Ablenkung pur: Vergesst Tablets zum Bücherlesen

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Tablets und Smartphones ersparen es uns, Dutzende von Geräten mit unterschiedlichen Funktionen herumzuschleppen, weil ihre Fähigkeiten recht allumfassend sind. Aber es gibt einige Fälle, für die sie absolut ungeeignet sind. Bücher lesen gehört dazu.

Das soll kein militanter Appell für gedruckte Bücher sein. Deren Existenzberechtigung wird wohl niemand in Frage stellen, auch wenn ich mittlerweile viele englischsprachige Literatur nur noch elektronisch kaufe, weil sie einfach preiswerter ist und ich die Bücher sowieso nach einmaligen Gebrauch nicht mehr benötige.

Es soll ein Playdoyer für für die Anschaffung eines eigenen eReaders sein. Wie es scheint, bin ich nicht alleine mit dieser Forderung. Die New York Times schreibt:

„Es gibt Anzeichen, dass die Verlage langsam davon abrücken, Tablets als E-Reader zu betrachten. Eine aktuelle Umfrage von Forrester Research ergab, dass 31 Prozent der Verlage glauben, iPads und ähnliche Tablets seien die ideale E-Book-Plattform. Vor einem Jahr waren es noch 46 Prozent.“

„Das Tablet ist ein Verführer“, sagte James McQuivey, der Analyst bei Forrester Research, der die Umfrage leitete. „Es wird immer wieder sagen: „Du könntest jetzt auf YouTube sein.“ Ständig tauchen Hinweise auf, dass zum Beispiel eine neue E-Mail eingetroffen ist. Kurzum: Die restlichen Tabletinhalte konkurrieren mit dem Lesestoff um die Aufmerksamkeit des Lesers, gerade weil das Tablet ein multifunktionales Gerät ist.

Die NYT sieht es genau richtig. Tablets lenken ab. Unsere E-Mails, IMs und andere Apps senden nicht nur ständig Mitteilungen sondern bieten auch ständig die Verlockung, nebenher während des Lesens etwas anderes zu tun. Der Lesefluss wird arg gestört, wenn man sich gerade in die Welt eines Romans eingelesen oder in ein Sachbuch vertieft hat von einem Familienmitglied per E-Mail gefragt wird, wie man ein USB-Kabel richtig herum einsteckt. Natürlich lassen sich Push-Nachrichten auch abschalten, aber wer macht das schon extra fürs Lesen?

Ich benutze mein Tablet zum Blättern in Zeitschriften und Artikel mit rund 500 bis 1.000 Wörtern. Und auch bei Lehrbüchern macht es durchaus Sinn, sie auf dem Tablet zu öffnen, wenn sie interaktive Inhalte bieten Aber wenn ich ein echtes E-Book lesen will, dann ist ein E-Reader das Mittel der Wahl. Dann bleibt der Notebook-Deckel zu, das Telefon wird ausgeschaltet und alle Aufmerksamkeit dem Text gewidmet.

Sicherlich lässt sich das auch mit einem Tablet realisieren, aber die potentielle Ablenkung lauert ständig im Hintergrund. Immer dann, wenn man eine kurze Pause beim Lesen einlegt oder seine Gedanken sortiert, locken die Apps, E-Mails und Webdienste – sie sind schließlich nur einen Fingerstrich entfernt.

Darüber hinaus sollte man auch nicht vergessen, welche weiteren Vorteile die meisten E-Reader mitbringen. Sie sind leichter, tragbarer und haltbarer als ein Tablet und besitzen eine längere Akkulaufzeit und einen Bildschirm, den man auch bei direktem Sonnenlicht ablesen kann. Diese Vorteile wiegen in aller Regel den Nachteil auf, ein zweites Gerät mit sich herumzuschleppen.

