Kurztest: Galaxy Nexus – Zwei Schritte vor, einer zurück

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Das erste offizielle Android 4.0 Smartphone (Ice Cream Sandwich) in Form des Samsung Galaxy Nexus ist seit Monaten Tagesgespräch bei den Fans. Wir haben es uns einmal angesehen.

Das Galaxy Nexus von Samsung ist groß und erstaunlich leicht – und fühlt sich nicht billig an. Das iPhone 4S wirkt im Vergleich winzig. Aber der 4,65 Zoll große Bildschirm sollte euch nicht abschrecken – so groß ist das Smartphone nun auch nicht. Außerdem wird ein Teil des Bildschirms für die eingeblendeten Navigations-Buttons verwendet, so dass häufig nur ein 4,3 Zoll Bildschirm „übrig bleibt“. Wenn ein Spiel oder ein Video aufgerufen wird, verschwinden die Buttons natürlich.

Im Gehäuse des Nexus steckt mehr Metall als im üblichen Samsung-Smartphone, so dass  das Gerät sehr solide wirkt. Und obwohl es deutlich größer ist, wiegt es sogar 5 Gramm weniger als ein iPhone 4S. Außerdem ist es etwas flacher.

Der Micro-USB-Anschluss befindet sich mittig an der Unterseite des Geräts. Das ist in Ordnung. Leider befindet sich der Kopfhöreranschluss neben einer LED ebenfalls an der Unterseite. Mit der LED wird der Anwender benachrichtigt, wenn eingehende Meldungen
anstehen. Diese seltsame Anordnung wirkt fast so, als hätten die Designer beabsichtigt, dass man das Handy verkehrt herum in der Hemdtasche trägt. Ein Auslöseknopf für die Kamera fehlt leider.

Was uns gefällt

Der Bildschirm ist wunderbar. Der erste Super AMOLED HD-Bildschirm mit einer Auflösung von 1280×720 Pixeln zeigt lebendige Farben und sehr tiefes Schwarz. Gegenüber dem iPhone 4S ist die Pixeldichte etwas geringer. Das Nexus kommt auf 316 ppi und das iPhone auf 330 ppi. Für Filme oder hochauflösende Spiele ist es dennoch bestens geeignet.

Mit einem Smartphone will man natürlich auch telefonieren. Die Sprachqualität war bei unseren Tests für beide Gesprächspartner extrem gut. Ein NFC-Modul ist ebenfalls enthalten, so dass irgendwann einmal mit dem Smartphone auch mobil bezahlt werden kann. Und ein Barometer ist ebenfalls an Bord.

Die Akkulaufzeit ist hervorragend – bei eingeschaltetem UMTS lief es auch bei heftiger Nutzung im T-Mobile-Netz fast einen ganzen Tag. Andere Android-Schwergewichte wie das Droid RAZR oder das HTC Amaze 4G können da nicht mithalten.

Das Nexus ist sehr schnell, aber da es derzeit das einzige Gerät ist, auf dem Android 4.0 offiziell läuft, fällt der konkrete Vergleich natürlich sehr schwer und vielleicht kommen die Geschwindigkeitszuwächse ja vom neuen Betriebssystem.

Dennoch: Die Benutzung ist extrem flüssig, das Scrollen von Webseiten ist schneller und funktioniert weicher als bei allen anderen mobilen Browsern. Auch die Kamera reagiert extrem schnell und die Auslöseverzögerung ist kürzer als die beim iPhone 4S (und allen anderen Smartphones).

Der nächste Verwandte des Nexus Galaxy ist das Galaxy S II. Das Samsung-Handy war der Android-Star des Sommers und er ist in einigen Bereichen immer noch schneller als das Nexus. Im Bereich Javascript und dem BrowserMark-Benchmark schlägt das Nexus zwar das SII und das iPhone 4S, aber beim Grafiktest hat das SII die Nase vorn.

Im Quadrant Standard-Test schafft das SII einen Durchschnittswert von 3316 gegenüber 1785 beim Nexus. Außerdem öffnet das SII Apps schneller. Es kann aber sein, dass die Quadrant-App noch nicht für ICS ausgelegt ist.

Die Kombination aus dem Exynos-Prozessor und der überragenden Mali 400 GPU im S II scheint einfach schneller zu sein als der OMAP-Prozessor und die SGX 540 GPU im Nexus. Warum Samsung nicht die Innereien des S II ins Nexus verpflanzt hat ist ein ungelöstes Rätsel. Es gibt Gerüchte, dass es Kompatibilitätsprobleme gab. Die Geschwindigkeitsunterschiede fallen besonders bei grafiklastigen Spielen auf.

