Kopimismus: Schweden erkennt Filesharing als offizielle Religion an

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Filesharing ist weltweit verbreitet und wird aus den verschiedensten Gründen betrieben. Während es manchen schlicht an Geld mangelt, machen es andere einfach aus Spaß an der Sache. Dazwischen gibt es jedoch auch so manch einen, der Filesharing aus religiöser Überzeugung betreibt. Seit 2010 kämpfte so der schwedische Philosophie-Student Isak Gerson für die staatliche Anerkennung seiner Kirche des „Kopimismus“. Nun wurde dem Antrag auf Anerkennung stattgegeben.

Bereits zwei Mal scheiterte ein Antrag bei den schwedischen Behörden, den Kopimismus als offizielle Religion anzuerkennen. Erst als die Kopimisten formale Richtlinien für Gebet und Meditation festlegten, wurde die Kirche auch von staatlicher Seite anerkannt. Zu den heiligen Sakramanten der Kirche zählen unter anderem die Tastenkombinationen „Ctrl+C“ und „Ctrl+V“. Die Kopimisten glauben daran, dass sich der Wert einer Information durch das Kopieren vervielfältigt. Heilig sind neben dem Kopieren vor allem Wissen und Kommunikation. Als Sünde wird das Überwachen und das Belauschen von Menschen angesehen.

Nach der offiziellen Anerkennung seiner Religion hofft Gründer Gerson, dass sich immer mehr Menschen als Kopimisten outen. „Viele Menschen sind noch immer besorgt, sie könnten ins Gefängnis gehen, wenn sie kopieren oder remixen. Ich hoffe im Namen der Kopimisten, dass sich das ändern wird“, so Gerson gegenüber TorrentFreak.

Innerhalb des letzten halben Jahres konnte die Missionarische Kirche des Kopismus die Anzahl ihrer Mitglieder von 1.000 auf 3.000 bereits verdreifachen. Mit den aktuellen Neuigkeiten erwartet die Kirche einen noch weitaus größeren Zulauf. Mitglied kann jeder werden, der einen Internet Anschluss besitzt. Vor einer Anklage bei Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz hilft einem der Kopimismus jedoch nicht. Auch in Schweden ist das unrechtmäßige Vervielfältigen urheberrechtlich geschützten Materials weiterhin illegal. Dennoch fordert Gerson auch alle Nicht-Kopimisten dazu auf, weiterhin Filesharing zu betreiben: “An alle mit einer Internetverbindung: Kopiert weiter. Bleibt kompromisslose Kopimi.”

[via TorrentFreak, The Missionary Curch of Kopimism]

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    1. Hallo Michael.
      “Auch in Schweden ist das unrechtmäßige Vervielfältigen urheberrechtlich geschützten Materials weiterhin illegal.” Also ein deutliches “NEIN”! Ist aber auch gut so, denn Religion sollte niemals über dem Gesetz stehen.
      Gruß Benjamin

  1. Es könnte aber genauso eine linke Masche der Industrie sein. Zu zutrauen wäre es denen.
    Leichter kann man an die “Raubkopierer” nicht ran kommen, wenn sie schon so blöd sind und sich selbst outen ;).

    Selbst wenn nicht, finde ich die Idee schwachsinnig, genauso wie unsere Piratenpartei.

    BTW:
    Und lasst Euch nicht immer davon blenden, wieviel utopische Milliarden Verlust die Industrie angeblich dadurch verliert.

    Das ist NUR VIRTUELL verlorenes Geld und das ist bekanntlich NIX wert.

    Kleines Beispiel:
    Ein kleiner böser Filesharer lädt sich ein sau teures CAD Programm runter (20000€ Wert um irgendeine Zahl zu nennen), meist aus reiner Neugier.
    Er probierts mal aus, rafft es eh nicht, wie es funktioniert und löscht es wieder.

    Dummerweise wurde ausgerechnet sein Download gerade geloggt und er wird strafrechtlich verfolgt und min. auf die 20000€ verklagt, wohl eher um das Vielfache, wenn er es über eMule oder Torrent geladen hat, da bekanntlich diese Programme automatisch auch das hochladen, was man gerade runter lädt.

    Somit zählt er automatisch auch als Uploader und Vertreiler der Software… die eigentlich keiner wirklich je gekauft hätte, der sowieso nichts damit anfangen könnte, außer, es wäre wirklich ein Maschinenbauingenieur oder Architekt, der sich das CAD Programm illegal beschaffen wollte (was zu bezweifeln ist bzw. im Promille-Bereich liegt).

