Eine personalisierte Maus als medizinischer Avatar

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Zu den Routinemaßnahmen beim Einchecken ins Krankenhaus könnte bald auch die Zuweisung einer personalisierten Maus gehören. Das immundefiziente Tier könnte ein Gewebetransplantat des neuen Patienten erhalten, um so dessen Immunsystem oder Krebserkrankung nachzuahmen. Den Ärzten wäre es damit möglich, Medikamente oder Gentherapien zu testen.

Zwei Forscherteams haben an diesen personalisierten „Maus-Avataren“ gearbeitet. Australische Forscher arbeiteten mit einem an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankten Patienten, bei dem sie diejenigen genetischen Mutationen finden wollten, die seinen Krebs für bestimmte Medikamente anfällig machen könnten. Sie übertrugen ein Stück des Tumorgewebes auf Mäuse mit dezimiertem Immunsystem. Das nach dem Gen-Screening am sinnvollsten erscheinende Medikament ließ den Tumor bei den Mäusen schrumpfen. Leider starb der Patient bevor die Behandlung an ihm vorgenommen werden konnte.

In einer anderen, in Science Translational Medicine veröffentlichten Studie erschufen Ärzte der Columbia Universität einen Maus-Avatar mit menschlichem Immunsystem, der zur Untersuchung von Autoimmunkrankheiten genutzt werden soll. Megan Sykes und ihre Kollegen übertrugen menschliche Knochenmarkstammzellen und Thymusgewebe auf Mäuse, deren Immunsystem vorher ebenso geschwächt worden war.

Die Arbeit dauerte mehrere Wochen, aber am Ende verfügten die Mäuse über ein menschliches Immunsystem, inklusive T-Zellen, Beta-Zellen und Knochenmarkszellen. Die Forschergruppe will mit den Mäusen Diabetes Typ 1 untersuchen, der durch mangelhafte Produktion von Insulin durch Beta-Zellen hervorgerufen wird.

Obwohl die Bereitstellung solcher Mäuse sehr kompliziert und zeitaufwendig ist, würden sie eine große Veränderung in der praktischen Medizin bedingen, würden Ärzte doch viel risikofreudiger Medikamente ausprobieren. [Nature, Columbia University Medical Center]

Foto: Wikimedia Commons

[Oliver Schwab / Rebecca Boyle]

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  1. Hm, dann kommen die Tierversuche auch noch in der praktischen Behandlung an? Ganz tolle Idee… Und wenn es Wochen dauert an einer Maus was zu testen ist es für die Praxis eh ungeeignet. Hoffe da fehlen schlicht noch ne Menge Infos in dem Artikel, so wie es da steht ist das höchstens ein neuer moralischer Tiefpunkt.

  2. … und nicht ein Wort wird darüber verloren wie unmenschlich es ist, seine eigene Krankheit einem geschwächten Tier einzupflanzen um dann daran rumzuexperimentieren. Dass die Maus dabei drauf geht wird hier nichtmal erwähnt, scheint mir aber unvermeidbar.

  3. Na und? Mir wäre das völlig egal ob da eine Maus für stirbt. Wenn man Krankheiten so heilen kann, find ich das super !

    Man kann schlecht ein Mauseleben gegenüber einem Menschenleben vergleichen (Ja, Menschenleben sind wertvoller)

    1. Tausende von Nagetiere sterben überall auf der Welt in Haushalten und haben da auch kein tolles Leben. So sterben sie wenigstens sinnvoll.

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