Was uns nicht gefällt

Das Galaxy Nexus ist eines der wenigen Android-Geräte, denen ein MicroSD-Slot fehlt. Die Lautstärke der Lautsprecher ist unterdurchschnittlich und die LED-Benachrichtigung pulsiert zu langsam und unauffällig, so dass sie leicht übersehen wird. Der fehlende Kamerauslöser ist extrem nervig und es ist (für Außenstehende) unverständlich, warum Samsung nicht die Exynos/Mali-Kombination als CPU und GPU verwendete, die im Galaxy S II eingesetzt wird.

Und trotz aller Verbesserungen, die Ice Cream Sandwich mitbringt, gibt es kleine Problemchen. Nicht alle alten Apps funktionieren einwandfrei. Andere Schwierigkeiten im Schnelldurchlauf:

Unter „Accounts and Sync“ besteht die Möglichkeit, ein Facebook-Konto anzugeben, aber dieser Knopf ist (noch) funktionslos.

Die Gesichterkennung zum Entsperren ist cool, funktionierte aber nur in 40 Prozent aller Fälle. Das liegt wohl auch an der Belichtungsautomatik der Kamera. Wenn Licht im Hintergrund ist, wird die Belichtung darauf angepasst und das Gesicht ist zu dunkel. So kann die Gesichtserkennung offenbar nicht funktionieren.

Das Schlechteste am Nexus ist jedoch die Kamera. Warum Samsung das 5-Megapixel-Modell verwendete, ist unklar. Die recht geringe Auflösung wäre gar nicht so schlimm, wenn die Bildqualität stimmen würde. Selbst bei hellem Tageslicht sind die Farben ausgewaschen und bei schlechter Beleuchtung ist das Bildrauschen unerträglich stark und im Gegensatz zur Konkurrenz sind die Bilder nicht besonders scharf.

Da nutzt es auch nichts, wenn die Kamera-App komplett überarbeitet wurde und sogar Zeitrafferaufnahmen, Panoramen und Gesichts-Morphingfunktionen bei Videoaufnahmen bietet. Eine Übersicht über die Bildqualität im Vergleich zum iPhone 4S, dem Galaxy S II und dem HTC Rezound bietet unsere Bildergalerie auf Flickr.

Darüber gibt es ein Youtube-Video in HD, dass mit dem Nexus aufgenommen wurde.

YouTube Preview Image

Fazit

Das Nexus ist zweifelsohne ein gutes Smartphone. Das einzig Schlechte daran ist die Kamera. Aber auch damit kann man es problemlos als das derzeit beste Android-Telefon bezeichnen, dass es derzeit gibt. Die Verbesserungen von Ice Cream Sandwich gegenüber Gingerbread sind phänomenal. [Brent Rose / Andreas Donath]

Galaxy Nexus Spezifikationen

OS: Android 4.0.1
Bildschirm: 4,65 Zoll 1280 x 720 Pixel, Super AMOLED HD
CPU und RAM: 1.2 GHz Dual-Core TI OMAP / 1 GByte RAM
Speicher: 16 GByte oder 32 GByte
Kameras: Hinten: 5 MPixel/1080p, Vorne: 1,3 MPixel
Gewicht: 135 gramm
Akku: 1750 mAh

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  1. Das bestätigt genau meine Meinung. Ich bin einfach nicht richtig von dem Smartphone überzeugt, aufgrund der oben genannten Kritik. Hinzu kommt das mir das Design nicht gefällt. Ich glaube wirklich, dass man mit dem Galaxy s 2 mit installiertem Android 4.0 besser dran ist. Gruss

  2. warum sich nach eurer aussage der anschluss der kopfhörer „leider“ unten befindet, verstehe ich nicht ganz. ich ziehe mein handy doch immer so aus der tasche, das ich gleich draufschauen kann. somit finde ich es so herum richtig und bin froh, das samsung das so gemacht hat.

    1. Sehe ich ähnlich. Also ich damals vom iPod Touch (Kopfhörer-Anschluss unten) zum iPhone gewechselt habe (Kopfhöreranschluss oben) hat mich diese Anordnung auch gestört. Ständig war das Kopfhörer-Kabel vor dem Display. Beim Wechsel zu Android war dies dann eines der positiven Dinge, der unten liegende Kopfhöreranschluss.

    2. bin auch der meinung das ein Kopfhörer anschluss definitv nach unten gehört! …es ist einfach viel praktischer und ich hoffe das sich noch viele Hersteller ein Beispiel daran nehmen werden!

  3. „Nicht alle alten Apps funktionieren einwandfrei“ – Hallo?!
    ICS ist seit knapp nem Monat draußen und ihr beklagt euch, dass nicht alle Apps fehlerfrei laufen? Ich habt doch einen am laufen! Das ist doch mehr als gut, wenn nur noch wenige NICHT funktionieren nach nur 1 MONAT!

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