Darüber hinaus gibt es auch ganz praktische Vorteile, die für einen E-Reader sprechen: Nachts in der U- oder S-Bahn wird man nicht sofort als potentielles Opfer erkannt, wenn man einen E-Reader hervorzieht. Bei den begehrten Tablets sieht das definitiv anders aus. Und im Flugzeug fällt praktisch niemanden auf, dass man ein elektronisches Gerät mit sich führt – der Bildschirm des E-Readers leuchtet nicht und man bleibt unbehelligt. Und ich gebe es zu: Auch bei Starts und Landungen fällt er nicht auf. [Adrian Covert / Andreas Donath]

[Via New York Times, 2. Bild: Andreas Donath]

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  1. Da muss ich zustimmen! Des öfteren habe ich es schon versucht, ein Buch auf meinem Tablet zu lesen. Das Ende habe ich allerdings nie erreicht. Es ist in der Tat einfach zuviel um einen herum. Youtube ist nur einen Klick entfernt und die Versuchung, nicht einmal kurz etwas im Internet nachzusehen ist einfach zu groß.
    Dazu kommt, dass ich das LCD-Display zum längeren Lesen absolut ungeeignet finde. Es ist einfach nicht entspannend.
    Es wird wohl bald Zeit für nen Kindle oder ähnliches…

  2. Gut dann lesen wir die Bücher am ereader und nehmen alle 2 Minuten das smartphone zur Hand, denn da kommen ja dann die Benachrichtigungen an…

  3. Das Problem ist nicht die Ablenkung, die ein Tablet potentiell bietet, sondern die fehlende Gelassenheit ihr zu widerstehen.

    Spätestens wenn man mit einem Computer mit Internetzugang arbeitet wird man mit der gleichen Versuchung konfrontiert werden. Und dort lässt sie sich nicht einfach vermeiden indem man sich noch mehr Krempel kauft.

    Fazit: Lieber News-Sucht und Nicht-Mehr-Up-To-Date-Sein-Panik in Griff bekommen. Das ist viel lohnenswerter als der Kauf eines Ebook-Readers…

  4. Zitat:

    Natürlich lassen sich Push-Nachrichten auch abschalten, aber wer macht das schon extra fürs Lesen?

    Dann bleibt der Notebook-Deckel zu, das Telefon wird ausgeschaltet und alle Aufmerksamkeit dem Text gewidmet.

    Kein Kommentar. 

    1. falsch! das lese-erlebnis ist ein ganz anderes, ich würde nie auf meinem tablet lesen, es mit an den strand oder ins fitness studio nehmen – mit meinem nook tue ich aber genau das!

  5. Das beste daran ist doch die internetfunktion. Man kann Dinge die man genauer wissen will sofort bei Wiki oder google etc. nachlesen und muss das Buch nicht erst weglegen. Ablenkung kann ich beim besten Willen nicht bestätigen. Entweder lese ich oder ich lasse es.

  6. Ich bin schon seit langem auf der Suche nach einem Guten E-Reader auf dem ich meine Lehrbücher in PDF Format lesen kann. Leider ist das bei den meisten nicht möglich das diese Lehrbücher sehr viele Bilder enthalten und diese im epub nicht richtig dargestellt werden. Die einzige alternative kann doch nicht das Ipad sein.
    Es wäre auch noch schön, wenn man bei Erzader noch den Text markieren könnte.

  7. Ich sitze seit ich denken kann vor Monitoren und habe kein Problem einen Beleuchteten Hintergrund zu lesen.
    Im Gegenteil: Wenn ich ein Buch lese, dann abends im Bett. Und da nervt es mich jedes mal, wenn mir mein Daumen einen Schatten auf Buchstaben wirft, oder wenn ich mich in die andere Richtung drehe und gar kein Licht mehr habe etc. Außerdem nervt es die Frau nebendran, wenn man das Licht an hat.
    Da ist mein Tablet ideal! Seit ich das Teil habe, habe ich endlich mal wieder 2 Bücher DURCH gelesen. Von einer Ablenkung merke ich zu der Zeit nichts.

