, die S100 hat einen verschiebbaren Fokus, das hat die S95 nicht und das vermisse ich schon. Hätte Canon wohl mit einem Firmwareupdate auch regeln können, aber jetzt sicher nicht mehr.

    Ich warte auf die S110? :-)

  3. Die Anzahl der Bilder als K.O.-Kriterium? Sehr merkwürdig, zumindest für jemand, der noch aus der Zeit kommt, als 36 Bilder auf dem Film State of the Art waren.

    Nee, mal im Ernst. Die wenigsten Leute die ich kenne machen pro Tag mehr als 100, geschweige denn 200 Fotos. Für wen ist des denn wirklich ein Ausschlussgrund?

    Viel interesannter wäre es bei dem Test allerdings gewesen, ein Beispielvideo zu sehen, oder Beispielbilder, die etwas großer als eine Sonderbriefmarke sind.

    1. Testvideos könnt ihr auf Youtube in FullHD anschauen!
      Sieht für mich für ein DigiCam sehr sehr gut aus. Das die Cam nur mit 24 fps aufnimmt finde ich nicht so schlimm, da die FullHD fernseher in PAL eh nur 24 bzw 25 Bilder pro sek. abspielen.
      Daher weis ich gar nicht was 50 Bilder die sek. bringen sollen, aber ich bin ja kein experte in der Beziehung.
      Bin aber sehr sehr gespannt auf noch mehr testberichte, bzw. erfahrungsberichte von usern.

      1. @MadMax
        Danke für den Tip mit den Testvideos. Die hatte ich die letzten Wochen glatt übersehen. Die Videoquaität macht einen sehr guten Eindruck, auch bei Lowlight schlägt sich die S100 tapfer. Die Mikrofonaufnahme finde ich auch o.k. – jedenfalls bin ich aktuell bei meiner Lumix etwas anderes gewöhnt (da rauscht es permanent).

        Einziger Negativpunkt. Der Zoom scheint etwas hakelig zu sein.

  4. Also habe ich laut Test die Oual der Wahl, entweder 200 gute Fotos oder 500 weniger gute.
    Ich jedenfalls weiss, wofür ich mich entscheide. Ansonsten schliesse ich mich der Meinung von Klartext an. Vielen Dank für den aufschlussreichen Test.

  5. Top Technik für TOP BILDER!!!
    Das ist doch was zählt!
    Wenn’s denn so wäre mit der Akkukapazität (habe mit meiner S100 – als Nachfolgerin meiner S90 – diese Erfahrung bisher selbst nicht gemacht. Die GPS-Funktion ist an meiner S100 allerdings auch permanent ausgeschaltet!) hab’ ich auch immer einen geladenen Reserveakku dabei!
    ICH kaufe jedenfalls keine Cam mit schlechteren Bildergebnissen für mehr Akkulaufzeit!

    1. Meine S100 hat jetzt ihren ersten Bergurlaub hinter sich. Hierbei war mir die Akkukapazität nicht ganz unwichtig, denn ich will nicht für jedes Gerät ein Ladegerät mitnehmen. Offensichtlich fotografiere ich nicht dem CIPA DC-002 Standard entsprechend.
      Der Originalakku hat bei mir für 450 Bilder (fast alle ohne Blitz) und ca. 5 Min Video gereicht. Ein Zweitakku von Ansmann hat nicht mal 150 Bilder geschafft.

      Die Bilder sind wie erwartet TOP. Die Videos wg. des Tons (Nebengeräusche beim Zoomen und Scharfstellen) nicht zu gebrauchen.

  6. Bin mit der Bild- und Videoqualität sehr zufrieden. Das Zoomen während des Filmens ist zwar möglich, aber nicht brauchbar in der Praxis wegen der aufgezeichneten Zoomgeräusche, die auch die Aussteuerungsautomatik für den Ton beeinflust (aufgenommene Musik wird kurzfristig leiser während des Zoomens).
    In der Praxis sind mir noch zwei weitere Schwächen im Handling aufgefallen:
    1) Beim beidhändigen Fotografieren kommt es öfter vor, dass grad der linke Finger auf dem Blitz zu liegen kommt, der im Automatikmodus dann unverhofft ausfährt und einen damit überrascht.
    2) Meiner Meinung hätte die Anordnung von Moduswahlrad und Auslöser vertauscht werden sollen. So kommt es insbesondere bei Schnappschüssen häufiger vor, dass der Finger zum Auslösen auf dem Moduswahlrad landet, weil der Auslöseknopf seitlich zu weit innen angeordnet ist.

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