Samsung NX200: Megapixel sind nicht alles

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Die NX200 könnte durchaus eine DSLR sein - gemessen an dem riesigen Sensor und den großen Objektiven, die sich zu einem Premiumpreis gesellen, den Samsung für seine EVIL-Kamera aufruft. Wir haben uns die Systemkamera angesehen.

Eine spiegellose Systemkamera mit Wechselobjektiven, einem 20,3 Megapixel-Sensor im APS-C-Format und einem Preis von 650 Euro sorgen für Kontroversen, ob man nicht lieber eine kleine DSLR dafür kaufen sollte. Die Sony NEX 7 mit 24 Megapixeln ist jedoch noch teurer.

Zielgruppe

Die Kamera wurde für ambitionierte Amateure gebaut, die endlich den Kompaktkamera-Kindergarten entkommen wollen, aber keine komplette DSLR-Ausrüstung mit sich herum tragen wollen. Die Kamera ist robust genug für den täglichen Gebrauch und bietet zahlreiche manuelle Eingriffsmöglichkeiten jenseits von Automatiken.

Design

Das Gehäuse besteht aus einer Magnesiumlegierung mit einem Wulst, in dem der Akku steckt. Der fungiert gleichzeitig als ergonomischer Griff, was angesichts der großen Objektive auch dringend notwendig ist. Die Zoomobjektive sind ziemlich fett und im Gegensatz zu Modellen der Konkurrenz lassen sie sich nicht zusammenschieben, wenn sie nicht benötigt werden. Eine Jackentaschenkamera ist die NX200 somit nicht.

Im Betrieb

Wer sich mit Kameras auskennt, wird sich mit der NX200 schnell anfreunden. Neulinge werden jedoch ihre Schwierigkeiten haben, sich zurechtzufinden. Leider ist der Autofokus recht langsam, während die Auslöseverzögerung angenehm gering ist. Auch die Serienbildgeschwindigkeit ist mit 7 Bildern pro Sekunde lobenswert schnell.

Der frei belegbare iFN-Kopf an den Objektiven erlaubt das Umschalten zwischen wichtigen Kamerafunktionen, ohne dass man das Menü bemühen muss.

Probleme

Auch wenn der Kamerasensor für eine große Überraschung sorgt (mehr dazu unten), gibt es bei der NX200 ein Problem. Der Belichtungsmesser sorgt gelegentlich für abstruse Ergebnisse, wenn die Kamera im Automatik- oder Teilautomatikmodus läuft. Vielleicht kann ein Firmwareupdate in der Zukunft Abhilfe schaffen.

Der Sensor arbeitet auch in schlechten Lichtverhältnissen recht gut, obwohl es natürlich ein Wagnis ist, 20,1 Megapixel auf einem APS-C-Modell zu integrieren. Bis ISO 800 sind die Bilder jedoch recht rauscharm und in manchen Situationen ist auch ISO 1600 brauchbar.

Neben JPEGs nimmt die Samsung auch Fotos in einem eigenen Rohdatenformat (SRW) auf, die leider sehr groß sind. Pro Stück fallen 50 MByte Speicherplatz weg. Das ist enorm viel, wenn man die Dateigröße zum Beispiel mit den RAWs der Canon 60D vergleicht, die 20 MByte groß sind.

Die Videoaufnahmen sind akzeptabel gut, wenn man eine relativ statische Szene filmt. Leider macht der Autofokus auch hier keine gute Figur. So dauert es immer einem kurzen Moment, bis das Bild scharf ist.

Die GPS-Funktion sollte dauerhaft ausbleiben. Es ist unverständlich, warum die Hersteller ein derart akkufressendes Feature einbauen. Bleibt die Funktion aus, ist die Akkulaufzeit enorm groß. Wir könnten sie eine ganze Woche lang auf einer Messe benutzen ohne Nachzuladen.

Fazit

Die NX200 ist nicht für jeden geeignet. Die Bildqualität ist enorm gut, die Buttons wohlverteilt und die Menüs logisch aufgebaut. Leider braucht man ziemlich viel Zeit, mit der Kamera umgehen zu können. Wer einfach nur fotografieren will, wird schnell genervt sein.

Wenn Samsung in der nächsten NX die Probleme des langsamen Autofokus und der Belichtungsmessung löst und vielleicht etwas kleinere Dateien erzeugt, könnte die Modellreihe eine der besten Systemkameras darstellen. Bis dahin führen die Sony NEX 5 und die Panasonic GX1 das Feld an. Wer viel bei schlechten Lichtverhältnissen fotografieren will, sollte sich die NEX zulegen. Die GX1 ist kleiner und extrem gut zu bedienen. [Mario Aguilar / Andreas Donath]

Technische Daten

Samsung NX200
Preis: 660 Euro mit Objektiv 18-55mm
Sensor: 20,3 Megapixel 23,5 x 15,7 mm APS CMOS
Bildgröße: 5472 x 3648
Video: bis Full HD 1080/30p
Bildschirm: 614.000 Bildpunkte, 3 Zoll (7,62 cm) AMOLED LCD

Tags :
  1. “Der Sensor arbeitet auch in schlechten Lichtverhältnissen recht gut, obwohl es natürlich ein Wagnis ist, 20,1 Megapixel auf einem APS-C-Modell zu integrieren.”

    Diese Aussage verstehe ich nicht. Wenn eine neue Kompaktknipse von Canon mit 1/2.3″ mit 10.2 Mp angeboten wird. Dies würde umgerechnet auf die APS-C Größe über 57 Mp bedeuten.
    Ich denke, dass in paar Jahren die 60 Mp Kameras auf dem Markt sind. Wer sich fragt wozu man solche Auflösung braucht, der wird sicherlich auch noch Kameras mit 20 Mp finden.

    Ob das nun ein Wagnis ist verstehe ich nicht recht, denn die Kamera liegt mit dem Preis doch wenig über der Nex5n.

  2. Man zeige mir doch bitte die Modelle der Konkurrenz wo sich die Zoomobjektive zusammenschieben lassen. Ausser dem brandneuen Pancake Zoom von Panasonic fällt mir da nichts ein. Die Sony Objektive sind gleich gross oder grösser. Wer eine kompaktere Systemkamera will muss zu Olympus und Panasonic greifen. Aber auch da haben die Objektive eine gewisse Grösse.
    Wirklich zusammenschieben lassen sich Objektive wohl nur bei Kompaktkameras. Z.b. der neuen Canon G1X mit einem Sensor der fast APS-C Format erreicht. Aber da ist halt das Objektiv nicht wechselbar.

    1. Bei Nikons v-Modellen lassen sich die Zooms auch zusammen schieben. Die Objektive müssen zweifellos eine gewisse Grösse haben, aber die Kameras sollten dennoch gut zu halten sein.

      1. An die Nikon 1 hatte ich gar nicht gedacht. Nehme ich wegen des doch sehr kleinen Sensors irgendwie nicht als ernsthafte Konkurrenz im Systemkameramarkt wahr ;-)
        Deshalb habe ich nach 26 Jahren Nikon SLR und DSLR auf Sony NEX gewechselt. Da gibts zurzeit mit Abstand die beste Bildqualität fürs Geld. Vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen.

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