    Aber mal schauen, was der Badesee Sommer mit sich bringt ;) (Wobei mir da auch ein E-Reader zu teuer wäre ihn am Strand liegen zu lassen…)

  8. Ich lese regelmäßig Bücher auf meinem Transformer Prime…. zumindest ich habe kein problem mit der „ablenkung“, da ich das WLAN schlicht und ergreifend ausschalte =)

    Muss jeder für sich selber wissen – aber ich habe auch nachts in der U-Bahn keine Angst vor angreifen… bin sehr groß/schwer/stark ^^

    1. Mag sein, aber für ein iPad/Smartphone riskiere ich nicht meine Gesundheit. Und man muss sich ja nicht unnötig in Gefahr bringen, nur um sein Hab und Gut zu verteidigen. Bei dem drohenden Verlust von einem 100 Euro eReader kommt man nicht auf dumme Gedanken.

  9. Hmm…Finde es unfair, das auf „alle“ Tablets zu verallgemeinern. Mein iPad könnte zwar UMTS, aber ich habe keine Karte eingelegt (WLAN ist jedoch eingerichtet). E-Mail nutze ich nicht. Somit kann ich relativ störungsfrei lesen. OBWOHL ich ein Tablet habe. Komisch…

    1. So ein bisschen Verallgemeinerung muss sein, um auf den Punkt zu kommen, aber natürlich verstehe ich Sie. Lesen Sie auf dem Tablet wirklich komplette Bücher? Habe ichbnicht geschafft, weil es mir mit den Augen einfach zu anstrengend war. Ok, war nen 1000 Seiten Taschenbuch..

      1. Ja, ich lese tatsächlich ganze Bücher darauf. Aktuell z.B. den Herrn der Ringe. Aber auch Zeitschriften (okay, da liest man nicht so intensiv) sind ganz gut lesbar.

  10. Ich sehe das völlig anders:

    Mein iPad 2 ist der beste eReader überhaupt, und ich ich werde weder durch eMails oder Facebook oder Twitter oder sonst irgendeinen Kram gestört – weil ich all diese Dienste nicht aktiviert habe!

    Ich will nur surfen, Apps verwenden, Spielfilme schauen und ebooks lesen – Punkt.

    Geht wunderbar!

    1. Wow, du hast es wirklich geschafft, dein schönes Ipad zu kastrieren und um seine Hauptfunktionalitäten zu berauben! Du bist ein ganz großer.

  11. Playdoyer – Soll dass ein Scherz sein, oder ein Wortspiel oder offenbart sich hier nur die Unwissenheit des Autor. Ich will jetzt nicht die zusammenhanglosen Aussagen des Artikels kommentieren. Aber seit zwei Jahren lese ich Bücher und Zeitschriften zu 75 Prozent auf dem iPad. Unter anderem der Schwarm, Limit jetzt der Hobbit usw. Ich habe sie alle zu Ende gelesen. Ich genieße es alles in einem Gerät zu haben. Wenn man sich ablenken lassen möchte dann wird man auch abgelenkt. Ich hatte damit noch nie ein Problem.
    Bleibt mir nur [Kommentator] komplett zustimmen. Zitat: “Das Problem ist nicht die Ablenkung, die ein Tablet potentiell bietet, sondern die fehlende Gelassenheit ihr zu widerstehen.”

  12. Prima wie die größten Vorteile des E-Readers aussen vor gelassen werden.

    Ein E-Reader hat danke E-Ink Display einen ultimativen vorteil: Die Augen ermüden nicht beim lesen wie an einem Bildschirm!!
    Lesen auf E-Ink ist für das Auge in etwa so anstrengend wie das lesen auf Papier – es ist möglich stundenlang zu lesen ohne dass einem hinterher die Augen wehtun. Wer schonmal versucht hat nach 8 Stunden Arbeit (mails/Tabellen etc.) am PC noch 4-6 Stunden auf seinem Tablet zu lesen wird wissen was ich meine!
    Dank der nicht Hintergrundbeleuchtung und einem nicht ständig aktualisierten Bildschirm (Stichwort Wiederholfrequenz) ist das lesen aber nicht nur angenehmer… der Akku meines Kindle hält auch geschmeidige 3-4 Wochen lang durch – das soll ihm ein Tablet mal nachmachen.

    Ich geb meinen Kindle nicht mehr her, und würde nie ein 1000€ Tablet mit in den Urlaub nehmen… den <150€ E-Reader aber jederzeit.

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