    Somit wird ein kleiner Filesharer mal ganz schnell zum Sozialfall oder zumindest ein Fall für Peter Zwegat gemacht, der keinen Schaden angerichtet hat, sondern nur einen virtuellen Schaden.

    Denn der Filesharer oder die anderen hätten das Programm nie gekauft, weil sie es eh nicht und besonders nicht wirtschaftlich genutzt hätten.

    FAZIT:
    Die Industrie hat eins noch nicht gerafft… durch Filesharer sind auch viele Sachen, wie Filme, Musik CDs und Software auch bekannt und DADURCH erst zum Gewinnfaktor geworden…

    Ich kenne einige Leute, die sich testweise auch mal illegal Software (und kommt mir jetzt nich damit “””Ich habe sowas noch NIE gemacht””””, es hat fast jeder schon einmal gemacht ;)) Musik ect.. runter geladen haben und danach, weil die Sachen echt gut waren, auch ganz legal gekauft, den Schrott haben sie eh wieder gelöscht.

    Das hat der Industrie eher Geld gebracht, als gekostet, aber wenn man den Hals nicht voll bekommt und sich ein Manager bzw Aktionär Gedanken macht, ob er sich noch eine 3e oder 4e 50Mio oder eher 150Mio Yacht nä. Jahr kaufen kann oder nicht, dem ist auch ein virtueller Schaden zuviel..

    Falls es noch keinem aufgefallen ist, die Künstler, Entwickler ect… bekommen von dem Kuchen das Wenigste ab, obwohl es denen, wenn es jemandem zu steht, das Meiste nur den Künstlern und Entwicklern zu steht und nicht umgekehrt und dennoch können die Meisten sich all den Luxus leisten, von dem wir nur träumen können….. verkehrte Welt.

    In diesem Sinne…

    1. @egal, bin ich genau deiner meinung.
      Hier noch eine Aussage vom Rapper Jan Delay zu Filesharing:
      “”mal n paar harte zahlen und fakten: im letzten jahr hat es 800.000 (!) abmahnungsverfahren wg. illegalen downloads gegeben. heißt: windige anwälte beschäftigen billiglöhner, die den ganzen tag nix anderes tun als ip-adressen von illegalen saugern aufzuschreiben um diese mit einem bußgeldbescheid von durchschnittlich 1500 euro abzumahnen und mit Gerichtsverfahren zu drohen falls nicht gezahlt wird. heraus kommt das stolze sümmchen von 1,2 Milliarden (!!), welches unter den anwälten und den plattenfirmen gesplittet wird. die künstler sehen davon nix! das sind alles miese schweine!! saugt bitte alle ruhig weiter, und lasst euch nicht erwischen! kein peer 2 peer!! und wenn es Künstler gibt, die ihr schätzt und die sich den arsch aufreißen um gute platten zu machen: bitte supported sie!!””

    1. Hallo Fabian!
      Nein, bis zum April dauert es ja noch ein bisschen. ;) Schweden hat tatsächlich den “Kopimismus” als religiöse Bewegung offiziell anerkannt, so absurd es auch klingen mag.

      1. Na ja, ganz so ist die Sache dann wohl doch nicht. Ich habe mir einige Gedanken gemacht, weil ich es extrem lustig fand, Filesharing als Religion anerkennen zu lassen.
        Also habe ich mal die Behörde angeschrieben, die die Kopimisten anerkannt haben soll. Die Behörde heißt Kammarkollegiet und erstaunlicherweise haben sie mir nach einer Weile geantwortet. Kurz: Die Kopomisten sind nicht als Religion anerkannt. Schon gar nicht vom Staat. Es ist wohl so: Das Kammarkollegiet hat viele Funktionen, so auch die, so etwas wie ein Handelsregister für Religionsgemeinschaften zu sein. Als solches haben sie den Kopimismen nur kurz bestätigt, dass sie als religiöse Gemeinschaft Gebühren von ihren Mitgliedern eintreiben dürfen. Über die Legalität ihrer religiösen Riten wurde dabei nicht geurteilt. Die Juristin vom Kammarkollegiet schrieb sogar ausdrücklich: “It is important to know that the registration of a community does not entail that the government or an agency has made any valuation or assessment regarding the religious activity of the community.”

        Die Kopimisten haben also noch einen langen Weg vor sich und eigentlich nicht viel gewonnen. Sie sind keine Religion, die irgendeinen staatlichen Schutz genießt. Leider.

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